Waberl sprang auf: „Da ist er, Gott sei Lob und Dank!“

Sie zündete einen Span an und ging zu öffnen. Die Thüre wollte nicht

aus den Riegeln; von außen drückte eine zu große Schneelast an

dieselbe. Jetzt wich sie: „Endlich bist Du da, Mirtl, grüß Dich zu

tausendmal Gott!“ jubelte sie dem Eintretenden klagend entgegen. Dann

stieß sie einen Schrei aus und der Span entfiel ihrer zitternden Hand.

Es war nicht Mirtl; es war ein fremder Mann.

Dieser sagte: „Beruhigt Euch, gute Frau; ich bitt’ Euch nur um ein

Lager für diese gräßliche Nacht.“

„Ja, bleibt, aber mein Mann, -- kommt er auch? Habt ihn nit gesehen;

wißt nichts von ihm? Ich bitt’ Euch!“ jammerte Waberl.

„Ich kenn’ ihn nicht.“

„Ihr kennt ihn nit, meinen Mann, den Holzknecht Mirtl; ja, seid Ihr nit

vom Dorf herein?“

„Mirtl! der Holzknecht Mirtl ist Euer Mann?“

„Nit wahr, ’s hat ihn nit verschneit! -- oder hat’s ihn? sagt es nur

gleich heraus, ich ertrag’ es schon -- ich ertrag’ Alles! -- Alles!“

Die Kinder weinten. Der Fremde suchte das aufgeregte Weib zu beruhigen

und sagte, daß Mirtl nicht todt sei, daß er kommen werde, er habe ihn

gesehen, auch gesprochen -- im Schloß -- im Dorf draußen, aber heute

könne er nicht mehr kommen, heute nicht mehr. Grüßen ließ’ er sie. --

Dabei war der Mann selbst aufgeregt und schüttelte mißmuthig den Schnee

von den Kleidern, lehnte den Stock und ein Gewehr an die Wand und warf

den Hut mit seinem hohen Federbusch auf die Bank, die ihm das nun etwas

beruhigte Weib zum Niedersitzen hinstellte.

Der Fremde war ein großer, schöner Mann in eleganter Jagdkleidung und

mit langem Knebelbart, an dem noch Eis hing. Die Kleinen fürchteten

sich vor ihm, bis er jedem ein freundliches Wort gab.

Das Buch der Novellen. Erster Band · 第 20 / 32 题