Die Frage der alten Steinkreuze, die uns hier an dem Buch allein
interessiert, ist durchaus einseitig vom kirchlich-legendären
Standpunkt aus behandelt. Wie fast alle übrigen Altertümer im
slawischen Sprachgebiet, so bringt der Verfasser auch sämtliche
Steinkreuze, die er auf seinen Reisen antraf oder sonstwie in
Erfahrung brachte, ohne weiteres mit den beiden Slawenaposteln in
Verbindung. Selbst der Name »Heilige Quelle, Heiliges Wasser, Heiliger
See, Heiliger Hain«, der allerorten einmal wiederkehrt, genügt ihm
als Beweis, daß Cyrill und Methodius dort die Heiden getauft und
das Christentum verkündet haben. Weder hier noch bei Kirchen- und
Klosterbauten aus älterer Zeit wird auch nur der geringste Versuch
gemacht, einen geschichtlichen Nachweis irgendwelcher Art zu erbringen.
Ohne weitere allgemeine oder einzelne Begründung behandelt er
infolgedessen auch jedes alte Steinkreuz als Zeugnis dafür, daß einer
der Heiligen an der Stelle geweilt und gepredigt oder wenigstens auf
Missionsreisen vorübergekommen sei. Bei dieser vorgefaßten Meinung
erwähnt er nicht einmal die nächstliegende und offenkundige Tatsache,
daß jene Kreuzsteine nur in gewissen Gegenden vom Volksmunde als
Cyrill- und Methodiuskreuze bezeichnet werden.
[Illustration:
Phot. K. Sippel, Plauen i. V.