2. Kapitel

Wie Siegfried durch die Waberlohe zu Brunhild drang, sich mit der

Befreiten verlobte, ihr Island eroberte und sich zürnend von ihr wandte

Eine Woche nur hatte Siegfried auf der Burg des Drachenfelsen gerastet,

und schon schien ihm die Zeit unerträglich lang. Denn sein junger Sinn

stand ihm nach Taten und hielt Ruhe und Bequemlichkeit nur würdig des

Alters, das befriedigt auf die getane Arbeit zurückschauen kann. Darum

entbot er den Nibelungenführer Alberich zu sich und besprach sich mit

dem kundigen Manne.

»Die Welt ist voll von Plagen und Kriegsnöten,« sagte er, »und wartet

auf den Befreier. Ich aber liege bei meinen Reichtümern und stehle Gott

den Tag ab. Das ist Schwächlings Art und nicht die meine. Weist mir ein

würdiges Abenteuer, Freund Alberich.«

Da antwortete der kriegerische Zwerg: »Nehmt uns mit, Herr, und wir

erkämpfen Euch den ganzen Erdball.«

Siegfried aber schüttelte die Locken. »Das wäre mir eine Heldentat,

meine Leute für mich kämpfen zu lassen und mir der anderen Lorbeeren um

den Helm zu winden. Erst will ich mir meinen eigenen Namen verdienen,

bevor ich andere führe und leite. Nennt mir ein Abenteuer, so schwer,

daß kein zweiter Mensch es unternähme, und ich will es bestehen oder

ruhmreich unterliegen.«

Lange sann Alberich vor sich hin. Dann hob er den behelmten Kopf und sah

dem Helden in die Augen.

»Ihr habt mich zwar weidlich beim Barte gezaust, als Ihr mich gefangen

nahmt,« begann er, »und mein Leib ist immer noch rot und blau, so

schlugt Ihr mich wider die Türpfosten. Aber Ihr habt doch mich und die

Meinen aus der Sklaverei des greulichen Fafner errettet und ritterlich

behandelt und gehalten, so daß es mir leid um Euch wäre, Euch in ein

todbringendes Abenteuer verwickelt zu sehen.«

»Nennt es mir,« drängte der Held. »Wenn Ehre und Ruhm dabei zu gewinnen

ist, darf keine Gefahr uns schrecken. Das ist kein Mann, der sich nicht

selber einsetzt.«

»Mein edler, junger Herr,« sprach Alberich, »ich will es Euch nennen,

weil ich Euch bewundere. Und -- weil ich keinem die herrlichste Beute

gönne als Euch. Ich weiß die schönste Frau, die je vom Himmel auf die

Erde kam.«

»Wo ist sie und wie heißt sie?« rief Siegfried rasch.

»Brunhild heißt sie,« sagte der Zwerg, »und war eine der Walküren, der

starken Schlachtenjungfrauen, die einst die im Kampfe gefallenen Helden

auf ihren Rossen in den Himmel Walhalla trugen. Weil sie ungehorsam

gewesen war und wider göttliches Gebot einen ihr lieben Helden gegen den

Tod geschützt hatte, liegt sie auf einem einsamen Berge im Zauberschlaf,

und der Berg ist eingehüllt von der Waberlohe, das ist ein loderndes

Flammenmeer, und nur der Starke, der furchtlos hindurchreitet, kann sie

erwecken und zum Weibe gewinnen.«

Wie Siegfrieds Augen leuchteten und seine Brust sich mächtig hob! Kaum

vermochte der Kühne seine Ungeduld zu meistern.

»Wo geht der Weg, Alberich? Noch heute versuch' ich den Ritt.«

»Stammt Euer Roß Grane nicht von den Walkürenrossen?« fragte der Zwerg.

»Ist es so, so wird es den Weg finden.«

Da nahm Siegfried Abschied von den tausend Nibelungenrittern, setzte

Alberich zum Verwalter seiner Schätze ein und rief sein Roß Grane. Sein

Schwert Balmung hing ihm an der Seite, und in einer Ledertasche führte

er die unsichtbar machende Tarnkappe mit sich. »Grane,« sagte der Held,

und das edle Tier spitzte die Ohren, »Grane, weißt du den

Brunhildfelsen, wo deine Brüder und Schwestern im Stalle stehen? Trage

mich hin, Grane, wir wollen sie befreien und die schöne Jungfrau vor

allem.«

Da wieherte das Pferd hellauf vor Freude und umsprang in wilden Sätzen

seinen Herrn. Der aber schwang sich behend auf des Pferdes Rücken, und

das Roß war mit seinem Reiter den Augen der Nachblickenden entschwunden,

bevor sie sich von ihrem Staunen erholt hatten.

Wie die Windsbraut jagte das Roß dahin. Die Locken flogen Siegfried um

die Stirn, und er schlug sich vor Freude klatschend auf den Schenkel.

Durch Berge und Wälder ging es im gestreckten Lauf, Ströme und Seen

wurden durchschwommen und alle Hindernisse im sausenden Sprunge

genommen. Den ganzen Tag jagte Grane mit Siegfried dahin und die ganze

Nacht, und als der frühe Morgen dämmerte, hob sich in weiter Einöde ein

Berg vor ihnen, der eine einzige Feuersbrunst schien. Das wogte und

wallte vom Fuß bis zum Gipfel in Flammen und Gischt.

Mit bebenden Flanken stand das Roß. Aber Siegfried zog sich die

Tarnkappe über den Kopf, die Roß und Reiter vor dem Feuer hütete, packte

sein scharfes Schwert, gab Grane die Sporen und sprengte in die Glut

hinein. Mit mächtigen Hieben schuf er sich Bahn durch das brennende

Dickicht, durch mannshohe Dornenhecken schlug er sich einen Weg, und so

oft sie wieder zusammenrückten und ihn zu ersticken drohten, sein Mut

und seine Kraft erlahmten nicht, und das brennende Gestrüpp flog unter

seinem Schwert wie Feuergarben nach links und nach rechts. »Spring an,

Grane!« rief der Held, »spring an! Beiß zu, Balmung! Hei, mein gutes

Schwert, beiß zu!« Und in gewaltigen Sätzen sprengte das Roß aufwärts,

keuchend und stöhnend, Funken und Flammen unter seinen Hufen. Und der

Stahl Balmung zischte und blitzte, zerbiß Eichenstämme wie dünne Ruten

und hielt die Bahn frei, bevor sich die lodernde Wildnis wieder

schließen konnte. Der Gipfel des Berges war erreicht. Ein ragendes Tor

stieß Siegfried mit dem Schwertknauf ein. Da donnerte es rings um den

Himmel herum minutenlang, und als das letzte Rollen des Donners verhallt

war, waren die Flammen des Berges erloschen, und der Wald grünte und

blühte in der goldenen Morgensonne.

Siegfried zog sich die Tarnkappe vom Haupt. Sein Gesicht glühte, und die

Adern lagen ihm wie Stricke auf der Stirn. »Das war, bei Gott, nicht

leicht,« stieß er, nach Atem ringend, hervor, schüttelte die Locken und

sprang vom Pferde. Neben seinem Rosse Grane kniete er hin, das Auge auf

die goldene Morgensonne gerichtet, und dankte dem Himmel für die

sichtbare Behütung.

Dann nahm er Grane beim Zügel und schritt durch das Tor.

Da lag auf mauerumgürtetem Platze eine große, wunderbar schöne Frau,

gepanzert und behelmt, angeschmiedet auf einem eisernen Lager. Wie eine

Schlafende lag sie mit geschlossenen Augen.

Leise trat Siegfried heran und beugte sich über sie. Nie glaubte er

Herrlicheres geschaut zu haben. Denn wie eine Kriegsgöttin war diese

Frau anzusehen, von mächtigem Körperbau und doch von Antlitz schön und

stolz wie eine hehre Jungfrau. Nachtschwarz fielen ihr die Locken um die

Wangen, und der Mund blühte rot und sehnsüchtig.

[Illustration: Siegfried tritt an das Lager Brunhilds]

Behutsam nahm Siegfried sein Schwert, und der Balmung durchschnitt die

Eisenfesseln, als wären es weiche Stricke gewesen. Da dehnte die

heldische Jungfrau traumbefangen ihre Glieder. Und Siegfried beugte sich

tiefer über sie und küßte sie sacht auf den Mund.

Groß und weit öffnete die Jungfrau ihre Augen. Dunkel waren sie wie ihr

nachtschwarzes Gelock, und sie erwachten aus dem Traum und gewannen

Leben und Feuer.

»Wer bist du, Held?« sprachen ihre Lippen. »Und wo kommst du her?«

Und der Held antwortete und war noch immer über sie gebeugt: »Ich bin

Siegfried, Siegmunds Sohn und gebürtig aus Xanten am Niederrhein.«

»Was trieb dich, o Siegfried, dies Wagestück zu bestehen?«

»Der Wunsch, o Brunhild, dich zu befreien und dich zu gewinnen.«

Sie stützte sich auf ihre starken Arme und richtete sich auf. Ihr

Blick schweifte durch das offene Tor den Berg hinab.

»Das Feuer ist erloschen,« sagte sie leise und atmete tief. »Und der

furchtbare Bannspruch ist mit ihm erloschen.«

Sie sprang auf die Füße, daß ihr Panzer klirrte, reckte die Arme und

streckte den Leib. »Frei! Frei!«

Und Siegfried stand neben ihr, staunte ihres Leibes Kraft und Schönheit

an und wußte nichts zu sagen.

Da wendete sie den Kopf nach ihm, gewahrte sein bewunderndes Auge,

gewahrte seine Reckengestalt und errötete tief.

»Blicke mich nicht so an, o Held.«

»Du bist so schön, o Brunhild.«

»Nur wer mein Gemahl wäre, dürfte mich so anschauen. Und es gibt keinen

Mann auf Erden, der so stark ist, daß er mich bezwänge.«

»Wehr' dich,« lachte Siegfried, trat auf sie zu und schloß sie in seine

Arme, daß sie sich nicht regen konnte. Aber der Zorn flammte aus ihren

Augen und färbte ihre Wangen.

»Gib mich frei,« stieß sie hervor, »oder es könnte dich reuen.«

»Hab' nimmer gelernt, was Furcht ist,« lachte der Held und küßte sie auf

den zornigen Mund.

»Du Unband,« stöhnte sie, aber nun lachte auch sie.

»Siehst du wohl,« sagte Siegfried, »es geht schon an. Nun küsse auch du

mich einmal.«

Sie glaubte seine Arme gelockert und sprang plötzlich gegen ihn an, daß

es ihn fast umgeworfen hätte. Aber nun umschlang er sie, daß sich ihr

Panzer bog und ihr der Atem in der Kehle stockte. »Ist das dein Kuß, du

Wilde? So will ich dich wohl auf deine Weise wieder küssen, wenn dir das

eher gefällt.«

Da hob sie, von seiner Kraft und seinem Lachen bezwungen, den Kopf und

küßte ihn.

Und allsogleich ließ er von ihr ab, bog das Knie und huldigte ihr

ritterlich.

Das Blitzen ihrer Augen schwand, und ihr Blick wurde weich und

frauenhaft. Ihre Hand spielte in seinen Locken.

»Mein Held,« sagte sie und atmete tief. »Mein Held und Befreier.«

»Danke mir besser, o, ich bitte dich, Brunhild.«

»Was könntest du Besseres begehren als meine Freundschaft?«

Und Siegfried sprang vom Boden auf und rief: »Dich selber! Werde mein

Weib!«

Lange sann Brunhild in die Ferne hinaus. Dann sprach sie:

»Fern im Nordmeer liegt ein Inselreich. Wie eine unbezwingbare Festung

steigt es aus der wildrollenden See. Eine Kette von feuerspeienden

Bergen umgürtet es, und kochend heiße Flüsse zischen ins schwarzblaue

Meer. Island heißt das Land, das nie bezwungene, und mir gehörte es, bis

mich der Spruch des zürnenden Gottvaters hierher und in Ketten in die

wabernde Lohe warf. Seit ich fern bin, ist Island unterjocht. Du willst

mich zum Weibe, Siegfried? Wo ist dein Brautgeschenk? Ich will es dir

nennen und will die Deine sein, so du es mir schaffst: Nimm Island mit

stürmender Hand für mich. Setze mich wieder auf den Thron meiner Heimat.

Ich kann mich nur als Königin dir schenken und nicht als Magd.«

So sprach die stolze Frau, und Siegfried, hingerissen von der Größe

ihrer Sprache, gelobte es ihr in die Hand und zog den Ring Nibelungs von

seinem Finger und steckte ihn ihr an als Verlobungsring.

Auf dem Ringe aber lastete der Fluch, von dem Mime gesprochen hatte, als

Siegfried auszog, den Lindwurm zu erlegen, der Fluch Nibelungs, der den

Träger des Ringes sich überheben läßt in wachsendem Ehrgeiz und

nimmersatten Wünschen. Und Siegfried hatte Mimes Warnung vergessen, als

er den Ring an Brunhilds Finger schob. --

Im Stalle des Bergfrieds stand Brunhilds Walkürenroß. Und bei ihm stand

Grane und leckte ihm zärtlich den Hals.

»Hoho, mein guter Genoß,« rief Siegfried, »hast du den Kameraden

gefunden? Nun, wenn es auch gar so schnell wieder auf die Reise geht,

ihr bleibt zusammen. Gefällt euch das?«

Da wieherten die Rosse vor Vergnügen und ließen sich willig satteln und

zäumen.

Und Siegfried hob mit starken Armen Brunhild in den Sattel, daß sie im

stillen aufjauchzte über seine Kraft, und er selber schwang sich auf

Granes Rücken, schaute nach dem Stand der Sonne, versicherte sich der

Himmelsrichtung und ritt mit Brunhild den Berg hinab. In der Ebene aber

ließen sie den Gäulen die Zügel, daß sie Seite an Seite dahinstoben wie

Falken im Revier.

Als die Sterne aufstiegen, suchte Siegfrieds scharfes Auge aus den

Figuren der Gestirne den Polarstern heraus und ritt ihm nach gen Norden.

Und je mehr sie sich dem Meere näherten, desto heller und stärker hub

Siegfried zu singen an. So ritten sie Tage und Nächte, vom Rheine zur

Wesermündung, und eines Morgens rauschte machtvoll hinter den Dünen her

die Melodie des Meeres in Siegfrieds Lied.

Ein seefestes Schiff fanden sie, und der Held gab dem Schiffer eine

breite, goldene Armspange als Fährlohn und versprach ihm mit

ritterlichem Handschlag einen Schild, angefüllt mit gemünztem Gold, so

er ihn, Brunhild und die Rosse in kürzester Frist hinüberbrächte nach

Island. Da spannte der Schiffer die braunen Segel, und Siegfried packte

das Steuer. Am Mast waren die Rosse angebunden, und Brunhild saß vorn am

Bugspriet des Schiffes, durchforschte die wilde See und rief ihrem

Steuermann die Richtung zu.

Hui, warf sich der Sturm in die Segel und jagte das Schiff durch die

Wellenberge, daß es im Gischt verschwand. Aber Siegfrieds Faust hielt

das Steuer umklammert, und ob das Schiff in den Fugen krachte und der

Mast sich bog unter den schier berstenwollenden Segeln, er handhabte das

Steuer mit eisernen Griffen und warf das Schiff über die Wasserschlünde,

als tummelte er seinen Renner über Hecken und Gräben.

Und der Sturm schrie mit gellenden Stimmen, und Siegfried schrie nicht

minder in den Sturm hinein, und seine Locken flatterten wie heiße Sonne

um seinen Kopf: »Heia, heia! Es ist eine Lust zu leben!«

Dann lugte Brunhild über die Schulter nach dem Helden, und er schien ihr

begehrenswert vor allen Männern und ein erlesen Werkzeug für ihren

weitschweifenden Ehrgeiz.

Tage und Nächte tobte der Sturm, drang vom Steuer her Siegfrieds helles

Singen. An einem Morgen aber gewahrten sie an der Brandung, daß sie

Island nahe waren. Da stellte Siegfried das Singen ein und tastete nach

seinem Schwert.

In den Hafen fuhren sie ein, und gewappnete Männer eilten herbei, ihnen

die Landung zu wehren. Siegfried aber packte das Tau, mit dem er das

Schiff am Lande befestigen wollte, und sprang mit jähem Satze unter sie,

daß sie von dannen stoben und nicht anders vermeinten, als der

leibhaftige Teufel säße ihnen im Nacken. Nun warf der Schiffer die

Planke ans Ufer, und Siegfried holte Brunhild herüber und die

stampfenden Rosse. Wohl gerüstet ritten sie vor die Burg des Königs, und

alles Volk strömte auf die Mauern.

»Der König soll kommen!« rief Siegfried befehlend, und man rannte, dem

König die seltsame Mär zu künden.

In schwarzen Panzer geschient, ritt der König auf schwarzem Streitroß

vor das Tor.

»Frecher Fremdling,« schalt er drohend, »welcher Sprache erkühnst du

dich? Ich werde die Fische mit deinem Leichnam mästen.«

Siegfrieds Adern schwollen auf der Stirn. Doch beherrschte er sich.

»Sitz' ab,« gebot er, »denn du bist nur ein Emporkömmling und hast

deiner Königin demütig zu Fuße zu nahen. Brunhild ist heimgekommen.

Sitz' ab, sage ich dir noch einmal, nimm die Krone vom Helm und trage

sie ihr an den Steigbügel.«

Da riß der König wutschnaubend sein Visier herab, senkte den riesigen

Speer und sprengte gegen Siegfried an. Der trug Balmung nackt in der

Hand, trieb Grane mit einem Schenkeldruck an, hob den guten Stahl und

trennte mit wagerechtem Hieb den Speer vom Faustkorbe. Mit aller Kraft

warf der König den Gaul herum, um das schirmende Burgtor zu erreichen.

Aber Granes schneller Flug holte den Streithengst ein, Steigbügel

klirrte an Steigbügel, und Siegfried warf seinem Roß die Zügel über den

Kopf, umklammerte mit den Schenkeln Granes Bug, streckte die freien

Hände nach dem weit zurückweichenden König aus, umarmte ihn wie mit

Zangen, riß ihn im Dahinjagen aus dem Sattel und schleuderte ihn vor

Brunhilds Füße, wo er liegen blieb, ohne sich im Leben noch einmal zu

erheben.

»Sagte ich dir nicht,« rief der zürnende Held, »daß du deiner Königin zu

Fuß nahen solltest?«

Vom Pferde sprang er, hob die Krone auf und drückte sie Brunhild ins

Haar. Und wandte sich wieder der Burgmauer zu und rief zum Volke

hinauf: »Sehet hier eure Königin, die heimgekehrt ist, eure Treue zu

erproben. Kommet heraus auf euren schnellsten Sohlen und huldigt ihr, so

euch an ihrer Huld gelegen ist.«

Da kamen sie in langem Zuge, mit Fahnen und Musikanten, bogen das Knie

und boten auf goldener Schüssel Brot und Salz, in goldenem Becher den

Willkommtrunk.

Stolz und erhaben saß Brunhild zu Pferde, die Krone im Haar. Und sie

nahm von dem Brot und dem Salz mit königlicher Gebärde und netzte ihre

Lippen an dem Becher und reichte ihn huldvoll Siegfried dar, der ihn

lachend nahm und ihn bis zur Nagelprobe leerte. Das Volk aber klatschte

dem starken und frohen Helden begeisterten Beifall.

Hocherhobenen Hauptes zog Brunhild in die Königsburg, heiteren Auges

Siegfried neben ihr.

Acht Tage ordnete Brunhild die Regierungsgeschäfte, und Siegfried ließ

sie fröhlich gewähren. Am neunten Tage aber trat er vor sie hin, küßte

ihre schönen Hände und fragte nach dem Tage der Hochzeit.

Brunhild schlug die Augen nieder. Ihr Blick fiel auf den glitzernden

Ring des Nibelung an ihrer Hand.

»Mein Held,« begann sie, »dieses Reich ist nur klein und allzu klein für

unseren Heldensinn. Dein Vater Siegmund aber lebt und kann noch lange

regieren.«

»Das wünsche ich ihm von Gottes gnädigster Huld,« sagte der Held.

»Nun wohl denn,« fuhr die Königin fort, »nimm meine besten Schiffe,

meine besten Ritter und Mannen, segle nach Norge hinüber und nach

Dänemark, bekriege die Länder und gründe dir ein großes Nordlandreich.«

Siegfried schaute auf. Dann lächelte er.

»Du willst mich auf die Probe stellen. Ich bin kein seeräubernder

Wiking, sondern ein Ritter. Und Norge und Dänemark leben in Frieden mit

uns. Sprich also, wann soll die Hochzeit sein?«

Brunhild aber antwortete: »Sobald du heimgekommen bist mit den Kronen

von Norge und Dänemark.«

Da merkte der Held, daß ihr Sinn hochfahrend geworden war, und er suchte

in der Königin das liebende Weib zu wecken.

»Brunhild, gedenke, daß wir Verlobte sind. Ich will kein Mannweib an

meiner Seite, sondern die süße Genossin, die sich der Taten ihres Mannes

freut und seinen wilden Kopf in ihrem Schoße zur Ruhe bettet. O laß mich

nach all den heißen Schlachtgesängen dir von Liebe singen und singe mir

wieder von Liebe, damit ich weiß, für welchen Reichtum ich draußen

kämpfe, und doppelt scharf den Balmung schwinge.«

Hohnvoll lachte sie über ihn hinweg.

»Hier ist kein Asyl für Ermattete und Bresthafte. Eine Königin schenkt

sich nur einem König. Laß dein Schwert für dich reden und nicht deine

Zunge.«

Siegfrieds Stirn zog sich zusammen. Hochaufgerichtet stand er vor

Brunhild und maß sie mit blitzenden Augen. Dann wandte er sich und

schritt zum Strande.

Da lag noch der Schiffer, der sie hergebracht hatte, und wartete auf

günstigen Wind.

»Fahr zu,« gebot ihm Siegfried, »ich nehme wieder das Steuer.«

Auf der Burgmauer stand Brunhild, prächtig zu schauen in ihres Leibes

Schönheit und den reichen Gewändern aus Purpur und Gold. Wie die

herrliche Mitternachtssonne war sie anzusehen unter ihren dienenden

Frauen. Nun hob sie die Hand.

»Siegfried,« rief sie voll königlichen Bewußtseins, »Siegfried, ich

harr' deiner Wiederkehr!«

Siegfried, der Held · 第 9 / 17 题