Öffentliche erdkundliche Vorstellungen werden also in der Hauptsache

immer »Kinovorstellungen« bleiben, und darüber freuen sich

ausnahmsweise mal die Kinobesitzer und die ganze »Fachwelt« ebenso wie

die bösen »Kinoreformer«. Denn diese wünschen nicht nur sich und ihren

Freunden in erster Linie musterhaft ausgebildete »Erdkundeabende« um

des Genusses willen, sondern sie versprechen sich auch gerade davon

die unwiderstehliche Verdrängung minderwertiger Kinodarbietungen. Um

so mehr haben wir Ursache, dem Thema »Kino und Erdkunde« im engern

Sinne peinlich genau nachzugehen, um zu prüfen, ob wir uns nicht

Täuschungen hingeben, denen dann früher oder später die Ernüchterung

folgen muß. Warnend steht uns ja das Schicksal all der »Panoramen« vor

Augen, in denen allwöchentlich oder öfter wechselnd erdkundliche

Stereoskopbilderreihen gezeigt werden, und die trotz des Reizes und

des Lehrwerts des Dargebotenen meist sozusagen »am Hungertuche nagen«.

Überhaupt bildet ja der Mißerfolg so manches gut und »bildend« oder

»lehrreich« gemeinten und angefangenen Unternehmens das

Hauptschlagwort aller Gegner einer Veredlung geistiger Volkskost.

Das Kinotheater hat aber vor dem »Panorama« und ähnlichem dreierlei

voraus: erstens eine viel günstigere wirtschaftliche _Organisation_

überhaupt, die ihm ständigen Wechsel des Dargebotenen ohne Belastung

des einzelnen mit bleibenden Filmanschaffungen ermöglicht; zweitens

den unvergleichlich mannigfaltigen _Reiz_ seiner Techniken, der sich

durch kunstgemäße Vorführung vielfältig steigern läßt. Drittens die

ständige »Aktualität«, d. h. das -- leicht zu erhaltende --

Tagesinteresse des Vorgeführten. Dadurch, daß die Kinematographie

täglich neu aus aller Welt ihre Bilder holt, kann sie auch das täglich

neue und besonders Fesselnde zeigen. Allerdings wäre sie in der Lage,

gerade diese »Aktualität« -- den intimen Augenblicksreiz ihrer

Vorführungen dadurch noch besonders zu steigern, daß sie den

unermeßlichen Schatz ihrer einmal eingeheimsten erdwissenschaftlichen

Negative beweglicher und anpassungsfähiger als bisher zur Ergänzung

aktueller Programme bereithielte. _Nicht die Einzelaufnahme_ ist in

der Regel »aktuell« in dem Sinne wie etwa eine Zeitungsnachricht --

_sondern im »Programm« muß die Aktualität liegen_. Wirklich »aktuelle«

Einzelaufnahmen sind gewöhnlich überhaupt nicht möglich, da »aktuelle«

Ereignisse sich nicht so anzukündigen pflegen, daß der Kino

rechtzeitig dazu kommt; und der Weg des Films von der Aufnahme durch

die Ateliers und die Vertreterräume in die Kinos ist für gewöhnliche

Fälle immer noch zu lang. Seine bedeutende Beschleunigung für erd- und

völkerkundliche Aufnahmen -- wozu zum Teil ja auch politische zu

zählen sind -- wäre sehr zu wünschen.

Ein _Programm_ »aktuell« zu gestalten, dazu reicht aber die Zeit immer

noch aus. Das ist überhaupt viel mehr Sache der geistvollen und

lebendigen Behandlung des Ganzen durch den Leiter, als der zufälligen

Beziehung auf Tagesereignisse. Diese letztere Beziehung sollte --

besonders in erdkundlichen Vorstellungen -- überhaupt nicht die

Hauptsache sein. Wenn auf dem Balkan Krieg ist, so kann die

Kinematographie von dem, was wohl lohnend wäre -- Schlachten und all

die Begleitgreuel des Krieges -- in der Regel _nichts_ bringen, weil

es erstens ein zu großes Wagnis für den Aufnehmenden, zweitens mit zu

großen technischen Schwierigkeiten verbunden wäre, namentlich die

Ereignisse nicht vorher zu berechnen wären, drittens es zumeist von

den interessierten Parteien verhindert würde, und endlich, wenigstens

in diesem Falle -- die Vorführung der Aufnahmen wohl gar anstößig,

aufhetzend usw. gefunden werden würde. Das letztere leider ohne daß

man sich erfolgreich dagegen wenden könnte, solange nicht der

Gegenstand, sondern die übliche _Art_ der kinematographischen

Behandlung so geschmacklos und dumm ist. In Ermangelung derartiger

Aufnahmen dann irgendein Landschaftsbild aus Serbien oder Albanien zu

geben, ist aber -- abermals in Anbetracht der _Art_ dieser Aufnahmen

-- etwas, was wenig Dank beim Publikum findet. Besserung, d. h.

Erfolgsbürgschaft könnte nur durch eine Reihe von Aufnahmen geboten

werden, die in der in meinen Schriften angegebenen Weise gemacht,

zusammengestellt und vorgeführt würden. -- Aber es gibt eine Menge

geographischer Aufnahmen -- und gerade dieser --, die nicht durch

Beziehung auf ein einmaliges Tagesereignis, sondern auf Gedanken,

Bewegungen, Strömungen, Interessen »aktuell« sind, die auf längere

Zeiträume die Hirne der Besten beschäftigen, und von da auch durch

tausend Kanäle der Presse usw. in die große Masse gelangen. Einer der

wichtigsten dieser Gedanken ist der _vaterländische_, mit seiner von

ihm unzertrennbaren Kehrseite, dem _internationalen_ Interesse. Wir

müssen uns gegenwärtig halten, daß jeder Film ein »Vaterland«, eine

Menschenheimat und je nachdem ein Stück nationale Landwirtschaft,

Industrie, Verkehrswesen, Kunst usw. vorführt. Bei uns leider meist

nur _ausländische_ »Heimatbilder«, die bei uns Deutschen mehr oder

minder beabsichtigt, uns mehr oder minder bewußt für die Eigenart, die

Erzeugnisse, die Fruchtbarkeit usw. des betreffenden Landes _werben_.

D. h. sie erfüllen uns nicht nur (erfreulicherweise!) mit dem Gefühl

warmer menschlicher Teilnahme, die überall leicht erweckt werden kann,

wo wir unbefangenes menschliches Glück, besonders aber tüchtige

Leistungen sehen, sondern sie veranlassen uns auch, Erzeugnisse des

Auslandes zu kaufen und zu schätzen, unsere Reisen dahin zu richten,

unter Umständen ziehen sie auch wertvolle Volksgenossen zu Tausenden

dahin. Ganz bewußt im Dienste solcher Zwecke arbeitet bekanntlich z.

B. zurzeit Kanada. Aber nicht minder bewußt und unwillkürlich stehen

auch die Filmfirmen Frankreichs, Englands, Amerikas, Italiens,

Norwegens im Dienste ihrer Länder, geben uns ein anschauliches,

werbendes Bild von ihrer Größe und Macht, ihrem Wohlstand, ihrer

Arbeit; lassen uns an eindrucksvollen politischen Ereignissen wie am

intimen Leben ihres letzten Dorfes teilnehmen. Es ist gar nicht

abzusehen, wieviel infolgedessen diese Länder im Vergleich zu andern

der Vorstellung breitester Kreise im Auslande nahe gerückt sind, und

in welchem Grade das ihrer Exportindustrie, aber auch ihren mehr

geistigen Interessen genützt haben mag. Fern liegt es mir, dieser Form

anständigen Wettbewerbs um unsere Achtung, unsere Freundschaft, unser

Verständnis und -- unsere Kundschaft irgendwelche Einschränkung zu

wünschen. Aber wo bleiben _wir_? Bekanntlich werden in Deutschland

außerordentlich wenige Filme hergestellt, am wenigsten erdkundliche

usw. Ausnahmen tauchen freilich auf, aber es wäre wertvoll, einmal

festzustellen, wie weit deutsche Landschaften, landwirtschaftliche,

Industrie-, Volkslebenaufnahmen in den Theatern Frankreichs, Englands,

Italiens, Amerikas usw. auch zur _Anschauung_ gebracht werden, und ob

man dort etwa von den deutschen Mittelgebirgen, Strömen und Städten,

vom Spreewald und vom Schwarzwald, von der deutschen Eisen- und

Maschinenindustrie, unserer Volks- und Arbeitsorganisation usw. usw.

ebensoviel und häufig zu sehen kriegt, wie wir etwa von der

Herstellung der Ölsardinen in Frankreich, Italien und Afrika und dem

Teebau in China. Für uns selber hätten natürlich diese Aufnahmen nicht

minder Wert wie für das Ausland; _wir_ säßen gleichsam hinter der

Leinwand, und die Fremden davor. Es ist hier ähnlich wie mit den

»Filmen« zeitgeschichtlichen Inhalts, von denen ich in »Kino und

Kunst« sprach. So wie diese ihren »aktuellen« Wert, d. h.

Gegenwartswert, gerade dadurch erhalten, daß wir sie mit den Augen des

fernen Nachkommen betrachten, der die Kulturgeschichte unserer Zeit

studiert, so liegt das stetige »aktuelle« Interesse deutscher erd- und

volkskundlicher Aufnahmen darin, daß wir uns sagen: »Das sehen nun in

diesem selben Augenblick Hunderttausende und vielleicht Millionen

Menschen in der weiten Welt. Hierdurch und so lernen sie Deutschland,

seine Schönheit und Eigenart, seine Arbeit und -- uns kennen. Ist das

der richtige Eindruck, den sie bekommen? Und haben wir Grund, stolz

darauf zu sein, oder wäre hier und da etwas zu verschweigen gewesen?«

Natürlich soll dieses »Sehen mit den Augen des Auslandes« uns nur

veranlassen, die eignen besser aufzumachen. Nicht etwa das Bestreben

erzeugen, das Ausland als Muster und nachzuahmende Höhe zu

vergleichen, sondern im Gegenteil die heimische _Eigenart_ immer mehr

zu begreifen, zu lieben und zu fördern. Aber immer nicht in dummem

»Partikularismus«, sondern mit Weltblick. Die Kinematographie kann ein

gut Stück gesunden _internationalen_ Sinn erziehen, gerade in dem sie

recht anschaulich macht, wo die Kraft und Eigenart des _Vaterlandes_

liegt und -- wo wir sie _nicht_ suchen müssen. -- Wir haben aber auch

genug vaterländische Gesichtspunkte, die uns jede gute eigne

Heimataufnahme jederzeit »aktuell« machen. Ich erinnere an

_Heimat_kenntnis, Heimatverständnis, -schutz und -pflege, an die

besondern Bestrebungen für Heimat- und Natur_denkmälerschutz_, Sitten-

und Trachtenerhaltung usw., worauf ich schon hinwies. Ich erinnere

ferner an die großen Aufgaben des innern und äußern _Kolonial- und

Besiedlungswesens_. Zeigt uns doch Kinoaufnahmen aus unsern deutschen

Kolonien, um uns für sie zu begeistern, lehrt aber auch den

Westdeutschen, wie es im Osten hergeht usw.; zeigt dem Gebirgler den

Gemüsebau des Elblandes und die Kornfelder der Goldenen Aue, zeigt dem

Binnenländler unsere, aber _unsere_ Handels- und Fischerflotte, zeigt

uns, wie unser Brot, unsere Kleider, unsere Maschinen gemacht werden,

zeigt das Leben der deutschen Volksstämme überall in ihrer Landschaft,

zeigt dem weltabgeschiedenen Dörfler das Gewimmel der Großstadt, aber

dem Großstädter auch wieder die Arbeit und die Daseinsbedingungen der

Landwirtschaft! Treibt Volksverständigung durch den Kino, sowie ihr an

Völkerverständigung teilnehmt!

Unzählig sind -- wie ich ja eingangs allgemein ausgeführt habe -- die

Gesichtspunkte, unter denen _jedermann_ heute erdkundliche

Vorstellungen aller Art interessant, ja von brennendem Tagesinteresse

sind. Wenn sie nur gut sind und richtig vorgeführt werden. Auch heute

schon ließen sich wertvolle und dankbare Programme dieser Art für

Kinotheater zusammenstellen, wenn auch längst nicht so reichlich wie

»dramatische« und gemischte. Bedingung wäre nur, daß das gesamte, also

auch ältere Filmmaterial der Welt dauernd zugänglich bliebe, wovon ich

im folgenden Abschnitt spreche. Bedingung für den Erfolg wäre aber

ferner natürlich die _völlige Lostrennung erdkundlicher

Vorführungen von andern_, sowohl »dramatischen« wie auch sonst

»naturwissenschaftlichen« usw. Diese Lostrennung ist erforderlich

erstens um der Wirkung der betreffenden Filme usw. selber willen, die

ja eine geschlossene Vorstellung mit einheitlicher Idee bilden müssen,

und deren meist feinere Reize in Umrahmung durch Sensationsdramen,

Possen usw. nicht entfernt zur Vollwirkung kommen würden. Zweitens ist

sie erforderlich, weil die Besucherkreise _solcher_ Vorstellungen im

allgemeinen völlig andere als die der gemischten und »Sensationsprogramme«

sind. Die einen wollen dies, die andern jenes nicht sehen.

Erdkundliche Bilder vertragen sich mit Sensationsbildern wie Feuer und

Wasser. Die Kinotheater sollten z. B. -- je nach den Verhältnissen --

alle zwei Wochen oder jede Woche _Montags_ oder _Montags und

Donnerstags_ bekanntgeben:

»Heute: _Naturschauspiele_,

Kinematographisches Programm ...«

oder etwa die Nachmittage diesem Gegenstand widmen oder jeden Monat

eine Woche u. dgl. Die Ankündigung müßte ferner enthalten Angabe des

Themas und seiner Gliederung, der einzelnen Bewegungs- und

Lichtbilder, des Vortragenden und des _geistigen Urhebers_,

gegebenenfalls auch der Hauptaufnahmekünstler usw. Jeder sieht ein,

daß die geistige Urheberschaft eines solchen Programms -- umfassend

die Zusammenstellung der Filme und Lichtbilder, der Ausarbeitung des

Begleitvortrags und der Erläuterungen, der Musik- und Regieangaben

usw. -- dasjenige ist, wovon wesentlich der Wert und also auch die

Werbekraft eines solchen Programms abhängt. Aus hundertmal angegebenen

Gründen kann ja der einzelne Kinobesitzer als solcher sein Programm

nicht frei zusammenstellen, es muß ringmäßig vorgeführt werden. Die

Programmschaffung muß also an Mittelstellen geschehen, wozu

Reformkino-Verleihanstalten, aber auch populärwissenschaftliche

Vereine usw. berufen wären, in deren Auftrage natürlich jeweils ein

einzelner oder ein kleiner Ausschuß die geistige Arbeit zu leisten

hätte. Die Vorführung selber würde aber ebenfalls mindestens die

Mitwirkung eines Fachgebildeten als Vortragenden und Leiter erfordern.

Dieser brauchte nicht jedesmal wissenschaftlicher Geograph, Lehrer

oder dergleichen zu sein; im Gegenteil ist hier ja das _erste_

Erfordernis eine gute klare Vortragsgabe und im besten Sinne

volkstümliche Wirkung; unerläßlich ist aber auch volles eignes

Verständnis für den vorgetragenen Stoff.

Es ist sicher, daß erdkundliche Vorstellungen, nach diesen

Gesichtspunkten und in dieser Art gestaltet, großen Erfolg haben

würden. Auch hier hat reformbeflissenes, aber zu billigen

Zugeständnissen nur zu leicht geneigtes, von keinerlei Sach- und

Fachkenntnis beschwertes, »schöngeistiges« Laientum bereits viel

Schaden getan, indem es erfolglose Versuche veranlaßte und sich daran

beteiligte, und die Begriffe von dem, was eigentlich anzustreben ist,

verwirrte. Entweder es wird mit diesem verantwortungslosen Laientum im

Kinoreformwesen unerbittlich geräumt, und sach- und fachkundiger Ernst

zieht ein, oder wir müssen alle Hoffnung auf Besserung für lange

vertagen.

V. Zusammenschluß und Einrichtungen

Ich habe im vorangehenden gezeigt, wie gerade erdkundliche

Kinematographie infolge der Anforderungen, die ihr _Gegenstand_

stellt, aus Gründen der Wirtschaftlichkeit und endlich wegen der

Allgemeinheit und Vielseitigkeit des Interesses, das sie bietet, nicht

ohne ein enges Zusammengehen der verschiedensten Mitarbeiter,

Fachleute und Interessenten gedeihen kann. Die Aufnahme brauchbarer

erdkundlicher Filme kann nicht ohne vorherige Beratung und Planung mit

wissenschaftlichen und teilweise Schulfachleuten, und nicht ohne

wesentliche Mitwirkung der erstern ihre Leitung und Bearbeitung

geschehen. Die wertvollsten Aufnahmen werden von Forschern selber auf

ihren Reisen usw. gemacht werden müssen; wo nicht, werden

deren Gesichtspunkte und gegebenenfalls gleichzeitig die von

Unterrichtsfachleuten für Gegenstand und Art der Aufnahme maßgebend

sein müssen. Daneben aber bleibt für Aufnahme wie Ausarbeitung der

Filme der technische Fachmann unentbehrlich. Aber diese Sachfachleute

sind ebensowenig wie die Einzelinteressenten imstande, die gewünschten

Aufnahmen wirtschaftlich zu ermöglichen und auszunützen. Die

Kostspieligkeit derartiger Filme einerseits, die Kostspieligkeit und

Schwerfälligkeit der zu ihrer Vorführung nötigen Vorrichtungen

anderseits verweisen auf einen großzügigen geschäftlichen Organismus

für ihre Herstellung, Verteilung und wirtschaftliche Ausnützung.

Dieser geschäftliche Organismus ist aber zugleich eine der

Eigenschaften der Kinematographie, auf der ihre gewaltige

Kulturbedeutung im Guten wie im Bösen beruht. Diese ihre

Kulturbedeutung zieht wieder alle diejenigen Schichten und Kreise der

Öffentlichkeit unter die engern Interessenten der Kinematographie,

denen gesunde und nahrhafte geistige Kost für sich und für ihre minder

urteilsfähigen und anspruchsvollen Volksgenossen Gewissenssache ist.

So wenig sich die Kino- und Geschäftsleute auf die Dauer ihren

Ansprüchen entziehen können, so wenig können Kinoreformer selber

irgend etwas unabhängig von jener großen Weltorganisation zu erreichen

hoffen. Die Erdkinetographie aber ist, weil sich in ihr die höchste

Leistungsfähigkeit des Kinos mit den allgemeinen Interessen aller

Kreise deckt, und weil ihre Wesensbedingungen von denen anderer

Kinogebiete verschieden sind, gerade dasjenige Gebiet, auf dem -- wie

eingangs dargestellt -- alle Hoffnungen und alle Arbeitskraft und

-lust der führenden Geister am reichsten zusammentreffen. Sollen diese

Hoffnungen und Kräfte nicht scheitern, so müssen sie sich zu einem

Sonderzusammenschluß zusammenfinden, der allen Lebensbedingungen

dieses Kinozweiges Rechnung trägt.

Ich möchte meine Auffassung von der dazu nötigen Organisation in den

folgenden _Hauptsatzungsentwurf_ kleiden, den ich der Beratung aller

Sachverständigen zur Verfügung stelle.

_Hauptsatzungsentwurf für eine Deutsche Erdkundliche

Kinogenossenschaft_

1. Die _Deutsche Erdkundliche Kinogenossenschaft_ ist eine

eingetragene _G.m.b.H._ aller Körperschaften, Firmen und Personen

in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Skandinavien, die an

erdkundlichen Kinoaufnahmen und ihrer sachgemäßen und geschmackvollen

Ausnützung und Vorführung interessiert sind.

2. Die Deutsche Erdkundliche Kinogenossenschaft wird die Gründung

gleichgerichteter Genossenschaften in allen übrigen Erdteilen

anstreben, begünstigen und mit ihnen in Arbeitsgemeinschaft (Kartell)

treten, deren Endziel ein Erdkundlicher Kino-Weltbund ist.

3. Zweck der Deutschen Erdkundlichen Kinogenossenschaft ist:

a) vollendete erdkundliche Kinoaufnahmen zu ermöglichen, dadurch,

daß dem Geist des wissenschaftlichen Fachmanns in Beziehung auf

Gegenstand und Art der Aufnahme die unbedingte Führung eingeräumt

wird;

b) diese Kinoaufnahmen ihren wissenschaftlichen, Unterrichts-,

Volksbildungs-, Unterhaltungs- und Sammlungszwecken in vollkommener

Weise zuzuführen und sie ihnen alle jederzeit zur Verfügung zu halten;

c) sie durch geeignete geschäftliche Organisation wirtschaftlich zu

ermöglichen, auszunützen und die Erträge in einer dem Verdienst und

Interesse aller Beteiligten entsprechenden Weise zu verteilen;

d) sie zum Ausgangs- und Mittelpunkt aller auf Kinogesundung und

-gesunderhaltung gerichteten Bestrebungen zu machen.

4. Zur Erreichung dieses Zweckes dient ein ständiger Arbeitsausschuß,

der zu je einem Drittel aus Vertretern der Wissenschaften, der

Kinofachleute und Geschäftsinteressenten und aus Vertretern von

Schulen und gemeinnützigen Volksbildungskörperschaften besteht. Ihre

Wahl geschieht durch geeignete Gesamtverbände der genannten drei

Interessengruppen.

5. Die Aufgabe dieses Ausschusses ist es:

a) auf Antrag alle erdkundlichen Kinoaufnahmen nebst Begleit- und

Ergänzungsmaterial zu prüfen, zu begutachten und sie, falls sie allen

Sachansprüchen genügen, zu kennzeichnen und in ein allen Interessenten

zugängliches Verzeichnis einzutragen;

b) alle für die öffentliche Vorführung bestimmten

Gesamtvorstellungen oder den Stoff dazu ebenso zu prüfen und die

einwandfreien zu bezeichnen;

c) auf Wunsch geplante derartige Aufnahmen und Vorstellungen vorher

zu begutachten und zu beraten, Mitarbeiter dazu nachzuweisen usw.

d) die Zusammenarbeit der Interessentengruppen zu vermitteln, und in

Streitigkeiten zwischen ihnen zu entscheiden.

6. Für diese Tätigkeit sind für jeden geprüften Film von der

betreffenden Filmverlagsanstalt nach der Filmlänge zu bemessende

Gebühren zu zahlen, deren Höhe durch die Genossenschaft festgesetzt

wird. Von den Gebühren sind die Honorare für die Prüfungsteilnehmer

und die sonstigen Geschäftskosten zu bestreiten. Der Überschuß dient

zur Bildung eines Vermögens, das ausschließlich für eigne

Unternehmungen der Genossenschaft im Sinne ihrer Satzungszwecke

verwendet werden darf und im Auflösungsfalle verwandten gemeinnützigen

oder wissenschaftlichen Bestrebungen anheimfällt.

7. Die Mitglieder der Deutschen Erdkundlichen Kinogenossenschaft

verpflichten sich sämtlich, von der Deutschen Erdkundlichen

Kinogenossenschaft bezeichnete Filme nicht mit andern zugleich und nur

in dem vom Arbeitsausschuß begutachteten Zusammenhange vorzuführen und

als solche zu bezeichnen.

8. Die Deutsche Erdkundliche Kinogenossenschaft gibt ein Verzeichnis

sämtlicher von ihr empfohlener erdkundlicher Filme heraus, das

enthält:

Titel, Ort und Datum der Aufnahme,

die Namen des oder der Aufnehmenden und sonstigen Mitarbeiter und ihre

Tätigkeit,

die Verlagsfirma und den Verbleib des Negativs,

die genaue Beschreibung der einzelnen Szenen nebst Längenangabe usw.,

genaue Angaben des Begleitmaterials (eventuell Geräusch- und

Musikaufnahmen, ergänzende Lichtbilder, Regieangaben, Vortragstext und

dessen Verfasser),

die einzeln zu erhaltenden Teile.

9. Die Negative und ein Positiv der von der Deutschen Erdkundlichen

Kinogenossenschaft empfohlenen erdkundlichen Aufnahmen sollen in einer

einzurichtenden Mittelstelle geordnet aufbewahrt und verwaltet werden.

Interessenten sollen jederzeit die Positive gezeigt und Abzüge auch

nach ältern Negativen sowie abgeschlossenen Teilen davon abgegeben

werden.

10. Von den von der Deutschen Erdkundlichen Kinogenossenschaft

begutachteten erdkundlichen Aufnahmen sollen geschlossene Programme

geschaffen werden, die in den der Deutschen Erdkundlichen

Kinogenossenschaft angeschlossenen Kinotheatern in zu vereinbarender

Weise kreisen werden.

11. Die der Deutschen Erdkundlichen Kinogenossenschaft angeschlossenen

Einzelmitglieder zahlen einen Jahresbeitrag von 1 bis 2 M und haben

dafür Vorzugspreise in den betreffenden Kinovorstellungen und

sonstigen Veranstaltungen.

12. Die der Deutschen Erdkundlichen Kinogenossenschaft angeschlossenen

Körperschaften zahlen je nach Bedarf eine jährlich festzusetzende

Summe zu den Arbeitskosten.

13. Die Deutsche Erdkundliche Kinogenossenschaft wirkt außer durch

ihre Verzeichnisse durch eine eigne Zeitschrift, Zeitungskorrespondenzen

usw. sowie eventuell eigne Veranstaltungen für die geschaffenen

Filme und Programme und für die Bestrebungen der erdkundlichen

Kinoreform überhaupt.

14. Der Deutschen Erdkundlichen Kinogenossenschaft angeschlossen und

mit ihr im Austauschverhältnis wirken ähnliche Genossenschaften für

erdkundliche Schul- und dergleichen Liebhaberkinematographie.

15. Zwecks Verwirklichung dieses Planes wird nach vorangegangener

Besprechung in den Fachblättern aller beteiligten Kreise sowie der

öffentlichen Presse eine Zusammenkunft von bevollmächtigten Vertretern

aller Interessenten zur Gründung der Deutschen Erdkundlichen

Kinogenossenschaft an einem Orte innerhalb der unter 1. genannten

Länder veranstaltet. Die dazu nötigen Vorarbeiten werden durch einen

Geschäftsausschuß der sich Beteiligenden erledigt.

* * * * *

Kino und Erdkunde Lichtbühnen-Bibliothek Nr. 7 · 第 5 / 8 段