§
Clerambault kam vom Spital zurück, schloß sich in sein Zimmer ein und
begann zu schreiben. Madame Clerambault versuchte einmal einzudringen,
sah mit einer Art Mißtrauen nach, was er machte. Es war, als ob ein bei
dieser Frau sehr seltenes Ahnungsvermögen — sie merkte sonst nie etwas
— ihr ein dunkles Angstgefühl vor dem, was ihr Mann vorbereitete,
einjagte. Es gelang ihm, seine Abgeschlossenheit zu verteidigen, bis er
fertig war. Sonst ersparte er den Seinen nichts von dem, was er
geschrieben hatte, es war ein Genuß für seine naive, liebevolle
Eitelkeit, aber auch zärtliche Pflicht, auf die er ebensowenig wie die
anderen hätte verzichten können. Diesmal nahm er davon Abstand, ohne
sich den Grund dafür selbst klar zu machen. Obwohl er noch weit davon
entfernt war, die ganze Tragweite seiner Tat zu überschauen, hatte er
doch Furcht vor Widerspruch, denn er fühlte sich seiner noch nicht
sicher genug, sich ihm auszusetzen. So zog er es vor, die anderen lieber
vor die vollendete Tatsache zu stellen.
Sein erster Schrei war eine Selbstanklage:
„I h r T o t e n v e r z e i h e t u n s!“
Diese öffentliche Beichte trug als Motto die Melodie einer alten Klage
des Königs David, der an der Leiche seines Sohnes Absalon weint:
[Illustration: _Fi-li mi, Fi-li mi, Fi-li mi, Fi-li mi, Fi-li mi!_]
„Ich hatte einen Sohn. Ich liebte ihn. Und ich habe ihn getötet. Ihr
Väter des trauernden Europa, nicht für mich allein, für euch alle
spreche ich, ihr Millionen Väter, verwitwet an euren Söhnen, Feinde oder
Freunde, und alle bedeckt von ihrem Blute gleich mir. Ihr alle sprecht
durch die Stimme eines der Euren, durch meine arme Stimme, die leidet
und Buße tut.
Mein Sohn ist für die Euren, durch die Euren (ich weiß es nicht), ist
wie die Euren getötet worden. Und wie ihr habe ich den Feind dafür
angeklagt und den Krieg. Aber den Hauptschuldigen sehe ich erst heute
und ich klage ihn an: ich bin es. Ich bin es, und dieses Ich seid Ihr.
Wir sind es. Könnte ich Euch doch zwingen, das zu hören, was Ihr wohl
wißt und nicht wissen wollt!
Mein Sohn war zwanzig Jahre alt, als er dem Krieg zur Beute fiel.
Zwanzig Jahre lang habe ich ihn zärtlich geliebt, habe ihn geschützt
gegen Hunger, Kälte, Krankheiten, gegen die geistige Dunkelheit, gegen
Unwissenheit, Irrtum, gegen alle Fallstricke, die das Leben in seinem
Schatten birgt. Aber was habe ich getan, um ihn zu verteidigen gegen die
aufsteigende große Gefahr?
Dabei habe ich niemals zu jenen gehört, die mit den Leidenschaften des
eifersüchtigen Nationalismus gemeinsame Sache machten. Ich liebte die
Menschen, und es war mir eine Freude, an ihre zukünftige Brüderlichkeit
zu denken. Warum habe ich also nichts getan gegen das, was sie bedrohte,
gegen das schleichende Fieber, gegen den lügnerischen Frieden, der mit
einem Lächeln auf den Lippen schon zum Mordanschlag ausholte? Es war
vielleicht Furcht, zu mißfallen, Furcht vor Feindschaften? Ich liebte es
zu sehr, zu lieben und vor allem geliebt zu werden. Ich fürchtete,
erworbenes Wohlwollen zu gefährden, hielt zu viel auf die zerbrechliche
und kraftlose Gemeinschaft mit jenen, die um uns sind, auf diese
Komödie, die man mit sich und den anderen spielt und mit der man sich ja
gar nicht selbst betrügt, denn von beiden Seiten fürchtet man immer, das
Wort auszusprechen, das den Mörtel abfallen ließe und das zerfressene
Haus zeigte. Ich hatte Furcht, klar in mich selbst zu sehen, war erfüllt
von jener inneren opportunistischen Unsicherheit, die alles schonen
will, die die alten Instinkte und den neuen Glauben verbinden will, die
Kräfte, die sich gegenseitig vernichten und aufheben, Vaterland,
Menschheit, Krieg und Frieden. Ich habe nie genau gewußt, auf welche
Seite ich mich hinneigen sollte, und bin von der einen zur anderen wie
eine Schaukel geschwankt. Ich hatte Angst vor der Anstrengung, mich zu
entscheiden und eine Wahl zu treffen.... Faulheit war es und Feigheit!
Ich übertünchte all das mit einem gefälligen Glauben an die Güte der
Dinge, die alles schon — so dachte ich — von selbst in schönste
Ordnung bringen würden. Und wir begnügten uns, zuzuschauen, den
unfehlbaren Lauf des Schicksals noch zu verherrlichen — wir Höflinge
der Gewalt! Da wir verzichtet haben, Einfluß zu erlangen, so haben die
Dinge — oder die Menschen, andere Menschen als wir — für uns
entschieden. Und wir haben das erst bemerkt, als wir schon getäuscht
waren. Aber das Eingeständnis war für uns so entsetzlich, wir waren so
dessen entwöhnt, wirklich wahrhaft zu sein, daß wir auch dann weiter so
getan haben, als wären wir mit dem Verbrechen im vollen Einverständnis.
Und als Bürgschaft unseres Einverständnisses haben wir unsere Söhne
ausgeliefert....
Ach, wir haben sie sehr geliebt! Sicher mehr als unser eigenes Leben —
ach, hätte es sich nur darum gehandelt, unser Leben hinzugeben! Aber wir
haben sie nicht mehr geliebt als unseren Stolz, der verzweifelt bemüht
war, unsere moralische und sittliche Verwirrung zu verbergen, die Leere
unseres Geistes und die Nacht unseres Herzens.
Alle diese Dinge wären aber noch verzeihlich bei solchen, die an das
alte Idol, an das heimtückische, neidische, mit getrocknetem Blut
überdeckte Götzenbild glaubten — an das barbarische Vaterland. Wenn
jene ihre und der anderen Kinder opferten, so töteten sie, aber sie
wußten wenigstens nicht, was sie taten — diejenigen aber, die nicht
mehr daran glauben, die nur mehr daran glauben wollen (und das bin ich,
das sind wir) — die opfern ihre Kinder, indem sie sie einer Lüge
darbieten (denn im Zweifel Ja sagen, heißt lügen), und sie opfern sie,
um sich selbst ihre Lüge zu beweisen. Und jetzt, da unsere Lieben für
unsere Lüge gestorben sind, arbeiten wir uns, statt den Irrtum offen
zuzugeben, nur noch tiefer, bis über die Augen hinein, nur um nichts
mehr zu sehen, denn wir wollen, daß nach den unseren noch die anderen,
alle anderen, für unsere Lüge sterben.
Aber ich, ich kann das nicht mehr, ich denke an die noch lebenden Söhne.
Was soll mir das Gutes tun, daß andern Böses geschieht? Bin ich ein
Barbar aus den Zeiten Homers, um zu glauben, daß ich den Schmerz meines
toten Sohnes, seinen Hunger nach Licht lindern könne, wenn ich auf die
Erde, die ihn hinabgeschlungen hat, das Blut anderer Söhne hingieße?
Haben wir noch immer diese Vorstellungen? — Nein! Jeder neue Mord tötet
meinen Sohn noch einmal, läßt auf seinem Gebein den schmutzigen Schlamm
des Verbrechens lasten. Mein Sohn war die Zukunft, und wenn ich ihn
retten will, muß ich die Zukunft retten, muß ich künftigen Vätern den
Schmerz ersparen, der auf mich gefallen ist. Zu Hilfe! Helft mir!
Verwerfen wir diese Lüge! Geht denn der Kampf zwischen den Staaten,
dieses Brigantentum des Weltalls, wirklich um unseretwillen vor sich?
Was tut uns denn wahrhaft not? Die erste Freude, das erste Gesetz, ist
es nicht jenes Lebensgesetz des Menschen, der gleich einem Baum gerade
aufsteigt und sich in dem zugewiesenen Kreis Erde erfüllt, der durch
seinen freien Saft und seine stille Arbeit, sein vielfältiges Leben in
sich und seinen Söhnen sich ruhig entfalten sieht? Wer von uns Brüdern
der Welt ist eifersüchtig auf den anderen, wer will ihm solch gerechtes
Glück nehmen? Was haben wir zu tun mit den Ambitionen und Rivalitäten,
mit der Habgier und den geistigen Krankheiten, mit denen die Schänder
des Wortes den Namen des Vaterlandes bedecken? Das Vaterland sind wir,
die Väter. Das Vaterland sind unsere Söhne. All unsere Söhne. Retten wir
sie!“
§
Ohne irgend jemand zu fragen, überbrachte er diese Seiten, kaum daß er
sie geschrieben hatte, einem kleinen sozialistischen Verleger seines
Viertels. Er kam erleichtert zurück und dachte:
„So, jetzt habe ich gesprochen. Jetzt beschäftigt es mich nicht mehr.“
Aber in der kommenden Nacht belehrte ihn plötzlich ein Stich in der
Brust, daß es ihm mehr als je naheging. Er wachte auf. „Was habe ich
denn getan?“ Er fühlte eine schmerzliche Scham, der Öffentlichkeit
seinen heiligen Schmerz ausgeliefert zu haben. Ohne daran zu denken, daß
seine Worte Zorn erregen könnten, hatte er doch ein Vorgefühl von
Unverständnis, von grobschlächtiger Auslegung, die er als Profanation
empfand.
Die nächsten Tage gingen vorüber. Es geschah nichts. Schweigen. Der
Aufruf war in der allgemeinen Unaufmerksamkeit untergegangen. Der
Verleger gehörte zu den wenig bekannten, die Versendung der Broschüre
war nachlässig geschehen, und es gibt keinen gefährlicheren Tauben als
den, der nicht hören will. Die wenigen Leser, die der Name Clerambault
angezogen hatte, legten nach den ersten Zeilen die unwillkommene Lektüre
zur Seite. Sie dachten: „Der arme Mann, sein Unglück ist im Begriff, ihm
den Kopf ganz zu verdrehen“, was ein guter Vorwand für sie war, das
Gleichgewicht ihres Herzens nicht in Erschütterung zu bringen.
Ein zweiter Artikel folgte. Clerambault nahm darin Abschied von dem
alten, blutigen Götzenbild Vaterland, oder vielmehr, er stellte dem
großen fleischfressenden Untier, dem sich die armen Menschen jener Zeit
als Fraß hinwarfen, der römischen Wölfin, die erhabene Mutter alles
Lebendigen entgegen: das Weltvaterland!
„A n d i e e i n s t G e l i e b t e !“
„Kein bittererer Schmerz, als Abschied zu nehmen von der, die man einst
geliebt. Sie aus meinem Herzen zu reißen, heißt mein Herz selbst
ausreißen. Du Teure, Du Gute, Du Schöne — ach, hätte man wenigstens den
blinden Vorzug jener leidenschaftlichen Liebhaber, die alles vergessen
können, die ganze Liebe, das ganze Gute und Schöne von einst, um nur das
Böse zu sehen, das man heute von der Geliebten erleidet, und zu
erkennen, wie tief sie gesunken ist! Aber ich kann nicht, ich kann nicht
vergessen. Ich werde Dich immer so sehen, wie ich Dich liebte, als ich
noch an Dich glaubte, als Du mein Leitstern warst und mein bester Freund
— Du, mein Vaterland! Warum hast Du mich verlassen? Warum hast Du uns
verraten? Wäre ich allein mit meinem Leiden, ich verhehlte vielleicht
die traurige Erkenntnis unter meiner hingegangenen Zärtlichkeit. Aber
ich sehe Deine Opfer, die Völker, die jungen gläubigen und begeisterten
Männer (und erkenne unter ihnen den, der ich einst war)... Wie hast Du
uns betrogen! Deine Stimme schien uns die der brüderlichen Liebe, Du
riefst uns zu Dir, um uns zu vereinen. Es sollte keine Einsamen mehr
geben, alle sollten wir Brüder sein! Jedem liehest Du die Kräfte von
tausend anderen, Du ließest uns unseren Himmel, unsere Erde und das Werk
unserer Hände lieben, und wir liebten uns alle, indem wir Dich
liebten..... Wohin hast Du uns jetzt geführt? Waren Deine Absichten,
indem Du uns vereintest, einzig die, uns zahlreicher zu machen für den
Haß und den Mord? Ach, wir hatten ja genug an unserem Einzelhaß. Jeder
hatte sein Bündel von schlechten Gedanken, aber zumindest wußten wir,
wenn wir ihnen nachgaben, daß es schlechte waren. Du aber, Du
Vergifterin der Seele, Du nennst sie heilige...
Wofür diese Kämpfe? Für unsere Freiheit? Du machst ja Sklaven aus uns.
Für unser Gewissen? Das schändest Du ja. Für unser Glück? Das plünderst
Du doch. Für unser Wohlergehen? Unsere Erde ist zerstampft.... Wozu
bedürfen wir neuer Eroberungen, da schon das Feld unserer Väter uns zu
groß wurde: einzig nur für die Habgier von einigen Ausbeutern? Ist es
denn die Aufgabe des Vaterlandes, diese Bäuche mit dem allgemeinen Elend
zu füllen?
Vaterland, das Du Dich den Reichen verkauft hast, den Händlern mit der
Seele und den Körpern der Völker, Vaterland, das Du Mithelferin und
Verbündete geworden bist und ihre Niederträchtigkeit mit Deiner
heroischen Gebärde deckst — hüte Dich! Die Stunde ist gekommen, wo die
Völker ihr Ungeziefer von sich abschütteln, ihre Götter und ihre Herren,
die sie mißbrauchen. Mögen sie unter sich selbst die Schuldigen
verfolgen. Ich gehe geradeaus zum Herrn, dessen Schatten sie alle
bedeckt. Du aber, das Du unbewegt thronst, indes die Massen sich in
Deinem Namen hinschlachten, Du, das sie alle anbeten, indem sie einander
alle hassen, Du, das Du Dich ergötzst, die blutige Brunst der Völker zu
entzünden, Du Weibwesen, beutegierige Gottheit, Du falsche Christin, die
Du über dem Gemetzel schwebst mit kreuzgefalteten Flügeln und
Habichtsklauen — wer wird Dich aus unserem Himmel herabreißen, wer gibt
uns die Sonne und die Liebe unserer Brüder zurück?...
Ich bin allein. Ich habe nichts als meine Stimme, die ein Hauch
auslöschen kann, aber ehe sie hinschwindet, schreie ich auf:
Du wirst fallen, Tyrann, Du wirst fallen! Die Menschheit will leben. Die
Zeit wird kommen, wo der Mensch Dein lügnerisches Joch zerbrechen wird.
Die Zeit kommt. Die Zeit ist da.“
„D i e A n t w o r t d e r G e l i e b t e n“
„Dein Wort, mein Sohn, ist wie der Stein, den ein Kind gegen den Himmel
wirft. Es erreicht mich nicht, es fällt auf Dich selbst zurück. Die Du
schmähst und die meinen Namen fälschlich angenommen, ist ein Götzenbild,
das Du Dir selbst geformt hast. Nach Deinem Bilde ist es geschaffen,
nicht nach dem meinen. Das wahre Vaterland ist das des Allvaters,
gemeinsam alle umfangend, und es ist nicht seine Schuld, wenn Ihr es
klein macht nach Eurem eigenen Wuchs.... Ihr Unglücklichen, Ihr
beschmutzt alle Eure Götter, es gibt nicht eine große Idee, die Ihr
nicht erniedrigt. Das Gute, das man Euch erweisen will, verwandelt Ihr
in Gift, das Licht, mit dem man Euch überschüttet, dient, Euch zu
verbrennen. Ich war zu Euch gekommen, um Eure Einsamkeit zu erwärmen,
ich habe Eure fröstelnden Seelen zu Herden vereinigt, aus Eurer
zerstreuten Schwäche ein Bündel geformt. Denn ich bin die brüderliche
Liebe, die große Bindung. Und gerade meinen Namen, o Tolle, habt ihr
gewählt als Vorwand, um Euch zu vernichten.
Seit Jahrhunderten bemühe ich mich, Euch von den Ketten der Roheit zu
befreien, Euch aus Eurer harten Selbstigkeit herauszutreiben. Keuchend
schreitet Ihr vorwärts auf der Straße der Zeit. Die Provinzen und die
Nationen sind die tausendjährigen Grenzen, die bisher als Rastpunkt
Eurer Erschöpfung gesteckt waren. Eure Hinfälligkeit allein hat sie
aufgerichtet. Um Euch weiter zu führen, muß ich warten, bis Ihr wieder
Atem geholt habt.... Aber Ihr seid so schwach an Atem und am Herzen, daß
Ihr aus Eurer Unfähigkeit eine Tugend macht. Ihr bewundert Eure Helden
um der Grenze willen, vor denen sie erschöpft halt machen mußten, und
nicht deshalb, weil sie sie als erste erreichten. Ihr aber, die Ihr
mühelos dorthin gekommen seid, wo jene heldischen Vorläufer hingesunken
sind, glaubt nun, selbst schon Helden zu sein.... Was habe ich mit Euren
Schatten der Vergangenheit heute noch zu schaffen? Das Heldentum, dessen
ich bedarf, ist nicht mehr das eines Bayard, einer Jeanne d’Arc, der
Ritter und Märtyrer einer längst überwundenen Sache. Ich fordere Apostel
der Zukunft, große Herzen, die sich für ein größeres Vaterland, für ein
höheres Ideal aufopfern. Vorwärts! Überschreitet die Grenzen! Da Ihr
aber noch Krücken braucht für Eure Schwäche, so rückt die Grenzen
wenigstens weiter hinaus, an die Tür des Abendlandes, an das Ende
Europas, bis Ihr Schritt um Schritt zum Ziel kommt, und die ganze
Menschheit Hand in Hand rings den Erdball umschlingt.
Du erbärmlicher Schreiber, der Du Schmähreden gegen mich richtest,
steige in Dein Selbst hinab und prüfe Dich selbst! Ich habe Dir die
Macht des Wortes gegeben, daß Du die Männer Deines Volkes führest, und
Du hast sie benützt, um Dich selbst zu betrügen und sie zu verwirren. Du
hast die, die Du retten solltest, tiefer in ihren Irrtum hinabgestoßen,
Du hattest den traurigen Mut, Deiner Lüge jenen hinzuopfern, den Du
liebtest — Deinen Sohn. Wirst Du wenigstens jetzt, Du arme Ruine,
wagen, Dich den anderen als Schaubild hinzustellen und zu sagen: „Da,
sehet mein Werk, ahmt es nicht nach!“ Geh hin, und möge Dein Unglück
andere, die später kommen, vor gleichem Schicksal beschützen! Wage es zu
sprechen, schreie ihnen zu: Völker, ihr seid toll, ihr tötet das
Vaterland, indes ihr glaubt, es zu verteidigen. Das Vaterland seid ihr,
ihr alle, eure Feinde sind eure Brüder! Umarmt euch, ihr Millionen
Lebendiger.“
§
Das gleiche Schweigen schien auch diesen neuen Schrei hinabzuschlucken.
Clerambault lebte außerhalb jener niederen Volkskreise, wo die warme
Sympathie der schlichten und gesunden Herzen ihm gewiß nicht gefehlt
hätte. So aber bemerkte er nichts von irgendeinem Echo seiner Ideen.
Aber obwohl er sich allein sah, wußte er doch, daß er es nicht war. Zwei
verschiedene Gefühle, die einen Gegensatz zu bilden schienen — seine
Bescheidenheit und sein Glaube — vereinten sich, um ihm zu sagen: „Was
du denkst, denken auch andere, deine Wahrheit ist zu groß, und du bist
zu klein, als daß sie nur in dir allein existieren könnte. Das, was du
mit deinen schlechten Augen hast wahrnehmen können, dieses Licht
strahlt, so wie zu dir, auch in andere Augen. In diesem Augenblicke
neigt sich der Große Bär zum Horizont, tausend Blicke schauen vielleicht
zu ihm auf, du siehst nicht diese Blicke, aber das ferne Licht vereint
sie mit dem deinen.“
Die Einsamkeit des Geistes ist nur eine Illusion, eine bittere und
schmerzhafte, aber eine, der keine tiefe Wirklichkeit entspricht. Selbst
die Losgelöstesten von uns gehören doch alle zu einer sittlichen
Familie, und diese Gemeinschaft der Geister ist nicht innerhalb eines
Landes oder einer Zeit, sondern ihre Elemente sind verstreut durch die
Völker und Jahrhunderte. Für einen konservativen Geist sind sie in der
Vergangenheit, die Revolutionäre und die Verfolgten finden sie in der
Zukunft. Zukunft und Vergangenheit sind nicht weniger wirklich als die
augenblickliche Gegenwart, deren Mauer die zufriedenen Blicke der großen
Menge einengt. Und selbst die Gegenwart ist nicht so, wie es die
willkürlichen Abgrenzungen der Staaten, Nationen und Religionen glauben
machen möchten. Die gegenwärtige Menschheit stellt einen Jahrmarkt von
Gedanken dar. Ohne sie voneinander zu scheiden, hat man sie in Haufen
aufgeschichtet, die rasch aufgerichtete Regale voneinander trennen: so
sind oft Brüder von den Brüdern geschieden und unter Fremde geschichtet.
Jeder Staat umschließt ganz verschiedene Rassen, die keineswegs geartet
sind, gemeinsam zu denken und zu handeln, und jede der ideellen Familien
oder Schwägerschaften, die man Vaterland nennt, umschließt Naturen, die
in Wirklichkeit zu ganz anderen Familiengruppen der Gegenwart, der
Vergangenheit oder der Zukunft gehören. Da die Staaten sie nicht
aufsaugen können, so unterdrücken sie sie, und sie können sich der
Vernichtung nur durch allerlei Schleichwege entziehen — entweder durch
scheinbare Unterwerfung und innere Auflehnung, oder durch die Flucht,
indem sie freiwillige Emigranten werden — „Heimatslose“. Wirft man
ihnen vor, daß sie dem Vaterland unbotmäßig seien, so ist das ebenso
unberechtigt, als wollte man den Irländern oder Polen vorwerfen, daß sie
sich der Aufsaugung durch England oder Preußen zu entziehen suchen. Hier
wie dort bleiben diese Menschen ihren wahren Vaterländern treu.
Oh, ihr, die ihr vorgebt, dieser Krieg habe die Aufgabe, jedem Volke das
Selbstbestimmungsrecht zu geben, wann werdet ihr dies Recht der über die
Welt hin verstreuten Republik der freien Seelen geben?
Diese Republik fühlte Clerambault in all seiner Einsamkeit als eine
Wirklichkeit. Wie das Rom des Sartorius lebte sie in ihm. Und ganz in
all jenen einander Unbekannten, für die sie das wahre Vaterland ist.
§
Plötzlich fiel die Mauer von Schweigen, die das Wort Clerambaults
umschloß. Aber es war nicht die Stimme eines Bruders, die der seinen
Antwort gab. Wo die Kraft der Sympathie zu schwach gewesen war, um die
Schranken zu zerbrechen, hatten die Dummheit und der Haß blindlings eine
Bresche geschlagen.
Schon glaubte sich Clerambault nach einigen Wochen vergessen und dachte
an eine neue Veröffentlichung, als eines Morgens Leo Camus mit Getöse
bei ihm eintrat. Er krümmte sich vor Zorn. Mit tragisch erhobener Stirne
reichte er Clerambault eine aufgefaltete Zeitung hin.
„Lies!“
Und während Clerambault las, sagte er, hinter ihm stehend:
„Was hat diese Niedertracht zu bedeuten?“
Clerambault sah ganz niedergeschmettert sich von einer Hand gemeuchelt,
die er für eine Freundeshand hielt. Ein bekannter Schriftsteller, zu dem
er in guter persönlicher Beziehung stand, ein Kollege Perrotins, ein
ernster ehrenwerter Mensch, hatte, ohne zu zögern, die Rolle übernommen,
ihn in der Öffentlichkeit zu denunzieren. Obwohl er Clerambault lange
genug kannte, um an der Reinheit seiner Absichten nicht zweifeln zu
können, stellte er ihn doch in einer entehrenden Weise vor die
Öffentlichkeit. Als Historiker darin geübt, mit Texten umzugehen, hatte
er aus der Broschüre Clerambaults einige verstümmelte Sätze herausgelöst
und schwenkte sie empor wie einen Beweis von Verrat. Seine tugendhafte
Erbitterung hatte sich nicht mit einem privaten Brief begnügt, gerade
die lärmendste Tageszeitung, das niedrigste Erpresserblatt hatte sie
sich ausgesucht, das eine Million Franzosen verachtet, während sie
gleichzeitig seine Aufschneidereien mit offenen Mäulern einschluckt.
„Das ist nicht möglich“, stammelte Clerambault, den diese unerwartete
Gehässigkeit wehrlos überfiel.
„Da ist kein Augenblick zu verlieren“, sagte Camus, „du mußt antworten.“
„Antworten? Was denn?“
„Zuerst natürlich diese niederträchtige Erfindung dementieren.“
„Aber das ist doch keine Erfindung“, sagte Clerambault, der den Kopf
gehoben hatte und Camus ansah.
Nun war es an Camus, wie vom Donner gerührt zu sein.
„Das ist keine...? Das ist keine...?“ stammelte er vor Überraschung.
„Die Broschüre ist von mir“, sagte Clerambault, „aber ihr Sinn ist durch
den Artikel entstellt...“
Camus hatte das Ende des Satzes nicht abgewartet, er brüllte los:
„Du hast so etwas geschrieben, du, du,...“
Clerambault versuchte seinen Schwager zu beruhigen, bat ihn, doch nicht
zu urteilen, ehe er alle Einzelheiten wüßte. Aber der andere behandelte
ihn hartnäckig wie einen Wahnsinnigen und schrie:
„Ich kümmere mich nicht um das alles. Hast du gegen den Krieg, gegen das
Vaterland geschrieben oder nicht?“
„Ich habe geschrieben, daß der Krieg ein Verbrechen ist, und daß alle
Vaterländer sich damit beschmutzt haben.“
Camus fuhr auf, ohne Clerambault die Möglichkeit zu geben, sich weiter
zu erklären, machte eine Bewegung, als ob er ihn am Halse fassen wollte,
hielt sich aber zurück und schleuderte ihm ins Gesicht, daß e r der
Verbrecher sei, und daß er verdiente, sofort vor das Kriegsgericht zu
kommen.
Auf sein Geschrei hin begann das Mädchen an der Tür zu horchen, Madame
Clerambault lief herbei, versuchte mit einem Strom von Worten über sein
aufgebrachtes Wesen ihren Bruder zu beruhigen. Clerambault, ganz
betäubt, bot vergebens Camus an, ihm die beschuldigte Broschüre
vorzulesen, aber Camus verweigerte es mit einem Zornesausbruch und
sagte, ihm genüge schon, das von diesem Dreck zu kennen, was die
Zeitungen davon gebracht hatten. (Er nannte die Zeitungen Lügner,
bestätigte aber ihre Lügen.) Schließlich trat er als Richter auf,
forderte Clerambault auf, unverzüglich und in seiner Gegenwart eine
briefliche öffentliche Abschwörung zu schreiben. Clerambault zuckte die
Achseln und sagte, er sei niemandem Rechenschaft schuldig als seinem
Gewissen, er sei frei.
„Nein!“ schrie Camus.
„Wie? Ich bin nicht frei, ich habe nicht das Recht zu sagen, was ich
denke?“
„Nein, du bist nicht frei! Nein, du hast nicht dieses Recht“, schrie
Camus ganz außer sich. „Du hast Rücksichten zu nehmen auf das Vaterland
und vor allem auf deine Familie. Sie hätte das Recht, dich einsperren zu
lassen.“ Er verlangte, daß der Brief sofort geschrieben würde,
augenblicklich! Clerambault wandte ihm den Rücken. Camus ging weg,
schlug die Tür zu und schrie, er würde nie mehr den Fuß hierher setzen,
zwischen ihnen sei alles zu Ende.
Nachher mußte Clerambault noch die Fragen seiner in Tränen aufgelösten
Frau über sich ergehen lassen, die, ohne zu wissen, was er getan hatte,
seine Unvorsichtigkeit beklagte und ihn fragte, warum in aller Welt er
denn nicht schweige. Hätten sie denn noch nicht Unglück genug, wozu
dieses Bedürfnis zu reden und vor allem diese unsinnige Sucht, anders
reden zu wollen als die anderen.
Rosine kam von einer Besorgung zurück. Clerambault nahm sie zum Zeugen,
erzählte ihr wirr die peinliche Szene, die sich eben abgespielt hatte,
bat sie, sich an seinen Tisch zu setzen, damit er ihr den Artikel
vorlesen könne. Ohne sich die Zeit zu nehmen, die Handschuhe auszuziehen
oder den Hut abzulegen, setzte sich Rosine zu ihrem Vater, hörte still
und klug zu. Als er geendigt hatte, stand sie auf, umarmte ihn und
sagte:
„Ja, das ist schön!... Aber, Papa, wozu hast du das getan?“
Clerambault war ganz verstört.
„Wie? Wie? Wozu ich das getan habe? Ist es denn nicht richtig?“
„Ich weiß nicht, ja, ich glaube... es muß wohl richtig sein, da du es
sagst.... Aber vielleicht war es nicht nötig, es zu schreiben.“
„Nicht nötig? Wenn es richtig ist, so ist es auch nötig.“
„Aber es macht ja einen solchen Lärm.“
„Ist das ein Grund dagegen?“
„Aber wozu die Leute aufreizen?“
„Sieh, Kind, du glaubst doch auch, was ich geschrieben habe?“
„Ja, ich glaube, Papa...“
„Warte. Du glaubst... Du verabscheust den Krieg; wie ich, möchtest du
ihn beendet sehen. Alles, was ich hier gesagt habe, habe ich dir schon
früher gesagt, und du dachtest genau so wie ich....“
„Ja, Papa.“
„Also du findest es richtig?“
„Ja, Papa.“
Sie legte ihre Arme um seinen Hals.
„Aber es ist doch nicht notwendig, alles niederzuschreiben.“
Clerambault versuchte, traurig, ihr zu erklären, was ihm ganz klar
schien. Rosine hörte zu und gab ruhig Antwort. Aber das einzig Klare
war, daß sie nichts verstand. Um ein Ende zu machen, umarmte sie
nochmals ihren Vater und sagte:
„Ich habe dir meine Ansicht gesagt, aber du weißt das ja besser als ich.
Es steht mir nicht zu, darüber zu entscheiden.“
Sie lächelte ihrem Vater zu und kehrte in ihr Zimmer zurück, ohne zu
ahnen, daß sie ihm seine beste Stütze genommen hatte.
§
Der beschimpfende Angriff blieb nicht vereinzelt. Sobald einmal die
Schellen gelöst waren, hörten sie nicht mehr auf zu klingeln. Nur hätte
sich in der allgemeinen Verwirrung ihr Lärm verloren ohne die erbitterte
Anstrengung einer Stimme, die gegen Clerambault den ganzen Chor
vielfältigster Bösartigkeit dirigierte.
Es war die eines seiner ältesten Freunde, des Schriftstellers Octave
Bertin. Sie waren zusammen im Lyzeum Henri _IV._ Schüler gewesen. Dort
hatte der junge, feine, elegante, frühreife Pariser Bertin das linkische
und enthusiastische Entgegenkommen dieses großen Burschen gern
angenommen, der aus der Provinz kam, geistig ebenso unbeholfen wie
körperlich (seine Arme und Beine schienen in den zu kurz gewordenen
Kleidern kein Ende nehmen zu wollen), und der ein ganz seltsames Gemisch
von Unschuld, naiver Unwissenheit, schlechtem Geschmack, von Pathos und
überschäumender Kraft, von originellen Einfällen und packenden Bildern
darstellte. Weder die Lächerlichkeiten noch der innere Reichtum
Clerambaults waren den klugen und scharfen Augen Bertins entgangen, und
er hatte ihn schließlich als intimen Freund aufgenommen, wobei die
Bewunderung Clerambaults für ihn keinen geringen Einfluß auf diesen
seinen Entschluß hatte. Durch mehrere Jahre hatten sie im geschwätzigen
Überschwang ihre jugendlichen Gedanken geteilt. Beide träumten davon,
Künstler zu werden, lasen einander ihre Versuche vor und bekämpften
einander in endlosen Diskussionen. Bertin behielt immer das letzte Wort,
wie er ja in allem die Überlegenheit behielt, die übrigens Clerambault
ihm zu bestreiten niemals die Absicht hatte. Er hätte sie viel eher mit
Faustschlägen jedem aufgezwungen, der sie geleugnet hätte. Mit offenem
Munde bestaunte er die gedankliche und stilistische Virtuosität dieses
blendenden jungen Mannes, der gleichsam im Spiel auf der Universität
alle Erfolge davontrug, und den seine Lehrer von vornherein zu den
höchsten Stellungen berufen sahen — womit sie natürlich meinten, zu
allen offiziellen und akademischen. Auch Bertin verstand es so. Er hatte
Eile emporzukommen und dachte, daß die Frucht des Ruhmes am besten
schmecke, wenn man sie mit den Zähnen eines Zwanzigjährigen zerbeiße.
Noch ehe er die Schule verlassen hatte, fand er eine Möglichkeit, in
einer großen Pariser Revue eine Serie von Essays zu veröffentlichen, die
sofort seinen Namen bekannt machten, und ohne nur Atem zu schöpfen,
brachte er dann Schlag auf Schlag einen Roman in der Art d’Annunzios,
eine Komödie im Stile Rostands, ein Buch über die Liebe, ein anderes
über die Reform der Gesetzgebung, eine Enquete über den Modernismus,
eine Monographie Sarah Bernhardts und schließlich jene „Dialoge der
Lebendigen“ heraus, deren sarkastische und klug abgewogene
Geschmeidigkeit ihm die Pariser Chronik in einem der ersten
Boulevardblätter verschaffte. Nun einmal in den Journalismus
eingetreten, blieb er darin. Er gehörte schon zu den Sternen des
literarischen _Tout Paris_, als der Name Clerambaults noch unbekannt
war. Clerambault dagegen nahm erst ganz langsam von seiner inneren Welt
Besitz. Er hatte zuviel damit zu tun, gegen sich selbst zu kämpfen, als
daß er viel Zeit auf die Eroberung der Öffentlichkeit hätte verwenden
können. So kamen auch seine ersten Bücher, die er mit Not hatte zum
Druck bringen können, kaum über einen Kreis von zehn Lesern hinaus. Man
muß Bertin die Gerechtigkeit widerfahren lassen, daß er zu diesen Zehn
gehörte, daß er das Talent Clerambaults zu schätzen wußte und dies sogar
gelegentlich aussprach. Und solange Clerambault noch unbekannt war,
leistete er sich den Luxus, ihn zu verteidigen, allerdings nicht ohne
dem Lob einige freundschaftliche Ratschläge von oben herab beizufügen,
die Clerambault nicht immer befolgte, aber immer mit dem gleichen
zärtlichen Respekt anhörte.
Dann wurde Clerambault bekannt, schließlich sogar berühmt. Bertin war
darüber sehr erstaunt, eigentlich aufrichtig zufrieden mit dem Erfolg
seines Freundes und doch darüber ein wenig verärgert. Er ließ
durchblicken, daß er ihn übertrieben fände, daß für ihn der beste
Clerambault der unbekannte war — jener vor dem Ruhm. Er versuchte es
manchmal, dies Clerambault zu erklären, der nicht nein und nicht ja
sagte, denn er wußte nichts darüber und befaßte sich damit kaum, er
hatte immer nur ein neues Werk im Kopfe. Die beiden alten Kameraden
waren in ausgezeichneten Beziehungen verblieben, aber sie waren
allmählich mehr voneinander abgerückt.
Der Krieg hatte aus Bertin einen wilden Scharfmacher gemacht. Früher im
Lyzeum hatte er den provinzlerischen Clerambault immer erschreckt durch
seine freche Respektlosigkeit gegen alle politischen oder
gesellschaftlichen Werte, gegen Vaterland, Moral und Religion, und hatte
auch dann in seinen literarischen Werken diesen Anarchismus wohlgefällig
zur Schau getragen, allerdings in einer skeptischen, mondänen und matten
Form, mit der er ja dem Geschmacke seines reichen Leserkreises am besten
entsprach. Mit diesem Leserkreis und dessen Lieferanten, den Kollegen
von der Boulevardpresse und den Boulevardtheatern, diesen Enkelchen
eines Parny und des jüngeren Crébillon, richtete er sich plötzlich als
Brutus auf, der bereit ist, seine Söhne zu opfern. Er hatte vielleicht
dafür die Entschuldigung, daß er keine besaß, aber das tat ihm
möglicherweise leid.
Clerambault hatte ihm nichts vorzuwerfen und dachte auch nicht daran.
Aber noch weniger dachte er daran, daß sein alter Kamerad, der
Amoralist, ihm gegenüber den Anwalt des beleidigten Vaterlandes spielen
würde; war er aber wirklich nur der des Vaterlandes? Die zornerbitterte
Schmähschrift, die Bertin Clerambault entgegenschleuderte, schien ihm
irgendwie einen persönlichen Haß zu enthüllen, den Clerambault sich
nicht erklären konnte. Bei der allgemeinen Verwirrung der Geister wäre
es verständlich gewesen, daß Bertin von den Gedanken Clerambaults empört
gewesen und sich dann offen unter vier Augen mit ihm auseinandergesetzt
hätte. Aber ohne ihn vorher zu verständigen, begann er mit einer
öffentlichen Abschlachtung. Auf der ersten Seite seines Blattes fiel er
ihn mit einer unerhörten Heftigkeit an und beschimpfte nicht nur seine
Ideen, sondern auch seinen Charakter. Die tragische Gewissenskrise
Clerambaults deutete er als einen Anfall literarischer Großmannssucht,
die durch den übermäßigen Erfolg seiner Werke verursacht sei, und es
machte den Eindruck, als hätte er eigens die Ausdrücke gesucht, die für
Clerambaults Selbstgefühl am verletzendsten sein mußten. Der Aufsatz
endete in einem Ton beleidigender Überhebung und forderte die sofortige
Zurücknahme des Irrtums.
Die Vehemenz des Artikels, der bekannte Name des Chronisten machten
sofort aus dem „Fall Clerambault“ ein Pariser Ereignis. Er beschäftigte
die Presse beinahe eine ganze Woche, was für jene Spatzenhirne viel
bedeutet. Fast niemand nahm sich die Mühe, die Texte Clerambaults selbst
zu lesen: das war ja nicht nötig, Bertin hatte sie ja gelesen. Die
Kollegenschaft hat nicht die Gewohnheit, eine überflüssige Arbeit noch
einmal zu machen, es handelte sich auch nicht darum, zu lesen, es
handelte sich darum, jemand zu richten. Eine seltsame Art von
Burgfrieden kam auf Kosten Clerambaults zustande. Klerikale, Jakobiner
waren darin einig, ihn tot zu machen. Von einem Tag zum andern war ohne
Übergang der gestern bewunderte Mann in den Schlamm gezogen, der
nationale Dichter ein Feind der Gemeinschaft geworden. Alle die
Myrmidonen der Zeitung beteiligten sich an der heroischen Beschimpfung
und die meisten brachten gleichzeitig mit ihrer ursprünglichen bösen
Absicht auch eine ganz unwahrscheinliche Unbildung zutage. Denn nur
wenige von ihnen kannten die Werke Clerambaults, kaum wußten sie seinen
Namen und den Titel eines seiner Bücher, aber das hinderte sie
ebensowenig, ihn heute herunterzureißen, wie es sie gestern gestört
hatte, ihn in den Himmel zu heben, als er noch in Mode war. Jetzt fanden
sie in allem, was er geschrieben hatte, Spuren von „Bochismus“. Ihre
Zitate waren übrigens regelmäßig ungenau, einer von ihnen bedachte sogar
Clerambault im Feuer seiner Anklage mit der Autorschaft des Werkes eines
andern, der dann, bleich vor Furcht, sofort mit Entrüstungsprotesten
jede Solidarität mit dem gefährlichen Kollegen öffentlich ablehnte.
Clerambaults Freunde, beunruhigt über ihre Intimität mit ihm, warteten
nicht darauf, daß man sie ihnen vorwarf. Sie trafen ihre Vorkehrungen
und richteten an ihn „offene Briefe“, die die Zeitungen an bester Stelle
veröffentlichten. Die einen, wie Bertin, fügten ihrem öffentlichen Tadel
eine pathetische Beschwörung bei, _mea culpa_ zu machen, andere wandten
sich, selbst ohne diesen milden Vorbehalt, in bitteren und beleidigenden
Worten von ihm ab. Diese Fülle von Gehässigkeit machte Clerambault ganz
wirr. Sie konnte doch nicht durch seine Aufsätze allein verursacht sein,
sie mußte doch längst schon in den Herzen dieser Menschen gebrütet
haben. Mein Gott, soviel verborgener Haß.... Was hatte er ihnen denn
getan?... Der erfolgreiche Künstler ahnt nicht, daß mehr als einer unter
denen, die ihm mit einem freundlichen Lächeln folgen, unter diesem
Lächeln die Zähne verbirgt, die nur auf die Stunde warten, da sie
zuschnappen können.
Clerambault bemühte sich, vor seiner Frau die Beschimpfungen der
Zeitungen verborgen zu halten. Wie ein Schulbub, der seine schlechten
Noten verschwinden läßt, lauerte er auf den Postboten, um die bösartigen
Zeitungen rechtzeitig beiseite zu schaffen. Aber ihr Gift drang
schließlich bis in die Luft, die sie atmeten. Frau Clerambault und
Rosine bekamen in der Gesellschaft verletzende Anspielungen, kleine
Beleidigungen und Beschimpfungen zu hören. Mit dem eingebornen Instinkt
für Gerechtigkeit, der für das menschliche Wesen und besonders für die
Frau so charakteristisch ist, machte man sie verantwortlich für die
Ideen Clerambaults, die sie kaum kannten und nicht guthießen.
(Diejenigen, die sie beschuldigten, kannten sie allerdings ebensowenig.)
Die Höflichsten unter ihnen übten die Technik des Verschweigens, sie
vermieden es sichtlich, nach Clerambault zu fragen oder seinen Namen
auch nur auszusprechen.... „Man spricht nicht vom Strick des Henkers im
Hause des Gehenkten.“ Dieses berechnete Schweigen wirkte dann noch
beleidigender als ein Tadel: es war, als ob Clerambault eine
betrügerische Schwindelei oder ein Sittlichkeitsverbrechen begangen
hätte. Frau Clerambault kam erbittert heim. Rosine tat so, als kümmerte
sie sich nicht darum, aber Clerambault merkte, daß sie daran litt. Eine
Freundin, die ihnen auf der Straße begegnete, ging auf das andere
Trottoir hinüber und wandte den Kopf weg, um nicht grüßen zu müssen.
Rosine wurde aus einem Wohltätigkeitskomitee ausgeschlossen, wo sie seit
mehreren Jahren aufopferungsvolle Arbeit tat.
In dieser allgemeinen patriotischen Mißbilligung zeichneten sich vor
allem die Frauen durch ihre Erbitterung aus. Nirgends fand der Ruf
Clerambaults zur Annäherung und Versöhnung wütendere Gegner. Und so war
es überall. Die Tyrannei der öffentlichen Meinung, diese vom modernen
Staat geschaffene Unterdrückungsmaschine, die noch despotischer ist als
er selbst, hat während des Krieges keinen grausameren Handlanger
gefunden als gewisse Frauen. Bertrand Russel erzählte den Fall eines
armen Kerls, eines Straßenbahnschaffners, der, verheiratet,
Familienvater und vom Heere zurückgestellt, sich aus Verzweiflung über
die Beschimpfungen, mit denen die Frauen von Middlesex ihn verfolgten,
das Leben nahm. In allen Ländern sind tausende Unglückliche wie er von
diesen Bacchantinnen des Krieges gehetzt, verrückt gemacht und an die
Schlachtbank geliefert worden.... Seien wir darüber nicht überrascht. Um
diese fanatische Wildheit nicht erwartet zu haben, mußte man zu jenen
gehören, die so wie Clerambault bisher im Einklange mit der öffentlichen
Meinung und in der Idealistik des allgemeinen Ruhezustandes gelebt
haben. Trotz aller Anstrengung der Frauen, immer dem lügnerischen Ideal
zu gleichen, das sich der Mann zu seiner Zufriedenheit und seiner
Beruhigung ersonnen hat, ist doch die Frau, mag sie selbst so
bleichsüchtig, verfeinert und veredelt sein wie die von heute, doch noch
mehr dem Urmenschen verwandt als der Mann. Sie lebt näher der Quelle der
Instinkte und ist stärker begabt mit jenen Kräften, die weder moralisch
noch unmoralisch, sondern ganz einfach animalisch sind. Wenn auch die
Liebe ihre wesentliche Funktion ist, so ist es doch keineswegs die durch
die Vernunft sublimierte Liebe, sondern die blinde und überschwengliche
Liebe im Urzustand, wo sich Egoismus und Opfertum vermengen, beide
gleich unbewußt und beide im Dienste der dunkeln Ziele der Rasse. Alle
die zarten und blütenhaften Verzierungen, unter denen dieses Paar jene
Gewalten zu verbergen sucht, vor denen es selbst erschrickt, sind
gleichsam ein Geflecht von Schlingpflanzen über einem Sturzbach. Ihr
Zweck ist, über die Wirklichkeit hinwegzutäuschen. Würden die
schwächlichen Seelen der Menschen geradeaus den ungeheuren Kräften, von
denen sie fortgerissen werden, ins Auge schauen, so könnten sie das
Leben nicht ertragen. Darum bemüht sich ihre erfindungsreiche Feigheit,
sich geistig ihrer Schwäche anzupassen. Sie lügen in ihrer Liebe, sie
lügen im Hasse, lügen in Bezug auf die Frau, lügen in Bezug auf das
Vaterland und seine Götter. Aus Angst, die sichtbar werdende
Wirklichkeit könnte sie aus dem Gleichgewicht bringen und erschüttern,
ersetzen sie sich diese Wirklichkeit durch die matten Farben ihres
Idealismus.
Der Krieg nun hatte diesen schwächlichen Schutzwall hinstürzen lassen.
Clerambault sah, wie das Kleid der katzenhaften Höflichkeit, mit der
sich die Zivilisation umhüllte, zu Boden fiel. Nun wurde das grausame
Tier sichtbar.
Die Nachsichtigsten unter den früheren Freunden Clerambaults waren jene,
die zur politischen Welt gehörten, die Abgeordneten, die Minister von
gestern oder von morgen. Gewohnt, die Menschenherde an der Nase
herumzuführen, wußten jene, wie wenig sie wert ist. Ihnen schien die
kühne Äußerung Clerambaults recht naiv. Sie selbst dachten noch zehnmal
Böseres, fanden es aber töricht, diese Erkenntnis auszusprechen,
gefährlich, sie niederzuschreiben, und am allergefährlichsten, auf sie
zu antworten. Denn was man offen angreift, macht man dadurch bekannt,
und was man verurteilt, dem mißt man doch eine Bedeutung bei. Nach ihrer
Meinung wäre es daher am besten gewesen, klug zu den unbequemen
Schriften zu schweigen, die ja die verschlafene und verdöste öffentliche
Meinung von selbst gar nie bemerkt hätte.
Diese Art Technik war ja während des Krieges in Deutschland von oben aus
anbefohlen und befolgt worden. Dort erstickten die öffentlichen
Machthaber die unbotmäßigen Schriftsteller, wenn sie sie nicht ohne Lärm
erdrosseln konnten, unter Blumengewinden. Aber der politische Geist der
französischen Demokratie ist offener und gleichzeitig beschränkter. Sie
verstehen sich dort nicht auf Schweigen. Statt ihren Haß zu verstecken,
reißen sie ihn auf die Tribüne, um ihn dort in die Welt zu donnern. Die
französische Freiheit ist so, wie Rude sie dargestellt hat: brüllend,
mit aufgerissenem Mund. Wer nicht ganz so denkt wie sie, ist allsogleich
ein Verräter; es findet sich gleich irgendein kleiner Journalist, der
erzählt, um wie viel Geld diese freie Stimme gekauft sei, und zwanzig
Besessene hetzen gegen sie die Tollwut der Maulaffen. Ist dann einmal
der Tanz im Gang, so kann man nichts tun, als warten, bis sich die
Tollheit durch ihr Übermaß erschöpft hat; solange: rette sich, wer kann!
Die Vorsichtigen bringen sich in Sicherheit oder heulen mit den Wölfen.
Der Leiter jener Tageszeitung, die seit einigen Jahren sich eine Ehre
daraus gemacht hatte, die Gedichte Clerambaults zu veröffentlichen, ließ
ihm vertraulich sagen, er fände diesen ganzen Lärm lächerlich, und die
ganze Sache sei kein Hundshaar wert, aber zu seinem großen Bedauern sehe
er sich genötigt, um seiner Abonnenten willen ihm eins zu versetzen...
natürlich in aller Höflichkeit... Selbverständlich in aller Form.... Und
nichts für ungut, nicht wahr? Und wirklich, der Angriff war gar nicht
gewalttätig, er beschränkte sich bloß darauf, Clerambault lächerlich zu
machen. Und selbst Perrotin — wie kläglich ist doch das
Menschengeschlecht! — ironisierte ihn in einem Interview auf
geistreichste Weise, ließ die Leute auf seine Kosten lachen, gedachte
aber dabei heimlich sein Freund zu bleiben.
In seinem eigenen Hause fand Clerambault keine Unterstützung mehr. Seine
alte Gefährtin, die seit dreißig Jahren nur durch ihn dachte und seine
Gedanken wiederholte, ehe sie sie selber verstand, war erschrocken und
zornig über seine neuen Worte, warf ihm bitter vor, diesen Skandal
heraufbeschworen, seinen Namen und den der ganzen Familie ins Unrecht
gesetzt und das Andenken ihres toten Kindes, die Idee der heiligen Rache
und des Vaterlandes geschädigt zu haben. Rosine ihrerseits liebte ihn
noch immer, aber sie verstand ihn nicht mehr. Eine Frau kann selten die
Forderungen des Geistes anerkennen, sie kennt nur die Forderungen des
Herzens. Ihr hatte es genügt, daß ihr Vater sich nicht mit Worten des
Hasses verband, daß er mitleidsvoll und gut blieb, doch wünschte sie
keineswegs, daß er diese Gefühle in Theorien verwandelte, und noch
weniger, daß er sie öffentlich aussprach. Sie hatte den zugleich
zärtlichen und praktischen gesunden Menschenverstand einer, die die
Forderungen des Herzens gewahrt wissen will und sich mit dem Übrigen
abfindet. Aber das unbeugsame logische Bedürfnis, das den Mann treibt,
die äußersten Konsequenzen seines Glaubens zu ziehen, war ihr
unverständlich. Soweit konnte sie nicht mit. Ihre Stunde war vorüber,
die Stunde, wo sie unbewußt die Aufgabe übernommen und erfüllt hatte,
mütterlich ihren schwachen, unsicheren und zerbrochenen Vater
aufzurichten und ihn unter ihrem Flügel zu bergen, sein Gewissen zu
retten und ihm die Fackel wieder in die Hand zu drücken, die er fallen
gelassen hatte. Jetzt, da er sie wieder in Händen trug, war ihre Aufgabe
erfüllt. Sie war wieder das liebende, unscheinbare „kleine Mädchen“
geworden, das die großen Geschehnisse der Zeit mit ein wenig
gleichgültigen Blicken sieht, und nur im Grunde ihrer Seele blieb etwas
zurück von dem feurigen Licht der überirdischen Stunde, die sie gelebt
hatte, die sie fromm bewahrte und deren Sinn sie nicht mehr verstand.
§
Ungefähr um dieselbe Zeit empfing Clerambault den Besuch eines jungen
Urlaubers aus einer befreundeten Familie. Daniel Favre, Sohn eines
Ingenieurs und selbst Ingenieur, dessen lebendige Intelligenz aber nicht
durch seinen Beruf beschränkt wurde, hatte seit langem eine Leidenschaft
für Clerambault gefaßt: der mächtige Aufschwung der modernen
Wissenschaft hatte sein Gebiet seltsam jenem der Dichtung angenähert,
war doch die Technik gewissermaßen selbst das größte der
zeitgenössischen Gedichte geworden. Daniel war ein enthusiastischer
Leser Clerambaults. Sie hatten innige Briefe gewechselt und der junge
Mann, dessen Familie mit der Clerambaults in Beziehungen stand, kam oft
zu ihnen, und vielleicht auch nicht bloß, um dem Dichter zu begegnen.
Die Besuche dieses liebenswerten, etwa dreißigjährigen Menschen, eines
großen, gutgewachsenen Burschen mit festen Zügen, einem scheuen Lächeln,
mit hellen Augen im sonnverbrannten Gesicht, wurden immer freudig
aufgenommen, und Clerambault war nicht der einzige, den sie erfreuten.
Für Daniel wäre es leicht gewesen, sich einen Hinterlandsdienst in
irgendeiner Metallfabrik zu sichern, aber er hatte selbst gefordert,
seinen gefährlichen Posten an der Front nicht verlassen zu müssen, wo er
sich rasch den Leutnantsgrad erworben hatte. Der Urlaub bot ihm
Gelegenheit, Clerambault zu besuchen.
Clerambault war allein, seine Frau und seine Tochter waren ausgegangen.
Freudig empfing er den jungen Freund. Aber Daniel schien befangen, und
nachdem er längere Zeit auf die Fragen Clerambaults recht und schlecht
geantwortet hatte, schnitt er geradewegs die Sache an, die ihm am Herzen
lag. Er sagte, er hätte an der Front von den Artikeln Clerambaults
gehört, und dies hätte ihn verwirrt. Man sagte... oder man behauptete...
schließlich, man sei ja so streng... er wisse ja, daß es ungerecht
sei... aber er sei gekommen — und dabei faßte er die Hand Clerambaults
in einer Art zärtlicher Scheu — um ihn zu bitten, sich nicht von jenen
zu trennen, die ihn liebten. Er erinnerte ihn an die Ehrfurcht, die der
Dichter, der einst die französische Erde und die innere Größe der Rasse
gefeiert hatte, allgemein einflöße.... „Bleiben Sie, bleiben Sie mit uns
in dieser Stunde der Prüfungen....“
„Nie bin ich mehr mit euch gewesen“, antwortete Clerambault. Und er
fragte ihn:
„Sie sagen mir, lieber Freund, daß man das, was ich geschrieben hätte,
verunglimpfe. Was denken Sie selbst davon?“
„Ich habe es nicht gelesen“, sagte Daniel. „Ich wollte es nicht lesen.
Ich hatte Furcht, in meiner Zuneigung für Sie gekränkt oder an der
Erfüllung meiner Pflicht gehindert zu sein.“
„Dann haben Sie wenig Vertrauen zu sich, wenn Sie fürchten, durch das
Lesen von ein paar Zeilen in Ihrer Überzeugung erschüttert zu werden.“
„Ich bin meiner Überzeugung sicher“, antwortete Daniel ein wenig
gereizt, „aber es gibt gewisse Dinge, für die es besser ist, wenn man
sie nicht in die Diskussion zieht.“
„Seltsam“, sagte Clerambault, „das ist ein Wort, das ich mir nicht von
einem Mann der Wissenschaft erwartete. Was hat die Wahrheit dabei zu
verlieren, wenn man sie untersucht?“
„Die Wahrheit nichts, aber die Liebe. Die Liebe zum Vaterland.“
„Mein lieber Daniel, Sie sind viel kühner als ich. Ich stelle die
Wahrheit nicht in einen Gegensatz zur Vaterlandsliebe. Ich versuche nur,
sie in Einklang zu bringen.“