Der Donnersohn schloß mit dem Teufel einen Vertrag auf sieben Jahre,
laut dessen der Teufel ihm als Knecht dienen und unweigerlich in allen
Stücken des Herrn Willen erfüllen sollte; zum Lohn für treue Dienste
versprach ihm der Donnersohn seine Seele zu geben. Der Teufel that
seine Schuldigkeit gegen seinen Herrn, er scheute nicht die schwerste
Arbeit und murrte nimmer über das Essen, denn er wußte ja, was für einen
Lohn er nach sieben Jahren von Rechtswegen erhalten sollte. Sechs Jahre
waren vorüber, und das siebente hatte begonnen, aber der Donnersohn
hatte durchaus keine Lust, dem bösen Geist seine Seele so wohlfeilen
Kaufes zu überlassen, und hoffte deshalb durch irgend eine List den
Klauen des Feindes zu entrinnen. Schon beim Abschluß des Vertrages hatte
er dem alten Burschen den Streich gespielt, daß er ihm statt des eigenen
Blutes Hahnenblut[49] zur Besiegelung gab, und der kurzsichtige hatte
den Betrug nicht gemerkt. Und doch war eben dadurch das Band, welches
die Seele des Donnersohns unauflöslich verstricken sollte ganz locker
geworden. Obgleich indeß das Ende der Dienstzeit immer näher rückte,
hatte der Donnersohn sich immer noch keinen Kunstgriff ersonnen, der ihn
frei machen konnte. Da traf es sich, daß an einem heißen Tage von Mittag
her eine schwarze Wetterwolke aufstieg, die den Ausbruch eines schweren
Gewitters drohte. Der alte Bursche verkroch sich sogleich in der Tiefe
der Erde, zu welchem Behuf er immer ein Schlupfloch unter einem Steine
bereit hatte. »Komm Brüderchen, und leiste mir Gesellschaft, bis das
Ungewitter vorüber ist!« bat der Teufel seinen Herrn mit honigsüßer
Zunge. »Was versprichst du mir, wenn ich deine Bitte erfülle?« fragte
der Donnersohn. Der Teufel meinte, darüber könne man sich unten einigen,
denn hier oben mochte er die Bedingungen nicht mehr besprechen, da die
Wolke ihm jeden Augenblick über den Hals zu kommen drohte. Der
Donnersohn dachte: heute hat die Furcht den alten Burschen ganz mürbe
gemacht; wer weiß, ob es mir nicht glückt, mich von ihm los zu machen.
So ging er denn mit ihm in die Höhle. Das Gewitter dauerte sehr lange,
Krach folgte auf Krach, daß die Erde zitterte und die Felsen erbebten.
Bei jeder Erschütterung drückte sich der alte Bursche die Fäuste gegen
die Ohren und kniff die Augen fest zu; kalter Schweiß bedeckte seine
zitternden Glieder, und er konnte kein Wort hervorbringen. Gegen Abend,
als das Gewitter vorüber war, sagte er zum Donnersohn: »Wenn der alte
Vater nicht dann und wann so viel Lärm und Getöse[50] machte, so könnte
ich mit ihm schon durchkommen und könnte ruhig leben, da mir seine
Pfeile unter der Erde nicht schaden können. Aber sein gräßliches Getöse
greift mich so an, daß ich gleich die Besinnung verliere und nicht mehr
weiß, was ich thue. Denjenigen, der mich von diesem Drangsal befreite,
würde ich reichlich belohnen.« Der Donnersohn erwiederte: »Da ist kein
besserer Rath, als dem alten Papa das Donnergeräth heimlich
wegzunehmen.« »Ich würde es schon entwenden,« antwortete der Teufel,
»wenn die Sache möglich wäre, aber der alte =Kõu=[51] ist stets wachsam,
er läßt weder Tag noch Nacht das Donnerwerkzeug aus den Augen, wie wäre
da ein Entwenden möglich?« Der Donnersohn blieb aber dabei, daß sich die
Sache wohl machen ließe. »Ja, wenn du mir helfen würdest,« rief der
Teufel, »dann könnte der Anschlag vielleicht gelingen, ich allein komme
damit nicht zu Gange.« Der Donnersohn versprach nun sein Helfershelfer
zu werden, verlangte aber dafür keinen geringeren Lohn, als daß der
Teufel den Seelenkauf rückgängig mache. »Meinethalben nimm drei Seelen,
wenn du mich von dieser gräßlichen Noth und Angst befreist!« rief der
Teufel vergnügt. Nun setzte ihm der Donnersohn auseinander, in welcher
Weise er die Entwendung für möglich halte, wenn sie sich Beide einmüthig
und mit vereinten Kräften an's Werk machten. »Aber,« so schloß er, »wir
müssen so lange warten, bis der alte Papa sich wieder einmal so sehr
ermüdet, daß er in tiefen Schlaf fällt, denn gewöhnlich schläft er ja
wie der Hase mit offenen Augen.«
Einige Zeit nach dieser Berathung brach ein schweres Gewitter aus, das
lange anhielt. Der Teufel saß wieder mit dem Donnersohn in seinem
Schlupfwinkel unter dem Steine. Die Furcht hatte den alten Burschen so
betäubt, daß er kein Wort von dem hörte, was sein Gefährte sprach. Am
Abend aber erstiegen Beide einen hohen Berg, wo der alte Bursche den
Donnersohn auf seine Schultern hob und sich dann selber durch Zauber
immer weiter in die Höhe reckte,[52] wobei er sang:
»Recke, Brüderchen, dich aufwärts,
Wachse, Freundchen, in die Höhe!«
bis er zur Wolkengrenze hinaufgewachsen war. Als der Donnersohn über den
Wolkenrand[53] hinüber spähte, sah er den Papa =Kõu= ruhig schlafen, den
Kopf auf zusammengeballte Wolken gestützt, aber die rechte Hand lag
quer über das Donnergeräth ausgestreckt. Man konnte das Instrument nicht
fortnehmen, weil das Berühren der Hand den Schlafenden geweckt haben
würde. Der Donnersohn kroch nun von der Schulter des alten Burschen in
die Wolken hinein, schlich leise wie eine Katze näher und suchte sich
durch List zu helfen. Er holte hinter seinem Ohre eine Laus hervor und
setzte sie dem Papa =Kõu= zum Kitzeln auf die Nase. Der Alte nahm alsbald
die Hand, um seine Nase zu kratzen, in demselben Augenblick aber packte
der Donnersohn das frei gewordene Donnerwerkzeug und sprang vom
Wolkenrand auf den Nacken des Teufels zurück, der mit ihm den Berg
hinunter rannte, als hätte er Feuer hinter sich. Der alte Bursche hielt
auch nicht eher an, als bis er die Hölle erreicht hatte. Hier verschloß
er seinen Raub in eiserner Kammer hinter sieben Schlössern, dankte dem
Donnersohn für die treffliche Hülfe und leistete auf dessen Seele völlig
Verzicht.
Jetzt aber brach über die Welt und die Menschen ein Unglück herein,
welches der Donnersohn nicht hatte vorhersehen können: die Wolken
spendeten keinen Tropfen Feuchtigkeit mehr, und Alles welkte in der
Dürre hin. -- Habe ich leichtsinniger Weise dieses unerwartete Elend
über die Leute gebracht, so muß ich suchen, die Sache, soweit möglich,
wieder gut zu machen, -- dachte der Donnersohn und überlegte, wie der
Noth abzuhelfen sei. Er zog gen Norden an die finnische Grenze, wo ein
berühmter Zauberer wohnte, entdeckte ihm den Raub und gab auch an, wo
das Donnerwerkzeug gegenwärtig versteckt sei. Da sagte der Zauberer:
»Zunächst muß dem alten Vater =Kõu= Kunde werde, wo sein Donnergeräth
festgehalten wird, er findet dann selbst wohl Mittel und Wege, wieder zu
seinem Eigenthume zu gelangen.« Und er schickte dem alten Wolkenvater
Botschaft durch den Adler des Nordens. Gleich am folgenden Morgen kam
=Kõu= zum Zauberer, um ihm dafür zu danken, daß er die Spur des Diebstahls
nachgewiesen hatte. Sodann verwandelte sich der Donnerer in einen
Knaben, suchte einen Fischer auf und verdingte sich bei demselben als
Sommerarbeiter. Er wußte nämlich, daß der Teufel häufig an den See kam,
um Fische zu raffen, und hoffte ihn dort einmal zu treffen. Wiewohl nun
der Knabe =Pikker=[54] Tag und Nacht kein Auge von seinen Netzen
verwandte, so verging doch eine Weile, ehe er des Feindes ansichtig
wurde. Dem Fischer war es längst aufgefallen, daß oftmals die bei Nacht
in den See gelassenen Netze am Morgen leer heraufgezogen wurden, aber er
konnte die Ursache nicht erklären. Sein Knabe wußte freilich recht gut,
wer der Fischdieb sei, aber er wollte nicht früher sprechen, als bis er
seinem Herrn den Dieb auch zeigen könnte.
In einer mondhellen Nacht, als er mit seinem Herrn an den See kam, um
nach den Netzen zu sehen, traf es sich, daß der Dieb gerade bei der
Arbeit war. Als sie über den Rand ihres Kahnes in's Wasser blickten,
sahen sie Beide, wie der alte Bursche aus den Maschen des Netzes Fische
heraus holte und in seinen Schultersack stopfte. Am folgenden Tage ging
der Fischer einen berühmten Zauberer um Hülfe an und bat ihn, den Dieb
durch seine Kunst dermaßen an das Netz zu bannen, daß er ohne Willen
des Besitzers sich nicht los machen könne. Das geschah denn auch ganz
nach des Fischers Wunsch. Als man am folgenden Tage das Netz aus dem See
herauf wand, kam auch der alte Bursche mit an die Oberfläche und wurde
an's Ufer gebracht. Hei! was er da vom Fischer und Fischerknaben
durchgegerbt wurde! Da er ohne Willen des Zauberers vom Netze nicht
loskommen konnte, so mußte er alle Hiebe ruhig hinnehmen. Die Fischer
zerschlugen ihm wohl ein Fuder Prügelstecken auf dem Leibe, ohne
hinzusehen auf welchen Körpertheil die Schläge fielen. Des alten
Burschen Kopf blutete und war dick aufgeschwollen, die Augäpfel traten
aus ihren Höhlen, -- es war ein gräßlicher Anblick -- aber der Fischer
und sein Knabe hatten kein Erbarmen mit dem gemarterten Teufel, sondern
ruhten nur von Zeit zu Zeit aus, um von neuem darauf los zu dreschen.
Als klägliches Bitten nicht half, bot der alte Bursche endlich ein hohes
Lösegeld, ja er versprach dem Fischer die Hälfte seiner Habe und noch
mehr, wenn der Bann gelöst würde. Der erzürnte Fischer ließ sich aber
nicht eher auf den Handel ein, als bis ihm die letzte Kraft ausging, so
daß er keinen Stock mehr rühren konnte. Endlich kam, nachdem ein Vertrag
geschlossen worden, der alte Bursche mit Hülfe des Zauberers vom Netze
los, worauf er den Fischer bat, er möge nebst seinem Knaben mit ihm
kommen, um das Lösegeld abzuholen. Wer weiß, ob er nicht hoffte, sie
noch durch irgend eine List zu betrügen.
Im Höllenhofe wurde den Gästen ein prächtiges Fest bereitet, das über
eine Woche dauerte und bei welchem es an nichts fehlte. Der alte Wirth
zeigte den Gästen seine Schatzkammern und geheimnisvollen Geräthe, und
ließ von seinen Spielleuten dem Fischer zur Erheiterung die schönsten
Weisen aufspielen. Eines Morgens sprach der Knabe =Pikker= heimlich zum
Fischer: »Wenn du heute wieder bewirthet und geehrt wirst, so bitte dir
aus, daß man das Instrument bringe, welche in der Eisenkammer hinter
sieben Schlössern liegt.« Bei Tische, als die Männer schon einen halben
Rausch hatten, bat der Fischer, man möge ihm das Instrument aus der
geheimen Kammer zeigen. Der Teufel zeigte sich willig, holte das
Instrument herbei und fing selbst an darauf zu spielen. Allein obgleich
er aus Leibeskräften hineinblies und die Finger an der Röhre auf und ab
bewegte, so war der Ton, den er herausbrachte, doch nicht besser als das
Geschrei einer Katze, die in den Schwanz gekniffen wird, oder das
Gequieke eines Ferkels, das man auf die Wolfsjagd nimmt.[55] Lachend
sagte der Fischer: »Quälet euch nicht umsonst ab! ich sehe wohl, daß aus
euch doch kein Dudelsackbläser mehr wird. Mein Hüterknabe wurde es
besser machen.« »Oho!« rief der Teufel. -- »Ihr meint vielleicht, das
Blasen auf dem Dudelsack sei ungefähr wie das Flöten auf einem
Weidenrohr, und haltet es für ein Kinderspiel? Komm, Freundchen,
versuch' es erst, und wenn du oder dein Hüterknabe etwas wie einen Ton
auf dem Instrumente hervorbringen könnt, so will ich nicht länger der
Höllenwirth heißen.« »Da versuch's!« rief er und reichte das Instrument
dem Knaben hin. Der Knabe =Pikker= nahm es, als er aber den Mund an die
Röhre setzte und hineinblies, da erbebten die Wände der Hölle, der
Teufel und sein Gesinde fielen ohnmächtig hin und lagen wie todt da.
Plötzlich stand an Stelle des Knaben der alte Vater Donnerer selbst
neben dem Fischer, dankte für geleistete Hülfe und sagte: »Künftig, wenn
mein Instrument wieder aus den Wolken ertönt, soll deinen Netzen reiche
Gabe beschieden sein.« Dann trat er eilig die Heimkehr an.
Unterwegs kam ihm der Donnersohn entgegen, fiel auf die Knie, bereute
seine Schuld und bat demüthig um Verzeihung. Der Vater =Kõu= sagte: »Oft
genug vergeht sich des Menschen Leichtsinn gegen die Weisheit des
Himmels; danke drum deinem Glücke, Söhnchen, daß ich wieder Macht habe,
die Spuren des Elends zu vertilgen, welches deine Thorheit über die
Leute gebracht hat.« Mit diesen Worten setzte er sich auf einen Stein
und blies das Donnerinstrument, bis die Regenpforten sich aufthaten und
die Erde tränkten. Den Donnersohn nahm der alte =Kõu= als Knecht zu sich,
und da muß er noch sein.
[Fußnote 48: Nota zu 9 u. 10. Beide Märchen behandeln einen und
denselben Stoff: die Entwendung des Donnerwerkzeugs durch den dasselbe
über Alles fürchtenden Teufel, welchem es der in einen Fischerknaben
verwandelte Donnergott wieder abnimmt.
Was zunächst den Namen des Donnerwerkzeugs betrifft, so heißt es in
beiden Märchen »=pil=«, womit zwar im Ehstnischen jedes Instrument
bezeichnet wird, hier aber nur ein Blaseinstrument gemeint sein kann.
Und zwar kein anderes als der bei den Ehsten seit uralter Zeit sehr
beliebt gewesene Dudelsack, schwedisch =dromm-pîp=, =drumm-pîpa=. =Drumm= ist
das Trompeten-Ende dieses Instruments, es brummt stets denselben Baßton
und erweckt den Ehsten die Vorstellung des Donners. Im Inlande Jahrg.
1858, Nr. 6 ist eine Version unseres Märchens 10 abgedruckt, welche die
Ueberschrift führt =Müristaja mäng=, was mit Donnertrommel übersetzt ist.
Aber =mäng= bedeutet nicht Trommel, sondern Spiel, Spielzeug, und da es im
»Inland« gegen den Schluß heißt: »er holt den »Himmelsbrummer« hervor
und setzt die fünf Finger an denselben,« so deutet dies offenbar keine
Trommel, sondern ein Blaseinstrument an, den Dudelsack, der speciell
=toru-pil=, Röhreninstrument, heißt, aber auch =pil= schlechtweg, wie in
unserm Märchen 23, =Pilli-Tiidu=, Dudelsack-Tiidu. Von Trommel und Pauke
heißt es im Ehstnischen =trummi löma=, die Trommel oder Pauke schlagen,
und weder an Schamanentrommel noch an ein Tambourin ist bei dem
Ausdrucke =pil= oder =müristaja mäng= zu denken. Nach _Neus_, myth. u. mag.
Lieder der Ehsten S. 12. 13. vgl. mit 41. hängt das ehstnische
=müristamine=, das Donnern, mit einem finnischen Verbum zusammen, welches
vom Brummen des Bären gebraucht wird, und weist auch der ehstnische Name
des Donnergotts, =Kõu=, auf ein finnisches =Nomen= für Bär zurück. Auch der
nordische Donnergott, Thunar-Thor, führte den Beinamen des Bären. Also
nicht der Schall einer Trommel, sondern das Gebrüll eines Thieres oder
eines daran erinnernden Instruments wird dem Donner verglichen. Der
ehstnische Donnergott entlockt dem Dudelsack furchtbare, aber auch
liebliche Töne -- schrecklichen Donner, aber auch sanft rieselnden
Regen. Wenn die Vorstellung von dem Erregen des Gewitters durch ein
Instrument wie die Sackpfeife eigentümlich ehstnisch ist (nach _Rußwurm_,
Sagen, Reval 1861. S. 134, ist der Dudelsack Erfindung =Tara's=, und steht
mit den altheidnischen Volkssitten und Götterdiensten in Zusammenhang,
weßhalb christlicher Eifer das Instrument auf den Teufel zurückführte),
so kennt die ehstnische Sage doch auch den =Äike= oder =Pikker=, der Donner
und Blitz hervorbringt, indem er auf einem Wagen mit erzbeschlagenen
Rädern über Eisenbrücken dahin rasselt, Kalewipoëg =III=, 12 ff. vgl. mit
=XX=. 728 ff. Hier wird man sogleich an Thunar-Thor erinnert.
Was den »Donnersohn« betrifft, so theilt _Kreutzwald_ zu _Boecler_ auf S. 11
mit, er (Kreutzwald) habe in Wierland (dem nordöstlichen Uferdistrict
Ehstlands) den Namen =Pikse-käsepois=, d. h. des Gewitters Befehlsknabe,
gehört, aber nicht erfahren, wer damit gemeint sei. Nach ehstnischer
Tradition ist der Lijonsengel, der in unserm Märchen 9 zum Fischer, und
in 10 zum Fischer Lijon umgestaltet ist, Vermittler zwischen den
Sterblichen und dem =Tara= oder Altvater, und »_der Gott auf der Erde, der
mit dem Gewitter zusammengeht_.« So liegt die Vermuthung nahe, daß der
Lijons-Engel (stamme er nun von dem biblischen »=Legion=« oder von dem
ebenfalls biblischen »Elias«, russisch »=Iljá=«), der oben angeführte
Befehlsknabe des Gewitters, und unser Donnersohn -- eine und dieselbe
Hypostase des Donnergottes selber sind. Nach _Rußwurm_ Sagen, 1861. S. 131
hat auch der ehstnische Teufel einen kleinen Sohn, Thomas, der dem
eigenen Vater zuweilen Possen spielt. Wie in unseren Märchen, so
entweichen auch im Kalewipoëg, vgl. die oben citirten Stellen und =X=,
198, die bösen Geister vor ihrem »Züchtiger« und seinen Pfeilen in die
Flut -- das Wasser macht den Blitzstrahl unschädlich. Daß der Donnergott
sich in einen Fischerknaben verwandelt, erinnert einigermaßen an Thors
Fischfang mit Hymir. _Mannhardt_, Götterwelt, =I=, 218. L.]
[Fußnote 49: S. die Anm. S. 67 zum Märchen vom Tontlawald. L.]
[Fußnote 50: =Castrén= bemerkt in seinen Vorlesungen über finnische
Mythologie, daß man den Donner viel mehr fürchtete als den Blitz, und
daß man noch jetzt hie und da in Finnland beim Donnerwetter nicht wagt
den Namen =Ukko= (Beherrscher des Himmels) zu nennen, oder irgend etwas
Ungebührliches zu reden oder zu thun. L.]
[Fußnote 51: =Kõu= heißt der Donnergott; =Pikne=, Genitiv =Pikse=, war
eigentlich der Blitzstrahl, wird aber auch für den Donnergott gebraucht.
Auch die Formen =Pitkne= und =Pikker= kommen vor. Der Kalewipoëg =X=, 889
kennt eine Wetterjungfrau als =Kõu's= Tochter. L.]
[Fußnote 52: Im Kalewipoëg wird diese Kraft einem aus Nägelschnitzeln
gemachten Hute zugeschrieben, den der Kalewsohn dem Höllenfürsten
entwendet und nach gemachtem Gebrauche verbrennt. Vgl. die betr. Nota zu
11, der Zwerge Streit. L.]
[Fußnote 53: Nach _Rußwurm_, Sagen aus Hapfal, der Wiek, Oesel und Runö,
Reval 1861, =p.= =XVII=, denken sich die Ehsten die Wolken als Gallert, und
findet man nach Gewittern zuweilen Wolkenstücke auf der Erde, was
Rußwurm auf eine Flechtenart (=Tremella Nostoc=) beziehen möchte. L.]
[Fußnote 54: Siehe die Anm. S. 122 ff. u. S. 126. L.]
[Fußnote 55: Man bringt das Ferkel zum Quieken, um dadurch die Wölfe
anzulocken. L.]