VIII.

Paula, die noch immer von der Erinnerung an jenen einen Tanz mit

Beuthien zehrte, hatte auf ihrem Schulweg ihren Tänzer getroffen. Er

hatte ihr von seinem Bock herab freundlich zugenickt, und sie hatte

seinen Gruß kokett erwidert.

"Kennst Du den?" fragten drei, vier Stimmen zugleich, und ihre

Freundinnen drängten sich neugierig an sie.

"Was sollt ich den nich kennen. Ich bin sogar mit ihm zu Tanz gewesen,"

erzählte sie.

"Das lügst Du," riefen die andern wie aus einem Munde.

"Das ist doch wahr," behauptete Paula. "Fragt ihn doch."

Ungläubig trennte man sich.

Paula lechzte seitdem nach einer Wiederholung des wunderschönen

Walzers. Aber wie sollte sie es anstellen? Zum Ausreißen hatte sie schon

Mut, aber wenn man sie dort sähe, es ihrem Vater hinterbrächte?

Sie suchte mit Beuthien näher bekannt zu werden. Sie nickte ihm zuerst

zu, wo sie ihn sah. Traf sie ihn vor seinem Stall beim Spülen der

Droschken oder bei sonstiger Beschäftigung, so blieb sie keck stehen und

redete ihn an.

Das erste Mal hatte er im Scherz mit der tropfenden Bürste nach ihr

gespritzt. "Nu haben Sie mir meine reine Schürze naß gemacht," schalt

sie ihn und zog schmollend ab. Aber schon am nächsten Tag dachte sie, ob

er mich wohl wieder spritzt, und gesellte sich vorsichtig zu ihm.

Eigentlich hatte sie schon jemand, mit dem sie "ging", einen

dreizehnjährigen Lümmel von Jungen, einen Schüler der Mittelschule. Aber

Bernhard Prüßnitz konnte nicht mit ihr zu Tanz gehen. So machte sie sich

keine Gewissensbisse daraus, sich neben dem, mit dem sie "ging," noch

eines andern zu versichern, mit dem sie "tanzte."

Beuthien amüsierte sich über das Kind. Heimlich that es ihm auch wohl,

daß jemand aus dem Behnschen Hause seine Freundschaft suchte. Er fragte

Paula aus und freute sich, wenn die Kleine auf Lulu schalt.

"Tanzt Deine Schwester auch," fragte er sie, als sie wieder seinem

Reinigungswerk auf der Straße zusah.

"Und ob," war die Antwort. "Sie thut man immer so etepetete, aber die

hat's faustdick hinter den Ohren."

Er lachte.

"Tanzen Sie Mittwoch wieder, Herr Beuthien?" fragte sie nach einer

Pause, in der sie mit anscheinend großem Interesse beobachtete, wie er

das linke Hinterrad der Droschke um seine Axe kreisen ließ, es waschend

und schmierend.

"Gewiß, komm man hin, Deern," lachte er, ohne aufzusehen.

"Vor Mutter bin ich nich bange," meinte sie, "aber Lulu, das Uetz, paßt

mir immer auf."

"Dann bring sie mit," scherzte er.

Lulu war entrüstet, als Paula ihr diese Einladung in aller Unschuld

überbrachte.

"Das sag' ich Papa," schalt sie. "Du hast solche Dinge im Kopf?"

"Das kannst Du thun," antwortete Paula möglichst gleichgiltig. "Dann

sag' ich Papa, daß Du Anna geschlagen hast."

Aus dem Durchschnitt · 第 12 / 35 题