Er hielt sich nicht mehr: „Sei mein!“ schrie er auf. „Sei mein!“

Diesen Abend unterzeichnete der König das Todesurtheil des grossen

Demagogen. Er wurde im Gefängniss hingerichtet in der Frühe, ehe die Sonne

aufging, ohne dass Unruhen darum entstanden in der Stadt.

Diesem in seiner letzten Nacht, da er auf den Tod müde war und das Sterben

nahe fühlte, wurde eine wunderbare Tröstung zu Theil.

Er sah plötzlich an sein Lager treten eine Frau, eine vornehme Dame, in

der Tracht einer Reiterin. Sie reichte ihm einen Krug mit Wasser von ihrer

Schulter und sprach: „Trinke, mein Bruder. Einmal habe ich Dich im Leibe

gesehen und ich wusste, dass Du mein Bruder warst. Jetzt weiss ich es

besser und Niemand soll uns mehr trennen.“

Er erkannte, dass es dieselbe Dame war, die ihn damals angesehen hatte im

Wagen, da er noch irre ging und mit Mordgedanken rang, auch diejenige, die

zu dem Fremden gesprochen hatte am Brunnen. – Es befand sich aber, dass

diese edle Frau und Gräfin gestorben war in derselbigen Nacht, also eine

mysteriöse Geschwisterschaft gewesen zwischen ihnen, die Vielen

unbegreiflich dünkte zwischen einem niedrigen Mann, der damals so niedrig

gewesen, und einer hochgebornen Dame.

Mit dieser Neuigkeit von seinem Tode kamen Etliche und sagten sie dem

Fremden.

Er sprach: „Er war ein Starker, stark vor allen Menschen, den selbst die

Könige hörten. Er ist nun dahin und nichts bleibt von ihm übrig.“

Sie sprachen: „Hat er denn nicht recht gethan mit dem, was er forderte, da

er von den Königen und Mächtigen forderte?“

Er sprach: „Die Könige und Mächtigen sind nicht die, die geben können. Von

innen muss es kommen, was die Welt neu gebiert. Wenn die Bettler die

Letzten sind, werden die Könige die Ersten sein. – Es ist aber auch

möglich, dass es von einem König käme.“ ...

Sie wollten, dass er dies noch näher erklärte. Aber er sagte nichts und

ging weit fort in eine einsame Gegend.

Der Fremde: Ein Gleichniss · 第 39 / 46 题