und andere, welche den Prinzen Ernst mit sich führten, hatten versucht
beim Pfarrherrn zu Hartenstein einzusprechen, allein der Pfarrherr war
nicht daheim und sie konnten deshalb keine andere Zuflucht finden,
als daß sie sich in dem Walde nahe bei der Mulde, über dem Schlosse
Stein, in eine entlegene Höhle oder Steinkluft versteckten. Denn sie
höreten den Sturmschlag und konnten aus dem Getümmel die Verfolgung
wohl ermessen. Zu dem brach das Geschrei, daß Kunz und etliche seiner
Reiter gefangen und der junge Prinz Albrecht erlöset wäre, geschwinde
aus, welches sie meisterlich erkundeten, auch besorgeten, es möchte
ihnen gleichfalls nicht anders gehen; denn die Pferde waren ihnen
bereits abgejagt und guter Rat teuer. In solcher Gefahr vergaßen sie
des gemachten Vergleichs und waren entschlossen, sich mit dem Prinzen
auf kurfürstliche Gnade zu ergeben. Deswegen schickten sie einen
vertrauten Boten zum Oberamtmann nach Zwickau, dem sie schrieben,
sie bereueten ihre That und hätten den Prinzen unversehrt bei sich;
wenn ihnen von dem Kurfürsten Sicherung ihres Lebens, ihrer Ehre und
ihres Gutes zugesagt werde, so wollten sie den Prinzen ausliefern, wo
nicht, so würden sie denselben zuerst und dann sich selbst töten. Der
Oberamtmann Friedrich von Schönburg sicherte ihnen dies darauf bei
seinen »adeligen Ehren und Treuen« zu, und so lieferten sie den Prinzen
am 11. Juli an denselben ab, der ihn dann seinen Eltern nach Chemnitz
überbrachte.
In obiger Erzählung von der Befreiung der Prinzen und insbesondere
des Prinzen Albert ist Geschichte mit Sage verbunden. Zunächst ist
es sehr unwahrscheinlich, daß Kunz von Kauffungen in dem Walde bei
Grünhain und in unmittelbarer Nähe der damaligen Grenze von Böhmen
noch eine Rast hielt, während ringsum die Sturmglocken ertönten. Die
Gefangennahme Kunzens war wohl nicht eine zufällige, sondern vielmehr
ein Ergebnis planmäßiger Verfolgung. Gewiß ist aber, daß sich dabei
der Köhler Schmidt durch besondere Thätigkeit auszeichnete und sich
damit ein hervorragendes Verdienst um des Prinzen Befreiung erwarb.
Die Altzeller Chronik erzählt, bei dem Kloster Grünhain sei Kunzen
von ungefähr »ein arm Mann« (der Köhler) begegnet, der zurückgelaufen
sei und dem Abte zu Grünhain, was er gesehen, gemeldet habe; er habe
auch andere Mitteilung gemacht, und so sei Kunz gefangen worden.
Auch die gewöhnliche Erzählung von der kurfürstlichen Belohnung des
Köhlers gehört zum Teil in das Gebiet der Sage. Urkundlich ist, daß
ihm und darnach dem jedesmaligen Ältesten seiner Nachkommen jährlich
ein Scheffel Korn ausgesetzt wurde; unverbürgt ist das Geschenk mit
dem sogenannten Trillergute in Eckersbach bei Zwickau. Der Köhler
Schmidt, welcher in der Folge ebenso wie seine Nachkommen den Namen
»Triller« erhielt, weil er angeblich den Kunz tüchtig getrillt, d. h.
geschlagen habe, mochte sich später am Hofe zu Altenburg aufhalten
und daselbst ein sorgenfreies Leben führen. (S. Koith, Kunz von
Kauffungen, Mitteilungen des Freiberger Altertumvereins, 13. H.)
814. Der Berggeist erscheint in Roßgestalt. (Zu No. 159.)
Nach »~Loci theologici historii~, oder Theologisches Exempel-Buch« von
Kaspar Titius (Leipzig 1684), S. 133 lautet diese Sage:
Auf St. Annaberg in Meißen in einer Erzgruben zum Rosenberg genannt,
ist ein Teufel gewesen, welcher in einer Kluft mit seinem Anblasen
oder Anhauchen zwölf Bergknappen umgebracht, darum man auch dieselbige
Grube oder Schacht, wiewohl sie ganz reich an Silber gewesen, hat
müssen wüste liegen lassen. Den Odem aber oder Hauch, damit er die
Leute anblies, ließ er aus aufgesperrtem Rachen heraus gehen: denn
wie man daraus saget, er in eines Pferdes Gestalt mit langem Hals und
greulichen Augen ist gesehen worden.
815. Eines Schmieds Tochter in Platten ist vom Teufel besessen. (Zu Nr.
239.)
Nach »~Loci theologici historii~ oder Theologisches Exempel-Buch
(Leipzig 1684)« S. 137 lautet diese Sage:
~Anno Christi~ 1559 ist dies schreckliche Ding geschehen, auf der
Platten, zwei Meilen Weges von Joachimsthal. Daselbst hat ein
Schmied eine Tochter gehabt, die fromm, züchtig und gottesfürchtig
gewesen, fleißig zur Kirche gegangen, hat auch das hochwürdige
Sakrament oft empfangen. Diese ist durch Verhängnis Gottes vom Teufel
besessen, ohngefähr in Fastnachten, und hat sie der böse Feind oft
niedergeworfen, als hätte sie die fallende Sucht. Die Eltern haben
hierüber bei Wahrsagern Rat gesucht, daß der Teufel nachmals hat zu
Schutz seiner Gewalt angezogen. Nach Ostern hat der Teufel begonnen,
leibhaftig aus der Jungfrau zu reden, hat sich in der Stube sehen
lassen, wie ein Kuckuck, Rabe, Hummel und dergleichen, auch also, wie
solche Vögel pflegen, geschrieen. Hat grausame, wunderliche Dinge aus
ihr geredet, daß nicht genugsam davon zu schreiben, und ist ein großer
Zulauf vom Volke, auch von vielen Fremden worden, diese wunderliche
Dinge zu hören. Und haben sich viele fromme Christen unterstanden, mit
ihm zu reden, denen er allen Antwort genug gegeben.
Aber die Jungfrau ist stets geduldig gewesen, hat oft selber mit zu
Gott gebetet, und wenn sie um Erlösung im Namen Jesu Christi gerufen,
hat sich bald der böse Geist wieder funden, ihr in den Augen gesessen
und dieselben aus dem Kopfe herausgetrieben, so groß wie ein Hühnerei,
die Zunge wie eine zusammengeflochtene Weide, einer Spannen lang zum
Munde herausgesteckt, auch ihr das Angesicht auf den Rücken gewendet,
also jämmerlich, daß es nicht genugsam zu beschreiben. Wenn sie
Ruhe gehabt, und man sie gefragt, wie es ihr gehe, hat sie allewege
geantwortet, es dünke sie, wie sie auf einem Wasser liege und müsse
ertrinken, so kämen doch allewege viel fromme Leute, die ihr davon
hülfen.
Es sind alle Priester, so des Orts umher gewesen, dahin kommen und
haben mit ihr Gespräch gehalten, denen der Teufel über die Maßen
höhnische Antwort aus der Jungfrau gegeben, und wenn man von Christo
Jesu ihn gefragt, ist er allewege auf eine höhnische Fabel gekommen,
daß es nicht gut, so spöttlich zu schreiben. Da er auch befraget, wie
er in sie gekommen, hat er gesagt: Sie habe es in einem Trunk Bier
einges..., zu Fastnacht in einer Fliegen Gestalt, denn er sei ihr zwei
Jahr nachgegangen, und da die Eltern zur Wahrsagerin gelaufen, habe er
desto besser Platz bekommen.
Dieser böse Geist ist endlich von der besessenen Jungfrau durch
fleißiges Gebet der Christen abgetrieben worden, da er wie ein Schwarm
Fliegen ausgefahren.
816. Das Gespenst in der Katzenmühle bei Buchholz. (Zu Nr. 247.)
(Erzgebirgischer Bote, Zwickau 1809, S. 59.)
Zwischen der Stadt Buchholz und dem Dorfe Kunnersdorf steht in einem
romantischen Thale eine Mühle, welche den sonderbaren Namen Katzenmühle
führt. Ehe noch die Stadt Buchholz erbauet war, stand schon diese
Mühle, welche selbst älter als das Dorf Kunnersdorf ist. Bei derselben
befand sich ein Stall, in welchem ein Gespenst so böslich hauste,
daß der Müller kein Vieh in demselben beherbergen konnte, sondern
dasselbe wo anders einstellen mußte. Einst kam bei später Nacht und im
schrecklichsten Schneegestöber ein Bärenführer mit zwei Bären, welcher
sich im Walde verirrt hatte und den Müller flehentlich um Nachtquartier
bat, weil er sonst mit seinen Tieren umkommen müsse. Mitleidig erklärte
der Müller dem Bittenden, daß er ihm für seine Person gerne Quartier
geben wolle, nur wisse er die beiden Bären nicht unterzubringen, weil
er nur einen Stall habe, wo sein Vieh stehe und in einem andern hause
ein Gespenst dermaßen, daß kein Tier darin bleiben könne. Gedrungen von
der Notwendigkeit erwiderte der Bärenführer, daß er ihm den Stall, wo
das Gespenst sei, nur einräumen solle, seine Bären möchten sehen, wie
sie mit dem Gespenst fertig würden. Nach mancher Einwendung gewährte
der Müller dem Fremden seine Bitte, welcher dann die Tiere in den Stall
zog und sie ihrer Maulkörbe entledigte. Um Mitternacht erhob sich
ein schrecklicher Lärm in dem Stalle der Bären, der bis gegen Morgen
anhielt; dann wurde es endlich still.
Kaum war der Tag angebrochen, als der Bärenführer nach dem Stalle
eilte, seine Bären gesund und wohl antraf und kurz darauf mit ihnen
seines Weges zog. Bald darauf ging der Müller in den Wald, um sich
etwas Holz zu fällen. Indem er an einem Felsen vorbei kam, rief ihn
eine Stimme und fragte, oh die bösen schwarzen Katzen noch in seinem
Stalle wären. Leicht erratend, daß dies die Stimme seines bösen
Gespenstes sei, antwortete der kluge Müller: »Ja, und sie werden auch
immer da bleiben«. Seit dieser Zeit wurde er seines bösen Geistes
entledigt.
817. Der Geldkeller auf dem Greifenstein. (Zu Nr. 284.)
(Erzgebirgischer Bote, Zwickau 1809, S. 70.)
Zwei Frauen waren einst aus einem benachbarten Orte hinauf auf den
Freiwald gegangen, Heidelbeeren zu suchen, und kamen unvermerkt an
die Felsen des Greifensteines. Emsig suchten sie umher und hörten
nicht auf einen Laut, der aus dem Felsen herabkam. Doch als das Rufen
vernehmlicher ward und eine Frau sogar ihren Namen rufen hörte, eilte
sie fort dem Schalle entgegen. Hoch und weit geöffnet sah sie plötzlich
am Fuße des Felsens eine Höhle. Haufen von Gold türmten sich in ihrem
weiten Raume auf und ein rabenschwarzer Hund bewachte den Eingang. Eine
freundliche Stimme aus dem Innern der Höhle, die sie erinnerte, ihre
Schürze zu füllen, belebte ihren bereits gefundenen Mut und furchtlos
bepackte sie sich und eilte davon. Doch mehr und mehr verengte sich mit
jedem Schritte die Kluft und ängstlich rufend entfloh sie mit schnellen
Schritten der Geisterhöhle. Als sie aber am Ausgange war, ergriff der
Hund ihre Bürde mit gierigen Klauen. Das geängstigte Weib starb am
folgenden Tage.
818. Gottes Speise bei Zwickau. (Zu Nr. 435.)
Diese Sage befindet sich auch in »~Loci theologici historii~, oder
Theologisches Exempel-Buch etc. in Ordnung gebracht durch ~M. Casparum
Titium~, Pfarrherrn zu Heckstedt (Leipzig, 1684)« S. 99 folgendermaßen
erzählt: Zu Zwickau verfällt ein Knabe, der ausgetrieben hatte, mit
einem tiefen Schnee, den findet man erst am dritten Tage im Walde, als
er gefragt wird: Warum er nicht das Vieh eintreibe? spricht er: Ist
doch noch nicht Abend. Ei, sagten die Leute, ists doch schon dreimal
Abend gewesen; der Knabe sagt: Hier nicht. Sie fragen weiter: Hungert
dich nicht? Er antwortet: Nein, ein Mann in einem weißen Kleide brachte
mir ein Stück Käse und Brot, davon bin ich noch satt. Wer wollte hier
sagen, daß es nicht ein Engel gewesen?
819. Die Berggeister des Greifensteins beschenken einen Wandersmann.
(Zu Nr. 537.)
(Erzgebirgischer Bote, Zwickau 1809, S. 70.)
Es zog einst aus den Ebenen von Sachsen ein Wandersmann ins Gebirge,
von da hinab zu steigen in die gesegneten Auen von Böhmen. Unkundig
des Gebirges verlor er den Heerweg und betrat, unwissend wohin er
geraten möchte, einen stark befahrenen Kohlenweg, der nach einer
Meilerstätte des Freiwalds führte. Die Nacht war im Anzuge und die
Angst des Wanderers groß. Im blassen Scheine des Mondes durchzog er
den Wald, durchspähete sorgsam jede Rodung und horchte leise atmend
auf das Bellen der Hunde, welches die Abendluft aus der Ferne herüber
trug. Den Tönen nach zog er, als plötzlich eine kleine Geistergestalt
ihm entgegen trat und ihn aufforderte, ihr zu folgen. Ihr Weg ging nun
über Stock und Stein und fand endlich an den Felsen des Greifensteins
sein Ziel. Kaum waren sie durch eine daselbst befindliche Höhle
eingetreten, als sich auf einmal ein ungeheures Gewölbe dem staunenden
Wandrer öffnete. Seine Wände schienen von Silber, seine Tische von Gold
zu sein. Aus tausend goldenen, mit Edelsteinen besetzten Leuchtern,
in denen die Strahlen der Lichter sich unzähligemal brachen, strömte
ein überirdischer Glanz über das ganze Gewölbe. Eine lange, köstlich
besetzte Tafel zog sich in demselben herab und war mit ehrwürdigen
Männern umgeben, die sich an den aufgetragenen Speisen sättigten. Ein
Diener lud ihn ein, sich zu setzen und ein anderer brachte ihm schon,
indem jener noch sprach, Speisen von der langen Tafel. Da endlich der
Wanderer davon genoß, ward er zusehends erquickt und fröhlich und gutes
Muts. Die ehrwürdigen Berggeister aber freuten sich sichtbar über ihn
und befahlen den Dienern, ihm den Reisesack zu füllen, den er bei sich
hatte. Mit herzlichem Danke schied er darauf von seinen Wirten. Als er
aber im Scheine des Mondes und nach einer ungeduldig durchwachten Nacht
bei den ersten Strahlen der Morgensonne seinen Sack aufthat, blitzten
ihm die Goldgeschirre und Edelsteine entgegen, deren Glanz ihn schon im
Gewölbe in Erstaunen gesetzt hatte. Zum Überfluß hatten ihn die gütigen
Berggeister hart an die Straße gebracht, auf welcher er fröhlich gen
Böhmen zog. Später siedelte er sich ohnweit des Freiwaldes an und lebte
in einem ruhigen Genusse seines Reichtums bis in ein spätes Alter.
Weitere Anmerkungen zur Transkription
Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigert. Ansonsten
wurde die Originalschreibweise beibehalten.
Korrekturen und Anmerkungen:
S. X: Alberoda → Alberode
78. Der Laternenmann in {Alberode}.
S. XIX: Schönburg → Schönberg
Woher das Wappen der Herren von {Schönberg} entstanden ist
S. 71: Nixenhügel → Nixentump
{Nixentump}, der sehr tief und von zwei Wassernixen bewohnt ist
S. 331: der → den
Die Quelle, welche {den} See geschaffen
S. 334: Anstand → Abstand
so daß {Abstand} genommen wurde
S. 503: innen → ihnen
denen der Abtei Grünhain mitten {ihnen} lag