Der Tatar lachte: »Auf kurze Ruhe.«

Ihr Garten schwebte voll Geruch. Vögel tanzten durch die Pfützen im Kies

nach blitzendem Regen.

Als er das Pferd musterte einmal im Stall, sagte sie, zwischen den

Pistazien des Gartens stehend: »Du darfst nicht weiter,« und schloß zum

erstenmal wieder die Augen.

Da griff er aus dem Gebüsch eine grüne Schlange, hielt sie an die Zunge,

die ihr Zahn sofort durchstieß. »Wo ist das Stärkere? Ich suche es die

ganze Zeit.«

Die Zunge schwoll, gebläht von rotem Schleim. Sie wurde dicker und füllte

am Ende den Mund an, daß kein Ton aus der Gurgel mehr gelang. Wie sein Kopf

begann, bläulich unter dem Gift anzulaufen, zuckte er die Achseln und

stemmte sie zurück.

Seine Augen stiegen aus den Höhlen, es schien einen Augenblick, als sauge

er die sichtbare Landschaft ein. Dann warf sich ein Schuß Blut in seinen

Kopf, und abgetötet lief die Schwellung ab.

In der Nacht weinte die Chinesin und sprach lange auf ihn ein, während der

Duft der Gärten sich über die blaue Dunkelheit erhob. Doch er hörte nicht

auf sie und ging in den Pavillon, legte sich auf das rechte Ohr und verfiel

dem Schlaf.

Auf der Veranda dann zog sich ein Geräusch durch die Klettertrauben. Der

Kopf einer Frau leuchtete in das Gemach. Auf Vieren lief sie wie ein Wiesel

durch den Raum, richtete sich auf dem Bett hoch, ballte sich in einer Kugel

zusammen und schlug weinend ein Messer in die Brust des Tataren.

Der aber, an dessen Rippe das Eisen sich bog, ergriff sie, streifte das

helle Kleid über ihre festen gelben Brüste, auf denen die lakierten

schwarzen Warzen saßen, und zog sie in seine Umarmung.

»Ich liebe dich,« stammelte die Chinesin ersterbend: »Ich liebe dich zu

sehr.«

Die Hufschläge des Davonreitenden rissen sie morgens wirren Auges aus dem

Schlaf, sie streckte die Arme aus. Dann bestieg sie das Kamel und folgte,

den Kopf wie ein Luchs zur Erde geneigt, seinen Spuren.

Der Tatar ritt durch die unendlichen Gärten der Birnen und Granatäpfel,

durch die Dörfer und die Städte. Eine Dunstwolke umhüllte ihn, sein Pferd

rannte, Fett der Ruhe zwischen den Rippen. Sein Anzug lag in Fetzen. Wildes

Haar verfilzt hing ihm um das wüste Gesicht.

Am Abhang eines Bergstocks hing auf übergeneigtem Gestein eine Stadt. Zwei

Wachen traten ihm entgegen. Als sie sein Aussehen sahen, ließen sie ihn

ein. Es war eine Burg noch der Sassaniden, er erkannte es aus der Lagerung

der Mauern. Die ganze Stadt stak voll Straßenräubern. Der Tatar trank mit

ihnen und schlug den ersten Tag, streitend, zwei nieder. Er bekam Macht.

Ausrückend bald trafen sie eine tatarische Karawane, die nach Mekka zog.

Sie plünderten sie aus. Der Tatar ließ den Führern die Augen ausstechen und

sandte sie zurück zu Timur, sie sollten ihm den Weg zeigen zurück, wo sie

geblendet worden seien.

Sie kamen wieder, Yakou wütend bei ihnen mit einem Heer. Die Räuber warfen

sich in die Stadt, gegen die die Tataren anliefen. Der große Tatar unter

ihnen nahm die Verteidigung in die Hand.

In manchem Ausfall machten sie Gefangene. Sie schlachteten sie auf den

Mauern, bauten große Bogen, pfählten die Köpfe und pfeilten sie den Tataren

hinunter in ihr Lager.

Yakou stellte Schleudern auf. Aber der Tatar errichtete die gleichen und

schoß im selben Abzug wie Yakou, daß die Granitblöcke sich knirschend in

der Luft trafen und zermalmten.

Yakou ließ säumige Soldaten hinrichten und trieb Maschinen in die Felswand,

die Stadt zu unterhöhlen. Bei einer Besichtigung, die Yakou machte, warfen

die Verteidiger in der Stadt ein Hebelwerk auf. Ein Strom schoß rauschend

aus dem Felsen und spülte Yakou und seine Leute in ein Bassin, aus dem sie

mitten in der Stadt gefischt wurden mit Netzen.

Ein Geschwaderführer wurde vor Yakou hinaufgebracht in einen Raum, in dem

aus einem zugehängten Kabinett eine Stimme ihn anrief. Der Offizier warf

sich nieder und erflehte sein Leben. Ein Wink kam aus dem Teppich, er wurde

hinausgeschafft an den Beinen wie ein Schwein.

Yakou trat vor. Er schnitt eine Fratze und sah sich um.

Die Stimme hinter dem Vorhang rief:

»Hat je ein Hund sich erfrecht, ohne Gruß . . .«

»Bin ich ein Hund, bin ich nicht deiner.«

»Ein Gefangener.«

»Sei nicht stolz auf den Sieg. Timur hat dreihunderttausend solcher. Ich

bin nur einer.«

»Prahle nicht.«

»Du bist ein Tatar. Verräterei machte dich groß. Ich war treu.«

»Ich hau dich entzwei.«

»Mach es kurz,« sagte Yakou stolz und riß die Brust auf.

Der Vorhang schwankte unter einer dürren Hand, die hakend zog sekundenlang.

Dann fiel er.

Wie ein Wolf fletschte Timur lachend Yakou in das Gesicht.

Timur: Novellen · 第 21 / 22 题