Bald darauf war der Kienspan im Holzknechthäusel verloschen. --

Julerl wurde zuerst wach. Sie sah, wie es so licht war in der Stub’ und

draußen, und Alles so weiß. Sie wußte es gleich, sie sah es ja, wie

sie noch immer herabfielen die weißen Vögelchen. Sie hüpfte vor Freude

im Bettchen und zwickte den Hansl, daß er auch erwache, und flüsterte

ihm in’s Ohr: „A Schneewerl hat’s g’schneibt, a Schneewerl hat’s

g’schneibt!“

Und als die Kinder angezogen waren -- Julerl durfte heute das neue

Lodenjöppel, das sie von der Pathin im Dorf erhalten hatte, tragen --

warteten sie gar die Suppe nicht ab, so eilten sie in den schneienden

frostigen Tag hinaus. Der Knabe wollte des Vaters Griesbeil nehmen,

weil es spitzig war, und mit demselben allerhand Dinge auf den feinen

Schneegrund zeichnen; aber das war schon in aller Früh mit dem Vater

fort, weit hinaus in den großen Raitschlag, wo heuer der Baron Wald

schlagen ließ und dreißig Holzknechte beschäftigte. Das war ein wahres

Vergnügen für die Kleinen, wie sich ihre Fußtrittchen und Finger so

rein und nett in den weichen Schnee eindrückten und wie sich aus

demselben allerlei Männlein formen ließen, die sie auf die Bank

stellten, wo sonst der Vater so gerne saß. Viel Spaß machten die großen

Flocken, die langsam um die dunklen Tannen tanzten, und von denen

Julerl kaum erwarten konnte, bis sie herabkamen. Dann langte sie mit

den Händen nach denselben oder hielt wohl gar das Gesicht so, daß die

kalten, wunderlichen Blättchen auf ihre rothen, warmen Wangen fallen

konnten, bis Großmutter sagte, daß das gar nicht gesund wäre. „Mußt die

Flankerln in Ehren halten, Kind,“ sagte sie dann, „das sind Brieflein,

die der liebe Herrgott im Himmel oben schreibt und zu den Menschen

herabfallen läßt, daß sie auf ihn nit vergessen!“

Das fand nun das Mädchen so merkwürdig und lieb, daß sie es gleich dem

Hansl sagen ging, worauf dieser nach einer recht großen Flocke haschte,

um einmal ordentlich zu untersuchen, was denn darauf stünde; aber sie

zerging ihm in der Hand, und er hatte nur einen hellen Wassertropfen.

Als die Mutter auf den Mittag Feuer anmachte und über das Dach des

Häuschens blauer Rauch stieg, dachte sich Julerl, daß das eigentlich

nicht sein sollte, weil ja die Himmelsbrieflein schwarz würden.

Das Schneien hielt an und die Kinder waren schon ganz naß, als sie die

Großmutter zu Mittag in die Hütte brachte. Sie selbst fühlte Frost und

bat die Waberl, ihr die Suppe heute an ihr Ofenbänklein zu bringen.

Nach dem Essen, als Waberl im Stall und am Herd fertig war, brachte

sie einen Strohschaub und einen Bund Weidenruthen in die Stube. Daraus

flocht sie Brot-, Zeug-, Näh- und Strickkörbe, die sie recht geschickt

und zierlich zu formen verstand und welche für den Winter ihren Erwerb

bildeten. Weit draußen, wo die hohen Berge aufhören und die Mürz

fließt, wachsen die Weiden, und Mirtl brachte, wenn er von der „Rait“

kam, immer einen Bund davon mit.

Die Kinder mußten Späne klieben und das Mädchen versuchte sich mitunter

auch im Flechten, was aber immer viel zu locker wurde, weil seine

Finger noch zu schwach waren. Der Hansl machte sich an die Großmutter;

sie sollte wieder Märchen erzählen, oder sonst was, sie konnte so

schön, daß man sich gar nicht satt hörte, und die Kinder aufjubelten

oder sich nach Umständen wohl gar zu fürchten anfingen.

Die Großmutter wußte Sachen, die sich in der Gegend zugetragen hatten.

Wie’s ~draußen~ aussah, das wußte sie freilich nicht; sie war ihr

ganzes Leben in diesem Thale und kam nie weiter, als in’s Dorf und

zur Kirche hinaus. Nur einmal, als sie noch jung war und in Zell eine

„Ehrmesse“ (Primiz) gehalten wurde, war sie mit ihrem Manne dort. Das

war so weit, daß sie unterwegs einmal bei fremden Leuten über Nacht

bleiben mußten. Sonst hatte Großmutter von der Welt nichts gesehen

und meinte, es werde auch nirgends so schön und gut sein als daheim

im kleinen Thal bei den hohen Bergen. -- Ihr Vater soll das kleine

Haus vor der Schlucht, deren Felsen vor Wind und Wetter schützten,

erbaut und sich von Wurzelgraben ernährt haben. Als er starb, erhielt

sie das Häusl und heiratete einen jungen Mann, der oft in die Gegend

kam, allerlei Kräuter sammelte und aus den Ameishaufen den „Waldrauch“

herauszog; mit letzterem trieb er Hausirhandel und setzte dieses

Geschäft fort bis zu seinem Tod. Es war schon manches Jahr um, seitdem

man ihn aus der Hütte fortgetragen hatte, da übernahm der einzige Sohn,

der Mirtl, die Wirthschaft.

Aber der Mirtl befaßte sich nicht mehr mit den Wurzeln und Kräutern,

sondern machte ein Flecklein Wald urbar, worauf Korn und Erdäpfel

wuchsen. Am Bache, wo Wachholder- und Hagebuttensträuche wucherten,

haute er diese aus und verbrannte sie an der Stelle, damit durch das

Feuer auch die Wurzel getödtet werde. Darauf grub er den schwarzen

Grund um und legte Gras- und Kräutersamen hinein, so daß in zwei Jahren

fußhohes Futter wuchs. Jetzt brauchte er die Ziegen nicht erst in den

Wald fortgehen zu lassen und sie den Gefahren vor Jägern und wilden

Thieren oder eines Absturzes auszusetzen.

Wie Mirtl nun seine kleine Wirthschaft im Gedeihen sah, heiratete er

ein armes Mädchen von Marwänden herüber, und die junge Hausfrau legte

auch noch einen Gemüsegarten an und putzte das Häuschen heraus, daß es

eine Freude war.

Da kam eines Tages der herrschaftliche Förster in das Thal und sah sich

die Sache an und fragte den Mirtl, wer ihm denn erlaubt habe, hier auf

fremdem Grund und Boden so zu wirthschaften. Der Wald und das Thal und

Alles gehöre dem Baron von Scharfenthal und die Hütte stände nur aus

Duldung da. Wolle er, der Mirtl, hier anbauen, so habe zwar der Baron

nichts dagegen, nur müsse er sich zu Robot in den herrschaftlichen

Waldungen verpflichten. Das hatte Mirtl zusagen müssen, sonst wäre ihm

Alles weggenommen und zerstört worden.

Da nun aber draußen an der Mürz, wo der Baron Werke und Hämmer hatte,

viel Holzkohlen verbraucht wurden, nahm der Waldherr Holzleute auf und

schickte sie mit glänzenden Aexten in seine Hochwälder.

So hatte auch Mirtl -- der nun nicht mehr gezwungen war, bei der

alten Mutter zu Hause zu bleiben, weil sie und auch das Hauswesen die

arbeitsame Waberl versorgte -- im „Schlag“ Arbeit erhalten und erhielt

Taglohn. Es that den Leuten daheim in der Hütte recht weh, wenn sie

an den Hausvater dachten, der mit Schweiß und Lebensgefahr bei karger

Kost die langen Tage draußen waltete und sich opferte für die wenigen

Groschen, die er seinem Daheim brauchte, und zum Vortheile eines

reichen Mannes, der mit dem abgekargten Lohn des Arbeiters seine Hunde

fütterte.

Waberl blickte trüb in den schneienden Nachmittag hinaus. Sie ließ ihr

Flechtwerk ruhen, sie flocht und wob ihre Gedanken in den Winter, in

die traurige Zeit, die heuer so lang’ ausgeblieben und doch gekommen

war.

„An was denkt Ihr denn, Mutter? denkt Ihr, daß der Winter viel schöner

ist, wie der Sommer?“ Das sinnende Weib gab dem Knaben, der so fragte,

keine Antwort. Es ging nun, der Großmutter ein Strohpolster unter das

Haupt zu legen, weil diese bei ihrer Ofenbank eingeschlafen war.

Nun mußten die Kinder mäuschenstill sein, und sie schlichen auf den

Zehenspitzen in das Vorhaus, wo sie wieder laut plaudern und scherzen

durften.

Am nächsten Tag blieb die Großmutter im Bett, weil sie in Folge einer

kleinen Verkühlung ein wenig unwohl war. Sie war aber recht heiter und

unterhielt die Kleinen, die heute doch nicht mehr ausgehen konnten,

denn der Schnee war schon so tief geworden.

Die langen Aeste der Tannen hingen schwer nieder und die Zaunstecken

des Gärtchens hatten hohe Hauben auf. Nur zur Noth ließ sich der Schnee

noch ausfassen, wenn Waberl vom Bächlein Wasser holen wollte. Das

Bächlein war auch schon so verschneit, daß man es gar nicht sah und

hörte, sondern es wie durch einen Kanal still dahin sickerte. Sonst war

das Wetter nicht kalt, und es ging auch kein Wind, nur war der Himmel

fortwährend grau und schwer.

„Aber die Knecht’ werden ja völlig nit arbeiten können,“ meinte Waberl

zur Großmutter, indem sie mit einem Besen den Schnee von den Schuhen

kehrte. „Dann kommt der Mirtl noch vor dem Samstag heim,“ entgegnete

diese, „das Holzen geht doch nit.“

Großmutter blieb im Bett, es wäre ihr nur ein bischen kühl und schwach,

und versäumen thäte sie ja nichts. --

So verging der erste Theil der Woche, und als es Donnerstag Morgens

wurde, war eine große Freude in der Hütte.

Die Kinder konnten in die Schuhe nicht hinein.

Oh, sie hatten gar nicht daran gedacht, oder hatten geglaubt, er könne

in diesem Wetter doch nicht kommen. Es war Niklo, und der heilige

Bischof war in der Nacht da gewesen und hatte Aepfel und Lebzelten in

die Schuhe gethan und der Großmutter ein schönes, buntes Kopftuch auf

das Fenster gelegt. Julerl getraute sich die rothen Aepfel gar nicht zu

essen, sie meinte, es sei schade, weil sie im Paradies gewachsen wären.

--

Allein, so selige Freude heute auf den frischen Gesichtchen der Kleinen

glänzte, so schwerer Kummer lag auf dem Herzen der Hausfrau. In Sorge

stand sie mit der Schale Hollunderthee vor der kranken Großmutter

und bot ihr zu trinken. Diese trank ein wenig und mußte immer wieder

einschlafen, wenn sie geweckt wurde. Sie war so müde. Mitunter lispelte

sie leise, daß ihr Sohn kommen möge, und daß ihr kühl sei. Dabei hatte

sie eine glühende Stirne und heiße Hände. Waberl legte der Kranken

Sauerteig auf, daß die Hitze vergehe. Die Großmutter ließ es geschehen,

und einmal sagte sie, wie im Träumen, jetzt werde sie wieder jung und

habe rothe Wangen wie vor vielen Jahren, als sie den Josl zum Mann

genommen. Er sei zwar schon gestorben, aber sie werde ihn doch wieder

nehmen.

Ueber Nacht war sie so geworden, und Waberl wußte sich vor Angst nicht

zu helfen, und sie ging in den Ziegenstall und weinte und betete, daß

ein Schreckliches doch nicht über ihr Haupt kommen möge. Mit Angst

und Hoffnung sah sie dem Samstag entgegen. Wenn doch nur das Schneien

aufhörte, daß nicht etwa alle Wege und Pfade -- sie wagte das Weitere

gar nicht zu denken, -- und der Schneefall dauerte fort.

Es waren keine großen, breiten Flocken mehr, die da fielen, nein, es

war wie ein dichter Nebel und Staub, was nun niederging, daß man selbst

die nächsten Bäume kaum sehen konnte. Das Bänklein vor der Thür war

längst unter Schnee, und Waberl meinte bei sich, jetzt müsse es doch

bald aufhören, denn über das Bänklein sei der Schnee sonst auch in

dem tiefsten Winter selten gegangen. Die zwei Nebenfensterchen in der

Stube, die gegen die Schlucht sahen, waren bereits verschneit, und

wenn man durch die anderen hinaussah, hatte man die gleiche Schneehöhe

mit den Fenstern, so daß der Hansl einmal verwundert ausrief: „Mutter,

unser Haus ist in die Erden gesunken!“

So war es Freitag Abend geworden und das Schneien hatte endlich

aufgehört. Nun, da man wieder klaren Blick hatte, sah man erst

die ungeheueren Schneemassen, die im Sonnenuntergehen gar rosig

schimmerten. Fremde Vögel flatterten auf den Bäumen umher, wie man sie

sonst nie in der Gegend sah, und sie hatten ein gar eigenes Gezwitscher.

Später wurde es ruhig und es ging der Mond auf. Auch die Sterne sah

man; es war eine heitere Nacht.

Waberl saß am Bette der Kranken und blickte traurig auf die

abgespannten Züge. Sie schlummerte, nur als jetzt der Mondschein

langsam auf ihre Wangen rückte, erwachte sie und lächelte. -- „Er sieht

mich schon an,“ lispelte sie, „aber er hat ein bleiches Gesicht. --

Die Sonne, die möcht’ ich wohl auch noch einmal sehen!“Die Großmutter

sagte dieses mit einem Ton, der die arme Waberl schier zum Tode

erschreckte. Waberl verhüllte darauf das Fenster mit einem blauen

Tuche, daß der Mond nicht so hereinscheinen konnte.

„Gelt, die Kinder schlafen schon?“ fragte dann die Kranke vollständig

wach.

Sie ruhten neben in ihrem Bettchen, wie zwei Engelchen hold, und

hielten sich umschlungen.

Die Großmutter griff nach der Hand ihrer Schwiegertochter: „Waberl, sei

nit traurig; ’s geht Alles gut aus. Noch verlaßt Euch die alte Mutter

nit, schau, ich hab Euch ja Alle gern. Bleibt nur so und schaut auf die

Kinder, das bitt’ ich Euch! --“

Waberl schluchzte, die Kranke blickte ihr starr in’s Gesicht, dann

lispelte sie: „Trinken!“

Die Tochter reichte ihr das Preißelbeerwasser, das kühlend und stärkend

wirkt, und die Greisin nahm ein paar gierige Züge. „Jetzt ist mir

besser, viel besser,“ hauchte sie, auf das Polster zurücksinkend --

„geh, leg’ Dich nieder, Waberl, bist auch müd; ich werd’s schon sagen,

wenn ich was will.“

Bald darauf schlief sie ruhig ein.

Waberl horchte dem Athem, er war viel ruhiger und geregelter. ’s wird

doch wohl, dachte sich das besorgte Weib, mich deucht’, ’s wird ein

wenig besser, -- nein, da wär ich aber froh! ’s wird doch wohl; und

morgen kommt ja der Mirtl. -- Sie besprengte nun die Schlafenden mit

Weihwasser und machte ein Kreuz über alle Drei. Bald darauf war der

Kienspan im Holzknechthäusel verloschen.

Wie sie nun ruhten die vier Menschenherzen und träumten freudig und

bang -- und die Wanduhr tickte und der Mond strahlte still durch die

Fensterlein; da zog ein Engel durch die Stube, drückte einen Kuß auf

die Lippen der schlummernden Greisin und verhüllte das Antlitz. --

Ein leiser Windstoß, der am Fenster klirrte, weckte Waberl auf. Sie

machte Licht, um nach der Kranken zu sehen. Diese schlummerte.

In der Stube war’s kühl geworden und Waberl wollte der Großmutter ihre

Decke bringen. Die Großmutter hatte jetzt einen leichten Schlaf, keine

Beschwerde im Athemholen.

So süß hatte sie schon lange nicht geruht, nie in ihrem Leben. Sie war

eingegangen zur großen Ruhe.

Der Kienspan flackerte roth und düster, als wollte er ein bleich

gewordenes Antlitz wieder färben....

Julerl lächelte im Traum und schmiegte sich an den Hals des

Brüderleins. Und Waberl war hingesunken auf den Lehnstuhl und verbarg

ihr Gesicht. Ihre Lippen zuckten, sie hatten keinen Laut, ihr Auge

hatte keine Thräne -- Alles, Alles im Herzen! --

Der Kienspan verlosch, aber die Kohle glimmte noch lange wie das

Gedenken der Liebe an ein verblichenes Herz. --

* * * * *

An den Fenstern blühten wundervolle Eisblumen und durch dieselben

schimmerte die Morgenröthe.

Waberl ging und machte Feuer in dem Ofen und molk die Ziegen zur

Suppe für die Kinder. Die Ziegen gaben heute weniger Milch als sonst;

vielleicht weil Waberl nicht sang? Als die Kinder erwachten, sagte

sie, sie sollten heute still sein und beten, es sei die Großmutter

gestorben. Darauf durften sie die Leiche ansehen und Hansl sagte, sie

sei nicht gestorben, sie sei ja noch da und schlafe nur. Dann küßte

Waberl ihre Kinder und konnte endlich weinen.

Nun holte sie ihren Wachsstock aus dem Kasten hervor, und als sie die

Leiche mit einem Linnen überdeckt hatte, zündete sie den Wachsstock

an und stellte das kleine Crucifix dazu, das sonst auf dem Hausaltar

stand. Dann that sie ihre Arbeiten, wie sonst jeden Tag, und dachte

fortwährend an den Abend, wenn er kommen und es sehen werde.

Draußen ging ein kalter Wind und fegte an den Schneemassen und wehte

ihn in alle Fugen und an die Fenster, daß es ganz dunkel wurde im

Häuschen und das Wachslicht einen gar eigenen Schein an die Wand warf.

Die Kinder fürchteten sich und gingen zur Mutter in die kleine Küche.

Dort kauerte sie am Herdfeuer und betete, und die lustig flackernde

Flamme heimelte sie an und erleichterte ihr Herz.

So erwartete sie den Abend. Er kam, aber -- Mirtl kam nicht. --

Lange war die Stunde schon vorüber, um welche er sonst an die Thür

klopfte, sein Weib und sein Mütterlein begrüßte und die Kleinen an den

Schnurrbart drückte. Heute war diese Stunde schon längst vorüber. Er

konnte ja nicht kommen, es war unmöglich; der Schnee lag klaftertief

und vom Schlag bis zur Hütte hatte man im Sommer gute drei Stunden.

Vielleicht hatte er’s versucht, und er ist weiter gewatet und weiter,

bis er immer mehr einsank, ermüdet ein wenig ausruhen wollte und

einschlief und -- verweht wurde. -- --

Sie todt, und begraben mit ihr im Schnee, getrennt von ~ihm~ und

von aller Hilfe und von allem menschlichen Trost!

Solche Gedanken folterten das arme Weibesherz. Waberl stürzte zum

Fenster, riß es auf, als wollte sie zu Hilfe rufen die Bäume, den

ganzen Wald und Erde und Himmel! Dann schwankte sie wieder zur

Herdlehne und zog die Kinder an die stürmende Brust, als seien sie

nunmehr ihr Einziges und Allereinzigstes, an dem sie Gattentreue und

Mutterverehrung, in unendlicher Kindesliebe vereinigt, zu verschwenden

habe! --

Die Herdflamme war ausgegangen. Sie sah es nicht, sie hielt die Kinder

in den Armen und barg ihr Gesicht in die jungen Locken. -- Da klopfte

es an der Thür.

Das Buch der Novellen. Erster Band · 第 19 / 32 题