Der Feldherr braucht weder ein gelehrter Geschichtsforscher, noch

Publizist zu sein, aber er muß mit dem höheren Staatsleben vertraut

sein, die eingewohnten Richtungen, die aufgeregten Interessen, die

vorliegenden Fragen, die handelnden Personen kennen und richtig ansehen.

Er braucht kein feiner Menschenbeobachter, kein haarscharfer

Zergliederer des menschlichen Charakters zu sein, aber er muß den

Charakter, die Denkungsart und Sitte, die eigentümlichen Fehler und

Vorzüge derer kennen, denen er befehlen soll. Er braucht nichts von der

Einrichtung eines Fuhrwerks, der Anspannung der Pferde eines Geschützes

zu verstehen, aber er muß den Marsch einer Kolonne seiner Dauer nach

unter den verschiedenen Umständen richtig zu schätzen wissen. Alle diese

Kenntnisse lassen sich nicht durch den Apparat wissenschaftlicher

Formeln und Maschinerien erzwingen, sondern sie erwerben sich nur, wenn

in der Betrachtung der Dinge und im Leben ein treffendes Urteil, wenn

ein nach dieser Auffassung hin gerichtetes Talent tätig ist.

* * * * *

Das einer hochgestellten kriegerischen Tätigkeit nötige Wissen zeichnet

sich durchaus aus, daß es in der Betrachtung, also im Studium und

Nachdenken, nur durch ein eigentümliches Talent erworben werden kann,

das, wie die Biene den Honig aus der Blume, als ein geistiger Instinkt

aus den Erscheinungen des Lebens nur den Geist zu ziehen versteht, und

daß es neben Betrachtung und Studium auch durch das Leben zu erwerben

ist. Das Leben mit seiner reichen Belehrung wird niemals einen Newton

oder Euler hervorbringen, wohl aber den höheren Kalkül eines Condé oder

Friedrichs des Großen.

* * * * *

Irgendein großes Gefühl muß die großen Kräfte des Feldherrn beleben, sei

es der Ehrgeiz wie in Cäsar, der Haß des Feindes wie in Hannibal, der

Stolz eines glorreichen Unterganges wie in Friedrich dem Großen.

Kriegsplan. Numerische Überlegenheit. Friktion im Kriege. Ungewißheit

der Nachrichten

Der Kriegsplan faßt den ganzen kriegerischen Akt zusammen. Durch ihn

wird er zur einzelnen Handlung, die einen letzten endlichen Zweck haben

muß, in dem sich alle besonderen Zwecke ausgeglichen haben. Man fängt

keinen Krieg an, oder man sollte vernünftigerweise keinen anfangen, ohne

sich zu sagen, was man mit und was man in ihm erreichen will. Das

erstere ist der Zweck, das andere das Ziel. Durch diesen Hauptgedanken

werden alle Richtungen gegeben, der Umfang der Mittel, das Maß der

Energie bestimmt. Er äußert seinen Einfluß bis in die kleinsten Glieder

der Handlung hinab.

* * * * *

Zwei Hauptgrundsätze umfassen den ganzen Kriegsplan und dienen allen

übrigen zur Richtung.

Der erste ist: das Gewicht der feindlichen Macht auf so wenige

Schwerpunkte als möglich zurückzuführen, wenn es sein kann, auf einen;

wiederum den Stoß gegen diese Schwerpunkte auf so wenige Haupthandlungen

als möglich zu beschränken, wenn es sein kann, auf eine; endlich alle

untergeordneten Handlungen so untergeordnet als möglich zu halten. Mit

einem Wort, der erste Grundsatz ist: so konzentriert als möglich zu

handeln.

Der zweite Grundsatz lautet: so schnell als möglich zu handeln, also

keinen Aufenthalt und keinen Umweg ohne hinreichenden Grund stattfinden

zu lassen.

* * * * *

Jeder Plan zu einem Feldzuge ist die Auswahl *eines* Weges unter tausend

denkbaren. Je größer die kriegführenden Staaten sind und die Massen, die

sie in Bewegung setzen, um so größer ist die Zahl der möglichen

Kombinationen, und es ist ganz unmöglich, alle zu erschöpfen. Darum

bleibt man auch mehr oder weniger immer dabei stehen, *einen* fertigen

Plan hinzustellen und es dem Takt des Urteils zu überlassen, das

Treffende wie das Fehlerhafte daran herauszufühlen. Einem geraden, d. h.

unverdrehten Verstande wird die Wahrheit und das Richtige ohne weitere

Entwickelung der Gründe schon in der bloßen Aufstellung im Augenblicke

klar. Ein solcher Verstand hat für die Wahrheit eine Art musikalisches

Gefühl, das unreine Verhältnisse wie Mißtöne leicht unterscheidet.

* * * * *

Besonders zu berücksichtigen beim Eindringen in ein Land ist die

Hauptstadt. Jede Hauptstadt hat ein großes strategisches Gewicht, die

eine mehr als die andre: diejenige mehr, die den Begriff der Hauptstadt

stärker in sich vereinigt, und *die* am meisten, die der Knoten

politischer Parteiungen ist. Letzteres ist der Fall mit Paris.

* * * * *

Der Schwerpunkt des französischen Reiches liegt in seiner Kriegsmacht

und in Paris. Jene in einer Hauptschlacht besiegen, Paris erobern, die

Überreste des feindlichen Heeres über die Loire zurückwerfen, muß unser

Ziel sein. Die Herzgrube Frankreichs liegt zwischen Paris und Brüssel.

Dort ist die Grenze von der Hauptstadt nur dreißig Meilen entfernt.

* * * * *

Auch als Nebenunternehmung ist ein Angriff auf das südliche Frankreich

verwerflich, denn er weckt nur neue Kräfte gegen uns. Jedesmal, wenn man

eine entfernte Provinz angreift, rührt man Interessen und Tätigkeiten

auf, die sonst geschlummert hätten.

* * * * *

Die Theorie fordert die kürzesten Wege zum Ziel und schließt die

Erörterung über rechts und links, hierhin oder dorthin, von der

Betrachtung ganz aus. Napoleon hat niemals anders gehandelt. Die

*nächste* Hauptstraße von Heer zu Heer oder von Hauptstadt zu Hauptstadt

war ihm immer der *liebste* Weg.

* * * * *

Es war einer der allerbesten Grundsätze des Meisters (Bonaparte) in den

Feldzügen von 1796 und 1797: sich auf den untergeordneten Punkten mit so

wenig Truppen als möglich zu behelfen, um auf dem Hauptpunkte recht

stark zu sein.

* * * * *

Die _Centra gravitatis_ in der feindlichen Kriegsmacht zu unterscheiden,

ihre Wirkungsweise zu erkennen, ist ein Hauptakt des strategischen

Urteils. Man wird sich nämlich jedesmal fragen müssen, welche Wirkungen

das Vorgehen und Zurückgehen des einen Teils der gegenseitigen

Streitkräfte auf die übrigen hervorbringen wird.

* * * * *

Wenn wir die neueste Kriegsgeschichte ohne Vorurteil betrachten, so

müssen wir uns gestehen, daß die Überlegenheit in der Zahl mit jedem Tag

entscheidender wird. Wir müssen also den Grundsatz, möglichst stark im

entscheidenden Gefecht zu sein, allerdings jetzt etwas höher stellen,

als er vielleicht ehemals gestellt worden ist.

Mut und Geist des Heeres haben zu allen Zeiten die physischen Kräfte

gesteigert und werden es auch ferner tun. Aber wir finden in der

Geschichte Zeiten, wo eine große Überlegenheit in der Einrichtung und

Ausrüstung der Heere, andere, wo eine solche Überlegenheit in der

Beweglichkeit ein bedeutendes moralisches Übergewicht gab.

* * * * *

Die Heere sind in unseren Tagen einander an Bewaffnung, Ausrüstung und

Übung so ähnlich, daß zwischen den besten und den schlechtesten kein

sehr merklicher Unterschied in diesen Dingen besteht. Die einen sind die

Erfinder und Anführer in den besseren Einrichtungen, und die anderen

die schnell folgenden Nachahmer. Selbst die Unterfeldherren, die Führer

der Korps und Divisionen, haben überall, was ihr Handwerk betrifft,

ziemlich dieselben Ansichten und Methoden, so daß außer dem Talent des

obersten Feldherrn, das schwerlich in einem konstanten Verhältnis zu der

Bildung des Volkes und Heeres zu denken, sondern ganz dem Zufall

überlassen ist, nur noch die Kriegsgewohnheit ein merkliches Übergewicht

geben kann. Je mehr das Gleichgewicht in allen jenen Dingen besteht, um

so entscheidender wird das Machtverhältnis.

* * * * *

Die absolute Stärke ist in der Strategie meist ein Gegebenes, an dem der

Feldherr nichts mehr ändern kann. Hieraus kann aber nicht gefolgert

werden, daß der Krieg mit einem merklich schwächeren Heer unmöglich sei.

Der Krieg ist nicht immer ein freier Entschluß der Politik, und am

wenigsten ist er es da, wo die Kräfte sehr ungleich sind. Folglich läßt

sich jedes Machtverhältnis im Kriege denken, und es wäre eine sonderbare

Kriegstheorie, die sich da ganz lossagen wollte, wo sie am meisten

gebraucht wird.

* * * * *

Das sukzessive Heranziehen der Kräfte zu nachhaltigen wiederholten

Stößen, das in der Taktik eine so unendlich wichtige Sache ist, ist in

der Strategie ganz gegen die Natur der Dinge. Es ist einer der

Hauptgrundsätze der Strategie, *alle* vorhandenen Streitkräfte

*gleichzeitig* in den Kampf zu führen, oder, im Falle sie nicht alle

gebraucht werden, so viel als zur Sicherung des Erfolgs notwendig sind.

Nur das, was zum Augenblicke, da das Handeln eintreten *muß*, durchaus

nicht beschafft werden *kann*, nur das darf zur Reserve und zum

nachhaltigen Gebrauch verwendet werden.

* * * * *

Theoretisch klingt es ganz gut: Der Bataillonskommandeur ist

verantwortlich für die Ausführung des gegebenen Befehls, und da das

Bataillon durch die Disziplin zu einem Stück zusammengeschweißt ist,

sein Führer aber ein Mann von anerkanntem Eifer sein muß, so dreht sich

der Balken um einen eisernen Zapfen mit wenig Friktion. So ist es aber

in Wirklichkeit nicht. Das Bataillon bleibt immer aus einer Anzahl

Menschen zusammengesetzt, von denen, wenn es der Zufall will, der

unbedeutendste imstande ist, einen Aufenthalt oder sonst eine

Unregelmäßigkeit zu bewirken.

Diese entsetzliche Friktion, die sich nicht wie in der Mechanik auf

wenige Punkte konzentrieren läßt, ist überall im Kontakt mit dem Zufall

und bringt Erscheinungen hervor, die sich gar nicht berechnen lassen,

eben weil sie zum großen Teil dem Zufall angehören.

* * * * *

Ein großer Teil der Nachrichten, die man im Kriege bekommt, ist

widersprechend, ein noch größerer ist falsch und bei weitem der größte

einer ziemlichen Ungewißheit unterworfen. Was man hier vom Offizier

fordern kann, ist ein gewisses Unterscheiden, das nur Sach- und

Menschenkenntnis und Urteil geben können. Das Gesetz des

Wahrscheinlichen muß ihn leiten. Diese Schwierigkeit ist nicht

unbedeutend bei den ersten Entwürfen, die auf dem Zimmer und noch

außerhalb der eigentlichen Kriegssphäre gemacht werden, aber unendlich

größer ist sie da, wo im Getümmel des Krieges selbst eine Nachricht die

andere drängt. Die meisten Nachrichten sind falsch, und die

Furchtsamkeit der Menschen vermehrt die Kraft der Lüge und Unwahrheit.

In der Regel ist jeder geneigt, das Schlimme eher zu glauben als das

Gute. Jeder ist geneigt, das Schlimme etwas zu vergrößern, und die

Gefährlichkeiten, die auf diese Weise berichtet werden, obgleich sie wie

die Wellen des Meeres in sich selbst zusammensinken, kehren doch wie

jene ohne sichtbare Veranlassung immer von neuem zurück. Fest im

Vertrauen auf sein besseres inneres Wissen muß der Führer dastehen wie

der Fels, an dem sich die Welle bricht. Die Rolle ist nicht leicht. Wer

nicht von Natur mit leichtem Blute begabt oder durch kriegerische

Erfahrungen geübt und im Urteil gestärkt ist, mag es sich eine Regel

sein lassen, sich gewaltsam, d. h. gegen das innere Niveau seiner

eigenen Überzeugung, von der Seite der Befürchtungen ab auf die Seite

der Hoffnungen hinzuneigen. Er wird nur dadurch das wahre Gleichgewicht

erhalten können. Diese Schwierigkeit, richtig zu sehen, die eine der

allergrößten Friktionen im Kriege ausmacht, läßt die Dinge ganz anders

erscheinen, als man sie gedacht hat. Der Eindruck der Sinne ist stärker

als die Vorstellungen des überlegenden Kalküls, und dies geht so weit,

daß wohl noch nie eine einigermaßen wichtige Unternehmung ausgeführt

worden ist, wo der Befehlshaber nicht in den ersten Momenten der

Ausführung neue Zweifel bei sich zu besiegen gehabt hätte. Gewöhnliche

Menschen, die fremden Eingebungen folgen, werden daher meistens an Ort

und Stelle unschlüssig; sie glauben die Umstände anders gefunden zu

haben, als sie solche vorausgesetzt hatten, und zwar um so mehr, da sie

auch hier sich wieder fremden Eingebungen überlassen. Aber auch der, der

selbst entwarf und jetzt mit eigenen Augen sieht, wird leicht an seiner

vorigen Meinung irre. Festes Vertrauen zu sich selbst muß ihn gegen den

scheinbaren Drang des Augenblicks waffnen. Seine frühere Überzeugung

wird sich bei der Entwicklung bewähren, wenn die vorderen Kulissen, die

das Schicksal in die Kriegsszenen einschiebt, mit ihren dick

aufgetragenen Gestalten der Gefahr weggezogen, und der Horizont

erweitert ist. Dies ist eine der großen Klüfte zwischen Entwerfen und

Ausführen.

Operationsbasis. Märsche. Festungen. Gebirgskrieg

Das Heer gleicht einem Baume. Aus dem Boden, auf dem er wächst, zieht er

seine Lebenskräfte. Ist er klein, so kann er leicht verpflanzt werden;

dies wird aber schwieriger, je größer er wird. Ein kleiner Haufe hat

auch seine Lebenskanäle, aber er schlägt leicht Wurzeln, wo er sich

befindet; nicht so ein zahlreiches Heer. Wenn also von dem Einfluß der

Basis auf die Unternehmungen die Rede ist, so muß allen Vorstellungen

immer der Maßstab zugrunde liegen, den die Größe des Heeres bedingt.

* * * * *

Stets hat *die Schweiz* ängstliche Neutralität beobachtet. Seit

Jahrhunderten ist sie allen europäischen Händeln fremd geblieben. Es

gehört also ein viel größerer Übermut, eine entschiedene Geringschätzung

aller alten Verhältnisse dazu, sich zu einem Einbruche in die Schweiz zu

entschließen, als zur Überwältigung anderer Staaten, obgleich die

Schweiz einen hohen Wert als Angriffsstation hat, weil man durch ihren

Besitz imstande ist, das Innere Frankreichs mit einer Invasion zu

bedrohen, ohne vor den französischen Festungen stehen bleiben zu müssen.

* * * * *

Wenn ein Heer zu einer Unternehmung vorschreitet, sei es, um den Feind

und sein Kriegstheater anzugreifen oder sich an den Grenzen des eigenen

aufzustellen, so bleibt es von den Quellen seiner Verpflegung und

Ergänzung in einer notwendigen Abhängigkeit und muß die Verbindung mit

ihnen unterhalten, denn sie sind die Bedingungen seines Daseins und

Bestehens. Diese Abhängigkeit wächst intensiv und extensiv mit der Größe

des Heeres. Nun ist es aber weder immer möglich noch erforderlich, daß

das Heer mit dem ganzen Lande in unmittelbarer Verbindung bleibt,

sondern nur mit dem Stück, das sich gerade hinter ihm befindet und

folglich durch seine Stellung gedeckt ist. In diesem Teile des Landes

werden dann, soweit es nötig ist, besondere Anlagen von Vorräten gemacht

und Veranstaltungen zur regelmäßigen Fortschaffung der Ergänzungskräfte

getroffen. Dieses Stück des Landes ist also die Grundlage des Heeres und

aller seiner Unternehmungen; es muß als ein Ganzes mit demselben

betrachtet werden. Sind die Vorräte zu ihrer größeren Sicherheit in

befestigten Orten angelegt, so wird der Begriff einer Basis dadurch

verstärkt, aber er entsteht nicht erst dadurch, denn in einer Menge von

Fällen findet dies nicht statt.

Aber auch ein Stück des feindlichen Landes kann die Grundlage eines

Heeres bilden, oder wenigstens mit dazu gehören. Denn wenn ein Heer im

feindlichen Lande vorgerückt ist, werden eine Menge Bedürfnisse aus dem

eingenommenen Teile gezogen. Die Bedingung ist in diesem Fall, daß man

wirklich Herr dieses Landstrichs, d. h. der Befolgung der Anordnungen

gewiß ist.

* * * * *

Die Bedürfnisse eines Heeres muß man in zwei Klassen teilen, nämlich

die, die jede angebaute Gegend gibt, und andere, die es nur aus den

Quellen seiner Entstehung ziehen kann. Die ersten sind hauptsächlich

Unterhalts- und die zweiten Ergänzungsmittel. Die ersteren kann auch das

feindliche Land, die letzteren in der Regel nur das eigene liefern, z. B.

Menschen, Waffen und meistens auch Munition.

* * * * *

Sind einmal die Anstalten zur Ergänzung und Ernährung des Heeres in

einem gewissen Bezirk und für eine gewisse Richtung getroffen, so ist

selbst im eigenen Lande nur dieser Bezirk als die Basis des Heeres zu

betrachten, und da eine Veränderung hierin immer Zeit und Kraftaufwand

erfordert, so kann auch im eigenen Lande das Heer seine Basis nicht von

einem Tage zum andern verlegen, und darum ist es auch in der Richtung

seiner Unternehmungen immer mehr oder weniger beschränkt.

* * * * *

Die Verpflegung der Truppen bietet, wie sie auch geschehen möge (durch

Magazine oder Beitreibungen), immer solche Schwierigkeiten, daß sie eine

sehr entscheidende Stimme bei der Wahl der Maßregeln hat. Sie ist oft

der wirksamsten Kombination entgegen und nötigt, der Nahrung

nachzugehen, wo man dem Siege, dem glänzenden Erfolge nachgehen möchte.

Durch sie vorzüglich bekommt die ganze Maschine die Schwerfälligkeit,

durch die ihre Wirkungen so weit hinter dem Fluge großer Entwürfe

zurückbleiben.

* * * * *

Wo aus irgendeinem Grunde der Gang der Begebenheiten weniger reißend

ist, wo mehr ein gleichgewichtiges Schweben und Abwägen der Kräfte

stattfindet, da ist das Unterbringen der Truppen unter Dach und Fach ein

Hauptgegenstand der Aufmerksamkeit des Feldherrn.

* * * * *

Ohne in Bonaparte den leidenschaftlichen Spieler zu verkennen, der sich

oft in ein tolles Extrem wagte, kann man doch wohl sagen, daß er und die

ihm vorangegangenen Revolutionsfeldherren in Rücksicht auf die

Verpflegung ein mächtiges Vorurteil beiseite geschafft und gezeigt

haben, daß diese nie anders als unter dem Gesichtspunkt einer Bedingung,

also niemals als Zweck betrachtet werden müsse.

Übrigens verhält es sich mit der Entbehrung im Kriege wie mit der

körperlichen Anstrengung und der Gefahr. Die Forderungen, die der

Feldherr an sein Heer machen kann, sind durch keine bestimmten Linien

begrenzt. Ein starker Charakter fordert mehr als ein weichlicher

Gefühlsmensch. Auch die Leistungen des Heeres sind verschieden, je

nachdem Gewohnheit, kriegerischer Geist, Vertrauen und Liebe zum

Feldherrn oder Enthusiasmus für die Sache des Vaterlandes den Willen und

die Kräfte des Soldaten unterstützen. Aber das sollte man wohl als

Grundsatz aufstellen können, daß Entbehrung und Not, wie hoch sie auch

gesteigert werden mögen, immer nur als vorübergehende Zustände

betrachtet werden und daß sie zu reichlichem Unterhalt, ja wohl auch

einmal zum Überfluß führen müssen. Gibt es etwas Rührenderes als den

Gedanken an so viele tausend Soldaten, die, schlecht gekleidet, mit

einem Gepäck von dreißig bis vierzig Pfund belastet, sich auf tagelangen

Märschen in jedem Wetter und Wege mühsam fortschleppen, Gesundheit und

Leben unaufhörlich auf das Spiel setzen und sich dafür nicht einmal in

trockenem Brote sättigen können. Wenn man weiß, wie oft dies im Kriege

vorkommt, so begreift man in der Tat kaum, wie es nicht öfter zum

Versagen des Willens und der Kräfte führt, und wie eine bloße Richtung

der Vorstellungen im Menschen fähig ist, durch ihr nachhaltiges Wirken

solche Anstrengungen hervorzurufen und zu unterstützen.

Wer also dem Soldaten große Entbehrungen auferlegt, weil große Zwecke es

fordern, der wird, sei es aus Gefühl oder aus Klugheit, auch die

Entschädigung im Auge haben, die er ihm dafür zu andern Zeiten schuldig

ist.

* * * * *

Über das Maß eines Marsches und die dazu erforderliche Zeit ist es

natürlich, sich an die allgemeinen Erfahrungssätze zu halten.

Für unsere neueren Heere steht es längst fest, daß ein Marsch von drei

Meilen (21 Kilometer) das gewöhnliche Tagewerk ist, das bei langen Zügen

sogar auf zwei Meilen (14 Kilometer) heruntergesetzt werden muß, um die

nötigen Rasttage einschalten zu können, die für die Herstellung alles

schadhaft Gewordenen bestimmt sind.

* * * * *

Ein einzelner mäßiger Marsch nutzt das Instrument nicht ab, aber eine

Reihe von mäßigen tut es schon, und eine Reihe von schwierigen natürlich

viel mehr.

Auf der Kriegsbühne selbst sind Mangel an Verpflegung und Unterkommen,

schlechte, ausgefahrene Wege und die Notwendigkeit beständiger

Schlagfertigkeit die Ursachen der unverhältnismäßigen Kraftanstrengungen,

durch die Menschen, Vieh, Fuhrwerk und Bekleidung zugrunde gerichtet

werden.

* * * * *

Man muß sich auf eine große Zerstörung seiner eigenen Kräfte gefaßt

machen, wenn man einen bewegungsreichen Krieg führen will, danach seinen

übrigen Plan errichten und vor allem die Verstärkungen, die nachrücken

sollen.

* * * * *

Die Entfernung (eines Heeres) von der Quelle, aus der die unaufhörlich

sich schwächende Streitkraft ebenso unaufhörlich erzeugt werden muß,

nimmt mit dem Vorrücken zu. Eine erobernde Armee gleicht hierin dem

Licht einer Lampe. Je weiter sich das nährende Öl heruntersenkt, um so

kleiner wird die Flamme.

* * * * *

Festungen sind ein eigentlicher Schild gegen den feindlichen Angriff,

dessen Strom sich an ihnen bricht wie an Eisblöcken.

* * * * *

Ein Verteidigungsheer ohne Festungen hat hundert verwundbare Stellen. Es

ist ein Körper ohne Harnisch.

* * * * *

Offenbar ist die Wirksamkeit einer Festung aus zwei verschiedenen

Elementen zusammengesetzt, dem passiven und dem aktiven. Durch das erste

schützt sie den Ort und alles, was in ihm enthalten ist; durch das

andere übt sie einen gewissen Einfluß auf die auch über ihre

Kanonenschußweite hinaus liegende Umgegend.

* * * * *

Die Unternehmungen, die die Besatzung einer Festung sich erlauben darf,

sind immer ziemlich beschränkt. Selbst bei großen Festungen und starken

Besatzungen sind die Haufen, die dazu ausgesandt werden können, in

Beziehung auf die im Felde stehenden Streitkräfte meistens nicht

beträchtlich, und der Durchmesser ihres Wirkungskreises beträgt selten

über ein paar Märsche. Ist die Festung aber klein, so werden die Haufen

ganz unbedeutend, und ihr Wirkungskreis wird meist auf die nächsten

Dörfer beschränkt sein. Solche Korps aber, die nicht zur Besatzung

gehören, also nicht notwendig in die Festung zurückkehren müssen, sind

dadurch viel weniger gebunden, und so kann durch sie die aktive

Wirkungssphäre einer Festung, wenn die übrigen Umstände dazu günstig

sind, außerordentlich erweitert werden.

* * * * *

Erzherzog Karl hat als erster aller Theoretiker den Satz ausgesprochen,

daß das Gebirge dem Verteidiger nachteilig sei, wobei wir hinzufügen:

insofern eine große Entscheidung gesucht wird oder zu befürchten ist.

* * * * *

Mit der Hauptmacht ist das Gebirge womöglich zu vermeiden und seitwärts

liegen zu lassen oder vor oder hinter sich zu behalten. Im übrigen ist

das Gebirge im allgemeinen sowohl in der Taktik wie in der Strategie der

Verteidigung ungünstig. Es raubt die Übersicht und hindert die

Bewegungen nach allen Richtungen. Es zwingt zur Passivität.

Das Gefecht. Verluste. Reserven. Die Hauptschlacht. Sieg und Verfolgung

Der Mittel gibt es im Kriege nur ein einziges. Es ist der Kampf. Wie

mannigfaltig dieser auch gestaltet sei, wie weit er sich von der rohen

Entledigung des Hasses und der Feindschaft im Faustkampfe entfernen

möge, wie viel Dinge sich einschieben mögen, die nicht selbst Kampf

sind: immer liegt es im Begriff des Krieges, daß alle in ihm

erscheinenden Wirkungen ursprünglich vom Kampf ausgehen müssen.

* * * * *

Es bezieht sich also alle kriegerische Tätigkeit notwendig auf das

Gefecht, entweder unmittelbar oder mittelbar. Der Soldat wird

ausgehoben, gekleidet, bewaffnet, geübt, er schläft, ißt, trinkt und

marschiert, alles nur, um an rechter Stelle und zu rechter Zeit zu

fechten.

Endigen somit im Gefecht alle Fäden kriegerischer Tätigkeit, so werden

wir sie auch alle auffassen, indem wir die Anordnung der Gefechte

bestimmen. Nur von dieser Anordnung und ihrer Vollziehung gehen die

Wirkungen aus, niemals unmittelbar von den ihnen vorhergehenden

Bedingungen. Nun ist im Gefecht alle Tätigkeit auf die Vernichtung des

Gegners oder vielmehr seiner Streitfähigkeit gerichtet, denn dies liegt

in seinem Begriff. Die Vernichtung der feindlichen Streitkraft ist also

immer das Mittel, um den Zweck des Gefechts zu erreichen.

Dieser Zweck kann ebenfalls die bloße Vernichtung der feindlichen

Streitmacht sein, aber dies ist keineswegs notwendig, sondern es kann

auch etwas ganz anderes sein. Sobald nämlich das Niederwerfen des

Gegners nicht das einzige Mittel ist, den politischen Zweck zu

erreichen, sobald es andre Gegenstände gibt, die man als Ziel im Kriege

verfolgen kann: so folgt von selbst, daß diese Gegenstände der Zweck

einzelner kriegerischer Akte werden können, also auch der Zweck von

Gefechten.

* * * * *

Grundgedanken über Krieg und Kriegführung · 第 2 / 6 段