»Nun, dann je eher, je besser,« sagt er.
Es wird also der nächste Morgen bestimmt.
Und wie die Busze es ihm eingegeben hat, läuft er am Nachmittag von
Wirtschaft zu Wirtschaft und sagt: »Ihr wißt, liebe Nachbarn, daß ich
mich schlecht aufgeführt habe. Aber von nun an soll alles anders werden.
Zum Zeichen dessen werde ich mit der Indre eine Vergnügungsfahrt nach
Tilsit machen. Damit will ich sozusagen die Versöhnung festlich
begehen.«
Und die Nachbarn beglückwünschen ihn auch noch. Genau, wie die Busze es
vorhergesagt hat.
Was aber tut die Indre inzwischen?
Sie legt die Sachen der Kinder zurecht, schreibt auf ein Papier, was sie
am Alltag und am Sonntag anziehen sollen und wie die Stücke Leinwand,
die sie selber gewebt hat, künftig einmal zu verschneiden sind. Auch
ihre Kleider verteilt sie. Das neue seidene kriegt die Ane Doczys, und
die Erbstücke kommen an Elske. Dann legt sie noch ihr Leichenhemde
bereit und was ihr sonst im Sarge angezogen werden soll. Und dann ist
sie fertig.
Draußen auf dem Hof spielen die Kinder. Sie denkt: »Ihr Armen werdet
schlechte Tage haben, wenn die Busze erst da ist.«
Dann geht sie hinüber zur Ane Doczys, kurz nachdem der Ansas dagewesen
ist, und sagt: »Dem Menschen kann leicht etwas zustoßen. Ich weiß, daß
ich von dieser Reise nicht wiederkommen werde.«
Die Ane ist sehr erschrocken und sagt: »Warum sollst du nicht
wiederkommen? Nach Tilsit ist bloß ein Katzensprung. Und es soll ja auch
ein Versöhnungsfest sein.«
Die Indre lächelt bloß und sagt: »Wir werden ja sehn. Darum versprich
mir, daß du auf die Kinder achtgeben wirst und dem Großvater schreibst,
wenn es ihnen nicht gut geht.«
Die Ane weint und verspricht alles, und die Indre geht heim. Sie bringt
die Kinder zu Bett und betet mit ihnen und stärkt sich in dem Herrn ...
In der Frühe, lang' vor der Sonne, fahren sie ab.
Er, der Ansas, hat seine Sonntagskleider an, und auch sie hat sich
geschmückt, denn es soll ja ein Versöhnungsfest sein. Sie trägt die
rote, grüngestreifte Marginne, den selbstgewebten Rock, in dem sie vor
neun Jahren mit ihm zur Versprechung nach der Kirche gefahren ist, und
ein klares Mädchenkopftuch gegen die Sonnenstrahlen.
Auch zu essen und zu trinken hat sie mitgenommen und in dem vorderen
Abschlag verstaut.
Er ist auf Klotzkorken und hat die leichten Wichsstiefel in der Hand. Im
letzten Augenblick bringt er noch etwas angetragen, in Sackleinwand
gepackt, das wirft er neben sich vor das Steuer und sieht sie verstohlen
dabei an, als ob er eine Frage erwartet.
Aber sie fragt nichts.
Wie er das Großsegel setzt, gewahrt sie, daß ihm die Hände zittern. Er
will sich nichts merken lassen und sagt: »Es ist ein hübsches kleines
Windchen, wir können zu Mittag in Tilsit sein.«