Sofort entsteht eine heftige Erregung und große allgemeine Unruhe unter
allen Anwesenden, deren Blicke starr gegen die Thüre gerichtet sind,
und unter denen ein bald unentwirrbares Gemisch von staunenden Ausrufen
von seiten der Männer, von Verwünschungen von seiten der Frauen hin-
und hergeht.--
PRIESTER (_am Altar, wie oben_). Agnus Dei, qui tollis peccata mundi,
miserere nobis!...
_Die Unruhe wächst immer mehr; der Garde-Kapitän ist einige Schritte
gegen das Portal zu getreten; die Dienerschaft drängt sich von dieser
Seite immer stärker gegen die Mitte des Saales._
PRIESTER (_am Altar_). Agnus Dei, qui tollis peccata mundi, dona nobis
pacem...[8]
_Der Papst ist ebenfalls aufgestanden und schaut starr gegen die Thüre,
wo das Weib in regungsloser Haltung verharrt; Gruppen bilden sich und
pflegen in erregter Weise Meinungs-Austausch. Der Zeremonienmeister
Burcard ist von hinten vorgekommen, um sich mit dem Papst zu benehmen,
der ihm aber kein Gehör schenkt. Man hört die Kleinen schreien._
PRIESTER (_vollendet und sagt sein_). Dominus vobiscum![9] (_Dessen
Antwort_: "Et cum spiritu tuo"[10] _nicht mehr vernommen wird_.)
_Man hört jetzt aus der Menge Rufe wie_: "Wer ist die?"--"Woher
kommt die?"--"Eine Neapolitanerin!"--"Schafft sie 'naus!"--"Halt!
Halt!"--_Man hört die Stimme des Papstes_: "Schonung! Schonung!"--
PRIESTER (_am Altar, wendet sich um, sieht erschrocken die Verwirrung,
sagt aber sein_). Ite missa est[11]--(_und erteilt darauf, ohne daß
sich noch jemand um ihn kümmert, den Segen_.)
_Nunmehr verlassen alle ihre Plätze und drängen gegen die Thüre zu; die
Männer zunächst, die Frauen wie zurückgeschoben; der Papst, umgeben von
seinem Sohn Cesare, dem Zeremonienmeister und dem Garde-Kapitän, führt_
DAS WEIB _vornehm bewillkommnend unter großem Nachdrängen von seiten
der Männer, unter lauten Ausrufen und Verwünschungen von anderer Seite,
etwas gegen die Mitte des Saales.--Der Priester hat sich inzwischen am
Altar verbeugt und ist rechts abgegangen; ein Sakristan ist gekommen
und löscht vorschriftsmäßig die vier großen Kerzen aus.--In dem so
entstandenen Halbdunkel, in dem_ DAS WEIB _wie magisch beleuchtet
herausglänzt, sieht man noch, wie die Männer wie wild gegen die helle
Gestalt losstürzen, die der Papst jetzt fest unter den Arm genommen
hat, während der Garde-Kapitän den Degen zieht, Burcard die großen
mächtigen Arme, wie zur Ruhe mahnend, hoch emporhebt, und Cesare
wie wütend gegen die Eindringenden um sich schlägt. Die Betstühle
werden umgeworfen; man sieht vereinzelt Dolche in der Luft blitzen;
im Hintergrund halb ersticktes Weibergeschrei. "He, Hilfe!"--"Ich
bin's nicht!"--"Ich bin die Falsche!"--"Waffen!"--"Soldaten!"
Man hört_ LUCREZIA'S _Stimme: "Cesare!--Cesare!--Mio papa--zu
Hilfe!"--Schließlich drängt die Gruppe mit dem_ WEIB _und dem_ PAPST
_in ihrer Mitte zur Thüre hinaus; Alles wie wild nachstürzend; die
Frauen kreischend zu beiden Seiten ab:--der Vorhang fällt._
[1] Denn dies ist mein Leib.
[2] Denn dies ist der Kelch meines Blutes, des neuen und ewigen
Bundes--das Geheimnis des Glaubens--welches für euch und für viele
vergossen wird zur Vergebung der Sünden.
[3] Die reine Hostie, die heilige Hostie, die makellose Hostie.
[4] Das heilige Brot des ewigen Lebens und den Kelch des immerwährenden
Heils.
[5] Von Ewigkeit zu Ewigkeit.
[6] Lamm Gottes, das du trägst die Sünden der Welt ...
[7] Erbarme dich unser!--
[8] Lamm Gottes, das du trägst die Sünden der Welt, schenk' uns Frieden.
[9] Der Herr sei mit Euch.
[10] Und mit deinem Geist.
[11] Soviel wie: die Messe ist vorbei.