ganz allgemein gehalten, so daß nur der Zweck, die geistigen Leitsätze
und die möglichen Grundbedingungen einer solchen Organisation scharf
hervortreten. Schon das Vorliegen eines solchen Entwurfs wird m. E.
die gute Folge haben, unzweideutig zu zeigen, ob und wie weit es allen
Stellen, die für eine Kinoreform in Betracht kommen und sich zum Teil
stark dafür ins Zeug legen, _Ernst_ ist. Ich betone ganz besonders,
daß meiner Meinung nach weder ein anderer Weg vorhanden ist, um
zunächst auf einem Teilgebiete der Kinematographie zum Ziele zu kommen
und damit wenigstens den haltbaren Grund zur umfassenden Kinogesundung
zu legen -- noch diese aus einer (außer in unwesentlichen Punkten) von
der in meinen genannten Schriften niedergelegten abweichenden
»Auffassung« hervorgehen kann. Es handelt sich da ja in der Hauptsache
kaum um diese oder jene freigestellte »Auffassung«, sondern einfach um
die Frage: Sachkenntnis und Sacheindringen oder nicht? Es ist kein
Zweifel, daß die bisherigen so gut wie vollkommenen Mißerfolge der
Kinoreform (gemessen an ihrem irgend ernst zu nehmenden Ziele)
wesentlich auf dem Mangel an Sachkenntnis und Überblick, der Neigung
zu verantwortungslosem Nachgeben und oberflächlicher Spielerei
beruhen. Auf keinem Gebiete erfordert die Reform so ernste,
umfangreiche und gewissenhafte _Arbeit_, führt dann aber auch so
sicher und großzügig zum Ziele, wie auf dem der Kinematographie, denn
hier gibt es nur _einen_ geschlossen entgegenstehenden Feind, der
entweder gewonnen wird und dann selber das mächtigste Bollwerk
internationaler Kinokultur ist, oder weiter trotzt. Eigenbrödeleien
sind hier von vornherein zum Mißerfolg verurteilt. Die erdkundliche
Kinematographie zum Ausgangs- und Mittelpunkte der Kinetographie
überhaupt machen, heißt an sich schon ein Stück Kinoreform tun,
nämlich den Kino auf _sein_ Gebiet zurechtrücken. Die erdkundliche
Kinematographie und Kinetographie organisieren, heißt nicht nur eine
öffentliche Bildungs- und Unterhaltungsquelle gesund machen, sondern
zugleich der Schule und der Wissenschaft einen wesentlichen Dienst tun
und sie auf ihrem eignen Gebiete um einen großen Schritt fördern.
Zu den Einzelheiten meines Satzungsentwurfs wären Erläuterungen zu
geben. Die unten genannten Länder bilden nicht nur nach der
vorherrschenden Rasse und nach geschichtlichen Gesichtspunkten eine
Art Kulturgemeinschaft, sondern sie haben auch insofern gemeinsame
Kinointeressen, als sie alle zusammen im wesentlichen nur »Abnehmer«
sind, d. h. ihren Filmsegen zurzeit hauptsächlich aus dem Ausland
erhalten. Eine Ausnahme macht etwa nur Dänemark-Norwegen, insofern
dort am Welthandel selbständig beteiligte Filmfirmen vorhanden sind;
gerade diese Länder einschließlich Schweden gehören aber um so mehr zu
uns, als sie mit Deutschland zusammen schon längst am eifrigsten und
tatkräftigsten Kinoreformbestrebungen huldigen. Die gesunde Auffassung
von dem wesentlich erdkundlichen Beruf des Kinos dürfte in allen
genannten Ländern mehr wenigstens als in den romanischen allgemein
einleuchten. Dies freilich auch in englischen Kreisen, aber doch
abgeschwächt durch das dortige, wesentlich geringere Interesse an der
uns so sehr beschäftigenden »Organisation der Bildung« und des Schul-
und Unterrichtswesens. Auch Deutschland erzeugt ja Filme, darunter ja
erfreulicherweise mehr und mehr gute erdkundliche, es überwiegen aber
doch wohl »dramatische« und melodramatische (»Tonbilder«) von Berliner
Firmen. Sie alle zusammen sind aber von geringer Bedeutung gegen die
Auslandeinführung. Aus allen Gründen steht auch diesen Staaten als
wirkungsvolles gemeinsames Notmittel der Ausschluß ausländischer
Filmeinfuhr zu Gebote. Natürlich ist in andern Kulturländern ein
ähnlicher Zusammenschluß gleichfalls zu erwarten, aber unter
wesentlich andern Bedingungen. Mit solchen Genossenschaften müßte
natürlich zusammengearbeitet werden (2). Anderseits ist ein
Zusammenschluß über ein größeres Gebiet als etwa nur Deutschland
nötig, da dieses Land als Kundschaft allein nicht eine genügende Macht
ausüben würde, um einen wirkungsvollen Druck auf das ausländische
Kinokapital auszuüben. -- Zum »ständigen Arbeitsausschuß« (4) könnte
nötigenfalls noch eine Berufungsstelle treten. Es muß den Firmen
natürlich freigestellt bleiben, ihre erdkundlichen Aufnahmen nach wie
vor nach eigner Verantwortung und eignem Geschmack auszuführen, oder
aber, wenn sie Wert darauf legen, sie dem großen, von der Deutschen
Erdkundlichen Kinogenossenschaft zu schaffenden Turnus einzufügen, sie
prüfen und möglichst schon vom Plane an begutachten zu lassen,
und dabei die Wünsche und Gesichtspunkte erdkundlicher und
Volksbildungsberufsleute als maßgebend zu berücksichtigen. -- Ich
denke mir unter diesen Umständen den gewöhnlichen Gang erdkundlicher
Aufnahmen etwa wie folgt. Die _Anregung_ geht je nachdem von einem
Geographen, einem Forschungsreisenden oder dem Kenner eines
bestimmten, z. B. heimatlichen Gebietes aus, oder von wissenschaftlichen
oder volkswissenschaftlichen Erdkundevereinen, Fremdenverkehrs-,
Heimatschutz-, Denkmalsschutz-, Weltnaturschutz- oder sonstigen
interessierten Vereinen u. a. aus. Auch Schulbehörden können es sein
oder auch Industrievereinigungen, landwirtschaftliche Körperschaften,
Firmen; ferner Kolonial- und andere Behörden, die Geschäftsleitungen
von Ausstellungen; endlich Private aller Art, und daneben natürlich
nach wie vor Filmfirmen usw. Es wird nun, gewünschtenfalls schon durch
Vermittlung des Deutschen Erdkundlichen Kinogenossenschafts-Ausschusses,
die Planung der ganzen Aufnahme so vorbereitet, daß _neben_ den
besondern Wünschen und Interessen der Anregenden möglichst auch den
_allgemeinen_ Wünschen und Interessen, besonders auch denen der
Wissenschaft und der Volksbildung und -unterhaltung (der allgemeinen
Öffentlichkeit) Rechnung getragen wird. Dies geschieht, um sowohl
wirtschaftlich wie ideell der oder den Aufnahmen eine möglichst weite
und dauernde Verwendbarkeit zu sichern. Nur durch diese wird
einerseits ein solches Unternehmen wirtschaftlich ermöglicht und
ertragreich, und es wird anderseits erreicht, daß die immerhin nicht
häufig wiederkehrende Aufnahmegelegenheit möglichst vollkommen
ausgenützt wird. -- Die Aufnahme würde nun jedesmal irgendwie unter
der Leitung geographischer Fachleute oder doch unter Berücksichtigung
ihrer Angaben und der in dieser Schrift angegebenen Regeln von
Berufenen ausgeführt werden, als welche sich alsbald besondere
Begabungen finden würden, denen eine Mischung von wissenschaftlichem,
künstlerischem, Lehr- und technischem Sinne eigen sein müßte. -- Die
fertigen Filme würden nun nebst ausgearbeiteten Angaben der
Filmprüfungsabteilung der Deutschen Erdkundlichen Kinogenossenschaft
überwiesen werden, die sie begutachtete, eventuell Anregungen zu ihrer
Verbesserung im einzelnen gäbe und die wertvoll befundenen, wie im
Entwurf angedeutet, beurkundete und ihnen ein geschütztes Abzeichen
verliehe. Die Negative würden -- falls nicht gegenteilige Wünsche der
Beteiligten vorlägen -- der Mittelstelle übergeben, die für sie und
ihre den Wünschen des oder der Eigentümer entsprechende
Benutzungsweise haftete. Diese Mittelstelle soll -- ganz wie der
Kommissionär im Buchhandel, oder als eine Art Dauermesse -- lediglich
der Erleichterung und Beschleunigung des Austausches zwischen
Filmverlag und Käufer dienen. Es ist daher kaum anzunehmen, daß ihre
Tätigkeit in dieser Hinsicht irgendwie mit andern Interessen in Zwist
käme. Sie soll nicht nur die Negative aufbewahren, sondern vor allem
auch je ein Positiv, um dies jederzeit »zur Ansicht« vorführen zu
können (dies braucht bekanntlich nicht immer auf der Projektionswand
zu geschehen, sondern es gibt auch Apparate für nur je einen
Betrachter). Diese Einrichtung soll dem gegenwärtigen Übelstand
abhelfen, daß namentlich ältere Aufnahmen, nachdem sie in den
Kinotheatern die übliche Frist abgelaufen haben, so gut wie nicht mehr
zu erlangen, jedenfalls vom Interessenten nicht mehr zu besichtigen
sind. Gerade für sachgemäße erdkundliche Vorführungen ist aber
natürlich das Zurückgreifen auf ältere Aufnahmen unbedingt nötig; und
die ganze Organisation, wie wir sie hier im Auge haben, wird auch das
bisherige _Interesse_ der Verlagsfirmen an der Außerdienststellung
ihrer ältern Aufnahmen, namentlich erdkundlicher, beseitigen. Dieses
Interesse beruhte namentlich auf der Befürchtung, daß die Möglichkeit
der Kinobesitzer, beliebig auf ältere Aufnahmen zurückgreifen zu
können, den Absatz der jeweils neuen Wochenschöpfungen unsicher machen
könnte. Das wäre aber eine Gefährdung des oft außerordentlichen
Kapitals, das namentlich in die im Vergleich mit den meisten
erdkundlichen ungleich kostspieligern »dramatischen« Sachen gesteckt
wird. Durch die völlige Loslösung der erdkundlichen Vorführungen von
den »dramatischen« und ihre verabredungsgemäße Beschränkung auf
bestimmte Tage oder Wochen (1 bis 2 in der Woche, im Monat oder
ähnlich) einerseits, durch den größern, auf dem nunmehr
eingeschlagenen Wege erforderlichen Kapitalaufwand und die größere
Rentabilität erdkundlich-»aktueller« Filme anderseits würde jenes
Bedenken hinfällig werden. Aus denselben Gründen wäre aber die Abgabe
von _Filmteilen_ ebenso im Verbraucher- wie im Hersteller-Interesse
gelegen. Wenn ein Gesamtfilm beispielsweise »Bilder aus Bosnien«
heißt, so ist er vielleicht aus Teilen zusammengesetzt, deren einer
mehr landschaftlich-geologisches, ein anderer militärisches, ein
dritter volkskundliches, ein vierter zoologisches Interesse hat; es
wäre ein unbilliges Verlangen, daß nun z. B. ein Zoologe, der ein
Programm mit dem zoologischen Abschnitt wertvoll bereichern könnte,
den ganzen Film »Bosnien« kaufen müßte, noch dazu ohne ihn vorher
sehen zu können. Zurzeit ist dies aber meistens so, d. h. die
Filmfirmen verweigern meist die Abgabe älterer Bilder und erst recht
von Teilen älterer Bilder. Der Grund liegt außer in den geschilderten
geschäftlichen Bedenken in der Zerstreutheit der Negative in London,
Paris, Florenz, Amerika usw., in der Überlastung der Firmen mit der
notwendigen Tagesproduktion, die jeweils alle verfügbaren
Kopiermaschinen, Hände und Köpfe in Anspruch nimmt, und
in der Unmöglichkeit -- weil unlohnend -- einer geordneten
Negativ-Archiv-Führung. Besonders das Heraussuchen einzelner
Negativteile, wenn sie nicht von vornherein äußerlich sichtbar
bezeichnet sind, würde ja eine zu große Zumutung sein. Eine nur diesen
Aufgaben dienende Mittelstelle könnte das aber leicht und schnell
leisten.
Auf dem gedachten Wege wären nun also namentlich Forschungsreisende,
wissenschaftliche Lehrinstitute, Sammlungen, Schulen usw. bereits in
den Besitz derjenigen Aufnahmen gekommen, um die es ihnen zu tun ist;
es wäre ihre Privatsache, sich über die Eigentums- und gegenseitigen
Entschädigungsverhältnisse auseinanderzusetzen, und die Art der
Benutzung bliebe natürlich ganz ihre eigne Sache. In den meisten
Fällen wird aber nun als wirtschaftlicher Neben- oder als Hauptzweck
die Überführung der Aufnahmen oder eines Teiles von ihnen in den
Turnus öffentlicher Aufführungen, besonders also der Kinotheater,
erwünscht sein. Diese zu bewirken, bliebe die geschäftliche Aufgabe
des »Verlegers« durch Vermittlung der Deutschen Erdkundlichen
Kinogenossenschaft-Mittelstelle; durch deren Tätigkeit und die ganze
Organisation würde aber das Ergebnis gleichmäßiger und sicherer
erreicht und von vornherein -- schon bei der Planung -- in gewissem
Grade schon mit verabredet und in Rechnung gezogen werden können. Von
vorher sorgfältig geplanten und fachmännisch vorbereiteten
Kinoaufnahmen etwa einer Expedition durch Tibet oder einer
Landes-Naturdenkmäler-Aufnahme ließen sich von vornherein einige
öffentliche Programme versuchsweise entwerfen, und deren Ertrag ließe
sich, eben infolge der eigenartigen Organisation dieses
Geschäftszweiges überhaupt, mit einer gewissen Sicherheit übersehen.
Das würde also die vorherige Kostenberechnung solcher Unternehmungen
erleichtern. -- Bestimmte erdkundliche Theaterprogramme zu schaffen
wäre dann aber eine zweite »Autoren«aufgabe, die wieder von
verschiedenen Interessenten in Angriff genommen werden könnte. -- Für
die unter 5 a bis d genannten Zwecke würde der Ausschuß
vorteilhaft mehrere ständige »Kammern« bilden. -- Die Tätigkeit der
Mitglieder des Ausschusses würde in ehrenamtliche und honorierte
zerfallen. Daß jede im Zuge eines geschäftlich angelegten Unternehmens
eintretende wirkliche Arbeit und Zeitopferung ihres Lohnes wert ist,
ist ebenso selbstverständlich, wie daß eine unverpflichtete und
verantwortungslose, rein sogenannt »gemeinnützige« Tätigkeit _auf die
Dauer_ in Verfall gerät und stets zweifelhaften Wert besitzt. Außer
Honoraren und Gehältern würden der Mittelstelle durch Einrichtung und
Mieten für Geschäfts-, Aufbewahrungs-, Vorführungsräume usw. Kosten
entstehen, endlich durch die gesamte Werbearbeit, besonders
Zeitschrift und Filmführer. Mein Entwurf begnügt sich mit dem
Hinweise, daß dem eine Menge natürlicher und die Industrie keineswegs
ungebührlich belastender Einnahmequellen gegenüberstehen. -- Zu 7:
Keinem der an die Deutsche Erdkundliche Kinogenossenschaft
Angeschlossenen kann die Verpflichtung auferlegt werden, _nur_ von ihr
begutachtete Aufnahmen herzustellen, zu vertreiben, vorzuführen oder
anzusehen. Das Interesse, dies zu tun, kann nur in dem für alle
Beteiligten daraus entspringenden tatsächlichen Nutzen bestehen.
Anderseits würde natürlich durch Vermischung der Deutschen
Erdkundlichen Kinogenossenschaftsfilme mit andern aus genügend
gekennzeichneten Gründen der ganze Zweck und Erfolg des Unternehmens
hinfällig. Es muß darauf bestanden werden, daß als Deutsche
Erdkundliche Genossenschaftsfilme nur von ihr geprüfte und empfohlene
Aufnahmen, aber auch nur in der von ihr angegebenen Weise, und in den
Kinotheatern nur im Zusammenhange der von ihr empfohlenen
Gesamtprogramme vorgeführt werden. Das letztere aus denselben
technischen Gründen, weswegen auch sonst die Kinotheater nicht
Einzelfilme, sondern nur ganze Programme leihen können, soweit sie
nicht selber die Urheber der letztern sind. -- Zu den »Interessenten«
der Deutschen Erdkundlichen Kinogenossenschaft gehören also auch die
Lichtbilderfirmen, die erdkundliche Lichtbilder zu verleihen oder zu
verkaufen haben. Diese würden, soweit nötig, den Gesamtprogrammen
beizufügen sein. -- Den sozusagen ursächlich -- also geschäftlich,
wissenschaftlich oder volksbildnerisch interessierten Kreisen
gegenüber wäre nun als wichtige von der Deutschen Erdkundlichen
Kinogenossenschaft zu fördernde Aufgabe ein loser Zusammenschluß der
»Schauinteressenten«, d. h. des erdkundlich interessierten
Kinopublikums herbeizuführen. Die unter 11 genannte Maßnahme würde m.
E. dazu genügen und alles Erreichbare umfassen.
* * * * *
Ich hoffe mit diesem wenigen den Grundgedanken einer Deutschen
Erdkundlichen Kinogenossenschaft genügend veranschaulicht und seine
Wichtigkeit verständlich gemacht zu haben. Sollte es mir damit
gelungen sein, auf Grund jahrelanger Arbeit und umfassender, mit
großen Opfern erkaufter Erfahrungen einen Grundstein zu fruchtbarer,
schöpferischer, aufbauender Kinogesundungsarbeit gelegt und zugleich
der erdkundlichen Wissenschaft und dem Schulunterricht der Zukunft
neue Möglichkeiten klären geholfen zu haben, so wäre diese meine
Arbeit reichlich belohnt.
Anhang
_Ein Blick auf den gegenwärtigen Markt erdkundlicher Filme und
Lichtbilder_
Mit unermüdlichem Entgegenkommen hat die Lichtbilderei GmbH. in
M.Gladbach alles Erdenkliche getan, um meinen Wunsch, einen
praktischen Überblick über die zurzeit zugänglichen Quellen
erdkundlichen kinematographischen Stoffes zu gewinnen, zu erfüllen.
Dennoch würden die auf unsere Rundfragen ergangenen Antworten
besonders betreffend der _Film_erzeugung ohne die Benutzung
anderweitig gewonnener Erfahrungen ein sehr lückenhaftes Bild geben.
Der Gesamtüberblick bezeugt sowohl betreffend der Lichtbilder wie der
Filme vor allem einen gewissen Mangel an Beweglichkeit in der
Organisation, insofern erstens zumeist nur ganze Serien von
Lichtbildern und Kinoaufnahmen verliehen (von letztern auch verkauft)
werden, zweitens auch dies noch mannigfachen Beschränkungen und
Schwierigkeiten unterliegt. Die Unmöglichkeit, die Sachen vorher _zur
Ansicht_ zu haben oder sonst prüfen zu können, liegt ja in der Natur
der Sache. Sie ließe sich nur -- wie im vorangehenden angedeutet --
durch eine wohlorganisierte ständige _Projektionsbildermesse_
nebst Zentralverleihstelle und in Verbindung mit einem nach
wissenschaftlichen und gemeinnützigen praktischen Gesichtspunkten
durchgearbeiteten illustrierten und beschreibenden _Realkatalog_
beheben. Dazu müßte ein beweglicheres _Leihaustauschsystem_ treten.
Eine Hauptursache für die verhältnismäßig geringe Rolle, die das
Projektionswesen als ernsthaftes Bildungsmittel noch spielt, liegt
darin, daß die Bilder, die man nach den Titeln beschafft, selten
gerade das zeigen, was man zeigen will. Ist dieser Übelstand auf dem
Lichtbildergebiet schon empfindlich, so wirkt er gegen die Ausbreitung
der Filmbenutzung geradezu entscheidend.
Da nach unserer Überzeugung das Kinobild, besonders das erdkundliche,
fast stets vom stehenden unterstützt werden muß, so geben wir zunächst
einen Überblick über die Quellen für erdkundliche Lichtbilder.
Zunächst Firmen, die geschäftsmäßig an jedermann verkaufen und
verleihen, soweit uns näheres Material vorliegt (alphabetisch):
1. _Evangelischer Verein für kirchliche Zwecke_, Berlin SW 68,
Oranienstr. 105l. Hat besonders aus Missionsgebieten (Kolonien und
innere Mission) auch einige geographisch interessierende Serien. Alle
Bilder sind koloriert (5 M). Mitwirkung von Kunstmalern,
Missionsleuten, Pastoren. Es werden nur Serien verliehen, Texte werden
beigegeben. Verleiht auch Apparate.
2. _Graystone Bird_, Kunstphotograph, 3, Milsom Street, Bath, England.
Pflegt besonders das Gebiet von Landschafts- (See-, Wolken-,
Winterlandschaften usw.) Diapositiven nach _künstlerischen_
Gesichtspunkten. Wetter, Stimmungen usw., ferner britische und
Schweizer intime Aufnahmen.
3. _Bruno Hentschel_, Leipzig, Kunstverlag (Kollektion Hentschel):
Landschaften-, Trachten- und Städtebilder aus dem _Orient_ (Ägypten,
Palästina, Syrien, Kleinasien, Konstantinopel, Griechenland). Bilder
auch einzeln (15 Pf.), jedoch Mindestgebühr 7.50 M. _Versendet zur
Ansicht Papierkopien_ sowie ganze _Serien_.
4. Die _Lichtbilderei_ GmbH., M._Gladbach_, verfügt über nicht weniger
als 450 Lichtbilderserien, von denen die erste der 13 Untergruppen der
_Erdkunde_ gewidmet ist (Land und Leute -- Deutschland, deutsche
Kolonien, Ausland). Auch die Abteilungen »Naturwissenschaft«,
»Industrie und Technik«, »Handwerk«, »Landwirtschaft«, »Volkswirtschaft«
u. a. bieten manchen ergänzenden Stoff. Die Lichtbilderei, die unter
Mitwirkung des Volksvereins-Verlags vor sieben Jahren gegründet wurde,
verfolgt auf geschäftlicher Grundlage den Zweck, die Projektionskunst
durch künstlerischen Geschmack und wissenschaftliche Gründlichkeit in
der Auswahl der Bilder und durch die Beigabe von Vortragstexten, die
sich über den vielfach üblichen oberflächlichen Dilettantismus
erheben, zu einem ernsthaften Mittel für die möglichst allseitige
tiefgehende und nachhaltige Bildung breitester Volksschichten zu
erheben und so ein vorbildliches Musterinstitut zu werden. Als
Verfasser der geographischen und ethnographischen Vortragstexte wirken
hervorragende Fachleute. Bilder und Texte werden an jedermann
verliehen. Katalog kostenlos. Über ihre Filmverleihzentrale siehe
unten. Verkauft und verleiht auch Apparate und Zubehör.
5. _Ed. Liesegang, Düsseldorf._ Der Katalog verzeichnet eine große
Auswahl erd- und völkerkundlicher Serien sowie solche aus den Gebieten
»Naturkräfte und Naturwissenschaft«. Besonders zahlreich (mit Betonung
von Architektur und Kunst) die Serien »Italien, Palästina und
Deutschland«. Eine große Menge in »Woodburydruck« (eine Art getöntes
Gelatinerelief, das viel transparenter als die aus undurchsichtigem
Metallniederschlag bestehenden Silberkopien sein soll). Meist nur
Serienverleihung. Verkauft auch Apparate usw.
6. Die _Neue Photographische Gesellschaft, Steglitz-Berlin_, verleiht
nicht, sondern verkauft. Die umfassende Sammlung geographischer
Lichtbilder (Album mit 110 verkleinerten Bildertafeln je 15 Bilder
Mk. 20 auch leihweise) ist von Prof. Dr. Deckert an der Akademie für
Sozial- und Handelswissenschaften in Frankfurt a. M., die betreffs
Geologie des Norddeutschen Flachlandes von Prof. Dr. Wahnschaffe,
Berlin, zusammengestellt. Außerdem zahlreiche aus andern
Naturwissenschaften. Die Diapositive sind teils im Kontaktverfahren,
teils im nassen Verfahren hergestellt. (Katalog »Das photographische
Anschauungsmittel« 2 M.)
7. _Richard Rösch, Dresden-A._ Viele Serien erdkundlicher Bilder.
Verleiht auch einzeln (10 Pf. für Bild und Woche).
8. _E. A. Seemanns Lichtbildanstalt, Leipzig._ Serien China und
Marokko; ferner (hauptsächlich in künstlerischer Hinsicht) Regensburg
und Nürnberg. Zum Teil farbig (Dreifarbenaufnahmen und Lumière).
»Durch bestimmte Herstellungsmethoden wird die Schicht und das Glas
des Diapositivs vor den Gefahren großer Hitze bewahrt, wodurch auch
bei hoher Lichtstärke ein besonderer Schutz (Wasserkammer) entbehrlich
wird.« (Farbenproben, die ich gesehen habe, waren _sehr_ schön; und
das Feuerschutzverfahren wäre ja für Mitbenutzung im Kino sehr
wertvoll!) Projektionseinrichtungen.
9. _Unger & Hoffmann_, A.-G., _Dresden-A._ Sehr großes Lager
geographischer und naturwissenschaftlicher Bilder. Serienverleihung.
Ansichtssendungen, auch _Papierabzüge_ zur Auswahl. Führen auch
Apparate usw.
10. _Emil Weises Buchhandlung, Dresden-A._ Farbig: Palästina, Orient,
Sachsen, Indien, Rhein, Deutsche Kolonien (Mission). Serien mit Text.
11. _York & Son_, 67, Lancaster Road, Notting Hill, London W.
Katalog mit großer Auswahl, 1 Schilling. Nur Verkauf. Sehr viel
geographische Serien.
Zu diesen Firmen (weiteres Material für spätere Auflagen usw.
erwünscht!) treten nun einige Vereine und Institute, die ihre Bilder
nur an Mitglieder oder unter Beschränkungen verleihen.
12. _Gesellschaft für Verbreitung von Volksbildung_, Berlin NW 52,
Lüneburger Str. 51 (an 8000 angeschlossene Vereine!). Dieser
gemeinnützige Verein verleiht nur an Mitglieder (Schulen und andere
Bildungsinstitute) usw. Falls Vortragstexte mitgeliefert werden, nur
mit diesen. (Diese Maßregel wird mit dem im Titel bezeichneten Zweck
begründet.) Einzelne Bilder (außer »Tierwelt«) werden nicht verliehen,
wohl aber verkauft. Die Texte stammen aus der Feder von Fachleuten.
254 Serien, von welchen die überwiegende Zahl erdkundlichen und
naturwissenschaftlichen Inhalts sind. Betreffs Kinematographie siehe
unten. Stellt auch Apparate und Vorführer usw.
13. _Süddeutsche Lichtbilderzentrale, München._ Ist eine Einrichtung
der Hauptstelle süddeutscher katholischer Arbeitervereine. Verleihen
und verkaufen auch Apparate. (Näheres siehe unter Kinematographie.)
14. _Verein Naturschutzpark, Sitz Stuttgart_, Pfizerstr. 5. Verleiht
kostenlos nur zur Agitation für die Schaffung und Förderung von
Naturschutzparken. Bilder und Texte.
15. _Stiftung für Heimatschutz_, Verwaltungssitz Meiningen. Besitzt
eine große Lichtbildersammlung betreffend Heimatschutz.
16. Die _Gesellschaft für wirtschaftliche Ausbildung_ (Frankfurt a.
M.), 17. _Großh. Techn. Hochschule Darmstadt_ (Prof. Dr. Greim)
verleihen nicht. 18. Die _Oberschulbehörde Lübeck_ besitzt zahlreiche
erdkundliche Lichtbilder in den höhern und mittlern Schulen.