Barbara Arsenieff war seit einiger Zeit überaus beschäftigt.
»Ich kenne meine gelassene Schwester gar nicht mehr wieder,« klagte
die Fürstin Darja ihrem Gatten. »Nie ist sie daheim. Morgens nicht,
mittags nicht, und abends habe ich sie seit Wochen nicht gesehen. Bald
sitzt sie in der Admiralität und hat mit Kikin Besprechungen über die
Unterbringung der Kinder verunglückter Seeleute, Naryschkin zu Gefallen
treibt sie mit ihm französische Konversation, für den alten Lapuchin
sammelt sie Heiligenbilder, dem Generalinquisitor hat sie sich für
die Führung seiner Geheimakten als Sekretärin zur Verfügung gestellt
und mit dem Fürsten Wolchonski spielt sie bis in die Nacht hinein
Karten, damit er seine Gicht vergißt. Sie reibt sich auf. Und keine
Vorstellungen halten sie zurück.« Sie schüttelte verzagt den Kopf: »Sie
muß sehr unglücklich sein.«
»Närrchen,« Menschikoff nahm sie in den Arm und streichelte ihre
Wangen, »deine Barbutschka opfert sich weder auf noch ist sie
unglücklich. Im Gegenteil. Sie lebt ihrem Vergnügen. Es gibt für sie
kein größeres als gut eingefädelte Ränke. Und augenblicklich ist sie
eifrig dabei, welche anzuzetteln. Gegen mich.« Er lachte tief und voll.
Darja barg sich in seinem Arm, ihre Augen hingen an dem angebetenen
Manne, ganz dicht schmeichelte sie sich an ihn: »Du hast recht zu
lachen, Barbutschka tut nichts gegen dich.«
Er nickte ihr zu, wie einem Kinde, dem man gern zu Willen ist, um es
bei guter Laune zu erhalten. »Es mag sein. Ich bin sogar überzeugt, sie
redet sich das selber ein. Was ich sehe und erfahre ist freilich, daß
sie alle meine versteckten und offenen Feinde aufhetzt und die Herzen
für den bedauernswerten Sohn des Zaren,« seine Stimme war satt von
Hohn, »in Wallung versetzt. Mag sie. Es schiert mich nicht, wie diese
Leute über mich denken. Ich weiß, daß sie mich hassen. Als Ausländer
und als den Mächtigsten nach dem Zaren.« Er ließ lässig die Achseln
fallen. »Ihr Haß ist mir ebensoviel wert wie ihre Freundschaft, es ist
der Sockel für Alexander Menschikoff.«
[Illustration: Peter der Große und sein Sohn Alexei