So lauten die Abschiedsbriefe der beiden Töchter.
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Die Erdme will sich ins Bett legen, denn die Beine tragen sie nicht.
Da tritt der Nachbar Witkuhn zu ihr in die Kammer. Er hat seinen Mantel
auf dem Arme und sagt: »Bis heute waren die Töchter da. Ich könnte ja
jetzt die Magd bei dir schlafen lassen, aber vor Gericht glauben sie ihr
am Ende nicht, weil sie doch von mir abhängig ist. Und wenn ich auch ein
alter Mann bin, da ich nun einmal mit dir im Verdacht stehe, so möchte
ich dir das künftige Leben nicht erschweren, indem ich mit dir zur Nacht
allein unter einem Dache verweile. Oder doch so gut wie allein. Ich
werde darum den Nachbar Smailus um eine Schlafgelegenheit bitten und
darin fortfahren, solange dein Ruf es verlangt.«
Da sieht die Erdme ein, daß sie kein Dach mehr über dem Kopfe hat, denn
den Nachbar aus seinem Hause vertreiben, das kann sie nicht.
Weil sie aber weiß, daß er von seiner Meinung nicht abzubringen sein
wird, so willigt sie zum Scheine darein, gibt ihm auch ihre Danksagung
mit auf den Weg und sagt, sie wird gleich zur Ruhe gehn.
Sowie er aber weg ist, ergreift sie den Stock, auf den sie sich stützen
muß, -- und siehe da! jetzt tragen die Beine sie wieder.
Der Magd sagt sie, sie will an die frische Luft, und damit verläßt sie
den Hof.
Es ist ein lieblicher Abend, nur -- Gott sei's geklagt -- sie weiß
nicht, wohin.
Dem Moorvogt hat sie geschworen: ins Torfloch. So ein Schwur ist leicht
gegeben, will man ihn aber erfüllen, dann fällt es einem recht schwer.
Trotzdem wird es ja wohl das Torfloch sein müssen, denn was bleibt ihr
sonst übrig?
Auf dem Knüppelweg hält sie an und blickt noch einmal nach ihrem Eigenen
hinüber.
»Es ist merkwürdig,« denkt sie, »daß man nie etwas von ihm sieht oder
hört.« Seit sie ihm das Pferd gestohlen haben, kann er nicht mehr
wegfahren. Und zu Fuß kommt er auch nicht vorbei. Selbst die Petruschka
ist wie in die Erde gesunken.
Sie wirft einen Blick auf die Quitschenbäume, deren Beeren schon halb
und halb rot sind, und auch den Garten besieht sie von ferne. Viel
erkennt sie nicht mehr, denn die Dunkelheit ist schon im Fallen, aber
daß die Sonnenblumen im Aufblühen sind und daß der Wind die Stangen der
Zuckerschoten umgeschmissen hat, das bemerkt man auch von dem Weg her.
»Wenn ich nicht so kreuzlahm wäre,« denkt sie, »so würd' ich nachher
über den Zaun klettern und sie noch aufrichten.«
Und dann macht sie sich auf -- nach dem Torfloch.
Die Ziegel, die schwarz und wie mit Fett übergossen an seinem Rande
stehen, hat sie noch selber gestochen. Aber nicht mehr allein wie einst
in den Jahren der Jugend. Mit der Magd waren sie drei, so wie es die
Regel verlangt. Und der Jons hatte den schwersten, den Stechplatz.
Der Abendschein liegt feuerrot auf dem Wasser.
»Wenn ich jetzt hier 'reinspringe,« denkt sie, »dann wird er sein Lebtag
glauben, ich sei mit dem Nachbar Witkuhn im Verschwiegenen einig
gewesen. Denn wer soll es ihm sagen? Will der Nachbar ihn anreden, so
schlägt er ihn tot.«
Und dabei fällt ihr auf, daß das Totgeschlagenwerden gar nicht so
schlimm ist. Hier 'reinzuspringen ist schlimmer.
»Wie wär's,« denkt sie weiter, »wenn ich vorher noch mit ihm spreche und
alles ins klare bringe? Mehr als mich totschlagen kann er ja auch
nicht.«
Und so froh wird ihr dabei zumut, als wenn das noch ein Segen wär'. Bloß
hier nicht 'reinspringen müssen!
Darum macht sie sich gleich auf den Rückweg.
Um die weggelaufenen Töchter klagt sie schon gar nicht mehr, nur daß das
Vieh weg ist, erfüllt sie mit Kummer.
»Hätt' ich bloß eine einzige Kuh an die Leine zu nehmen,« denkt sie,
»dann könnte ich mich schon vor ihm sehen lassen. Aber so ganz als
Bettlerin auf seiner Schwelle zu stehen, fällt doch recht schwer.«