9. Der Donnersohn.[48]

Der Donnersohn schloß mit dem Teufel einen Vertrag auf sieben Jahre,

laut dessen der Teufel ihm als Knecht dienen und unweigerlich in allen

Stücken des Herrn Willen erfüllen sollte; zum Lohn für treue Dienste

versprach ihm der Donnersohn seine Seele zu geben. Der Teufel that

seine Schuldigkeit gegen seinen Herrn, er scheute nicht die schwerste

Arbeit und murrte nimmer über das Essen, denn er wußte ja, was für einen

Lohn er nach sieben Jahren von Rechtswegen erhalten sollte. Sechs Jahre

waren vorüber, und das siebente hatte begonnen, aber der Donnersohn

hatte durchaus keine Lust, dem bösen Geist seine Seele so wohlfeilen

Kaufes zu überlassen, und hoffte deshalb durch irgend eine List den

Klauen des Feindes zu entrinnen. Schon beim Abschluß des Vertrages hatte

er dem alten Burschen den Streich gespielt, daß er ihm statt des eigenen

Blutes Hahnenblut[49] zur Besiegelung gab, und der kurzsichtige hatte

den Betrug nicht gemerkt. Und doch war eben dadurch das Band, welches

die Seele des Donnersohns unauflöslich verstricken sollte ganz locker

geworden. Obgleich indeß das Ende der Dienstzeit immer näher rückte,

hatte der Donnersohn sich immer noch keinen Kunstgriff ersonnen, der ihn

frei machen konnte. Da traf es sich, daß an einem heißen Tage von Mittag

her eine schwarze Wetterwolke aufstieg, die den Ausbruch eines schweren

Gewitters drohte. Der alte Bursche verkroch sich sogleich in der Tiefe

der Erde, zu welchem Behuf er immer ein Schlupfloch unter einem Steine

bereit hatte. »Komm Brüderchen, und leiste mir Gesellschaft, bis das

Ungewitter vorüber ist!« bat der Teufel seinen Herrn mit honigsüßer

Zunge. »Was versprichst du mir, wenn ich deine Bitte erfülle?« fragte

der Donnersohn. Der Teufel meinte, darüber könne man sich unten einigen,

denn hier oben mochte er die Bedingungen nicht mehr besprechen, da die

Wolke ihm jeden Augenblick über den Hals zu kommen drohte. Der

Donnersohn dachte: heute hat die Furcht den alten Burschen ganz mürbe

gemacht; wer weiß, ob es mir nicht glückt, mich von ihm los zu machen.

So ging er denn mit ihm in die Höhle. Das Gewitter dauerte sehr lange,

Krach folgte auf Krach, daß die Erde zitterte und die Felsen erbebten.

Bei jeder Erschütterung drückte sich der alte Bursche die Fäuste gegen

die Ohren und kniff die Augen fest zu; kalter Schweiß bedeckte seine

zitternden Glieder, und er konnte kein Wort hervorbringen. Gegen Abend,

als das Gewitter vorüber war, sagte er zum Donnersohn: »Wenn der alte

Vater nicht dann und wann so viel Lärm und Getöse[50] machte, so könnte

ich mit ihm schon durchkommen und könnte ruhig leben, da mir seine

Pfeile unter der Erde nicht schaden können. Aber sein gräßliches Getöse

greift mich so an, daß ich gleich die Besinnung verliere und nicht mehr

weiß, was ich thue. Denjenigen, der mich von diesem Drangsal befreite,

würde ich reichlich belohnen.« Der Donnersohn erwiederte: »Da ist kein

besserer Rath, als dem alten Papa das Donnergeräth heimlich

wegzunehmen.« »Ich würde es schon entwenden,« antwortete der Teufel,

»wenn die Sache möglich wäre, aber der alte =Kõu=[51] ist stets wachsam,

er läßt weder Tag noch Nacht das Donnerwerkzeug aus den Augen, wie wäre

da ein Entwenden möglich?« Der Donnersohn blieb aber dabei, daß sich die

Sache wohl machen ließe. »Ja, wenn du mir helfen würdest,« rief der

Teufel, »dann könnte der Anschlag vielleicht gelingen, ich allein komme

damit nicht zu Gange.« Der Donnersohn versprach nun sein Helfershelfer

zu werden, verlangte aber dafür keinen geringeren Lohn, als daß der

Teufel den Seelenkauf rückgängig mache. »Meinethalben nimm drei Seelen,

wenn du mich von dieser gräßlichen Noth und Angst befreist!« rief der

Teufel vergnügt. Nun setzte ihm der Donnersohn auseinander, in welcher

Weise er die Entwendung für möglich halte, wenn sie sich Beide einmüthig

und mit vereinten Kräften an's Werk machten. »Aber,« so schloß er, »wir

müssen so lange warten, bis der alte Papa sich wieder einmal so sehr

ermüdet, daß er in tiefen Schlaf fällt, denn gewöhnlich schläft er ja

wie der Hase mit offenen Augen.«

Einige Zeit nach dieser Berathung brach ein schweres Gewitter aus, das

lange anhielt. Der Teufel saß wieder mit dem Donnersohn in seinem

Schlupfwinkel unter dem Steine. Die Furcht hatte den alten Burschen so

betäubt, daß er kein Wort von dem hörte, was sein Gefährte sprach. Am

Abend aber erstiegen Beide einen hohen Berg, wo der alte Bursche den

Donnersohn auf seine Schultern hob und sich dann selber durch Zauber

immer weiter in die Höhe reckte,[52] wobei er sang:

»Recke, Brüderchen, dich aufwärts,

Wachse, Freundchen, in die Höhe!«

bis er zur Wolkengrenze hinaufgewachsen war. Als der Donnersohn über den

Wolkenrand[53] hinüber spähte, sah er den Papa =Kõu= ruhig schlafen, den

Kopf auf zusammengeballte Wolken gestützt, aber die rechte Hand lag

quer über das Donnergeräth ausgestreckt. Man konnte das Instrument nicht

fortnehmen, weil das Berühren der Hand den Schlafenden geweckt haben

würde. Der Donnersohn kroch nun von der Schulter des alten Burschen in

die Wolken hinein, schlich leise wie eine Katze näher und suchte sich

durch List zu helfen. Er holte hinter seinem Ohre eine Laus hervor und

setzte sie dem Papa =Kõu= zum Kitzeln auf die Nase. Der Alte nahm alsbald

die Hand, um seine Nase zu kratzen, in demselben Augenblick aber packte

der Donnersohn das frei gewordene Donnerwerkzeug und sprang vom

Wolkenrand auf den Nacken des Teufels zurück, der mit ihm den Berg

hinunter rannte, als hätte er Feuer hinter sich. Der alte Bursche hielt

auch nicht eher an, als bis er die Hölle erreicht hatte. Hier verschloß

er seinen Raub in eiserner Kammer hinter sieben Schlössern, dankte dem

Donnersohn für die treffliche Hülfe und leistete auf dessen Seele völlig

Verzicht.

Jetzt aber brach über die Welt und die Menschen ein Unglück herein,

welches der Donnersohn nicht hatte vorhersehen können: die Wolken

spendeten keinen Tropfen Feuchtigkeit mehr, und Alles welkte in der

Dürre hin. -- Habe ich leichtsinniger Weise dieses unerwartete Elend

über die Leute gebracht, so muß ich suchen, die Sache, soweit möglich,

wieder gut zu machen, -- dachte der Donnersohn und überlegte, wie der

Noth abzuhelfen sei. Er zog gen Norden an die finnische Grenze, wo ein

berühmter Zauberer wohnte, entdeckte ihm den Raub und gab auch an, wo

das Donnerwerkzeug gegenwärtig versteckt sei. Da sagte der Zauberer:

»Zunächst muß dem alten Vater =Kõu= Kunde werde, wo sein Donnergeräth

festgehalten wird, er findet dann selbst wohl Mittel und Wege, wieder zu

seinem Eigenthume zu gelangen.« Und er schickte dem alten Wolkenvater

Botschaft durch den Adler des Nordens. Gleich am folgenden Morgen kam

=Kõu= zum Zauberer, um ihm dafür zu danken, daß er die Spur des Diebstahls

nachgewiesen hatte. Sodann verwandelte sich der Donnerer in einen

Knaben, suchte einen Fischer auf und verdingte sich bei demselben als

Sommerarbeiter. Er wußte nämlich, daß der Teufel häufig an den See kam,

um Fische zu raffen, und hoffte ihn dort einmal zu treffen. Wiewohl nun

der Knabe =Pikker=[54] Tag und Nacht kein Auge von seinen Netzen

verwandte, so verging doch eine Weile, ehe er des Feindes ansichtig

wurde. Dem Fischer war es längst aufgefallen, daß oftmals die bei Nacht

in den See gelassenen Netze am Morgen leer heraufgezogen wurden, aber er

konnte die Ursache nicht erklären. Sein Knabe wußte freilich recht gut,

wer der Fischdieb sei, aber er wollte nicht früher sprechen, als bis er

seinem Herrn den Dieb auch zeigen könnte.

In einer mondhellen Nacht, als er mit seinem Herrn an den See kam, um

nach den Netzen zu sehen, traf es sich, daß der Dieb gerade bei der

Arbeit war. Als sie über den Rand ihres Kahnes in's Wasser blickten,

sahen sie Beide, wie der alte Bursche aus den Maschen des Netzes Fische

heraus holte und in seinen Schultersack stopfte. Am folgenden Tage ging

der Fischer einen berühmten Zauberer um Hülfe an und bat ihn, den Dieb

durch seine Kunst dermaßen an das Netz zu bannen, daß er ohne Willen

des Besitzers sich nicht los machen könne. Das geschah denn auch ganz

nach des Fischers Wunsch. Als man am folgenden Tage das Netz aus dem See

herauf wand, kam auch der alte Bursche mit an die Oberfläche und wurde

an's Ufer gebracht. Hei! was er da vom Fischer und Fischerknaben

durchgegerbt wurde! Da er ohne Willen des Zauberers vom Netze nicht

loskommen konnte, so mußte er alle Hiebe ruhig hinnehmen. Die Fischer

zerschlugen ihm wohl ein Fuder Prügelstecken auf dem Leibe, ohne

hinzusehen auf welchen Körpertheil die Schläge fielen. Des alten

Burschen Kopf blutete und war dick aufgeschwollen, die Augäpfel traten

aus ihren Höhlen, -- es war ein gräßlicher Anblick -- aber der Fischer

und sein Knabe hatten kein Erbarmen mit dem gemarterten Teufel, sondern

ruhten nur von Zeit zu Zeit aus, um von neuem darauf los zu dreschen.

Als klägliches Bitten nicht half, bot der alte Bursche endlich ein hohes

Lösegeld, ja er versprach dem Fischer die Hälfte seiner Habe und noch

mehr, wenn der Bann gelöst würde. Der erzürnte Fischer ließ sich aber

nicht eher auf den Handel ein, als bis ihm die letzte Kraft ausging, so

daß er keinen Stock mehr rühren konnte. Endlich kam, nachdem ein Vertrag

geschlossen worden, der alte Bursche mit Hülfe des Zauberers vom Netze

los, worauf er den Fischer bat, er möge nebst seinem Knaben mit ihm

kommen, um das Lösegeld abzuholen. Wer weiß, ob er nicht hoffte, sie

noch durch irgend eine List zu betrügen.

Im Höllenhofe wurde den Gästen ein prächtiges Fest bereitet, das über

eine Woche dauerte und bei welchem es an nichts fehlte. Der alte Wirth

zeigte den Gästen seine Schatzkammern und geheimnisvollen Geräthe, und

ließ von seinen Spielleuten dem Fischer zur Erheiterung die schönsten

Weisen aufspielen. Eines Morgens sprach der Knabe =Pikker= heimlich zum

Fischer: »Wenn du heute wieder bewirthet und geehrt wirst, so bitte dir

aus, daß man das Instrument bringe, welche in der Eisenkammer hinter

sieben Schlössern liegt.« Bei Tische, als die Männer schon einen halben

Rausch hatten, bat der Fischer, man möge ihm das Instrument aus der

geheimen Kammer zeigen. Der Teufel zeigte sich willig, holte das

Instrument herbei und fing selbst an darauf zu spielen. Allein obgleich

er aus Leibeskräften hineinblies und die Finger an der Röhre auf und ab

bewegte, so war der Ton, den er herausbrachte, doch nicht besser als das

Geschrei einer Katze, die in den Schwanz gekniffen wird, oder das

Gequieke eines Ferkels, das man auf die Wolfsjagd nimmt.[55] Lachend

sagte der Fischer: »Quälet euch nicht umsonst ab! ich sehe wohl, daß aus

euch doch kein Dudelsackbläser mehr wird. Mein Hüterknabe wurde es

besser machen.« »Oho!« rief der Teufel. -- »Ihr meint vielleicht, das

Blasen auf dem Dudelsack sei ungefähr wie das Flöten auf einem

Weidenrohr, und haltet es für ein Kinderspiel? Komm, Freundchen,

versuch' es erst, und wenn du oder dein Hüterknabe etwas wie einen Ton

auf dem Instrumente hervorbringen könnt, so will ich nicht länger der

Höllenwirth heißen.« »Da versuch's!« rief er und reichte das Instrument

dem Knaben hin. Der Knabe =Pikker= nahm es, als er aber den Mund an die

Röhre setzte und hineinblies, da erbebten die Wände der Hölle, der

Teufel und sein Gesinde fielen ohnmächtig hin und lagen wie todt da.

Plötzlich stand an Stelle des Knaben der alte Vater Donnerer selbst

neben dem Fischer, dankte für geleistete Hülfe und sagte: »Künftig, wenn

mein Instrument wieder aus den Wolken ertönt, soll deinen Netzen reiche

Gabe beschieden sein.« Dann trat er eilig die Heimkehr an.

Unterwegs kam ihm der Donnersohn entgegen, fiel auf die Knie, bereute

seine Schuld und bat demüthig um Verzeihung. Der Vater =Kõu= sagte: »Oft

genug vergeht sich des Menschen Leichtsinn gegen die Weisheit des

Himmels; danke drum deinem Glücke, Söhnchen, daß ich wieder Macht habe,

die Spuren des Elends zu vertilgen, welches deine Thorheit über die

Leute gebracht hat.« Mit diesen Worten setzte er sich auf einen Stein

und blies das Donnerinstrument, bis die Regenpforten sich aufthaten und

die Erde tränkten. Den Donnersohn nahm der alte =Kõu= als Knecht zu sich,

und da muß er noch sein.

[Fußnote 48: Nota zu 9 u. 10. Beide Märchen behandeln einen und

denselben Stoff: die Entwendung des Donnerwerkzeugs durch den dasselbe

über Alles fürchtenden Teufel, welchem es der in einen Fischerknaben

verwandelte Donnergott wieder abnimmt.

Was zunächst den Namen des Donnerwerkzeugs betrifft, so heißt es in

beiden Märchen »=pil=«, womit zwar im Ehstnischen jedes Instrument

bezeichnet wird, hier aber nur ein Blaseinstrument gemeint sein kann.

Und zwar kein anderes als der bei den Ehsten seit uralter Zeit sehr

beliebt gewesene Dudelsack, schwedisch =dromm-pîp=, =drumm-pîpa=. =Drumm= ist

das Trompeten-Ende dieses Instruments, es brummt stets denselben Baßton

und erweckt den Ehsten die Vorstellung des Donners. Im Inlande Jahrg.

1858, Nr. 6 ist eine Version unseres Märchens 10 abgedruckt, welche die

Ueberschrift führt =Müristaja mäng=, was mit Donnertrommel übersetzt ist.

Aber =mäng= bedeutet nicht Trommel, sondern Spiel, Spielzeug, und da es im

»Inland« gegen den Schluß heißt: »er holt den »Himmelsbrummer« hervor

und setzt die fünf Finger an denselben,« so deutet dies offenbar keine

Trommel, sondern ein Blaseinstrument an, den Dudelsack, der speciell

=toru-pil=, Röhreninstrument, heißt, aber auch =pil= schlechtweg, wie in

unserm Märchen 23, =Pilli-Tiidu=, Dudelsack-Tiidu. Von Trommel und Pauke

heißt es im Ehstnischen =trummi löma=, die Trommel oder Pauke schlagen,

und weder an Schamanentrommel noch an ein Tambourin ist bei dem

Ausdrucke =pil= oder =müristaja mäng= zu denken. Nach _Neus_, myth. u. mag.

Lieder der Ehsten S. 12. 13. vgl. mit 41. hängt das ehstnische

=müristamine=, das Donnern, mit einem finnischen Verbum zusammen, welches

vom Brummen des Bären gebraucht wird, und weist auch der ehstnische Name

des Donnergotts, =Kõu=, auf ein finnisches =Nomen= für Bär zurück. Auch der

nordische Donnergott, Thunar-Thor, führte den Beinamen des Bären. Also

nicht der Schall einer Trommel, sondern das Gebrüll eines Thieres oder

eines daran erinnernden Instruments wird dem Donner verglichen. Der

ehstnische Donnergott entlockt dem Dudelsack furchtbare, aber auch

liebliche Töne -- schrecklichen Donner, aber auch sanft rieselnden

Regen. Wenn die Vorstellung von dem Erregen des Gewitters durch ein

Instrument wie die Sackpfeife eigentümlich ehstnisch ist (nach _Rußwurm_,

Sagen, Reval 1861. S. 134, ist der Dudelsack Erfindung =Tara's=, und steht

mit den altheidnischen Volkssitten und Götterdiensten in Zusammenhang,

weßhalb christlicher Eifer das Instrument auf den Teufel zurückführte),

so kennt die ehstnische Sage doch auch den =Äike= oder =Pikker=, der Donner

und Blitz hervorbringt, indem er auf einem Wagen mit erzbeschlagenen

Rädern über Eisenbrücken dahin rasselt, Kalewipoëg =III=, 12 ff. vgl. mit

=XX=. 728 ff. Hier wird man sogleich an Thunar-Thor erinnert.

Was den »Donnersohn« betrifft, so theilt _Kreutzwald_ zu _Boecler_ auf S. 11

mit, er (Kreutzwald) habe in Wierland (dem nordöstlichen Uferdistrict

Ehstlands) den Namen =Pikse-käsepois=, d. h. des Gewitters Befehlsknabe,

gehört, aber nicht erfahren, wer damit gemeint sei. Nach ehstnischer

Tradition ist der Lijonsengel, der in unserm Märchen 9 zum Fischer, und

in 10 zum Fischer Lijon umgestaltet ist, Vermittler zwischen den

Sterblichen und dem =Tara= oder Altvater, und »_der Gott auf der Erde, der

mit dem Gewitter zusammengeht_.« So liegt die Vermuthung nahe, daß der

Lijons-Engel (stamme er nun von dem biblischen »=Legion=« oder von dem

ebenfalls biblischen »Elias«, russisch »=Iljá=«), der oben angeführte

Befehlsknabe des Gewitters, und unser Donnersohn -- eine und dieselbe

Hypostase des Donnergottes selber sind. Nach _Rußwurm_ Sagen, 1861. S. 131

hat auch der ehstnische Teufel einen kleinen Sohn, Thomas, der dem

eigenen Vater zuweilen Possen spielt. Wie in unseren Märchen, so

entweichen auch im Kalewipoëg, vgl. die oben citirten Stellen und =X=,

198, die bösen Geister vor ihrem »Züchtiger« und seinen Pfeilen in die

Flut -- das Wasser macht den Blitzstrahl unschädlich. Daß der Donnergott

sich in einen Fischerknaben verwandelt, erinnert einigermaßen an Thors

Fischfang mit Hymir. _Mannhardt_, Götterwelt, =I=, 218. L.]

[Fußnote 49: S. die Anm. S. 67 zum Märchen vom Tontlawald. L.]

[Fußnote 50: =Castrén= bemerkt in seinen Vorlesungen über finnische

Mythologie, daß man den Donner viel mehr fürchtete als den Blitz, und

daß man noch jetzt hie und da in Finnland beim Donnerwetter nicht wagt

den Namen =Ukko= (Beherrscher des Himmels) zu nennen, oder irgend etwas

Ungebührliches zu reden oder zu thun. L.]

[Fußnote 51: =Kõu= heißt der Donnergott; =Pikne=, Genitiv =Pikse=, war

eigentlich der Blitzstrahl, wird aber auch für den Donnergott gebraucht.

Auch die Formen =Pitkne= und =Pikker= kommen vor. Der Kalewipoëg =X=, 889

kennt eine Wetterjungfrau als =Kõu's= Tochter. L.]

[Fußnote 52: Im Kalewipoëg wird diese Kraft einem aus Nägelschnitzeln

gemachten Hute zugeschrieben, den der Kalewsohn dem Höllenfürsten

entwendet und nach gemachtem Gebrauche verbrennt. Vgl. die betr. Nota zu

11, der Zwerge Streit. L.]

[Fußnote 53: Nach _Rußwurm_, Sagen aus Hapfal, der Wiek, Oesel und Runö,

Reval 1861, =p.= =XVII=, denken sich die Ehsten die Wolken als Gallert, und

findet man nach Gewittern zuweilen Wolkenstücke auf der Erde, was

Rußwurm auf eine Flechtenart (=Tremella Nostoc=) beziehen möchte. L.]

[Fußnote 54: Siehe die Anm. S. 122 ff. u. S. 126. L.]

[Fußnote 55: Man bringt das Ferkel zum Quieken, um dadurch die Wölfe

anzulocken. L.]

Ehstnische Märchen · 第 38 / 69 题