"Siehst du die Anarchisten", sagte Jenny, als alle gegangen waren,
"siehst du sie jetzt? Brauchst nur mal ein paar Tage kein Geschäft
zu haben--gleich werden sie üppig. Nur in Verlegenheit braucht man
zu kommen--schon laufen sie fort. Forellen müßt ich ihnen vorsetzen,
das Kilo für acht Franken. Dann solltest du sehen! Diese Häsli--ach
du mein Gottchen, wie sie hier ankam! Aus Gnade und Barmherzigkeit
hat man sie aufgenommen. Das ist der Dank. Ausgehungert waren sie,
daß Gott erbarm. Jetzt sind sie auf einmal vornehm.--Was machen wir
nur, Max? Du wirst sehen, sie laufen uns fort!"
Aber Max hatte keine Lust zu Meditationen. "Ah was!" sagte er
unwirsch und kramte verärgert in seiner Tischschublade.
Die Tür ging auf, und herein kam Fräulein Theres, lendenlahm und
verdrießlich. Der Rheumatismus plagte sie heut ganz besonders. In
der matt herunterhängenden Hand hielt sie einen angerauchten Stumpen
und blies mit spitzem Munde den Rauch von sich. Unaufgefordert nahm
sie Platz, knetete schmerzhaft ihren Gichtschenkel und drehte sich
schnaufend auf dem Stuhl.
"Frau", sagte sie, "wird gebügelt?"
"Jawohl, Theres, mach' die Eisen heiß."
Und Theres erhob sich mühsam und troßte ab, um die Eisen heiß zu
machen.
Und Fräulein Rosa legte den Bügelteppich auf den Tisch und holte den
Wäschekorb aus dem Bretterverschlag, um die Wäsche einzuspritzen.
Flametti aber hatte beim Abschließen der Schieblade einen Schaden am
Schloß gefunden, zückte den Hausschlüssel und hämmerte damit am
Schlüsselloch.
Es klopfte. Die Türe ging auf, und herein trat Fräulein Lena,
vormals Pianistin bei Flametti.
"Grüatzi!" sagte sie und schob sich in drei freundlichen Wellen
herein.
"Tag, Lena!" nickte Jenny, "komm nur herein!"
"Wenns erlaubt ist!" sagte Lena.
"Tag, Lena!" bekräftigte Flametti, ohne aufzusehen; so versunken war
er in seine Reparatur.
"Bügelt ihr?" fragte Lena.
"Ja, wir bügeln", wischte Jenny sich die Schweißhände an den Busen.
Theres brachte das Bügeleisen, und Lena nahm ihren Stuhl.
"Schöne Sachen hört man!" rückte sich Lena auf ihrem Stuhl zurecht.
"Um Gotteswillen, Lena, was gibt es denn?"
"Ja, ja", seufzte Lena.
"Was denn, Lena? Sprich doch!"