American Killed in Singapore Gambling House Accused of Having
Cheated While Gambling
Mr. Collins sah Ida an. Was kümmerte ihn ein Amerikaner, der in
Singapore wegen Falschspielens in einer Spielhölle von seinen
Mitspielern erschossen worden war! Kam auch in Chicago vor und in New
York und in San Francisco. Wenn er sich um solche Dinge kümmern sollte,
dann könnte er zwanzig Stunden den Tag Zeitungen lesen. Er verstand Ida
nicht. Seit wann interessierte sie sich denn für Sensationen der
Reporter?
Als aber Ida sagte: „Lesen Sie nur den Text, Mr. Collins“, da nahm er
die Zeitung wieder auf und flog über den Inhalt. Ah, well: Nach einer
Schiffsgepäckkarte, die man in den Taschen des Erschossenen fand, ist
der Amerikaner ein Mr. Abner aus San Francisco.
„Schade um diesen Mann!“ sagte Mr. Collins zu Ida in bedauerndem Tone.
„Eigentlich schade um ihn. Für Öl war er ja nicht zu gebrauchen. Machte
Dummheiten. Aber er hätte einen ganz vorzüglichen Präsidenten einer
Stahl-Korporation machen können. Er hatte die Nerven dazu. Es fehlte ihm
nur die Ruhe und etwas mehr Geschlossenheit des Charakters. Beweist sein
Falschspielen.“
Dann hatte er ihn auch schon vergessen. Und für dauernd. Denn er fragte
sofort: „Neue Cables da von Mexiko, Lote Nr. 119 und folgende?“
„Acht“, sagte Ida kurz und gab ihm die geöffneten Telegramme.
„Wieviel Tote?“ fragte er, während er die Telegramme rasch
durchblätterte.
„Keiner“, sagte die Sekretärin.
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Mit dieser kurzen Antwort offenbarte die Sekretärin, daß sie nicht mehr
nur gerade eine übliche Sekretärin war. Sie war inzwischen mehr
geworden. Sie war Öl geworden, dachte nur in Öl und verstand die Sprache
des Öls in ihrer vollen Klarheit.
In dem Kamp Lote Nr. 119 bis Nr. 176 war die hetzende Arbeit immer
rasender geworden. Die Prämien für den leitenden Driller, der einen
laufenden Brunnen einbrachte, waren noch höher gesetzt worden, um die
Leute zur wildesten Raserei anzuspornen. Der Driller gab von seiner
Prämie allen übrigen Leuten, die an seinem Brunnen arbeiteten, Teile der
Prämie ab. Er ließ leben. Aber nur die, die mit ihm rasten. Zeige dem
Proletarier eine Zwanzigdollarnote, und er wird sofort Kapitalist. Du
glaubst es nicht? Versuche es. Prämien wirken heute besser, als früher
Peitschen halfen.
Wenn vier oder fünf Brunnen am gleichen Tage zu bohren begonnen wurden,
dann erhielt derjenige Driller, der unter diesen gleichzeitig begonnenen
Brunnen seinen Brunnen zuerst einbrachte, außer seiner üblichen Prämie
noch eine Extraprämie von dreitausend Dollar. Auch die Company ließ
leben. Leben und leben lassen. Aber bei dieser wahnwitzigen Raserei
verging nun kein Tag mehr, ohne daß ein Peon oder zwei oder drei und
vielleicht gar ein Tooldresser oder ein Driller obendrein auf dem
Schlachtfelde des Öls blieben, die zahlreichen Verwundeten und
Verkrüppelten nicht gerechnet. Und wenn wieder ein Mann zermalmt war
oder ein anderer in eine sich twistende Schleife des Stahltaues geriet
und ihm der ganze Körper zerbrochen wurde, als wäre er von einer
Riesenschlange umzingelt worden, dann hagelte es nur so von teuflischen
Flüchen, des Aufenthalts wegen, der die Prämie vermanschen konnte. Denn
der Leichnam mußte ausgeschält werden, damit man weiter arbeiten konnte.
Und darum: Als Mr. Collins fragte: „Wieviel Tote?“, da dachte Ida, seine
intelligente Sekretärin, auch nicht eine Sekunde lang daran, daß Mr.
Collins gefragt haben könnte nach der Zahl der toten Männer, die jene
acht Brunnen wieder gekostet hatten.
Sie verstand sofort, daß er nur wissen wollte, wieviel tote, also
wieviel nicht produzierende Brunnen, sogenannte Dry Holes – trockene
Löcher – unter jenen acht neu eingebrachten Brunnen seien. Sie kannte
die Sprache des Öls.
Die toten Männer kamen nicht in die Cables. Denn die Cables kosteten
jedes Wort achtunddreißig Centavos. Die toten Männer kamen in den
Monatsbericht. Beim Monatsbericht konnte man mehrere Listen in einen
Brief stecken, der nur zehn Centavos kostete.
Konnten ja besser aufpassen die Leute. Ein Ölkamp ist doch kein
Kindergarten. Für Tote und für Leute, die nicht besser aufpassen, ist in
dieser Welt kein Platz.
Was kümmert uns der Mensch? Wichtig ist nur das Öl.