Wache

Indessen daß der Korso immer belebter wird und unter den vielen

Personen, die in ihren gewöhnlichen Kleidern spazieren, sich hier und

da ein Pulcinell zeigt, hat sich das Militär vor der Porta del Popolo

versammelt. Es zieht, angeführt von dem General zu Pferde, in guter

Ordnung und neuer Montur mit klingendem Spiel den Korso herauf und

besetzt sogleich alle Eingänge in denselben, errichtet ein paar Wachen

auf den Hauptplätzen und übernimmt die Sorge für die Ordnung der

ganzen Anstalt.

Die Verleiher der Stühle und Gerüste rufen nun emsig den

Vorbeigehenden an: "Luoghi! Luoghi, Padroni! Luoghi!" Masken

Nun fangen die Masken an, sich zu vermehren. Junge Männer, geputzt in

Festtagskleidern der Weiber aus der untersten Klasse, mit entblößtem

Busen und frecher Selbstgenügsamkeit, lassen sich meist zuerst sehen.

Sie liebkosen die ihnen begegnenden Männer, tun gemein und vertraut

mit den Weibern als mit ihresgleichen, treiben sonst, was ihnen Laune,

Witz oder Unart eingeben.

Wir erinnern uns unter andern eines jungen Menschen, der die Rolle

einer leidenschaftlichen, zanksüchtigen und auf keine Weise zu

beruhigenden Frau vortrefflich spielte und so sich den ganzen Korso

hinab zankte, jedem etwas anhängte, indes seine Begleiter sich alle

Mühe zu geben schienen, ihn zu besänftigen.

Hier kommt ein Pulcinell gelaufen, dem ein großes Horn an bunten

Schnüren um die Hüften gaukelt. Durch eine geringe Bewegung, indem er

sich mit den Weibern unterhält, weiß er die Gestalt des alten Gottes

der Gärten in dem heiligen Rom kecklich nachzuahmen, und seine

Leichtfertigkeit erregt mehr Lust als Unwillen. Hier kommt ein

anderer seinesgleichen, der, bescheidner und zufriedner, seine schöne

Hälfte mit sich bringt.

Italienische Reise — Band 2 · 第 74 / 91 题