Diesen Abend unterzeichnete der König das Todesurtheil des grossen
Demagogen. Er wurde im Gefängniss hingerichtet in der Frühe, ehe die Sonne
aufging, ohne dass Unruhen darum entstanden in der Stadt.
Diesem in seiner letzten Nacht, da er auf den Tod müde war und das Sterben
nahe fühlte, wurde eine wunderbare Tröstung zu Theil.
Er sah plötzlich an sein Lager treten eine Frau, eine vornehme Dame, in
der Tracht einer Reiterin. Sie reichte ihm einen Krug mit Wasser von ihrer
Schulter und sprach: „Trinke, mein Bruder. Einmal habe ich Dich im Leibe
gesehen und ich wusste, dass Du mein Bruder warst. Jetzt weiss ich es
besser und Niemand soll uns mehr trennen.“
Er erkannte, dass es dieselbe Dame war, die ihn damals angesehen hatte im
Wagen, da er noch irre ging und mit Mordgedanken rang, auch diejenige, die
zu dem Fremden gesprochen hatte am Brunnen. – Es befand sich aber, dass
diese edle Frau und Gräfin gestorben war in derselbigen Nacht, also eine
mysteriöse Geschwisterschaft gewesen zwischen ihnen, die Vielen
unbegreiflich dünkte zwischen einem niedrigen Mann, der damals so niedrig
gewesen, und einer hochgebornen Dame.
Mit dieser Neuigkeit von seinem Tode kamen Etliche und sagten sie dem
Fremden.
Er sprach: „Er war ein Starker, stark vor allen Menschen, den selbst die
Könige hörten. Er ist nun dahin und nichts bleibt von ihm übrig.“
Sie sprachen: „Hat er denn nicht recht gethan mit dem, was er forderte, da
er von den Königen und Mächtigen forderte?“
Er sprach: „Die Könige und Mächtigen sind nicht die, die geben können. Von
innen muss es kommen, was die Welt neu gebiert. Wenn die Bettler die
Letzten sind, werden die Könige die Ersten sein. – Es ist aber auch
möglich, dass es von einem König käme.“ ...
Sie wollten, dass er dies noch näher erklärte. Aber er sagte nichts und
ging weit fort in eine einsame Gegend.