Aber unerschüttert im Lächeln sagte sie: »Ich.«

Er nahm ein Schwert, sie zu zerhauen, aber er ließ es und schickte sie weg.

Er ging zur Fontäne, umkreiste sie und ließ die Chinesin wieder holen:

»Ich war stärker als deine Voraussage,« er hob die Stimme, doch sie blieb

dumpf.

»Ja,« sagte sie, »du hast mein Gesicht überschritten, aber ein Pfeil steht

auf deine Stirn gezückt. Hier ist das Ende.«

»Wann?« schrie Timur und lachte wie ein Pferd.

Ihr Gesicht verfiel. Dann in einem Stoß sich aufwerfend wie aus Kratern,

zischte sie: »_. . . am siebenten Tag im Monat Ramadhan._« -- Dann sank sie

auf den Boden, ausgelöscht von Ohnmacht.

Dies war über ein Jahr.

Beim Tisch der Feldherren legte Timur plötzlich die Regierung auf das Haupt

Yakous, ihn zu vertreten. Sie schwiegen und fragten nicht.

Die Nacht sprach er mit Guines.

Sein Hirn war voll dumpfem Triumph, schon eh er aufbrach. Er lachte die

ganze Nacht. Guines zitterte. In der letzten Stunde sagte Timur: »Glaubst

du an mich?« Er schlug auf den Tisch, ganz sachte, aber er schlug Guines in

die Knie. »Ja,« stöhnte er. Timur lächelte.

Am Morgen verließ ein riesiger Tatar Timurs Zelt. Er ritt, als säßen

Geister in seinen Schenkeln. Das Pferd warf die Kruppe in die Luft,

ausschlagend. Der Kopf hing zwischen den Vorderbeinen. Manchmal drehten sie

sich im Kreise. Die Hufe gingen durch Tage und Nächte in gleichem Aufschlag

über der Steppe, der Reiter zählte den Aufschlag, so ritten sie.

An einem See machten sie Halt. Der Reiter zog Hose und Rock aus, die steif

waren vor Schweiß, warf sie in die Sonne und stürzte in das Wasser. Der

Gaul soff keuchend mit den roten Nüstern. Hier blieb der Reiter Wochen, sah

in den Himmel, lachte, brüllte, schwieg, übte sich im Scheibenwerfen und

Jagen und zwang einen Vorüberreitenden, mit ihm Ball zu spielen bis in die

Dunkelheit.

Dann besprang er das Pferd und ritt weiter. Weißer Schaum flockte aus den

mahlenden Kiefern des Tieres.

Langsam teilte sich die Gegend vor ihm auf. Er kam in Wälder von Aprikosen

und Pistazien. Ein Hase kreuzte seinen Pfad, er schoß ihn. Speisend traf er

Menschen, die keine Waffen trugen. Ihre Jurte war von Feigen gegen die

Sonne beschattet. Sie arbeiteten mit Geräten in Gärten und Hainen. Ihre

Frauen waren spitzbrüstig und weich. Es gab keinen Speer, keinen Bogen.

Er lebte unter ihnen, den Frieden aufnehmend, der alle trug. In einer Nacht

kroch die Frau eines Führers in seine Matte und warf sich auf ihn. Die

Nacht noch löste sich der Vorhang. Die blonden Augen eines Mannes stierten

glänzend in die Dunkelheit. Seine Hand, vorschnellend, griff in des Tataren

Gurgel. Der riß einen Ziegel vom Herd und schlug ihn ihm in den Rücken, daß

er die Hände in die Luft krallte und verzuckte.

Der Tatar ließ die Gegend, besprang sein Pferd und trabte weiter, auf

seinem Sattel lebte acht Sonnenaufgänge und Mondsicheln lang die

spitzbrüstige Frau, bis er sie einer anderen Jurte ließ.

In der Nähe der Stadt Tahauzeguh stieg er ab, zog aus der Tasche des

zerrissenen Kleides Pelzwerk und goldene Münzen und ritt geschmückt in die

Stadt. Auf den Straßen erhob sich Aufsehen über ihn, die Chinesen lachten,

lachten über die Hosen, aus denen Schweiß rann und die Kette an seinen

Ohren aus Smaragden.

Waffenlos zog er in eine Karawanserei, zog sich aus und legte sich

schlafen. In der Nacht entriß ihm einer den Schmuck. Er stand auf unter

drohenden Gesichtern, griff den Knopf einer Tür, lief dem Dieb, im Hemd

gekleidet, nach, erschlug ihn auf der Straße, kehrte zurück und legte sich

nieder. Das Murren einer Menagerie empfing ihn. Er schlief ein. Aufwachend,

fehlte ihm nichts, aber er war allein.

Der Tatar überkletterte ein Gebirge, trabte durch eine Steppe und kam an

den Rand der Wüste Ergimul. Auf einem Felsen wohnten zitternde Mongolen,

die am Tag Bilsenkraut pflückten, in Angst vor Löwen und Panthern

ersterbend, deren Gebrüll nachts in tobenden Wellen über die Gegend jagte.

Sie hatten kupferne Kessel und brannten das Kraut darin, bis es sott. Den

Schaum zogen sie ab und handelten ihn weiter, es war ein Opiat, das zwei

Tage berauschte.

Der Tatar soff kreischend einen ganzen Abend davon, besprang das Pferd,

trabte in die Wüste und legte sich in die Blumen einer Oase. Tagelang

schlafend überstürzten ihn Träume von Schlachten und Weibern. Fiebernd

schrie er, daß sein Gebrüll das der Tiere überschäumte. Ströme schlugen aus

seinem berauschten Leib, der die Tiere verjagte. Löwen prallten zurück und

Panther winselten vor Wut.

Erwacht, durcheilte er die große Ebene bis zu einem rötlichen Gebirg. In

der Mitte hob sich ein Pyramidenberg mit einer Seite voll aufsteigender

Treppen, wie eine Leiter steil und glänzend von Rot. Die Menschen der

Dörfer wiesen ihm Pfade, die um das Gebirge führten und sagten ihm, daß bei

den Stufen ein Wind herunterfalle, der ihn, aufnehmend, in einen Fluß werfe

und zerschlage.

Er stieg die Treppen und fiel nicht.

Oben, wo der Wirbel weißlich tanzte, trat er bis um einen Nagel breit an

den Abgrund und hob den Kopf steil. Der Wirbel teilte sich vor ihm. Immer

stand er in der Mitte des Trichters, der die Luft in Strudeln um ihn

herumriß, daß die Ebene vor seinen Augen hinglitt wie unter fließendem

Wasser.

Zurücktretend stieg er ab und ritt nach Persien zu. Im Durchreiten einer

kleinen Stadt sah er eine Chinesin auf einem Kamel den Platz queren. Die

Blicke begegneten sich, ein Wort warf ihr Tier in das Knie, sie lief zu ihm

und riß die Arme um den Hals seines trabenden Pferdes, daß es hielte, und

schleifte ein Stück.

»Was willst du?«

»Dich.«

»Woher kommst du?«

»Ich suche dich.«

Sie blieben hier.

Aus den Fenstern der gartenreichen Stadt hingen Seiden. Über die Ebene

wellte sich blonder Weizen. Trauben überspannten die Pavillons.

»Es ist gut, so zu leben,« sagte nach Tagen die Chinesin.

Durch den blauen Abend flogen Rufe der Minarette, die sich in den Himmel,

weiße Flammen, spannten.

Timur: Novellen · 第 20 / 22 题