Die Strahlen der sinkenden Sonne dringen tief in das Tal hinein und

gönnen tiefen Einblick in die phantastische Landschaft, in der ich

plötzlich nach den starken Eindrücken des Nachmittags ganz einsam

wandere. Öde und baumlos liegt eine schroffe Granitpyramide vor mir;

scharf und klar treten die einzelnen Felsblöcke, die Rinnen und

Schluchten infolge der langen Schatten hervor. Immer schöner und

malerischer werden die Bilder. Vor einem kahlen Felsenberg tut sich

ein kleines Tälchen auf, in seiner Tiefe leuchtet üppiges Gras empor,

Bäume und Büsche umgeben einen weiß blinkenden türkischen Brunnen. Er

verrät uns die Ursache des starken Pflanzenwachstumes. Wie stets sind

Schattenbäume um diesen erquickenden Brunnen gepflanzt, welche die

Stätte zum geeigneten Ruheplatz im letzten Drittel des heißen Anstieges

zum Kloster machen.

[Illustration: Abb. 229. Türkenbrunnen in der Granitlandschaft beim

Kloster Treskaveč.]

Von der Quelle aus schweift mein Blick zu den Bergketten des

Kalkgebirges auf der jenseitigen Seite des Tales. Drüben sehe ich

eine weiße Straße aufblinken und sich den Bergen drüben aufwärts der

Talwand anschmiegen und in das Massiv vordringen. Staubwolken liegen

über der Straße und verraten, daß auch hier abends ebenso starker

Verkehr ist, wie auf der Babunastraße. Es ist die Straße, welche zum

_Pletwarpaß_ führt, die zweite Verbindung von Prilep mit dem Wardartal.

Auch die _Pletwarstraße_ habe ich einmal auf der Fahrt von Prilep

zur Haupteisenbahn Mazedoniens benützt. Es war im Sommer 1917; nach

den Qualen durch Hitze und Staub, denen ich damals ausgesetzt war,

spürte ich keine Verführung, die Fahrt öfter zu machen, zumal ich die

interessanten Gebiete am Ende der Strecke öfter zu besuchen Gelegenheit

hatte.

[Illustration: Abb. 230. Hain im Granitgebirge bei Treskaveč. Blick ins

Tal von Prilep und auf den Beginn der Pletwarstraße.]

An sich war dieser Paß nicht weniger interessant als die Babunastraße,

manche Strecken sogar besonders romantisch. Von Prilep kommend, bog man

bald rechts von der Babunastraße ab und fuhr steil an der östlichen

Talseite aufwärts. Im Juni 1917 war die Straße sehr zerfahren und der

Verkehr sehr gesteigert. Es wurde fieberhaft an der Kleinbahn gebaut,

welche damals bis _Trojazi_ reichte, in einigen Monaten aber bis

_Prilep_ durchgeführt wurde und von da Anschluß erhielt einerseits

gegen _Monastir_ und den _Cernabogen_, andererseits die _Cerna_

aufwärts über _Pribilci_ bis _Lera_ unterhalb _Gopes_, und damit die

Verbindung mit den Fronten am _Prespa-_ und _Ochridasee_ und Albanien

herstellte.

Bei der Fahrt war mein Auto stets in eine dichte Staubwolke gehüllt,

denn es herrschte regster Verkehr. Er war eher stärker als am

Babunapaß; denn hier wurden die Truppentransporte hauptsächlich

weitergeleitet. So sah man in den offenen _Kleinbahnwagen_ deutsche,

österreichische, ungarische, bulgarische Truppen auf dem Transport,

wobei sie auf jeder Station den heimwärts reisenden Urlaubern

begegneten. Landstraße und Schienenstrang der Kleinbahn waren zu beiden

Seiten auch hier auf diesem Paß von den Leitungen der _Seilbahn_

begleitet, an denen unablässig leere und gefüllte Tragen, die

sogenannten Hunde, nach oben und unten wanderten.

Bei der Fahrt den Paß aufwärts kam ich durch die Dörfer _Pletwar_,

_Belawodiza_ nach _Trojazi_. Von der eigenartigen Landschaft konnte man

zunächst nicht viel beachten, denn unendliche Züge von Lastkraftwagen

waren gerade in diesen Tagen in Bewegung. Überall wurde gearbeitet und

gebaut; die Straße erforderte unablässig Reparaturen, überall wurden

Abkürzungen angelegt, neue Brücken, Quartiere, Verpflegungsstationen,

Unterkünfte gebaut. Eine Menge Steinbrüche lieferten das Material für

Straßen- und Bahnbau, Stationen wurden eingerichtet für Feldbahn und

Seilbahn, Gefangenenlager beherbergten die Arbeitskräfte für die enorme

Arbeit, welche auch hier die Etappe zu bewältigen hatte.

So ging es stundenlang weiter durch heiße Sonne und Staub.

Trotzdem wurde die Aufmerksamkeit immer wieder erregt durch die

Landschaftsbilder, die Felsen und Schluchten, die hohen Berge, an denen

ich vorbeikam. Der Paß führte nun abwärts an dem _Rajetzbach_ entlang,

welcher sein Wasser der _Cerna_ zuführt. Er hatte mächtige Schluchten

gegraben in der großen und kleinen _Klisura_, floß am schimmernden

_Marmorberg_ vorbei um schließlich durch die mächtige _Adlerschlucht_

(die _große Klisura_) in die _Cerna_ zu münden. Etwas oberhalb der

Mündung lag der Bahnhof und das Barackenlager von _Drenovo_.

Wir, ich hatte zwei in Urlaub in die Heimat fahrende junge

Dragoneroffiziere in mein Auto aufgenommen, atmeten auf, als wir in dem

behaglichen kleinen Offiziersheim im Lager von _Drenovo_ eine Stunde

Rast machen konnten. Es war eine Erlösung, sich die Kleider reinigen,

die zentimeterhohe Staubschicht von den Gesichtern abwaschen und einen

kühlen Trunk genießen zu dürfen.

_Drenovo_ hat einen bösen Namen in der Hygiene des Kriegsschauplatzes

gewonnen; auf der Heimreise, wie bei der Rückkehr an die Front hat

hier mancher Soldat sich eine schwere _Malaria_ geholt. Lange Zeit war

dies bei beiden Reisen die Übernachtungsstelle der Urlauber. In der

sumpfigen Gegend des Barackenlagers wimmelte es von Malariamücken und

die kurzen Stunden der Nachtruhe in den schlecht verwahrten Baracken

haben vielen die schlimme Infektion durch deren Stich gebracht, die sie

in den Jahren an der Front im gesunden Hochgebirgsklima Mazedoniens

nicht bekommen hatten.

[Illustration: Abb. 231. Lager und Bahnhof von Drenovo. Im Hintergrund

das Dorf.]

Damals auf der Durchreise hatte ich nicht Zeit und Kraft, den hoch am

Berghang gelegenen _Ort Drenovo_ zu besuchen. Das holte ich im April

1918 nach, als ich mit meinem Freund _Popoff_ eine genußreiche Fahrt

durch diese Gegend machte. Da wanderte ich durch das malerische Örtchen

zu der alten Kirche, die an dessen obersten Rand ganz außerhalb des

Verkehrs lag. Deshalb wurde sie von Deutschen selten besucht, wenn sie

das auch durchaus verdient hätte.

Die Kirche sah allerdings von außen aus wie eine Scheune. Trat man

dagegen in den hohen Innenraum ein, so wurde man überrascht durch

eine Anzahl gewaltiger Säulen, welche das Dach stützten und fast zu

mächtig für den engen Raum waren. Es waren offenbar antike Säulen

oder doch solche aus byzantinischer Zeit, die hier verwandt waren und

dem erfahrenen Archäologen wichtige Aufschlüsse über die Geschichte

des Landes versprachen. In dieser Kirche fanden sich auch Fragmente

eines Tierfrieses mit merkwürdigen Formen, welche auf orientalische

Beziehungen hinweisen.

Nach erfrischender Rast wurde die Fahrt nach dem Endpunkt der

Feldbahn, dem großen Etappenlager _Grazko_ fortgesetzt, wo ich auf die

Hauptbahnlinie und den Wardar zurückkam, kurz vor der Einmündung der

_Cerna_ in den letzteren. Grazko war kein erfreulicher Aufenthalt,

diese riesige Stadt von Zelten und Baracken, in kahler dürrer Gegend;

ungeheure Mengen von Geräten, Munition, Waffen lagerten hier sowohl

für die Cerna-, Monastir- und Seenfront, wie für jene am Doiransee und

unteren Wardar.

Immerhin gab es hier zwei Anziehungspunkte, die Ruinen der antiken

Stadt _Stobi_ und das deutsche Gut _Palikura_. _Stobi_ war eine

römische Stadt, günstig an der Mündung der _Cerna_ in den Wardar

gelegen, aus der Hauptstadt der Päonier entwickelt. Sie war von jeher

ein befestigter Brückenkopf. Noch erkannte man dicht am Fluß Reste

einer Stadtbefestigung. Während der Besetzung wurden von Deutschen

verschiedentlich Ausgrabungen dort gemacht. Zum Teil wurden sie

dilettantisch betrieben, schließlich aber von Fachmännern geleitet

und haben manches Interessante geliefert. Ich habe die Ruinen in

verschiedenen Phasen der Ausgrabung besucht. Soweit ich Einblick

gewann, ist das wesentliche Resultat der Forschungen die Feststellung

der Grenzen und Befestigungen der alten Stadt, in der auf die

altmazedonische Periode eine römische und eine byzantinische Periode

folgten. Die römischen Reste sind spärlich, während aus byzantinischer

Zeit viel mehr zum Vorschein kam. Der Verlauf der Befestigungen an

der Cerna ließ sich ziemlich klar stellen, Grundrisse von Häusern,

zwei Kirchen, Kloaken wurden aufgedeckt. Auch wurden römische und

byzantinische Grabsteine gefunden. Von einer der byzantinischen

Kirchen ließ sich ein gut Stück der Baugeschichte durch verschiedene

Perioden hindurch verfolgen. In den Basiliken sind in byzantinischer

Zeit römische Bauteile verwandt worden. Die byzantinischen Bauten

sollen meist im 5. Jahrhundert entstanden sein. Gräber in der einen

Kirche, ein Kuppelgrab, ein Friedhof wurden aufgedeckt, dazu ein

Mosaikfußboden, dessen Arbeit auf römischen Ursprung hinweist. In der

anderen stammen Säulen und Stufen von einem größeren römischen Tempel.

Sie wurden offenbar nach dessen Zerstörung in die Kirche eingebaut.

Besonders stattlich muß die dreischiffige Basilika bei _Palikura_

gewesen sein, die wohl auf eine größere Ausdehnung der Stadt

Stobi hinweist. Hier sind eine große Anzahl von Säulen, Friesen,

Marmorplatten und Inschriften gefunden worden. In dieser Kirche ist

aber alle Arbeit von weit geringerem Typus und weist auf Entstehung

in späterer Zeit hin. Auch sonst wurden in Mazedonien von unseren und

den bulgarischen Truppen viele interessante Reste aus prähistorischen

Zeiten, aus Altertum und Mittelalter gefunden. Im Jahre 1918

wurde an ihrer planmäßigen Erfassung gearbeitet und es sind wohl

Veröffentlichungen darüber zu erwarten.

_Palikura_ selbst ist während des Krieges als Versuchslandgut vom

preußischen Landwirtschaftsministerium bewirtschaftet worden. Es war

schon 33 Jahre vor dem Kriege in Händen eines deutschen Besitzers

gewesen. Sowohl dieser als die preußische Verwaltung hatten, soweit ich

erfuhr, manche Mißerfolge. Doch hatte ich bei einem Besuch in dem Gut

den Eindruck großer Fortschritte, die wohl leider seither nicht mehr

fortschreiten konnten.

Von dem ersten Ausflug nach Prilep brachte ich mehr als

naturwissenschaftliche Ergebnisse, starke Eindrücke von der Kultur und

Geschichte des Landes und noch stärkere von der Arbeit und Leistung

unseres Heeres in diesem fernen fremden Gebiet mit. Ich habe ihnen

absichtlich Raum gegeben; denn jetzt nach dem Zusammenbruch unserer

Unternehmungen ist es wichtig, in Deutschland unter dem Einfluß des

Mißerfolges, nicht die Größe und Tüchtigkeit unseres Volksheeres zu

vergessen. Das, was Mannschaften und Offiziere mit Treue, Ausdauer,

körperlicher und geistiger Energie in diesem Lande leisteten, das kann

nicht ganz verloren gehen und wird wieder ein Zeugnis von dem guten

Kern des Volkes werden, wenn die Deutschen eine neue Zukunft gewinnen.

Zu zoologischen Forschungen war die erste Fahrt nach Prilep nur eine

Erkundung gewesen, die zu späteren Reisen den Anstoß gab, wovon weitere

Kapitel Auskunft geben sollen.

DREISSIGSTES KAPITEL

AMEISENLÖWEN

Bei den klimatischen, botanischen und zoologischen Beziehungen

Mazedoniens zu den asiatischen Steppen war ein großer Reichtum an

jenen +Neuropteren+ zu erwarten, die man gewöhnlich unter dem Namen

der _Ameisenlöwen_ zusammenfaßt und welche _Rösel von Rosenhof_ sehr

passend als _Landlibellen_ bezeichnet. Da ich infolge einer eingehenden

biologischen und tierpsychologischen Untersuchung des einen der

deutschen Ameisenlöwen mich für diese Tiergruppe sehr interessierte,

achtete ich von vornherein auf ihr Vorkommen in Mazedonien.

Schon in den ersten Tagen in _Kaluckova_, im Mai 1917, entdeckte

ich auf den Hügeln der Umgebung in Mengen jene charakteristischen

_Sandtrichter_, deren Bau und Verwendung zum Ameisenfang ich bei der

deutschen Art so genau studiert hatte. Überall gab es diese Trichter,

hier aber nicht so sehr an Abhänge und Stellen mit Regenschutz

gebunden; vielmehr lagen sie überall frei im Gelände. In _Rabrovo_,

dessen Zelt- und Barackenlager im schattenlosen Tal angelegt war,

fanden sich zahllose Trichter in dem feinen Staub der Straßen und

Plätze. Hier in dem Lande mit seinem trockenen Sommer brauchen die

Ameisenlöwen sich nicht vor dem Regen zurückzuziehen, wie die Larve von

+Myrmeleon formicarius+ L. in Deutschland. Obwohl die Trichter genau

so aussahen wie jene, die ich in Deutschland studiert hatte, merkte

ich bald, daß die in Südmazedonien häufigste Larve zu einer anderen

Ameisenlöwenart gehören müsse.

Bei _Kaluckova_ war am häufigsten die Larve von +Macronemurus

appendiculatus+ Latr., einem zarten Tier mit durchsichtigen Flügeln,

deren Oberfläche fein irisierte, wenn das Licht von der Seite auf sie

fiel. Gegen die Flügelspitze hin war ein gelbliches Randmal sichtbar.

Der Kopf trug zwei an der Spitze verdickte Fühler, vorstehende kugelige

Augen, der Körper war dunkelbraun mit gelben Längsstreifen an den

Seiten des Hinterleibes und gelben Flecken in der Brustregion. Das

Männchen trug am Hinterende zwei behaarte Fortsätze und war kleiner als

das Weibchen (Abb. 234 +A+ u. +B+).

[Illustration: Abb. 232. Trichter und Kriechspuren der Larven

mazedonischer Ameisenlöwen (+Myrmecaelurus trigrammus+ Pall.) Üsküb.]

Davon, daß das Tier so aussah, hatte ich aber damals, als ich mir die

Larven aus ihren Sandtrichtern holte, noch keine Ahnung; daß ähnlich

aussehende Tiere aus ihnen werden müßten, wußte ich wohl. Aber zu

welcher Art sie gehörten, war mir noch unbekannt. Erst gegen den Juni

traten die +Imagines+ auf und deren Zusammengehörigkeit mit den Larven

ergaben mir Züchtungen aus Larven, die ich lebend hielt und durch

fleißiges Füttern mit Ameisen zur Verpuppung brachte.

[Illustration: Abb. 233. Ameisenlöwe. Larve von +Macronemurus

appendiculatus+ Latr. Kaluckova. Vergr. 5.]

Um so interessanter war die Untersuchung der Larven; ich hatte in

Deutschland die im Westen häufige Larve von +Myrmeleon formicarius+

genau auf Bau, Lebensweise und Reaktionen durchforscht und eine

Monographie über sie geschrieben[1]. So merkte ich sogleich, daß die

hier vorliegenden Larven ganz anders reagierten und somit sicher zu

einer anderen Art gehörten. Während die Larven der deutschen Art nur

rückwärts kriechen können, sah ich die hier vor mir sitzenden gerade so

flott sich vorwärts bewegen. Allerdings, wenn sie sich zum Trichterbau

in den Sand einwühlten, ging auch hier das Hinterende voran, wobei

merkwürdige, wie Schaufeln aussehende Gebilde an diesem eine wichtige

Rolle spielten (Abb. 233).

Beim Bau des Trichters liefen sie zuerst oberflächlich in einer Spirale

auf dem Sand herum, dabei eine Furche ziehend. Versetzte man ihnen

einen leichten Tastreiz am Hinterende, so setzten sie sich vorwärts

in Bewegung; beim Laufen benutzten sie das erste und zweite Fußpaar,

wobei zuerst das erste, dann das zweite, abwechselnd links und rechts

vorgesetzt wurden. Die Bewegungen waren sehr lebhaft, die Reaktionen

dieselben wie bei dem von mir studierten deutschen Ameisenlöwen.

Er stellte sich tot wie jener; nahm eine ähnliche Bereitschaftsstellung

an, führte denselben Schnappreflex aus, drehte sich, auf den Rücken

geworfen, schnell durch einseitiges Anstemmen des Kopfes um. Er zeigte

Reizbarkeit durch Licht, stellte sich im Trichter nach dem Lichteinfall

ein.

[Illustration: Abb. 234. A B +Macronemurus appendiculatus+ Latr. +A+

Männchen. +B+ Weibchen. Nat. Gr.]

Schon im Mai und Anfang Juni traten +Imagines+ dieser Art bei

_Kaluckova_, im _Wardar-_ und _Nikolatal_ zahlreich auf. Die von mir

gefütterten Larven kamen nur zum Teil zur Verpuppung in kugeligen

Kokons, welche von Sandkörnern umhüllt waren.

Eine zweite Form des Ameisenlöwen, der bei Kaluckova Trichter baute,

war +Myrmeleon formicalynx+ F. Auch von dieser Form hielt ich die

Larven in Gefangenschaft, züchtete sie und erzielte aus ihnen

+Imagines+. Auch sie liefen sowohl vorwärts als rückwärts, bauten große

tiefe Trichter und entsprachen in den Reaktionen im wesentlichen den

anderen von mir untersuchten Larven. Die +Imagines+ waren größer als

die von +Macronemurus appendiculatus+ Latr., hatten breitere Flügel mit

sehr deutlichem, weißem Randmal an beiden Flügelpaaren, hinter welchen

eine deutliche Verdunkelung des Flügels sichtbar war (Abb. 235). Der

Körper war im allgemeinen schwarz, mit gelben Flecken am Prothorax.

Gelbe Streifen fanden sich auch am Kopf. Femur und Tibia der Beine

waren auch gelb, mit schwarzbraunen Gelenken.

[Illustration: Abb. 235. +Myrmeleon formicalynx+ F. Nikolatal. Nat. Gr.]

Noch eine dritte Form von Ameisenlöwen baute im Wardartal Trichter. Sie

war allerdings bei Üsküb häufiger als im Süden. Ich fand sie aber auch

bei Mravinca und Veles.

Es war dies eine sehr stattliche, lange Larve, die besonders schlank

gebaut war (Abb. 236). Sie erreichte eine Länge von fast 2 cm. Die

Fühler sind 14 gliederig. Kopf und Rücken sind auffallend gezeichnet.

Auch sie baute tiefe Trichter, konnte vorwärts und rückwärts laufen;

sehr eigenartig ist der schroffe Übergang vom Vorwärtslaufen

zum Rückwärtsgehen und umgekehrt. Die Tiere wechseln oft rasch

hintereinander damit ab.

Auffallend ist die größere Reizbarkeit dieser Larven, verglichen mit

den anderen von mir studierten Arten. Das Totstellen dauert hier immer

nur sehr kurz, die Reizreaktionen, vor allem der Schnappreflex, sind

sehr intensiv. Der Phototropismus ist sehr ausgesprochen; das Tier

läuft auch vorwärts auf die Lichtquelle los. Merkwürdig ist das starke

Aufbäumen des Vorderendes. Die Larve kann selbst an senkrechten Wänden

mit dem Vorderende voran hinaufklettern.

Die Larve dieses Ameisenlöwen unterscheidet sich überhaupt in ihrem

Verhalten sehr von den anderen von mir studierten Formen.

[Illustration: Abb. 236. Ameisenlöwe. Larve von +Myrmecaelurus

trigrammus+ Pall. Üsküb. Vergr. 5.]

Im April und Mai gab es viele kleine und mittelgroße Larven, im

Juni herrschten die großen Larven vor, die Trichter waren dann auch

auffallend groß. Im Juli scheint die Zeit der Verpuppung zu sein,

welche nicht lange dauert. Ein Exemplar, welches sich in Gefangenschaft

anfangs August verpuppt hatte, schlüpfte am 23. August aus. Bei meinen

in Gefangenschaft gehaltenen Individuen, die alle schöne kugelrunde,

sandkörnerumkleidete Kokons bauten, war wohl die Larvenzeit stets etwas

über die Norm ausgedehnt.

In Mazedonien flogen die +Imagines+ dieser Form vor allem im Juli. Es

war +Myrmecaelurus trigrammus+ Pall. (Abb. 237). An Flügeln und Körpern

der Individuen dieser Art herrschte die gelbe Farbe vor. Die Fläche

der Flügel mit ihren braunen Adern zeigte einen zarten gelbgrünen

Glanz. Der Hinterleib war im wesentlichen gelb, mit dunkelbraunen

Längsstreifen, ähnlich sahen Kopf und Brustabschnitte aus.

[Illustration: Abb. 237. +Myrmecaelurus trigrammus+ Pall. Üsküb. Nat.

Gr.]

Dieses Tier trat Ende Juni und im Juli in großen Mengen auf. Männchen

und Weibchen waren zu gleicher Zeit da.

Um diese Zeit gab es nur mehr wenig Trichter und vom September an

wurden es ihrer wieder mehr; diese waren dann aber noch sehr klein

und beherbergten entsprechend kleine Larven. Offenbar war im Juli und

anfangs August Begattung und Eiablage erfolgt, so daß im Herbst die

neue Generation erschien. Die jungen Larven überwintern hier und es

scheint mir unzweifelhaft, daß sie in diesem heißen Lande sich schon in

einem Jahre zum geschlechtsreifen Tier entwickeln.

Schon vom Mai an waren die +Imagines+ von zahlreichen anderen Arten von

Ameisenlöwen oder sagen wir lieber von _Landlibellen_ in Mazedonien

aufgetreten. Bis in den Hochsommer nahm Arten- und Individuenfülle

immer mehr zu, so daß in dieser Zeit im Landschaftsbild mit den

Heuschrecken die Landlibellen eine größere Rolle spielten als die

Schmetterlinge. Manche von ihnen glichen aber auch im Flug, in der

Farbigkeit, in der Eigenart der Formen Schmetterlingen.

[Illustration: Abb. 238. +Formicalynx tetragrammus+ Pallas. ♀.

Kaluckova. Nat. Gr.]

Mehrere Formen traten in dieser Zeit im Wardartal auf, welche durch die

zarte Durchsichtigkeit der Flügel den bisher beschriebenen drei Arten

sehr ähnlich waren. Es war vor allem +Formicalynx tetragrammus+ Pall.,

ein stattliches Tier mit dunklem Körper und dunkler Aderung der Flügel,

welche auch mehrere dunkle Flecken trugen (Abb. 238). Von dieser Art

sowie von +Creagris plumbeus+ Oliv., einer zartflügeligen Landlibelle,

ohne Flecken auf den Flügeln, mit schwarzem, ungestreiftem Körper habe

ich die Larven nicht mit Sicherheit gefunden.

Umgekehrt fand ich von +Megistopus flavicornis+ Rossi nur die Larven,

wenn ich sie nach der Bearbeitung von _Redtenbacher_ richtig bestimmt

habe.

Von Ende Mai an traten zwei eigenartige Formen im südlichen Wardartal,

am Doiransee, bei Demirkapu und Veles auf, die weiter nördlich

jedenfalls viel seltener waren. Zuerst kam von ihnen +Nemoptera

sinuata+ Oliv., ein graziöses, seltsam anmutendes Insekt. Anfang Juni

kam dieses schöne Tier in Hunderten von Exemplaren auf den grasigen

Hängen des Nikolatals vor, 14 Tage später wimmelte es von ihm einige

hundert Meter höher auf der _Plaguša Planina_. Das Tier ist durch eine

große Verschiedenheit der Vorder- und Hinterflügel ausgezeichnet; die

Vorderflügel sind breitoval, die Hinterflügel sind lange, schmale

Bänder, die nach hinten sich spatelförmig verbreitern. Beide Flügel

haben eine blaßgelbe Grundfarbe mit dunkelbraunen Flecken; letztere

sind zum Teil so eigenartig verteilt, als hätte ein Maler sie

willkürlich auf die Flügel gepinselt (Abb. 240, S. 480).

Nur die Vorderflügel leisten Flugarbeit, indem sie rasch schlagen;

die bandförmigen Hinterflügel flattern unbewegt hinter dem Tier her

und wirken offenbar als Stabilisatoren. In der Regel fliegen die

+Nemopteren+ ganz langsam, taumelnd von Blüte zu Blüte, während ihre

Hinterflügel wie Wimpel hinter ihnen im Wind sich wiegen. Eine Wiese

voll von diesen Tieren, die im hellen Sonnenschein sich behaglich über

den Blüten schaukeln, von Zeit zu Zeit auf einer duftigen Dolde wie in

einem Flughafen landen, bietet einen höchst reizvollen Anblick dar.

Wollte man sie fangen, oder verfolgte sie ein Vogel, so erfolgte die

Flucht in ziemlich raschem Flug.

[Illustration: Fig. 239. Ameisenlöwe. Larve von +Megistopus

flavicornis+ Rossi. Üsküb. Vergr. 5.]

Sie traten, Männchen und Weibchen gleichzeitig, in großen Mengen auf

und verschwanden ebenso allmählich Ende Juni. In den höheren Regionen,

in denen sie etwas später aufgetreten waren, dauerten sie auch etwas

länger aus.

Fast noch phantastischer sah die andere Art aus, deren große

braungefleckte Flügel eine Spannweite von 10-12 cm, gelegentlich sogar

noch mehr erreichten. Es sind dies die sogenannten „_Riesenhafte_‟,

die Art, die im gleichen Gebiete wie +Nemoptera+ flog und womöglich

in noch größeren Mengen auftrat, war +Palpares libelluloides+ Dalm

(Abb. 241 u. 242). Auch bei dieser größten unter den europäischen

Landlibellen war der Flug meist etwas schwerfällig und taumelnd. Bei

starkem Wind konnten sie sich nicht in der Luft halten, wurden zu Boden

geschleudert und zogen sich zwischen Gras und Büsche zurück. Wie die

+Nemopteren+, sah man sie viel bei Tage fliegen, wie denn die meisten

der mazedonischen Ameisenlöwen _Tagtiere_ sind.

[Illustration: Abb. 240. Landlibelle mit verschiedenen Flügeln.

(+Nemoptera sinuata+ Oliv.) Nat. Gr.]

Mazedonien · 第 36 / 45 段