14. Der dankbare Königssohn.

Man vgl. die von mir in Benfeys Orient und Occident =II=, 103-114

zusammengestellten Märchen, denen man noch Haltrich Volksmärchen aus dem

Sachsenlande in Siebenbürgen Nr. 26, v. Hahn Griechische und

albanesische Märchen Nr. 54, Glinski =Bajarz polski I=, 109, Kletke

Märchensaal =II=, 71, Schneller Märchen aus Wälschtirol Nr. 27 beifüge. In

allen diesen Märchen geräth ein Jüngling -- meistens in Folge eines

erzwungenen oder erlisteten Versprechens seines Vaters -- in die Gewalt

eines feindlichen Wesens (Teufel, Dämon, Geist, Riese, Meerfrau,

Zauberer, Hexe) und trifft da eine Jungfrau -- in den meisten Märchen

die Tochter jenes Wesens --, durch deren Hilfe er die ihm aufgegebenen

schweren Arbeiten verrichtet und die dann mit ihm entflieht. Die meisten

Märchen schließen aber nicht hiermit, sondern sie erzählen noch, wie der

Jüngling seine Retterin in Folge der Uebertretung einer ihm von ihr

gegebenen Vorschrift eine Zeitlang vergißt. -- Wie im ehstnischen

Märchen der verirrte König dem Teufel das versprechen muß, was ihm auf

seinem Hof zuerst entgegen kömmt, so müssen in dem entsprechenden

Märchen bei Müllenhoff Nr. 6 die verirrten Eltern dasselbe versprechen,

und in dem parallelen schwedischen Märchen bei Cavallius Nr. =XIV=, =A=, muß

der König in seinem Schiff dem Meerweib das versprechen, was ihm am

Strande zuerst begegne. In andern der hierher gehörigen Märchen wird das

verlangt und versprochen, was man zu Hause habe, ohne es zu wissen

(Glinski, Kletke), oder was die Königin unter dem Gürtel trägt

(Cavallius Nr. =XIV=, =B=), oder der Sohn wird geradezu verlangt (Campbell,

v. Hahn); bei Haltrich endlich wird »en noa Sil« verlangt, was ein

neues Seil und eine neue Seele bedeutet.[87] -- Dem ehstnischen Märchen

ganz eigentümlich ist die Vertauschung des Königssohn mit der

Bauerntochter. Auch die Aufgaben, die im ehstnischen Märchen der Teufel

gibt, sind andere als in den übrigen Märchen. -- Daß die Jungfrau sich

und ihren Schützling auf der Flucht verwandelt, kömmt in mehreren der

parallelen Märchen vor, insbesondere die Verwandlung in Rosenstrauch und

Rose bei Grimm Nr. 113 und Müllenhoff Nr. 6, auch in den theilweis

hierher gehörigen Märchen bei Wolf deutsche Hausmärchen S. 292 und

Waldau Böhmisches Märchenbuch S. 268, die in Wasser und Fisch bei Grimm

Nr. 113. K.

Wie S. 194 der Königssohn statt seiner Hand eine glühende Schaufel

reicht, so in einem russischen Heldenlied Ilja von Murom dem blinden

Vater Swjatogors ein Stück erhitztes Eisen (Rybnikow =III=, 6). Sch.

[Fußnote 87: Nicht diese letztere Form des Versprechens, aber die

übrigen kommen auch in anderen, sonst nicht unmittelbar in diesen Kreis

gehörigen Märchen vor, z. B. bei Grimm Nr. 92, Schott Walachische

Märchen Nr. 2 (das zuerst Begegnende); Asbjörnsen Nr. 9 (das unterm

Gürtel); Wolf S. 199, Waldau S. 26, v. Saal Märchen der Magyaren S. 129

(das nicht Gewußte zu Hause).]

Ehstnische Märchen · 第 63 / 69 题