Mit Gruß

Gerd Rosenbrock.

19.

Es war wieder die Hauptzeit des Torfverschiffens. Auf der Hamme,

ihren Lauf durch das breite Tal meilenweit bezeichnend, zogen die

braunen Segel. Die heimkehrenden Dorfgenossen taten sich zusammen und

koppelten ihre Schiffe in Reihen hintereinander, um sie, vornüber

gebeugt an langem Tau gehend, mit vereinten Kräften die Klappstaue

der Gräben hinaufzuschleppen. Aus den Kolonien, die gepflasterte

Straßen in der Nähe hatten und in denen die mühsame Schiffahrt der

bequemeren Fuhrwerkerei zu weichen begann, rumpelten um Mitternacht

die schweren, auf sechs Kubikmeter geeichten Kumpwagen, indem die

gespenstigen Schattenbilder der Vorderräder, zwischen denen die

Windlaterne schaukelte, sich an den Birkenreihen entlang drehten. Auf

der Lilienthaler Chaussee und dem Breiten Weg bildeten sich, zumal in

den Nächten vor Montag und Donnerstag, den Haupttagen des Torfhandels,

oft Wagenreihen von mehreren hundert Metern Länge. Die Gäule trotteten

ihren ebenen Tritt, und von ihren Lenkern gab sich manch einer,

vornüber gesunken, dem Schlaf hin, der aber hier und da einem teuer

zu stehen kam. Denn weder auf der preußischen noch auf der bremischen

Seite war die Polizei einer derartigen Nachtruhe hold.

Auch Gerd kam um diese Zeit zwei- oder dreimal die Woche mit seinem

Schiff in die Stadt. Die Schwester zu besuchen, konnte er sich aber

längere Zeit nicht entschließen. Neues in ihrer Sache gab es nicht zu

berichten. Hermann hatte zwar einige Male um eine Stelle geschrieben,

bislang aber nichts Passendes gefunden.

Endlich, im letzten Drittel des Oktober, machte er sich einmal wieder

auf den Weg, sie zu besuchen, veranlaßt durch einen Brief, in dem sie

gar herzlich und dringend darum bat.

Als er das Haus betrat, winkte Frau Marwede, die im Laden beschäftigt

war, ihn in eine anstoßende kleine Stube, eine Art Kontor. Er mußte

Platz nehmen, und sie stellte sich, die Hände in die Seiten gestemmt,

breit vor ihn hin.

»Rosenbrock,« begann sie, »ich weiß nicht, was das in der letzten Zeit

mit Ihrer Schwester ist. Sie ist so vergeßlich und träge und zu nichts

recht zu gebrauchen. Ich habe da nun leider eine schlimme Vermutung.

Als ich neulich aber mal so was andeutete, tat sie sehr empört und

beleidigt. Deshalb wollte ich einmal mit Ihnen darüber sprechen.«

Geschwister Rosenbrock · 第 25 / 34 题