III. Meinungen über Einheit und Eins.

Drückt das Zahlwort »Ein« eine Eigenschaft von Gegenständen aus?

§ 29. In den Definitionen, die Euklid am Anfange des 7. Buches der

Elemente giebt, scheint er mit dem Worte »μονάς« bald einen zu

zählenden Gegenstand, bald eine Eigenschaft eines solchen, bald die

Zahl Eins zu bezeichnen. Ueberall kommt man mit der Uebersetzung

»Einheit« durch, aber nur, weil dies Wort selbst in diesen

verschiedenen Bedeutungen schillert.

_Schröder_[49] sagt: »Jedes der zu zählenden Dinge wird Einheit

genannt.« Es fragt sich, weshalb man die Dinge erst unter den Begriff

der Einheit bringt und nicht einfach erklärt: Zahl ist eine Menge von

Dingen, womit wir wieder auf das Vorige zurückgeworfen wären. Man

könnte zunächst in der Benennung der Dinge als Einheiten eine nähere

Bestimmung finden wollen, indem man der sprachlichen Form folgend

»Ein« als Eigenschaftswort ansieht und »Eine Stadt« so auffasst wie

»weiser Mann«. Dann würde eine Einheit ein Gegenstand sein, dem die

Eigenschaft »Ein« zukäme und würde sich zu »Ein« ähnlich verhalten wie

»ein Weiser« zu dem Adjectiv »weise«. Zu den Gründen, die oben dagegen

geltend gemacht sind, dass die Zahl eine Eigenschaft von Dingen sei,

treten hier noch einige besondere hinzu. Auffallend wäre zunächst, dass

jedes Ding diese Eigenschaft hätte. Es wäre unverständlich, weshalb

man überhaupt noch einem Dinge ausdrücklich die Eigenschaft beilegt.

Nur durch die Möglichkeit, dass etwas nicht weise sei, gewinnt die

Behauptung, Solon sei weise, einen Sinn. Der Inhalt eines Begriffes

nimmt ab, wenn sein Umfang zunimmt; wird dieser allumfassend, so muss

der Inhalt ganz verloren gehen. Es ist nicht leicht zu denken, wie die

Sprache dazu käme, ein Eigenschaftswort zu schaffen, das gar nicht dazu

dienen könnte, einen Gegenstand näher zu bestimmen.

Wenn »Ein Mensch« ähnlich wie »weiser Mensch« aufzufassen wäre, so

sollte man denken, dass »Ein« auch als Praedicat gebraucht werden

könnte, sodass man wie »Solon war weise« auch sagen könnte »Solon

war Ein« oder »Solon war Einer«. Wenn nun der letzte Ausdruck auch

vorkommen kann, so ist er doch für sich allein nicht verständlich.

Er kann z. B. heissen: Solon war ein Weiser, wenn »Weiser« aus dem

Zusammenhange zu ergänzen ist. Aber allein scheint »Ein« nicht

Praedicat sein zu können[50]. Noch deutlicher zeigt sich dies

beim Plural. Während man »Solon war weise« und »Thales war weise«

zusammenziehen kann in »Solon und Thales waren weise,« kann man nicht

sagen »Solon und Thales waren Ein«. Hiervon wäre die Unmöglichkeit

nicht einzusehen, wenn »Ein« sowie »weise« eine Eigenschaft sowohl des

Solon als auch des Thales wäre.

§ 30. Damit hangt es zusammen, dass man keine Definition der

Eigenschaft »Ein« hat geben können. Wenn _Leibniz_[51] sagt: »Eines

ist, was wir durch Eine That des Verstandes zusammenfassen«, so erklärt

er »Ein« durch sich selbst. Und können wir nicht auch Vieles durch

Eine That des Verstandes zusammenfassen? Dies wird von _Leibniz_ an

derselben Stelle zugestanden. Aehnlich sagt _Baumann_[52]: »Eines ist,

was wir als Eines auffassen« und weiter: »Was wir als Punkt setzen oder

nicht mehr als getheilt setzen wollen, das sehen wir als Eines an; aber

jedes Eins der äussern Anschauung, der reinen wie der empirischen,

können wir auch als Vieles ansehen. Jede Vorstellung ist Eine, wenn

abgegränzt gegen eine andere Vorstellung; aber in sich kann sie wieder

in Vieles unterschieden werden.« So verwischt sich jede sachliche

Begrenzung des Begriffes und alles hangt von unserer Auffassung ab. Wir

fragen wieder: welchen Sinn kann es haben, irgendeinem Gegenstande die

Eigenschaft »Ein« beizulegen, wenn je nach der Auffassung jeder Einer

sein und auch nicht sein kann? Wie kann auf einem so verschwommenen

Begriffe eine Wissenschaft beruhen, die grade in der grössten

Bestimmtheit und Genauigkeit ihren Ruhm sucht?

§ 31. Obwohl nun _Baumann_[53] den Begriff der Eins auf innerer

Anschauung beruhen lässt, so nennt er doch in der eben angeführten

Stelle als Merkmale die Ungetheiltheit und die Abgegränztheit. Wenn

diese zuträfen, so wäre zu erwarten, dass auch Thiere eine gewisse

Vorstellung von Einheit haben könnten. Ob wohl ein Hund beim Anblick

des Mondes eine wenn auch noch so unbestimmte Vorstellung von dem

hat, was wir mit dem Worte »Ein« bezeichnen? Schwerlich! Und doch

unterscheidet er gewiss einzelne Gegenstände: ein andrer Hund, sein

Herr, ein Stein, mit dem er spielt, erscheinen ihm gewiss ebenso

abgegrenzt, für sich bestehend, ungetheilt wie uns. Zwar wird er einen

Unterschied merken, ob er sich gegen viele Hunde zu vertheidigen

hat oder nur gegen Einen, aber dies ist der von _Mill_ physikalisch

genannte Unterschied. Es käme darauf besonders an, ob er von dem

Gemeinsamen, welches wir durch das Wort »Ein« ausdrücken, ein wenn

auch noch so dunkles Bewusstsein hat z. B. in den Fällen, wo er von

Einem grössern Hunde gebissen wird, und wo er Eine Katze verfolgt.

Das ist mir unwahrscheinlich. Ich folgere daraus, dass die Idee der

Einheit nicht, wie _Locke_[54] meint, dem Verstande durch jenes Object

draussen und jede Idee innen zugeführt, sondern von uns durch die

höhern Geisteskräfte erkannt wird, die uns vom Thiere unterscheiden.

Dann können solche Eigenschaften der Dinge wie Ungetheiltheit und

Abgegrenztheit, die von den Thieren ebenso gut wie von uns bemerkt

werden, nicht das Wesentliche an unserm Begriffe sein.

§ 32. Doch kann man einen gewissen Zusammenhang vermuthen. Darauf

deutet die Sprache hin, indem sie von »Ein« »einig« ableitet. Etwas ist

desto mehr geeignet, als besonderer Gegenstand aufgefasst zu werden,

je mehr die Unterschiede in ihm gegenüber den Unterschieden von der

Umgebung zurücktreten, je mehr der innere Zusammenhang den mit der

Umgebung überwiegt. So bedeutet »einig« eine Eigenschaft, die dazu

veranlasst, etwas in der Auffassung von der Umgebung abzusondern und

für sich zu betrachten. Wenn das französische »uni« »eben,« »glatt«

heisst, so ist dies so zu erklären. Auch das Wort »Einheit« wird in

ähnlicher Weise gebraucht, wenn von politischer Einheit eines Landes,

Einheit eines Kunstwerks gesprochen wird[55]. Aber in diesem Sinne

gehört »Einheit« weniger zu »Ein« als zu »einig« oder »einheitlich.«

Denn, wenn man sagt, die Erde habe Einen Mond, so will man diesen

damit nicht für einen abgegrenzten, für sich bestehenden, ungetheilten

Mond erklären; sondern man sagt dies im Gegensatze zu dem, was bei der

Venus, dem Mars oder dem Jupiter vorkommt. In Bezug auf Abgegrenztheit

und Ungetheiltheit könnten sich die Monde des Jupiter wohl mit unserm

messen und sind in dem Sinne ebenso einheitlich.

§ 33. Die Ungetheiltheit wird von einigen Schriftstellern bis zur

Untheilbarkeit gesteigert. _G. Köpp_[56] nennt jedes unzerlegbar und

für sich bestehend gedachte sinnlich oder nicht sinnlich wahrnehmbare

Ding ein Einzelnes und die zu zählenden Einzelnen Einse, wo offenbar

»Eins« in dem Sinne von »Einheit« gebraucht wird. Indem _Baumann_ seine

Meinung, die äussern Dinge stellten keine strengen Einheiten dar, damit

begründet, dass wir die Freiheit hätten, sie als Vieles zu betrachten,

giebt auch er die Unzerlegbarkeit für ein Merkmal der strengen Einheit

aus. Dadurch dass man den innern Zusammenhang bis zum Unbedingten

steigert, will man offenbar ein Merkmal der Einheit gewinnen, das von

der willkührlichen Auffassung unabhängig ist. Dieser Versuch scheitert

daran, dass dann fast nichts übrig bliebe, was Einheit genannt und

gezählt werden dürfte. Deshalb wird auch sofort der Rückzug damit

angetreten, dass man nicht die Unzerlegbarkeit selbst, sondern das als

unzerlegbar Gedachtwerden als Merkmal aufstellt. Damit ist man denn bei

der schwankenden Auffassung wieder angekommen. Und wird denn dadurch

etwas gewonnen, dass man sich die Sachen anders denkt als sie sind?

Im Gegentheil! aus einer falschen Annahme können falsche Folgerungen

fliessen. Wenn man aber aus der Unzerlegbarkeit nichts schliessen will,

was nützt sie dann? wenn man von der Strenge des Begriffes ohne Schaden

etwas ablassen kann, ja es sogar muss, wozu dann diese Strenge? Aber

vielleicht soll man an die Zerlegbarkeit nur nicht denken. Als ob durch

Mangel an Denken etwas erreicht werden könnte! Es giebt aber Fälle, wo

man gar nicht vermeiden kann, an die Zerlegbarkeit zu denken, wo sogar

ein Schluss auf der Zusammensetzung der Einheit beruht, z. B. bei der

Aufgabe: Ein Tag hat 24 Stunden, wieviel Stunden haben 3 Tage?

Sind die Einheiten einander gleich?

§ 34. So misslingt denn jeder Versuch, die Eigenschaft »Ein« zu

erklären, und wir müssen wohl darauf verzichten, in der Bezeichnung der

Dinge als Einheiten eine nähere Bestimmung zu sehen. Wir kommen wieder

auf unsere Frage zurück: weshalb nennt man die Dinge Einheiten, wenn

»Einheit« nur ein andrer Name für Ding ist, wenn alle Dinge Einheiten

sind oder als solche aufgefasst werden können? _E. Schröder_[57] giebt

als Grund die den Objecten der Zählung zugeschriebene Gleichheit an.

Zunächst ist nicht zu sehen, warum die Wörter »Ding« und »Gegenstand«

dies nicht ebenso gut andeuten könnten. Dann fragt es sich: weshalb

wird den Gegenständen der Zählung Gleichheit zugeschrieben? Wird sie

ihnen nur zugeschrieben, oder sind sie wirklich gleich? Jedenfalls

sind nie zwei Gegenstände durchaus gleich. Andrerseits kann man wohl

fast immer eine Hinsicht ausfindig machen, in der zwei Gegenstände

übereinstimmen. So sind wir wieder bei der willkührlichen Auffassung

angelangt, wenn wir nicht gegen die Wahrheit den Dingen eine

weitergehende Gleichheit zuschreiben wollen, als ihnen zukommt. In der

That nennen viele Schriftsteller die Einheiten ohne Einschränkung

gleich. _Hobbes_[58] sagt: »Die Zahl, absolut gesagt, setzt in

der Mathematik unter sich gleiche Einheiten voraus, aus denen sie

hergestellt wird.« _Hume_[59] hält die zusammensetzenden Theile der

Quantität und Zahl für ganz gleichartig. _Thomae_[60] nennt ein

Individuum der Menge Einheit und sagt: »Die Einheiten sind einander

gleich.« Ebenso gut oder vielmehr richtiger könnte man sagen: die

Individuen der Menge sind von einander verschieden. Was hat nun diese

vorgebliche Gleichheit für die Zahl zu bedeuten? Die Eigenschaften,

durch die sich die Dinge unterscheiden, sind für ihre Anzahl etwas

Gleichgiltiges und Fremdes. Darum will man sie fern halten. Aber das

gelingt in dieser Weise nicht. Wenn man, wie _Thomae_ verlangt, »von

den Eigenthümlichkeiten der Individuen einer Objectenmenge abstrahirt«

oder »bei der Betrachtung getrennter Dinge von den Merkmalen absieht,

durch welche sich die Dinge unterscheiden,« so bleibt nicht, wie

_Lipschitz_ meint, »der Begriff der Anzahl der betrachteten Dinge«

zurück, sondern man erhält einen allgemeinen Begriff, unter den

jene Dinge fallen. Diese selbst verlieren dadurch nichts von ihren

Besonderheiten. Wenn ich z. B. bei der Betrachtung einer weissen und

einer schwarzen Katze von den Eigenschaften absehe, durch die sie sich

unterscheiden, so erhalte ich etwa den Begriff »Katze«. Wenn ich nun

auch beide unter diesen Begriff bringe und sie etwa Einheiten nenne,

so bleibt die weisse doch immer weiss und die schwarze schwarz. Auch

dadurch, dass ich an die Farben nicht denke oder mir vornehme, keine

Schlüsse aus deren Verschiedenheit zu ziehen, werden die Katzen nicht

farblos und bleiben ebenso verschieden, wie sie waren. Der Begriff

»Katze,« der durch die Abstraction gewonnen ist, enthält zwar die

Besonderheiten nicht mehr, ist aber eben dadurch nur Einer.

§ 35. Durch blos begriffliche Verfahrungsweisen gelingt es nicht,

verschiedene Dinge gleich zu machen; gelänge es aber, so hätte man

nicht mehr Dinge, sondern nur Ein Ding; denn, wie _Descartes_[61] sagt,

die Zahl -- besser: die Mehrzahl -- in den Dingen entspringt aus deren

Unterscheidung. _E. Schröder_[62] behauptet mit Recht: »Die Anforderung

Dinge zu zählen kann vernünftiger Weise nur gestellt werden, wo solche

Gegenstände vorliegen, welche deutlich von einander unterscheidbar

z. B. räumlich und zeitlich getrennt und gegen einander abgegrenzt

erscheinen.« In der That erschwert zuweilen die zu grosse Aehnlichkeit

z. B. der Stäbe eines Gitters die Zählung. Mit besonderer Schärfe

drückt sich _W. Stanley Jevons_[63] in diesem Sinne aus: »Zahl ist nur

ein andrer Name für Verschiedenheit. Genaue Identität ist Einheit,

und mit Verschiedenheit entsteht Mehrheit.« Und weiter (S. 157): »Es

ist oft gesagt, dass Einheiten Einheiten sind, insofern sie einander

vollkommen gleichen; aber, obwohl sie in einigen Rücksichten vollkommen

gleich sein mögen, müssen sie mindestens in Einem Punkte verschieden

sein; sonst wäre der Begriff der Mehrheit auf sie unanwendbar. Wenn

drei Münzen so gleich wären, dass sie denselben Raum zu derselben Zeit

einnähmen, so wären sie nicht drei Münzen, sondern Eine Münze.«

§ 36. Aber es zeigt sich bald, dass die Ansicht von der Verschiedenheit

der Einheiten auf neue Schwierigkeiten stösst. _Jevons_ erklärt:

»Eine Einheit (unit) ist irgendein Gegenstand des Denkens, der von

irgendeinem andern Gegenstande unterschieden werden kann, der als

Einheit in derselben Aufgabe behandelt wird.« Hier ist Einheit durch

sich selbst erklärt und der Zusatz »der von irgendeinem andern

Gegenstande unterschieden werden kann« enthält keine nähere Bestimmung,

weil er selbstverständlich ist. Wir nennen den Gegenstand eben nur

darum einen andern, weil wir ihn vom ersten unterscheiden können.

_Jevons_[64] sagt ferner: »Wenn ich das Symbol 5 schreibe, meine ich

eigentlich

1 + 1 + 1 + 1 + 1

und es ist vollkommen klar, dass jede dieser Einheiten von jeder andern

verschieden ist. Wenn erforderlich, kann ich sie so bezeichnen:

1´ + 1´´ + 1´´´ + 1´´´´ + 1´´´´´.«

Gewiss ist es erforderlich, sie verschieden zu bezeichnen, wenn sie

verschieden sind; sonst würde ja die grösste Verwirrung entstehen.

Wenn schon die verschiedene Stelle, an der die Eins erschiene, eine

Verschiedenheit bedeuten sollte, so müsste das als ausnahmslose Regel

hingestellt werden, weil man sonst nie wüsste, ob 1 + 1 2 bedeuten

solle oder 1. Dann müsste man die Gleichung 1 = 1 verwerfen und wäre

in der Verlegenheit, nie dasselbe Ding zum zweiten Male bezeichnen zu

können. Das geht offenbar nicht an. Wenn man aber verschiedenen Dingen

verschiedene Zeichen geben will, so ist nicht einzusehen, weshalb man

in diesen noch einen gemeinsamen Bestandtheil festhält und nicht lieber

statt

1´ + 1´´ + 1´´´ + 1´´´´ + 1´´´´´

schreibt

a + b + c + d + e.

Die Gleichheit ist doch nun einmal verloren gegangen, und die Andeutung

einer gewissen Aehnlichkeit nützt nichts. So zerrinnt uns die Eins

unter den Händen; wir behalten die Gegenstände mit allen ihren

Besonderheiten. Diese Zeichen

1´, 1´´, 1´´´

sind ein sprechender Ausdruck für die Verlegenheit: wir haben die

Gleichheit nöthig; deshalb die 1; wir haben die Verschiedenheit nöthig;

deshalb die Indices, die nur leider die Gleichheit wieder aufheben.

§ 37. Bei andern Schriftstellern stossen wir auf dieselbe

Schwierigkeit. _Locke_[65] sagt: »Durch Wiederholung der Idee einer

Einheit und Hinzufügung derselben zu einer andern Einheit machen wir

demnach eine collective Idee, die durch das Wort »zwei« bezeichnet

wird. Und wer das thun und so weitergehen kann, immer noch Eins

hinzufügend zu der letzten collectiven Idee, die er von einer Zahl

hatte, und ihr einen Namen geben kann, der kann zählen.« _Leibniz_[66]

definirt Zahl als 1 und 1 und 1 oder als Einheiten. _Hesse_[67] sagt:

»Wenn man sich eine Vorstellung machen kann von der Einheit, die in der

Algebra mit dem Zeichen 1 ausgedrückt wird, ... so kann man sich auch

eine zweite gleichberechtigte Einheit denken und weitere derselben Art.

Die Vereinigung der zweiten mit der ersten zu einem Ganzen giebt die

Zahl 2«.

Hier ist auf die Beziehung zu achten, in der die Bedeutungen der

Wörter »Einheit« und »Eins« zu einander stehen. _Leibniz_ versteht

unter Einheit einen Begriff, unter den die Eins und die Eins und die

Eins fallen, wie er denn auch sagt: »Das Abstracte von Eins ist die

Einheit.« _Locke_ und _Hesse_ scheinen Einheit und Eins gleichbedeutend

zu gebrauchen. Im Grunde thut dies wohl auch _Leibniz_; denn indem

er die einzelnen Gegenstände, die unter den Begriff der Einheit

fallen, sämmtlich Eins nennt, bezeichnet er mit diesem Worte nicht den

einzelnen Gegenstand, sondern den Begriff, unter den sie fallen.

§ 38. Um nicht Verwirrung einreissen zu lassen, wird es jedoch gut

sein, einen Unterschied zwischen Einheit und Eins streng aufrecht

zu erhalten. Man sagt »die Zahl Eins« und deutet mit dem bestimmten

Artikel einen bestimmten, einzelnen Gegenstand der wissenschaftlichen

Forschung an. Es giebt nicht verschiedene Zahlen Eins, sondern

nur Eine. Wir haben in 1 einen Eigennamen, der als solcher eines

Plurals ebenso unfähig ist wie »Friedrich der Grosse« oder »das

chemische Element Gold.« Es ist nicht Zufall und nicht eine ungenaue

Bezeichnungsweise, dass man 1 ohne unterscheidende Striche schreibt.

Die Gleichung

3 - 2 = 1

würde _St. Jevons_ etwa so wiedergeben:

(1´ + 1´´ + 1´´´) - (1´´ + 1´´´) = 1´

Die Grundlagen der Arithmetik Eine logische mathematische Untersuchung über den Begriff der Zahl · 第 9 / 26 题