Am Thore schritt ein Mann vorüber, der hielt ihn an: „Was tragt Ihr da?“

„Einen Auferstandenen.“

Der Mann schauerte und eilte weiter.

Aladar stieg mit seiner seltsamen Last langsam den Berg hinan. Auf der

Höhe leuchtete das Haus im Mondenscheine.

* * * * *

Am anderen Tage war ein völliger Feiertag im Dorfe. Die Kirche war in

Trauer gehüllt. Stille Messen und laute Gebete wechselten ab und am

Nachmittag rüstete sich Alles zum Begräbnisse.

Der verstorbene Bauer war ein sehr angesehener Mann gewesen, und in

seinem Testamente stand ein Satz, der seiner christlichen Gesinnung

wegen dem Pfarrer so gefiel, und dessentwillen er schon eine ganze

Stunde vor dem Begräbnisse wieder alle Glocken läuten ließ. Die Kirche

konnte ja doch wohl füglich klagen, sie gehörte mit zu den Erben.

Der Arzt des Ortes stand auf der Gasse und plauderte mit dem

Kirchenvater. Beide waren gar ernsthaft und in würdiger Trauerkleidung.

„Hätten auch den alten Kauz da oben in den Kirchhof tragen lassen

können,“ sagte der Arzt, gegen das Haus auf der Bergeshöhe weisend.

„Der Mann war mehr Narr als Heide. Und auch sein Sohn tritt in die

Fußstapfen des Alten. Der hat mir gestern gesagt, daß er fortziehen

will. Gut, mag es thun, das ist die Narrheit nicht. Bin heute wieder

bei ihm gewesen: ob er sein Haus verkaufe. -- Nachbar, wie hoch

schätzest Du dieses Haus?“

„Den Heidentempel!“ versetzte der Kirchenvater, „wer kann ihn denn

brauchen? Ich achte das ganze Holz, das darin steckt, auf zwei

Kohlenmeiler; das sind kaum hundert Gulden.“

„Da habe ich allerdings anders gerechnet,“ entgegnete der Arzt, „mir

gefällt der Bau, es ist Geschmack daran und die Holzschnitzereien

sind nicht ohne Werth. Ich habe dem Burschen eine Tausendernote dafür

geboten.“

„Bader, Du bist ein Narr!“

„So ist dieser Junge ein noch größerer,“ rief der Arzt, --

„verzehnfacht die Summe, hat er gesagt, und dann kommt und ich werde

Euch dafür das Haus meines Vaters noch nicht verkaufen.“

Der Kirchenvater lachte laut auf, und das hatte sich schier nicht

geschickt, denn es nahte schon der Leichenzug.

Die Menschen der ganzen Gegend waren beisammen, es wurde fast

der Kirchhof zu klein. Die Windlichter flackerten hell in die

Abenddämmerung hinein. Drei Priester im Ornat standen an dem Grabe und

schwangen Sprengwedel und Weihrauchgefäße.

„Morgen kommt der Jude dran, oder was er ist,“ flüsterte ein Weib der

Nachbarin zu, „hast Du die Grube hinter der Mauer schon gesehen?“

Die Antwort wurde abgeschnitten durch das Rollen des Sarges, der in

die Tiefe glitt. Der Sarg war bunt bemalt. Jetzt gossen sie Weihwasser

darauf hinab, da die Thränen mangelten. Der Verstorbene hatte weder

Weib noch Kind hinterlassen; und fremde Erben weinen nicht. Der Pfarrer

nahm die Schaufel, streute Erde hinab und rief in seiner todten Sprache

die Worte:

„Ruhe Deiner Asche!“

Der Spruch war einem Anderen nachgerufen.

In demselben Augenblicke ging ein Getöse durch die Menge und Feuerrufe

wurden laut. An der Wand des Kirchthurmes und auf den Dächern der

Häuser lag ein mattzitternder Schein. Das Haus auf der Bergeshöhe stand

in Flammen.

Die Leute drängten aus dem Gottesacker; an der finsteren Grube gab

es nun für sie nichts mehr zu thun und zu schauen. Einsam steht der

Sarg im tiefen Grabe, der Verwesung harrend, die nun naht mit ihrem

jahrelangen Grauen.

Durch die hell erleuchteten Dorfgassen wogten die Menschen; einige

eilten den Berg hinan.

Das Haus auf der Höhe war zu einer herrlichen Flammensäule geworden;

senkrecht stieg sie in den Abendhimmel auf und die anstrebenden Funken

schienen sich mit den Sternen des Himmels zu vereinen.

Aladar stand unter der Eiche und sah dem brennenden Hause zu. Seine

Seele loderte vor Begeisterung mit den Flammen um die Wette.

Ein halb Stündlein früher war es gewesen, da hatte Aladar den

brennenden Span in eine Spalte der Heliosstatue gesteckt. Er hatte

gesehen, wie die glühende Zunge aufflackerte zu dem Bilde des

Lichtgottes, wie die hellen Flüglein emporflatterten zu den übrigen

Kunstgestalten und an der Wand hin, mit Begier wachsend und sprühend.

Bald war die Werkstatt zu einem Flammentempel geworden und nur

einzelne Häupter der hellenischen Mythe ragten aus dem wogenden

Feuerbrodem. Gar bald brachen die Flammen zu den Fenstern heraus und

flutheten die sonnengebrannte Holzwand hinan und züngelten gegen die

Erker des Söllers. Das Feuer krachte, brüllte, durchbrandete das Haus

nach allen Ecken hin, und von allen Seiten kam es nun mit wilder

Gewalt gegen den Söller gebrochen, wo der alte todte Mann saß, wo

vor dem Bildnisse der Eos ein Häufchen Friedhofsknochen lag. Aladar

blickte durch Rauch und Flammen noch hin auf des Vaters Angesicht. Mit

einer blühenden Röthe hatte dieses des Feuers Widerschein übergossen.

Da sprühten von dem Haupte des Todten plötzlich Strahlen aus -- wie

Regenbogenstrahlen -- und es loderten die Locken, ein Gluthmantel

schleuderte sich über den Leichnam, über den Söller, über das ganze

Haus.

Wie versteinert, aber mit leuchtenden Augen stand der Jüngling unter

der Eiche und sah den Opfertisch seines Erbes in unbeschreiblicher

Herrlichkeit verlodern.

Leute aus dem Dorfe waren herangeschlichen, aber als sie den Leichnam

verbrennen, als sie im rothen Scheine die Bildsäule unter dem Baume

sahen, da zogen sie sich mit Entsetzen zurück.

Als der Mond aufging, war das Haus auf der Höhe bereits in sich

zusammengebrochen. Aus den einstürzenden Bränden sprühten noch die

Funkenschwärme, entfachte sich noch ein letztes Aufleuchten, und als

der Morgen dämmerte und dort auf den Wipfeln des Tanns die Vögel

zwitscherten, war Alles und auch der letzte Strunk zu Asche verzehrt.

Aladar suchte am Rande der Brandstätte, wo der Söller niedergebrochen

war, nach Knochen. Er fand keine. Der Morgenwind fachte und wirbelte in

der weißen Asche und trug manches Stäubchen hin über die Häupter der

Tannen zum Aether empor.

Und als die Sonne aufging, blickte Aladar noch einmal in die Runde des

Waldlandes, in das Wiesenthal mit den Weidenbüschen und dem Dörfchen.

Und noch einmal richtete er sein überthautes Auge auf die Aschenstätte

-- dann wendete er sich und zog davon.

Er zog durch schattige Wälder, er zog über Berg und Thal, er zog über

Meere. Er zog gegen den sonnigen Mittag, um den Boden der Hellenen zu

küssen.

[Illustration]

Der Geldfeind.

Zwei Untergäuer.

An der Thorschranke, wo das Untergäu aufhört und das Obergäu beginnt,

standen zwei wunderliche Gesellen. Der eine war ein behäbiger

schrötiger Mann, der bis an die stämmigen blaubestrumpften Waden hinab

einen grünen Rock trug und eine ziegelrothe Weste anhatte, an welcher

mitten herab wohl über dreißig haselnußgroße Silberknöpfe funkelten.

Um den Bauch spannte sich ein breiter Ledergurt, in welchem mit weißem

Geschnüre allerlei Zierat und die zwei Worte „hohe Weid“ gestickt waren.

Unter dem niederen, aber breitdachigen Hut des Mannes hingen Strähne

schon ein wenig grauender Locken über den steifen Rockkragen; die

Nase sprang wie ein mächtiger Keil aus der derben Stirn herab, die

sorgfältig rasirten Backen standen kräftig vor; alle Züge waren rauh,

aber ausdrucksvoll, etwa wie die Gesichtsformen eines Marmorbildes,

bevor sie der Künstler glättet.

Der zweite Geselle war ein schwarzer, etwa vierjähriger Stier mit

massigen Gliedern, einem ungeheueren Haupte, an dessen beiden Ecken

zwei kurze Hörnchen hervorstanden. Um diese Hörner war ein Strick

geschlungen, den der Mann mehrfach um seine rechte Hand gewunden hatte,

während die Linke einen tüchtigen Haselstock hielt.

So standen sie da und sahen einander an. Die großen pechschwarzen Augen

des Stieres glotzten voll Trotz, die ungeheueren Nüstern pusteten

stoßweise. Der Mann streichelte dem Rinde den steifen Nacken und die

mächtige Fahne, die von dem Unterkinn bis zum Brustblatt zurückging;

„sei gescheidt, Schwarzer, sei gescheidt und geh,“ sagte er gelassen,

während er bei sich murmelte: „Hätte ich dich nur erst daheim in meinem

Hof, du stetiges Rindvieh, ich wollt’ dich schon lehren, wer dein Herr

ist!“

Aber als er nun den Strick anzog und mit dem Stock sachte an des

Thieres Hinterbeine klopfte, um doch endlich durch die Wegschranke zu

kommen, da zog der Stier sein Haupt ein und stieß ein dumpfes Gebrüll

aus.

Auf diese Aeußerung verhielt sich der Mann wieder eine Weile ruhig,

knirschte aber vor Zorn mit den Zähnen; eine solche Widerspenstigkeit

war er nicht gewohnt. Er sah aber auch die Gefahr ein, die ein

wildgewordener Stier bringen kann. So blickte er rathlos in die Runde.

Nichts als Heidekraut, Erlsträuche und Föhrenbäume.

Als jedoch die Beiden eine lange Weile vor der Wegschranke so gestanden

waren, da kam die Richtung aus dem Untergäu ein Bursche des Weges. Die

Kleidung desselben war ärmlich, aus blaugefärbter Grobleinwand; über

den rothbraunen Locken trug er eine bunt gestreifte Zipfelmütze. Das

runde Gesicht war noch bartlos, aber stark geröthet. Das Haupt tief

nach vorn gesenkt, so daß die Zipfelmütze gerade emporstand, die beiden

Hände in den Hosentaschen, so schlenderte der Bursche heran.

„He, Du!“ rief ihm der Mann im grünen Rocke zu, „geh’ her, hilf’ mir

den Stier treiben!“

Der Zipfelmützenkopf hob sich empor.

Wer ist denn Der, daß er einem Fremden auf der Straße so mir nichts dir

nichts Befehle giebt? Ich habe meines Wissens keinen Herrn, nunmehr gar

keinen. -- Na, der Bauer von der hohen Weid! Ei, das ist was Anderes,

der ist der reichste und angesehenste Mann im ganzen Gäu, und der

höchste obendrein, denn der Hochweidhof steht auf dem Rochusberg und

blickt hoch über alle Dachgiebel und über Berg und Thal hin in’s Land.

So ein Mann kann freilich auf allen Wegen und Stegen sein herrisch

„Geh’ her! pack’ an!“ sagen.

„Ja,“ rief nun der Bursche, „ich will schon helfen.“ Er brach einen

Weidenzweig. „Mit dem Stock wird das Vieh nur wild, Hochweidhofer.“

Nun der Stier sah, es wären ihrer Zwei, änderte er sein Verhalten, ging

ruhig durch die Thorschranke und zwischen den beiden Männern behäbig

einher.

„Bist Du vom obern Gäu, daß Du mich kennst?“ fragte jetzt der Bauer.

„Nein,“ antwortete der Bursche, „den Hochweidhofer kennt man auch im

untern Gäu.“

Da schmunzelte der Andere. Der Bauer von der hohen Weid war eigentlich

ein Großhirt. An Feldfrüchten nur spärlich Halme wuchsen auf den

Höhen des Rochusberges; aber ein paar hundert Stück Vieh hatten

jahraus jahrein ihr gutes Fortkommen auf den fetten Weiden und

sonnigen Almen. Nur wurde es, rein wirthschaftlich genommen -- und der

Hochweidhofer nahm es immer so -- zuweilen nothwendig, daß Blut aus

den unteren Gegenden in das Rindvieh kam, und darum war der Bauer

auch heute herabgestiegen, um einen gesunden und kräftigen Zuchtstier

heimzuführen. Er hatte einen solchen im Thale gekauft und dabei

geglaubt, es würde auch so ein Rind vor dem Hochweidhofer etwas mehr

Respect haben, als vor anderen Leuten; jedoch der Stier bedeutete nur

zu bald, daß er weder auf Geld, noch auf Rang sehe; er benahm sich

sehr störrig, und als sie an die Wegschranke kamen, die den untern

Gäu von dem obern trennt, weigerte sich der Schwarze, wie wir sahen,

entschieden, sein Vaterland zu verlassen.

Nun der Zweite da war, folgte er willig und den Bauern wurmte es nicht

wenig, daß das Thier sich erst durch die Gegenwart eines stockfremden

Jungen veranlaßt fand, zu gehorchen.

„Wo willst Du eigentlich hin und was willst Du verrichten?“ fragte der

Bauer den neuen Gefährten.

„Ich helf’ dem Hochweidhofer den Stier treiben,“ war die Antwort.

Jener sah den Burschen näher an. Ein Junge von siebzehn oder achtzehn

Jahren, gut gewachsen, frischen Aussehens, mit ein paar großen,

nußbraunen Augen, die fest und treuherzig blickten; vielleicht

verwahrlost ein wenig, aber sonst kein übler Bursche.

„Bist Du ein Knecht von irgendwo?“ fragte ihn der Bauer.

„Ich bin Herr.“

„Also ein Grundbesitzer?“

„Der Herr über mich selber.“

Der Bauer sah ihn noch fester an. Ist das Trotz, oder will er hänseln?

Troll Dich davon, Du! wollte der Mann schon losfahren, aber er sah ein,

er bedurfte des Jungen. Es war dem Herrischen nicht gar behaglich in

Gesellschaft der beiden Trotzköpfe.

„Du -- wie muß man Dich heißen?“ sagte der Mann vom Rochusberge.

„Melchior.“

„Und -- Dein Schreibname?“

„Der gilt nichts mehr.“

„Jetzt möchte ich aber wissen, wo Du daheim bist!“

Ein wenig schwieg der Bursche auf diesen fast gebieterischen Ausruf.

„Ist das schon das obere Gäu?“ fragte er hierauf.

„Seit der Schranke her.“

„So bin ich im obern Gäu daheim.“

Der Bauer wollte jetzt stillstehen, aber der Stier erlaubte es nicht,

trottete seinen gleichen Schritt.

„Mich däucht, Du bist ein Vagabund!“ rief der Hochweidhofer dem

Burschen zu.

„Mich däucht auch,“ war die Antwort. Hierauf fuhr der Nirgendsdaheim

mit seiner Hand streichelnd über den Rücken des Thieres, über den ein

hellgrauer Streifen ging. „Der Schwarze wird weiß,“ sagte er halblaut,

„ist er nur erst ein Ochse geworden.“

„Ja, verstehst Du denn vom Vieh was?“

Das Gespräch wurde unterbrochen. Zwei Gerichtsdiener mit bespießten

Gewehren führten einen jungen Mann vom Berge herab und an unseren

Dreien vorüber. Der Gefangene war in guter und geschmackvoller

Gebirgstracht und eine schwere, silberne Uhrkette gängelte an

der Weste. Die Arme hielt er über der Brust gekreuzt, durch ein

Stahlkettchen aneinander geschlossen. Den grünen Hut, auf welchem keck

Gemsbart und Hahnenfedern prangten, hatte er vorn schier bis zur

Nase herabgedrückt; das Gesicht war etwas blaß und hatte ein leichtes

Schnurrbärtchen.

Der Gefangene hatte bei der Begegnung seinen Kopf sogleich beiseite

gewendet, aber Melchior war stehen geblieben, hatte ihn angestarrt, bis

er vorüber war. Ein wunderliches Gröhlen stieß der Bursche aus, dann

stand er noch eine Weile still und blickte der Gruppe nach.

„Der Forstadjunct Kilian, kennst Du ihn?“ sprach der Hochweidhofer.

Der Bursche nickte mit dem Haupte, auf seinem Gesichte spielten

Todtenblässe und Dunkelröthe.

„Der hat sich sicherlich ein paar schwere Rehböcke zu Schulden kommen

lassen,“ meinte der Bauer, „war aber sonst ein ordentlicher Mensch.“

„O du verfluchtes, o du vermaledeites Geld!“ stöhnte der Melchior, dann

ging er wieder hinter dem Stiere her und sagte kein Wort mehr, was der

Bauer vom Rochusberge auch fragen mochte.

So waren sie einige Stunden mitsammen gegangen, waren durch Gesträuche

und Wälder gekommen und endlich auf einer Hochblöße angelangt, von der

aus man den ersten freien Blick in’s Land hatte. Die Gegend ist zumeist

Wald- und Haideland; nur selten steht an den sonnigen Hängen oder in

den Wiesenthälern ein Haus, dann aber liegt ein Kornäckerchen und ein

Krautgarten dabei. Der Blick geht so weit, bis die Waldhöhen blau

werden und endlich an sonnigen Tagen die Berge und die Wölklein nicht

mehr von einander zu unterscheiden sind.

„Sooh, mein Schwarzer!“ rief der Hochweidhofer gedehnt, „wir sind

daheim! das ist schon meine Wiese -- wenn’s gefällig!“

Der Stier ließ sich’s nicht zweimal sagen und hub an zu grasen.

„Halte den Strick dieweilen!“ sagte der Bauer zum Burschen, dann zog

er eine große, rothlederne Brieftasche hervor, faltete sie langsam

auseinander, blätterte in den Banknoten, während er in halb singendem,

höhnischem Tone folgende Sprache führte: „Nu, wollen sehen -- mein

vornehmer Herr Stromer, was sich findet --; sollst dem Bauer von der

hohen Weid -- nicht umsonst -- nachgelaufen sein --.“

„Nachgelaufen bin ich nicht!“ sagte der Melchior.

„Je, nur nicht gleich so hitzig, Junge! -- sollst es nicht umsonst

gethan haben -- wird morgen zwar -- vertrunken -- verspielt sein. --

Nichtsnutzig Volk, das! -- Lauft am hellen Werktag in der Lunger herum

-- stiehlt dem Herrgott seinen Tag. -- Seh, da hast, das gehört Dein,

Du Vagabund Du!“

Er hatte sich schon lange den Berg heran gefreut, wie er, des Burschen

nicht mehr bedürftig, seine Meinung würde sagen können. Nun war’s

heraus; aber auch eine noch nagelneue Zweiguldennote war heraus: „Seh,

das gehört Dein!“

Der Bursche hatte dem Bauer gleichgiltig zugehört, ihn aber mißtrauisch

angesehen. Als er nun die Banknote vor sich flattern sah, wendete er

sich hastig weg und rief: „Nein, ich rühr’s nicht an, mein Lebtag

nicht. Mein heiliger Gott wird mich hüten.“

Das Buch der Novellen. Erster Band · 第 17 / 32 题