Der Strelitze hob kaum den Kopf: »Es war nicht mein Blut.«

»Freundschaft?« Des Zaren Gesicht war dicht über dem Liegenden.

Der Mann nickte schweratmend.

Peters Augen weiteten sich. Leise, verloren, wie entrückt fragte er:

»Solche Treue gibt es?« Und zurückkehrend in die Wirklichkeit: »Du hast

ihn sehr geliebt?«

Der Mund des Strelitzen bewegte sich, aber er brachte keine Worte

hervor, nur die Lippen bebten, und über das verwitterte Gesicht rannen

zwei Tränen.

»Wärest du mir so treu gewesen?« Der Zar richtete sich auf.

»Du hast es nicht gewollt, Herr!« sagte der Strelitze ruhig. »Wir

hatten mit den Moskauer Gesellen nichts zu tun, wir wollten nichts

wider dich. Wir saßen in Tula, taten unseren Dienst wie seit

Väterzeiten. Da kam dein Befehl, der uns alle für vogelfrei erklärte.

Alle. Herr, was haben wir außer dem Leben. Wir hatten dir das deine

nicht nehmen wollen, warum sollten wir uns das unsere nehmen lassen.

Wir gingen fort. Weit. Dachten, bessere Zeit zu erwarten, wo du uns

zurückrufen würdest. Du gönntest uns keine Rast. Immer waren die Hetzer

hinter uns her. Da mußten wir uns wehren. Sie waren mehr als wir.

So haben sie uns gefangen. Du darfst zufrieden sein, du hast deinen

Willen. Nun laß ein Ende machen.« Er schloß die Augen.

»Für dich ist das Ende noch zu früh. Du wirst mir noch dienen.«

[Illustration: Hinrichtung der Strelitzen

Ein livländisch Herz: Katharina I. von Russland; geschichtlicher Roman · 第 36 / 98 题