Abb. 98 =Gospersgrün= bei Plauen i. V.]

Die Frage der alten Steinkreuze, die uns hier an dem Buch allein

interessiert, ist durchaus einseitig vom kirchlich-legendären

Standpunkt aus behandelt. Wie fast alle übrigen Altertümer im

slawischen Sprachgebiet, so bringt der Verfasser auch sämtliche

Steinkreuze, die er auf seinen Reisen antraf oder sonstwie in

Erfahrung brachte, ohne weiteres mit den beiden Slawenaposteln in

Verbindung. Selbst der Name »Heilige Quelle, Heiliges Wasser, Heiliger

See, Heiliger Hain«, der allerorten einmal wiederkehrt, genügt ihm

als Beweis, daß Cyrill und Methodius dort die Heiden getauft und

das Christentum verkündet haben. Weder hier noch bei Kirchen- und

Klosterbauten aus älterer Zeit wird auch nur der geringste Versuch

gemacht, einen geschichtlichen Nachweis irgendwelcher Art zu erbringen.

Ohne weitere allgemeine oder einzelne Begründung behandelt er

infolgedessen auch jedes alte Steinkreuz als Zeugnis dafür, daß einer

der Heiligen an der Stelle geweilt und gepredigt oder wenigstens auf

Missionsreisen vorübergekommen sei. Bei dieser vorgefaßten Meinung

erwähnt er nicht einmal die nächstliegende und offenkundige Tatsache,

daß jene Kreuzsteine nur in gewissen Gegenden vom Volksmunde als

Cyrill- und Methodiuskreuze bezeichnet werden.

[Illustration:

Phot. K. Sippel, Plauen i. V.

Landesverein Sächsischer Heimatschutz — Mitteilungen Band XIII, Heft 7-8 · 第 16 / 61 题