Angelika Kauffmann, Selbstbildnis. Zeichnung

Nachmittags war ich beim Chevalier d'Agincourt, einem reichen

Franzosen, der seine Zeit und sein Geld anwendet, eine Geschichte der

Kunst von ihrem Verfall bis zur Auflebung zu schreiben. Die

Sammlungen, die er gemacht hat, sind höchst interessant. Man sieht,

wie der Menschengeist während der trüben und dunkeln Zeit immer

geschäftig war. Wenn das Werk zusammenkommt, wird es sehr merkwürdig

sein.

Jetzt habe ich etwas vor, daran ich viel lerne; ich habe eine

Landschaft erfunden und gezeichnet, die ein geschickter Künstler, Dies,

in meiner Gegenwart koloriert; dadurch gewöhnt sich Auge und Geist

immer mehr an Farbe und Harmonie. Überhaupt geht es gut. Fort, ich

treibe nur, wie immer, zuviel. Meine größte Freude ist, daß mein Auge

sich an sichern Formen bildet und sich an Gestalt und Verhältnis

leicht gewöhnt und dabei mein alt Gefühl für Haltung und Ganzes recht

lebhaft wiederkehrt. Auf übung käme nun alles an.

Montag, den 23. Juli,

bestieg ich abends die Trajanische Säule, um des unschätzbaren

Anblicks zu genießen. Von dort oben herab, bei untergehender Sonne,

nimmt sich das Koliseum ganz herrlich aus, das Kapitol ganz nahe, der

Palatin dahinter, die Stadt, die sich anschließt. Ich ging erst spät

und langsam durch die Straßen zurück. Ein merkwürdiger Gegenstand ist

der Platz von Monte Cavallo mit dem Obelisk.

Italienische Reise — Band 2 · 第 25 / 91 题