Was würde aber das Ergebniss von

(1´ + 1´´ + 1´´´) - (1´´´´ + 1´´´´´)

sein? Jedenfalls nicht 1´. Daraus geht hervor, dass es nach seiner

Auffassung nicht nur verschiedene Einsen, sondern auch verschiedene

Zweien u. s. w. geben würde; denn 1´´ + 1´´´ könnte nicht durch

1´´´´ + 1´´´´´ vertreten werden. Man sieht hieraus recht deutlich, dass

die Zahl nicht eine Anhäufung von Dingen ist. Die Arithmetik würde

aufgehoben werden, wollte man statt der Eins, die immer dieselbe ist,

verschiedene Dinge einführen, wenn auch in noch so ähnlichen Zeichen;

gleich dürften sie ja ohne Fehler nicht sein. Man kann doch nicht

annehmen, dass das tiefste Bedürfniss der Arithmetik eine fehlerhafte

Schreibung sei. Darum ist es unmöglich 1 als Zeichen für verschiedene

Gegenstände anzusehen, wie Island, Aldebaran, Solon u. dgl. Am

greifbarsten wird der Unsinn, wenn man an den Fall denkt, dass eine

Gleichung drei Wurzeln hat, nämlich 2 und 5 und 4. Schreibt man nun

nach _Jevons_ für 3:

1´ + 1´´ + 1´´´,

so würde 1´ hier 2, 1´´ 5 und 1´´´ 4 bedeuten, wenn man unter 1´,

1´´, 1´´´ Einheiten und folglich nach _Jevons_ die hier vorliegenden

Gegenstände des Denkens versteht. Wäre es dann nicht verständlicher für

1´ + 1´´ + 1´´´ zu schreiben

2 + 5 + 4?

Ein Plural ist nur von Begriffswörtern möglich. Wenn man also von

»Einheiten« spricht, so kann man dies Wort nicht gleichbedeutend mit

dem Eigennamen »Eins« gebrauchen, sondern als Begriffswort. Wenn

»Einheit« »zu zählender Gegenstand« bedeutet, so kann man nicht Zahl

als Einheiten definiren. Wenn man unter »Einheit« einen Begriff

versteht, der die Eins und nur diese unter sich fasst, so hat ein

Plural keinen Sinn, und es ist wieder unmöglich, mit _Leibniz_ Zahl als

Einheiten oder als 1 und 1 und 1 zu definiren. Wenn man das »und« so

gebraucht wie in »Bunsen und Kirchhof,« so ist 1 und 1 und 1 nicht 3,

sondern 1, sowie Gold und Gold und Gold nie etwas anderes als Gold ist.

Das Pluszeichen in

1 + 1 + 1 = 3

muss also anders als das »und« aufgefasst werden, das eine Sammlung,

eine »collective Idee« bezeichnen hilft.

§ 39. Wir stehen demnach vor folgender Schwierigkeit:

Wenn wir die Zahl durch Zusammenfassung von verschiedenen Gegenständen

entstehen lassen wollen, so erhalten wir eine Anhäufung, in der die

Gegenstände mit eben den Eigenschaften enthalten sind, durch die sie

sich unterscheiden, und das ist nicht die Zahl. Wenn wir die Zahl

andrerseits durch Zusammenfassung von Gleichem bilden wollen, so

fliesst dies immerfort in eins zusammen, und wir kommen nie zu einer

Mehrheit.

Wenn wir mit 1 jeden der zu zählenden Gegenstände bezeichnen, so ist

das ein Fehler, weil Verschiedenes dasselbe Zeichen erhält. Versehen

wir die 1 mit unterscheidenden Strichen, so wird sie für die Arithmetik

unbrauchbar.

Das Wort »Einheit« ist vortrefflich geeignet, diese Schwierigkeit zu

verhüllen; und das ist der -- wenn auch unbewusste -- Grund, warum man

es den Wörtern »Gegenstand« und »Ding« vorzieht. Man nennt zunächst

die zu zählenden Dinge Einheiten, wobei die Verschiedenheit ihr

Recht erhält; dann geht die Zusammenfassung, Sammlung, Vereinigung,

Hinzufügung, oder wie man es sonst nennen will, in den Begriff der

arithmetischen Addition über und das Begriffswort »Einheit« verwandelt

sich unvermerkt in den Eigennamen »Eins«. Damit hat man dann die

Gleichheit. Wenn ich an den Buchstaben =u= ein =n= und daran ein =d=

füge, so sieht jeder leicht ein, dass das nicht die Zahl 3 ist. Wenn

ich aber =u=, =n= und =d= unter den Begriff »Einheit« bringe und nun

für »=u= und =n= und =d=« sage »eine Einheit und eine Einheit und noch

eine Einheit« oder »1 und 1 und 1«, so glaubt man leicht damit die

3 zu haben. Die Schwierigkeit wird durch das Wort »Einheit« so gut

versteckt, dass gewiss nur wenige Menschen eine Ahnung von ihr haben.

Hier könnte _Mill_ mit Recht tadelnd von einem kunstfertigen Handhaben

der Sprache reden; denn hier ist es nicht die äussere Erscheinung eines

Denkvorganges, sondern es spiegelt einen solchen nur vor. Hier hat man

in der That den Eindruck, als ob den von Gedanken leeren Worten eine

gewisse geheimnissvolle Kraft beigelegt werde, wenn Verschiedenes blos

dadurch, dass man es Einheit nennt, gleich werden soll.

Versuche, die Schwierigkeit zu überwinden.

§ 40. Wir betrachten nun einige Ausführungen, die sich als Versuche zur

Ueberwindung dieser Schwierigkeit darstellen, wenn sie auch wohl nicht

immer mit klarem Bewusstsein in dieser Absicht gemacht sind.

Man kann zunächst eine Eigenschaft des Raumes und der Zeit zu Hilfe

rufen. Ein Raumpunkt ist nämlich von einem andern, eine Gerade

oder Ebene von einer andern, congruente Körper, Flächen- oder

Linienstücke von einander, für sich allein betrachtet, gar nicht zu

unterscheiden, sondern nur in ihrem Zusammensein als Bestandteile

einer Gesammtanschauung. So scheint sich hier Gleichheit mit

Unterscheidbarkeit zu vereinen. Aehnliches gilt von der Zeit. Daher

meint wohl _Hobbes_,[68] dass die Gleichheit der Einheiten anders als

durch Theilung des Continuums entstehe, könne kaum gedacht werden.

_Thomae_[69] sagt: »Stellt man eine Menge von Individuen oder Einheiten

im Raume vor und zählt man sie successive, wozu Zeit erforderlich

ist, so bleibt bei aller Abstraction als unterscheidendes Merkmal

der Einheiten noch ihre verschiedene Stellung im Raume und ihre

verschiedene Aufeinanderfolge in der Zeit übrig.«

Zunächst erhebt sich das Bedenken gegen eine solche Auffassungsweise,

dass dann das Zählbare auf das Räumliche und Zeitliche beschränkt wäre.

Schon _Leibniz_[70] weist die Meinung der Scholastiker zurück, die

Zahl entstehe aus der blossen Theilung des Continuums und könne nicht

auf unkörperliche Dinge angewandt werden. _Baumann_[71] betont die

Unabhängigkeit von Zahl und Zeit. Der Begriff der Einheit sei auch ohne

die Zeit denkbar. _St. Jevons_[72] sagt: »Drei Münzen sind drei Münzen,

ob wir sie nun nach einander zählen oder sie alle zugleich betrachten.

In vielen Fällen ist weder Zeit noch Raum der Grund des Unterschiedes,

sondern allein Qualität. Wir können Gewicht, Trägheit und Härte des

Goldes als drei Eigenschaften auffassen, obgleich keine von diesen

vor noch nach der andern ist weder im Raum noch in der Zeit. Jedes

Mittel der Unterscheidung kann eine Quelle der Vielheit sein.« Ich

füge hinzu: wenn die gezählten Gegenstände nicht wirklich auf einander

folgen, sondern nur nach einander gezählt werden, so kann die Zeit

nicht der Grund der Unterscheidung sein. Denn, um sie nach einander

zählen zu können, müssen wir schon unterscheidende Kennzeichen haben.

Die Zeit ist nur ein psychologisches Erforderniss zum Zählen, hat aber

mit dem Begriffe der Zahl nichts zu thun. Wenn man unräumliche und

unzeitliche Gegenstände durch Raum- oder Zeitpunkte vertreten lässt, so

kann dies vielleicht für die Ausführung der Zählung vortheilhaft sein;

grundsätzlich wird aber dabei die Anwendbarkeit des Zahlbegriffes auf

Unräumliches und Unzeitliches vorausgesetzt.

§ 41. Wird denn aber der Zweck der Vereinigung von Unterscheidbarkeit

und Gleichheit wirklich erreicht, wenn wir von allen unterscheidenden

Kennzeichen ausser den räumlichen und zeitlichen absehen? Nein! Wir

sind der Lösung nicht um Einen Schritt näher gekommen. Die grössere

oder geringere Aehnlichkeit der Gegenstände thut nichts zur Sache,

wenn sie doch zuletzt aus einander gehalten werden müssen. Ich darf

die einzelnen Punkte, Linien u. s. f. hier ebenso wenig alle mit 1

bezeichnen, als ich sie bei geometrischen Betrachtungen sämmtlich A

nennen darf; denn hier wie dort ist es nöthig, sie zu unterscheiden.

Nur für sich, ohne Rücksicht auf ihre räumlichen Beziehungen sind die

Raumpunkte einander gleich. Soll ich sie aber zusammenfassen, so muss

ich sie in ihrem räumlichen Zusammensein betrachten, sonst schmelzen

sie unrettbar in Einem zusammen. Punkte stellen in ihrer Gesammtheit

vielleicht irgendeine sternbildartige Figur vor oder sind irgendwie auf

einer Geraden angeordnet, gleiche Strecken bilden vielleicht mit den

Endpunkten zusammenstossend eine einzige Strecke oder liegen getrennt

von einander. Die so entstehenden Gebilde können für dieselbe Zahl ganz

verschieden sein. So würden wir auch hier verschiedene Fünfen, Sechsen

u. s. w. haben. Die Zeitpunkte sind durch kurze oder lange, gleiche

oder ungleiche Zwischenzeiten getrennt. Alles dies sind Verhältnisse,

die mit der Zahl an sich gar nichts zu thun haben. Ueberall mischt sich

etwas Besonderes ein, worüber die Zahl in ihrer Allgemeinheit weit

erhaben ist. Sogar ein einzelner Moment hat etwas Eigenthümliches,

wodurch er sich etwa von einem Raumpunkte unterscheidet, und wovon

nichts in dem Zahlbegriffe vorkommt.

§ 42. Auch der Ausweg, räumliche und zeitliche Anordnung durch einen

allgemeinern Reihenbegriff zu ersetzen, führt nicht zum Ziele; denn

die Stelle in der Reihe kann nicht der Grund des Unterscheidens der

Gegenstände sein, weil diese schon irgendworan unterschieden sein

müssen, um in eine Reihe geordnet werden zu können. Eine solche

Anordnung setzt immer Beziehungen zwischen den Gegenständen voraus,

seien es nun räumliche oder zeitliche oder logische oder Tonintervalle

oder welche sonst, durch die man sich von einem zum andern leiten

lässt, und die mit deren Unterscheidung nothwendig verbunden sind.

Wenn _Hankel_[73] ein Object 1 mal, 2 mal, 3 mal denken oder setzen

lässt, so scheint auch dies ein Versuch zu sein, die Unterscheidbarkeit

mit der Gleichheit des zu Zählenden zu vereinen. Aber man sieht

auch sofort, dass es kein gelungener ist; denn diese Vorstellungen

oder Anschauungen desselben Gegenstandes müssen, um nicht in Eine

zusammenzufliessen, irgendwie verschieden sein. Ich meine auch, dass

man berechtigt ist, von 45 Millionen Deutschen zu sprechen, ohne vorher

45 Millionen mal einen Normal-Deutschen gedacht oder gesetzt zu haben;

das möchte etwas umständlich sein.

§ 43. Wahrscheinlich um die Schwierigkeiten zu vermeiden, die sich

ergeben, wenn man mit _St. Jevons_ jedes Zeichen 1 einen der gezählten

Gegenstände bedeuten lässt, will E. _Schröder_ dadurch einen Gegenstand

nur abbilden. Die Folge ist, dass er nur das Zahlzeichen, nicht die

Zahl erklärt. Er sagt nämlich[74]: »Um nun ein Zeichen zu erhalten,

welches fähig ist auszudrücken, _wieviele_ jener Einheiten[75]

vorhanden sind, richtet man die Aufmerksamkeit der Reihe nach einmal

auf eine jede derselben und bildet sie mit einem Strich: 1 (eine

_Eins_, ein _Einer_) ab; diese Einer setzt man in eine Zeile neben

einander, verbindet sie jedoch unter sich durch das Zeichen + (plus),

da sonst zum Beispiel 111 nach der gewöhnlichen Zahlenbezeichnung

als einhundert und elf gelesen würde. Man erhält auf diese Weise ein

Zeichen wie:

1 + 1 + 1 + 1 + 1,

dessen Zusammensetzung man dadurch beschreiben kann, dass man sagt:

»_Eine natürliche Zahl ist eine Summe von Einern._«

Hieraus sieht man, dass für Schröder die Zahl ein _Zeichen_ ist. Was

durch dies Zeichen ausgedrückt wird, das, was ich bisher Zahl genannt

habe, setzt er mit den Worten »wieviele jener Einheiten vorhanden sind«

als bekannt voraus. Auch unter dem Worte »Eins« versteht er das Zeichen

1, nicht dessen Bedeutung. Das Zeichen + dient ihm zunächst nur als

äusserliches Verbindungsmittel ohne eignen Inhalt; erst später wird die

Addition erklärt. Er hätte wohl kürzer so sagen können: man schreibt

ebensoviele Zeichen 1 neben einander, als man zu zählende Gegenstände

hat, und verbindet sie durch das Zeichen +. Die Null würde dadurch

auszudrücken sein, dass man nichts hinschreibt.

§ 44. Um nicht die unterscheidenden Kennzeichen der Dinge in die Zahl

mitaufzunehmen, sagt _St. Jevons_[76]:

»Es wird jetzt wenig schwierig sein, eine klare Vorstellung von der

Zahlen-Abstraction zu bilden. Sie besteht im Abstrahiren von dem

Charakter der Verschiedenheit, aus der Vielheit entspringt, indem man

lediglich ihr Vorhandensein beibehält. Wenn ich von _drei Männern_

spreche, so brauche ich nicht gleich die Kennzeichen einzeln

anzugeben, an denen man jeden von ihnen von jedem unterscheiden kann.

Diese Kennzeichen müssen vorhanden sein, wenn sie wirklich drei

Männer und nicht ein und derselbe sind, und indem ich von ihnen als

von vielen rede, behaupte ich damit zugleich das Vorhandensein der

erforderlichen Unterschiede. Unbenannte Zahl ist also _die leere Form

der Verschiedenheit_.«

Wie ist das zu verstehn? Man kann entweder von den unterscheidenden

Eigenschaften der Dinge abstrahiren, bevor man sie zu einem Ganzen

vereinigt; oder man kann erst ein Ganzes bilden und dann von der Art

der Unterschiede abstrahiren. Auf dem ersten Wege würden wir gar nicht

zur Unterscheidung der Dinge kommen und also auch das Vorhandensein

der Unterschiede nicht festhalten können; den zweiten Weg scheint

_Jevons_ zu meinen. Aber ich glaube nicht, dass wir so die Zahl 10000

gewinnen würden, weil wir nicht im Stande sind, so viele Unterschiede

gleichzeitig aufzufassen und ihr Vorhandensein festzuhalten; denn,

wenn es nach einander geschähe, so würde die Zahl nie fertig werden.

Wir zählen zwar in der Zeit; aber dadurch gewinnen wir nicht die Zahl,

sondern bestimmen sie nur. Uebrigens ist die Angabe der Weise des

Abstrahirens keine Definition.

Was soll man sich unter der »leeren Form der Verschiedenheit« denken?

etwa einen Satz wie

»a ist verschieden von b«,

wobei a und b unbestimmt bleiben? Wäre dieser Satz etwa die Zahl 2? Ist

der Satz

»die Erde hat zwei Pole«

gleichbedeutend mit

»der Nordpol ist vom Südpol verschieden«?

Offenbar nicht. Der zweite Satz könnte ohne den ersten und dieser ohne

jenen bestehen. Für die Zahl 1000 würden wir dann

1000 ∙ 999

----------

1 ∙ 2

solche Sätze haben, die eine Verschiedenheit ausdrücken.

Was _Jevons_ sagt, passt insbesondere gar nicht auf die 0 und die 1.

Wovon soll man eigentlich abstrahiren, um z. B. vom Monde auf die Zahl

1 zu kommen? Durch Abstrahiren erhält man wohl die Begriffe: Begleiter

der Erde, Begleiter eines Planeten, Himmelskörper ohne eignes Licht,

Himmelskörper, Körper, Gegenstand; aber die 1 ist in dieser Reihe nicht

anzutreffen; denn sie ist kein Begriff, unter den der Mond fallen

könnte. Bei der 0 hat man gar nicht einmal einen Gegenstand, von dem

bei der Abstraction auszugehen wäre. Man wende nicht ein, dass 0 und 1

nicht Zahlen in demselben Sinne seien wie 2 und 3! Die Zahl antwortet

auf die Frage wieviel? und wenn man z. B. fragt: wieviel Monde hat

dieser Planet? so kann man sich ebenso gut auf die Antwort 0 oder 1

wie 2 oder 3 gefasst machen, ohne dass der Sinn der Frage ein andrer

wird. Zwar hat die Zahl 0 etwas Besonderes und ebenso die 1, aber das

gilt im Grunde von jeder ganzen Zahl; nur fällt es bei den grösseren

immer weniger in die Augen. Es ist durchaus willkührlich, hier einen

Artunterschied zu machen. Was nicht auf 0 oder 1 passt, kann für den

Begriff der Zahl nicht wesentlich sein.

Endlich wird durch die Annahme dieser Entstehungsweise der Zahl die

Schwierigkeit gar nicht gehoben, auf die wir bei der Betrachtung der

Bezeichnung

1´ + 1´´ + 1´´´ + 1´´´´ + 1´´´´´

für 5 gestossen sind. Diese Schreibung steht gut im Einklänge mit

dem, was _Jevons_ über die zahlenbildende Abstraction sagt; die obern

Striche deuten nämlich an, dass eine Verschiedenheit da ist, ohne

jedoch ihre Art anzugeben. Aber das blosse Bestehen der Verschiedenheit

genügt schon, wie wir gesehen haben, um bei der _Jevons_'schen

Auffassung verschiedene Einsen, Zweien, Dreien hervorzubringen, was

mit dem Bestande der Arithmetik durchaus unverträglich ist.

Lösung der Schwierigkeit.

§ 45. Ueberblicken wir nun das bisher von uns Festgestellte und die

noch unbeantwortet gebliebenen Fragen!

Die Zahl ist nicht in der Weise wie Farbe, Gewicht, Härte von den

Dingen abstrahirt, ist nicht in dem Sinne wie diese Eigenschaft der

Dinge. Es blieb noch die Frage, von wem durch eine Zahlangabe etwas

ausgesagt werde.

Die Zahl ist nichts Physikalisches, aber auch nichts Subjectives, keine

Vorstellung.

Die Zahl entsteht nicht durch Hinzufügung von Ding zu Ding. Auch die

Namengebung nach jeder Hinzufügung ändert darin nichts.

Die Ausdrücke »Vielheit,« »Menge,« »Mehrheit« sind wegen ihrer

Unbestimmtheit ungeeignet, zur Erklärung der Zahl zu dienen.

In Bezug auf Eins und Einheit blieb die Frage, wie die Willkühr der

Auffassung zu beschränken sei, die jeden Unterschied zwischen Einem und

Vielen zu verwischen schien.

Die Abgegrenztheit, die Ungetheiltheit, die Unzerlegbarkeit sind keine

brauchbaren Merkmale für das, was wir durch das Wort »Ein« ausdrücken.

Wenn man die zu zählenden Dinge Einheiten nennt, so ist die unbedingte

Behauptung, dass die Einheiten gleich seien, falsch. Dass sie in

gewisser Hinsicht gleich sind, ist zwar richtig aber werthlos. Die

Verschiedenheit der zu zählenden Dinge ist sogar nothwendig, wenn die

Zahl grösser als 1 werden soll.

So schien es, dass wir den Einheiten zwei widersprechende Eigenschaften

beilegen müssten: die Gleichheit und die Unterscheidbarkeit.

Es ist ein Unterschied zwischen Eins und Einheit zu machen. Das Wort

»Eins« ist als Eigenname eines Gegenstandes der mathematischen

Forschung eines Plurals unfähig. Es ist also sinnlos, Zahlen durch

Zusammenfassen von Einsen entstehen zu lassen. Das Pluszeichen in

1 + 1 = 2 kann nicht eine solche Zusammenfassung bedeuten.

§ 46. Um Licht in die Sache zu bringen, wird es gut sein, die Zahl

im Zusammenhange eines Urtheils zu betrachten, wo ihre ursprüngliche

Anwendungsweise hervortritt. Wenn ich in Ansehung derselben äussern

Erscheinung mit derselben Wahrheit sagen kann: »dies ist eine

Baumgruppe« und »dies sind fünf Bäume« oder »hier sind vier Compagnien«

und »hier sind 500 Mann,« so ändert sich dabei weder das Einzelne noch

das Ganze, das Aggregat, sondern meine Benennung. Das ist aber nur

das Zeichen der Ersetzung eines Begriffes durch einen andern. Damit

wird uns als Antwort auf die erste Frage des vorigen Paragraphen nahe

gelegt, dass die Zahlangabe eine Aussage von einem Begriffe enthalte.

Am deutlichsten ist dies vielleicht bei der Zahl 0. Wenn ich sage: »die

Venus hat 0 Monde«, so ist gar kein Mond oder Aggregat von Monden da,

von dem etwas ausgesagt werden könnte; aber dem _Begriffe_ »Venusmond«

wird dadurch eine Eigenschaft beigelegt, nämlich die, nichts unter

sich zu befassen. Wenn ich sage: »der Wagen des Kaisers wird von vier

Pferden gezogen,« so lege ich die Zahl vier dem Begriffe »Pferd, das

den Wagen des Kaisers zieht,« bei.

Man mag einwenden, dass ein Begriff wie z. B. »Angehöriger des

deutschen Reiches,« obwohl seine Merkmale unverändert bleiben, eine von

Jahr zu Jahr wechselnde Eigenschaft haben würde, wenn die Zahlangabe

eine solche von ihm aussagte. Man kann dagegen geltend machen, dass

auch Gegenstände ihre Eigenschaften ändern, was nicht verhindere,

sie als dieselben anzuerkennen. Hier lässt sich aber der Grund noch

genauer angeben. Der Begriff »Angehöriger des deutschen Reiches«

enthält nämlich die Zeit als veränderlichen Bestandtheil, oder, um mich

mathematisch auszudrücken, ist eine Function der Zeit. Für »a ist

ein Angehöriger des deutschen Reiches« kann man sagen: »a gehört dem

deutschen Reiche an« und dies bezieht sich auf den gerade gegenwärtigen

Zeitpunkt. So ist also in dem Begriffe selbst schon etwas Fliessendes.

Dagegen kommt dem Begriffe »Angehöriger des deutschen Reiches zu

Jahresanfang 1883 berliner Zeit« in alle Ewigkeit dieselbe Zahl zu.

§ 47. Dass eine Zahlangabe etwas Thatsächliches von unserer Auffassung

Unabhängiges ausdrückt, kann nur den Wunder nehmen, welcher den

Begriff für etwas Subjectives gleich der Vorstellung hält. Aber diese

Ansicht ist falsch. Wenn wir z. B. den Begriff des Körpers dem des

Schweren oder den des Wallfisches dem des Säugethiers unterordnen, so

behaupten wir damit etwas Objectives. Wenn nun die Begriffe subjectiv

wären, so wäre auch die Unterordnung des einen unter den andern als

Beziehung zwischen ihnen etwas Subjectives wie eine Beziehung zwischen

Vorstellungen. Freilich auf den ersten Blick scheint der Satz

»alle Wallfische sind Säugethiere«

von Thieren, nicht von Begriffen zu handeln; aber, wenn man fragt, von

welchem Thiere denn die Rede sei, so kann man kein einziges aufweisen.

Gesetzt, es liege ein Wallfisch vor, so behauptet doch von diesem unser

Satz nichts. Man könnte aus ihm nicht schliessen, das vorliegende Thier

sei ein Säugethier, ohne den Satz hinzuzunehmen, dass es ein Wallfisch

ist, wovon unser Satz nichts enthält. Ueberhaupt ist es unmöglich, von

einem Gegenstande zu sprechen, ohne ihn irgendwie zu bezeichnen oder

zu benennen. Das Wort »Wallfisch« benennt aber kein Einzelwesen. Wenn

man erwidert, allerdings sei nicht von einem einzelnen, bestimmten

Gegenstande die Rede, wohl aber von einem unbestimmten, so meine ich,

dass »unbestimmter Gegenstand« nur ein andrer Ausdruck für »Begriff«

ist, und zwar ein schlechter, widerspruchsvoller. Mag immerhin unser

Satz nur durch Beobachtung an einzelnen Thieren gerechtfertigt werden

können, dies beweist nichts für seinen Inhalt. Für die Frage, wovon

er handelt, ist es gleichgiltig, ob er wahr ist oder nicht, oder aus

welchen Gründen wir ihn für wahr halten. Wenn nun der Begriff etwas

Objectives ist, so kann auch eine Aussage von ihm etwas Thatsächliches

enthalten.

§ 48. Der Schein, der vorhin bei einigen Beispielen entstand, dass

demselben verschiedene Zahlen zukämen, erklärt sich daraus, dass dabei

Gegenstände als Träger der Zahl angenommen wurden. Sobald wir den

wahren Träger, den Begriff, in seine Rechte einsetzen, zeigen sich die

Zahlen so ausschliessend wie in ihrem Bereiche die Farben.

Wir sehen nun auch, wie man dazu kommt, die Zahl durch Abstraction

von den Dingen gewinnen zu wollen. Was man dadurch erhält, ist der

Begriff, an dem man dann die Zahl entdeckt. So geht die Abstraction

in der That oft der Bildung eines Zahlurtheils vorher. Die

Verwechselung ist dieselbe, wie wenn man sagen wollte: der Begriff der

Feuergefährlichkeit wird erhalten, indem man ein Wohnhaus aus Fachwerk

mit einem Brettergiebel und Strohdach baut, dessen Schornsteine undicht

sind.

Die sammelnde Kraft des Begriffes übertrifft weit die vereinigende der

synthetischen Apperception. Durch diese wäre es nicht möglich, die

Angehörigen des deutschen Reiches zu einem Ganzen zu verbinden; wohl

aber kann man sie unter dem Begriff »Angehöriger des deutschen Reiches«

bringen und zählen.

Nun wird auch die grosse Anwendbarkeit der Zahl erklärlich. Es ist

in der That räthselhaft, wie dasselbe von äussern und zugleich von

innern Erscheinungen, von Räumlichem und Zeitlichem und von Raum- und

Zeitlosem ausgesagt werden könne. Dies findet nun in der Zahlangabe

auch gar nicht statt. Nur den Begriffen, unter die das Aeussere und

Innere, das Räumliche und Zeitliche, das Raum- und Zeitlose gebracht

ist, werden Zahlen beigelegt.

§ 49. Wir finden für unsere Ansicht eine Bestätigung bei _Spinoza_,

der sagt[77]: »Ich antworte, dass ein Ding blos rücksichtlich seiner

Existenz, nicht aber seiner Essenz eines oder einzig genannt wird;

denn wir stellen die Dinge unter Zahlen nur vor, nachdem sie auf ein

gemeinsames Maass gebracht sind. Wer z. B. ein Sesterz und einen

Imperial in der Hand hält, wird an die Zweizahl nicht denken, wenn er

nicht dieses Sesterz und diesen Imperial mit einem und dem nämlichen

Namen, nämlich Geldstück oder Münze belegen kann: dann kann er bejahen,

dass er zwei Geldstücke oder Münzen habe; weil er nicht nur das

Sesterz, sondern auch den Imperial mit den Namen Münze bezeichnet.«

Wenn er fortfährt: »Hieraus ist klar, dass ein Ding eins oder einzig

genannt wird, nur nachdem ein anderes Ding ist vorgestellt worden, das

(wie gesagt) mit ihm übereinkommt,« und wenn er meint, dass man nicht

im eigentlichen Sinne Gott einen oder einzig nennen könne, weil wir

von seiner Essenz keinen abstracten Begriff bilden könnten, so irrt er

in der Meinung, der Begriff könne nur unmittelbar durch Abstraction

von mehren Gegenständen gewonnen werden. Vielmehr kann man auch von

den Merkmalen aus zu dem Begriffe gelangen; und dann ist es möglich,

das kein Ding unter ihn fällt. Wenn dies nicht vorkäme, würde man nie

die Existenz verneinen können, und damit verlöre auch die Bejahung der

Existenz ihren Inhalt.

§ 50. E. _Schröder_[78] hebt hervor, dass, wenn von Häufigkeit eines

Dinges solle gesprochen werden können, der Name dieses Dinges stets

ein _Gattungsname_, ein allgemeines Begriffswort (notio communis)

sein müsse: »Sobald man nämlich einen Gegenstand vollständig -- mit

allen seinen Eigenschaften und Beziehungen -- in's Auge fasst, so wird

derselbe einzig in der Welt dastehen und seines gleichen nicht weiter

haben. Der Name des Gegenstandes wird alsdann den Charakter eines

_Eigennamens_ (nomen proprium) tragen und kann der Gegenstand nicht

als ein wiederholt vorkommender gedacht werden. Dieses gilt aber nicht

allein von _concreten_ Gegenständen, es gilt überhaupt von jedem Dinge,

mag dessen Vorstellung auch durch _Abstractionen_ zu Stande kommen,

wofern nur diese Vorstellung solche Elemente in sich schliesst, welche

genügen, das betreffende Ding zu einem _völlig_ bestimmten zu machen.

... Das letztere« (Object der Zählung zu werden) »wird bei einem

Dinge erst insofern möglich, als man von einigen ihm eigenthümlichen

Merkmalen und Beziehungen, durch die es sich von allen andern Dingen

unterscheidet, dabei absieht oder _abstrahirt_, wodurch dann erst der

Name des Dinges zu einem auf mehre Dinge anwendbaren Begriffe wird.«

§ 51. Das Wahre in dieser Ausführung ist in so schiefe und irreführende

Ausdrücke gekleidet, dass eine Entwirrung und Sichtung geboten ist.

Zunächst ist es unpassend, ein allgemeines Begriffswort Namen eines

Dinges zu nennen. Dadurch entsteht der Schein, als ob die Zahl

Eigenschaft eines Dinges wäre. Ein allgemeines Begriffswort bezeichnet

eben einen Begriff. Nur mit dem bestimmten Artikel oder einem

Demonstrativpronomen gilt es als Eigenname eines Dinges, hört aber

damit auf, als Begriffswort zu gelten. Der Name eines Dinges ist ein

Eigenname. Ein Gegenstand kommt nicht wiederholt vor, sondern mehre

Gegenstände fallen unter einen Begriff. Dass ein Begriff nicht nur

durch Abstraction von den Dingen erhalten wird, die unter ihn fallen,

ist schon _Spinoza_ gegenüber bemerkt. Hier füge ich hinzu, dass ein

Begriff dadurch nicht aufhört, Begriff zu sein, dass nur ein einziges

Ding unter ihn fällt, welches demnach völlig durch ihn bestimmt ist.

Einem solchen Begriffe (z. B. Begleiter der Erde) kommt eben die Zahl

1 zu, die in demselben Sinne Zahl ist wie 2 und 3. Bei einem Begriffe

fragt es sich immer, ob etwas und was etwa unter ihn falle. Bei einem

Eigennamen sind solche Fragen sinnlos. Man darf sich nicht dadurch

täuschen lassen, dass die Sprache einen Eigennamen, z. B. Mond, als

Begriffswort verwendet und umgekehrt; der Unterschied bleibt trotzdem

bestehen. Sobald ein Wort mit dem unbestimmten Artikel oder im Plural

ohne Artikel gebraucht wird, ist es Begriffswort.

§ 52. Eine weitere Bestätigung für die Ansicht, dass die Zahl Begriffen

beigelegt wird, kann in dem deutschen Sprachgebrauche gefunden werden,

dass man zehn Mann, vier Mark, drei Fass sagt. Der Singular mag hier

andeuten, dass der Begriff gemeint ist, nicht das Ding. Der Vorzug

dieser Ausdrucksweise tritt besonders bei der Zahl 0 hervor. Sonst

freilich legt die Sprache den Gegenständen, nicht dem Begriffe Zahl

bei: man sagt »Zahl der Ballen,« wie man »Gewicht der Ballen« sagt.

So spricht man scheinbar von Gegenständen, während man in Wahrheit

von einem Begriffe etwas aussagen will. Dieser Sprachgebrauch ist

verwirrend. Der Ausdruck »vier edle Rosse« erweckt den Schein, als ob

»vier« den Begriff »edles Ross« ebenso wie »edel« den Begriff »Ross«

näher bestimme. Jedoch ist nur »edel« ein solches Merkmal; durch das

Wort »vier« sagen wir etwas von einem Begriffe aus.

§ 53. Unter Eigenschaften, die von einem Begriffe ausgesagt

werden, verstehe ich natürlich nicht die Merkmale, die den Begriff

zusammensetzen. Diese sind Eigenschaften der Dinge, die unter den

Begriff fallen, nicht des Begriffes. So ist »rechtwinklig« nicht eine

Eigenschaft des Begriffes »rechtwinkliges Dreieck«; aber der Satz, dass

es kein rechtwinkliges, geradliniges, gleichseitiges Dreieck gebe,

spricht eine Eigenschaft des Begriffes »rechtwinkliges, geradliniges,

gleichseitiges Dreieck« aus; diesem wird die Nullzahl beigelegt.

In dieser Beziehung hat die Existenz Aehnlichkeit mit der Zahl. Es ist

ja Bejahung der Existenz nichts Anderes als Verneinung der Nullzahl.

Weil Existenz Eigenschaft des Begriffes ist, erreicht der ontologische

Beweis von der Existenz Gottes sein Ziel nicht. Ebensowenig wie die

Existenz ist aber die Einzigkeit Merkmal des Begriffes »Gott«. Die

Einzigkeit kann nicht zur Definition dieses Begriffes gebraucht werden,

wie man auch die Festigkeit, Geräumigkeit, Wohnlichkeit eines Hauses

nicht mit Steinen, Mörtel und Balken zusammen bei seinem Baue verwenden

kann. Man darf jedoch daraus, dass etwas Eigenschaft eines Begriffes

ist, nicht allgemein schliessen, dass es aus dem Begriffe, d. h. aus

dessen Merkmalen nicht gefolgert werden könne. Unter Umständen ist dies

möglich, wie man aus der Art der Bausteine zuweilen einen Schluss auf

die Dauerhaftigkeit eines Gebäudes machen kann. Daher wäre es zuviel

behauptet, dass niemals aus den Merkmalen eines Begriffes auf die

Einzigkeit oder Existenz geschlossen werden könne; nur kann dies nie so

unmittelbar geschehen, wie man das Merkmal eines Begriffes einem unter

ihn fallenden Gegenstande als Eigenschaft beilegt.

Es wäre auch falsch zu leugnen, dass Existenz und Einzigkeit jemals

Merkmale von Begriffen sein könnten. Sie sind nur nicht Merkmale _der_

Begriffe, denen man sie der Sprache folgend zuschreiben möchte. Wenn

man z. B. alle Begriffe, unter welche nur Ein Gegenstand fällt, unter

einen Begriff sammelt, so ist die Einzigkeit Merkmal dieses Begriffes.

Unter ihn würde z. B. der Begriff »Erdmond,« aber nicht der sogenannte

Himmelskörper fallen. So kann man einen Begriff unter einen höhern, so

zu sagen einen Begriff zweiter Ordnung fallen lassen. Dies Verhältniss

ist aber nicht mit dem der Unterordnung zu verwechseln.

§ 54. Jetzt wird es möglich sein, die Einheit befriedigend zu erklären.

_E. Schröder_ sagt auf S. 7 seines genannten Lehrbuches: »Jener

Gattungsname oder Begriff wird die Benennung der auf die angegebene

Weise gebildeten Zahl genannt und macht das Wesen ihrer Einheit aus.«

In der That, wäre es nicht am passendsten, einen Begriff Einheit zu

nennen in Bezug auf die Anzahl, welche ihm zukommt? Wir können dann

den Aussagen über die Einheit, dass sie von der Umgebung abgesondert

und untheilbar sei, einen Sinn abgewinnen. Denn der Begriff, dem die

Zahl beigelegt wird, grenzt im Allgemeinen das unter ihn Fallende in

bestimmter Weise ab. Der Begriff »Buchstabe des Wortes Zahl« grenzt das

Z gegen das a, dieses gegen das h u. s. w. ab. Der Begriff »Silbe des

Wortes Zahl« hebt das Wort als ein Ganzes und in dem Sinne Untheilbares

heraus, dass die Theile nicht mehr unter den Begriff »Silbe des Wortes

Zahl« fallen. Nicht alle Begriffe sind so beschaffen. Wir können z.

B. das unter den Begriff des Rothen Fallende in mannigfacher Weise

zertheilen, ohne dass die Theile aufhören, unter ihn zu fallen. Einem

solchen Begriffe kommt keine endliche Zahl zu. Der Satz von der

Abgegrenztheit und Untheilbarkeit der Einheit lässt sich demnach so

aussprechen:

Einheit in Bezug auf eine endliche Anzahl kann nur ein solcher Begriff

sein, der das unter ihn Fallende bestimmt abgrenzt und keine beliebige

Zertheilung gestattet.

Man sieht aber, dass Untheilbarkeit hier eine besondere Bedeutung hat.

Nun beantworten wir leicht die Frage, wie die Gleichheit mit der

Unterscheidbarkeit der Einheiten zu versöhnen sei. Das Wort »Einheit«

ist hier in doppeltem Sinne gebraucht. Gleich sind die Einheiten in

der oben erklärten Bedeutung dieses Worts. In dem Satze: »Jupiter hat

vier Monde« ist die Einheit »Jupitersmond«. Unter diesen Begriff fällt

sowohl I als auch II, als auch III, als auch IV. Daher kann man sagen:

die Einheit, auf die I bezogen wird, ist gleich der Einheit, auf die II

bezogen wird u. s. f. Da haben wir die Gleichheit. Wenn man aber die

Unterscheidbarkeit der Einheiten behauptet, so versteht man darunter

die der gezählten Dinge.

Die Grundlagen der Arithmetik Eine logische mathematische Untersuchung über den Begriff der Zahl · 第 10 / 26 题