Ganz anders als bei den Lichtbildern liegt die Sache auf dem Gebiete

der _erdkundlichen Kinematographie_. Während ein einmal hergestelltes

gutes Lichtbild und Negativ ein »Schatz fürs Leben« ist, ist in der

Kinematographie alles in beständigem Fluß. Die teuren erdkundlichen

Aufnahmen, die oft mit großen Reisekosten usw. hergestellt worden

sind, verlieren ein Vierteljahr nach dem Erscheinen der ersten

Positive jede »Aktualität«, d. h. sie sind in den Augen der

Kinobesitzer und Filmverleihanstalten Ladenhüter. Und nach wenigen

Jahren ist es unwahrscheinlich, daß auch nur das Negativ davon noch

vorhanden ist. Das hat zwei Hauptursachen: erstens die große

Inanspruchnahme auch der Negative durch das Kopieren, wodurch sie nach

einer verhältnismäßig geringen Zahl von Abzügen ebenso »verregnen«

(und dies dann natürlich auf weitere Abzüge übertragen würden) wie

vielgebrauchte Positive. Zweitens aber ist ein Zurückgreifen auf

ältere Aufnahmen, wie mehrmals bemerkt, im Kinogeschäftsorganismus

weder vorgesehen und bequem durchführbar noch gewünscht. Wer

erdkundliche Kinofilme unter gegenwärtigen Umständen benutzen will,

hat dazu also im Grunde nur _einen_ Weg: er lasse sich die Prospekte

über die wöchentlichen Neuerscheinungen regelmäßig zusenden, fahre,

wenn etwas ihn interessiert, zum angegebenen Zeitpunkt nach Berlin,

lasse es sich dort zeigen und kaufe es gegebenenfalls, um es dann so

lange liegen zu lassen, bis der Zeitpunkt des Gebrauches kommt.

Selbst in den Fabriken gibt es begreiflicherweise keine Positive, es

sei denn, daß einmal zufällig eins liegen geblieben ist -- welches

Kapital würde sonst in solchem bloßen Vorführungsmaterial tot liegen!

Erst eine Organisation, wie ich sie beschrieben habe, kann bei

geregeltem Filmkauf durch Reforminteressenten da Wandel bringen.

Vollkommen verfehlt ist natürlich auch der Glaube, dem man in

dilettantischen Reformkreisen so oft begegnet, daß Kinotheater und

Filmverleihanstalten -- von vereinzelten zufälligen Ausnahmen

abgesehen -- gute Einzelbilder für gute Worte oder Geld abgeben

könnten. Wenn eine Verleihanstalt oder ein Kinotheater selbst

erdkundliche Filme kauft, so werden diese natürlich sofort einem der

üblichen Gesamt-Programme eingefügt und machen mit diesem die Runde

durch die darauf abonnierten Kinotheater. Daß sie während dieser Zeit

nicht willkürlich herausgenommen werden können, leuchtet ein, und

ebenso, daß sie, wenn sie frei werden, eben »ausrangiert«

sind, d. h. in einem Zustande, in dem sie nur eben noch für --

»Kinoreform«vorstellungen gut sind (?). -- Der Ankauf einzelner Filme

ist aber ebenfalls eine praktisch für den einzelnen kaum durchführbare

Sache. Wer unsere Vortrags- und Vereinsverhältnisse kennt, weiß, daß

es kaum durchführbar ist, ein eventuell in die Tausende gehendes

Kapital in ein einzelnes Programm zu stecken, zumal die Vorführung

dann noch jedesmal bedeutende besondere Kosten verursacht. Da sind als

für Vereine, Schulen, einzelne Redner usw. einstweilen rettender

Ausweg die _Kinoreformverleihinstitute_ willkommen. Das sind

Verleihanstalten, die ausschließlich Kinoreformbedürfnissen dienen

wollen. Da diese Bedürfnisse aber wenigstens einstweilen noch

geschäftlich kaum ins Gewicht fallen, auch die ganze Einrichtung immer

noch einen nur vorläufigen Ausweg darstellt, so liegt diese Art von

Filmverleih zurzeit fast ausschließlich in den Händen gemeinnützig

arbeitender Volksbildungsvereine. Von diesen sind mir drei bekannt

geworden.

1. Die _Gesellschaft zur Verbreitung von Volksbildung_, Berlin NW 52

(siehe oben), hat neben ihrem Lichtbilderdienst auch eine Verleihung

von kinematographischen Apparaten und Filmen eingerichtet. Außerhalb

Berlins und der Vororte werden die Apparate in der Regel nur behufs

Vorführung durch einen eignen Monteur der Gesellschaft verliehen. Die

Verleihung erfolgt nur an Mitglieder der Gesellschaft (Schulen,

Behörden, Vereine, Reformkinos usw.). Das Verzeichnis weist 31 eigne,

daher sofort verleihbare Filme auf, freilich nur wenig erdkundliche.

Es ist jedoch eine bedeutende Summe für den Ausbau dieses Unternehmens

eingestellt worden. Es werden nur je etwa 1000, gewöhnlich 2000 m

zusammen verliehen. Außerdem vermittelt die Gesellschaft aber auch

das Leihen von andern Filmen. (Ich möchte hier die Bemerkung einfügen,

daß juristisch nach Hellwig nicht von einem »Leihen«, sondern

»Pachten« der Filme gesprochen werden muß.) Ich würde außerdem

Programme, die allein 1000 oder gar 2000 m Filme umfassen, für viel

zu lang halten. Ich gehe dabei von der meines Erachtens aber schon

allgemein anerkannten Auffassung aus, daß 1. Filme nur in Verbindung

mit Lichtbildern und Vortrag vorführbar sind (so zeigen es auch die

neuen Programmbeispiele der Gesellschaft zur Verbreitung von

Volksbildung), 2. der Vortrag nicht während der Filmvorführung,

sondern nur dazwischen stattfinden darf. Auf diese Weise dauert mit

den unentbehrlichen Pausen ein Programm mit etwa 800 m schon reichlich

2 Stunden. Außerdem stellt die Gesellschaft ihren Mitgliedern ein

»_Wanderkino_« zur Verfügung, das Apparate, Filme und Lichtbilder

(ganze Programme), zwei Vorführungen täglich (eine mit Lichtbildern)

und Erläuterungen umfaßt. Für die Filme werden Aufnahmen mit

Farbenphotographie bevorzugt (darunter sind wohl kolorierte Filme zu

verstehen). -- In ähnlicher Weise versorgt

2. _die Süddeutsche Lichtbilderzentrale München_ (siehe oben)

die ihr angeschlossenen Vereine mit fertig zusammengestellten

»Volksbildungsabenden«, die Lichtbilder, Filme, Vortrag, Gedichte,

Lieder u. a. umfassen (Wanderkino). Die mir mitgeteilten Programme

machen einen sehr ansprechenden und geschmackvollen Eindruck.

3. Bei weitem die meisten Filme dieser Art (schätzungsweise 500, nebst

101 fertigen Programmen), darunter eine große Menge erdkundliche und

andere naturwissenschaftliche, hält die _Lichtbilderei_ GmbH.,

M._Gladbach_ (siehe oben), bereit, und ihr Verleihsystem ist wohl auch

das beweglichste, das sich daher den Bedürfnissen von Schulen,

Bildungsvereinen, Reformkinos usw. am meisten anpassen läßt. (Kataloge

»Belehrende Filme für Schule und Volk« -- »Belehrende Programme für

Volk und Schule«.) Da die Lichtbilderei auch eine Verleihanstalt für

Kinos selbst hat (die natürlich nur, wenn auch mit Zugeständnissen an

manche Vorurteile des Kinobesitzerdurchschnitts, sittlich einwandfreie

und geschmacklich diskutable Programme liefert), so ist sie in der

Lage, der Reformsache bedeutende Opfer zu bringen. Wer also für

einzelne Vorträge und Veranstaltungen einigermaßen frei wählen will

(im allgemeinen können natürlich auch hier nicht Filmteile, sondern

nur ganze Filme abgegeben werden), der findet hier am ehesten, und

zwar zu sehr billigen Bedingungen, was er braucht.

Die Lichtbilderei ist aber auch im Begriffe, die weitern in dieser

Schrift geforderten Verbesserungen zu organisieren, indem sie

aktuelle, vollständig ausgearbeitete Reformprogramme -- freilich nicht

nur erdkundliche, sondern von jedem rechtmäßigen Gebiete der

Kinematographie -- gebrauchsfertig mit allem Zubehör (Filme,

Lichtbilder, Texte, Musik, ausführliche Vorführungsanweisungen usw.)

_unmittelbar für den geschäftlichen Turnus in Kinotheatern

bereitstellt_. Die Ausarbeitung dieser Programme liegt in meiner Hand

(_Reformprogramme Häfker_). Damit ist der wesentliche Schritt zur

Verpflanzung wirklicher Kinoreform in die Kinotheater getan, _wohin

sie gehört_ -- denn alle Versuche außerhalb dieser Theater sind,

abgesehen von der Unterrichtskinematographie, ja doch nur Anregungen

und Versuche, die stets zu einer gewissen Unvollkommenheit verurteilt,

mindestens auf die Dauer ohne große Opfer nicht durchführbar sind.

Bestrebungen, den Kinotheatern und namentlich den Schulen ganze

Programme und einzelne Filme zugänglich zu machen, werden auch vom

Rektor _Lemke_, Storckow (Mark) nicht ohne Sachkenntnis und

praktischen Blick vertreten. Es würde mich zu weit über den Gegenstand

dieser Schrift hinausführen, diese Bewegung eingehend zu besprechen;

dies geschieht an anderer Stelle. Vorläufig ist auch hier sowohl dem

Rektor _Lemke_ wie der Firma _Pathé Frères_ gegenüber (mit der er in

engem Zusammenhange steht) _Vorsicht_ anzuraten, da die

kinoreformerischen Zugeständnisse von dieser Seite mit viel Phrasen,

abzulehnenden Geschäftsinteressen und -- besonders von Pathé Frères --

mit dem Bestreben verbunden sind, andere, ernster zu nehmende und

gründlichere Kinoreformarbeit zu hintertreiben. So willkommen und

erfreulich selbstverständlich gerade die Zugeständnisse

leistungsfähiger Firmen an die Sache der Kinoreform sind, so unbedingt

ist doch dem Laien zur Überlegung zu empfehlen, was mir kürzlich

eine besonders der Förderung der wissenschaftlichen und

Schulkinematographie dienende, ernstzunehmende Zeitschrift

schrieb: »Es macht so den Anschein, als ob sich unter dem Titel

wissenschaftlicher Film manches verbergen würde, was, unter der Lupe

besehen, sich als etwas ganz anderes entpuppt. Leider ist es nun mal

so, daß große Firmen nur einen redegewandten Reiseschriftsteller oder

Reisevertreter zu harmlosen Schulmännern zu schicken brauchen, um

alsbald mit einem an schönen Phrasen überreichen Empfehlungsschreiben

dieser Herren tüchtig Reklame zu machen. Solche Fälle lassen sich

mehrere aufzählen.« Das kann ich nur Wort für Wort bestätigen und füge

hinzu, daß verantwortungsloser und launischer Kinoreformdilettantismus

der Sache mehr geschadet hat als die gesamte Schundproduktion gewisser

Firmen.

Firmen, die erdkundliche Filme im weitern Sinne des Wortes regelmäßig

in die Welt senden, sind u. a. _Urban_ (London), _Eclipse_ (Paris),

_Cines_ (Rom), _Raleigh & Robert_ (Paris), _Edison_ (Amerika), _Pathé

Frères_ (Paris), _Eclair_ (Paris), _Gaumont_ (Paris), _Neue

Photographische Gesellschaft_ (Berlin), _Meßters Projektion_ (Berlin),

_Expreß-Films_ (Freiburg i. B.). Alle diese Firmen haben (außer

Expreß?) ihre deutschen Vertretungen und Filialen in Berlin, zum Teil

auch in andern deutschen Städten. Die meisten bringen etwa als ein

Achtel ihrer Wochenproduktion »aktuelle« (d. h. nicht »gestellte«)

Filme, darunter naturgemäß viele geographische. Besondere (englische

und französische) Kataloge darüber -- die aber nicht dauernd

maßgeblich sind -- bringen u. a. die Firmen _Urban_, _Eclipse_,

_Radios_ gemeinsam heraus. Einen deutschen Auszug daraus erhält man

von der Firma Eclipse (Berlin). Von den andern lasse man sich die

regelmäßigen Prospekte schicken. Besondere Mitteilungen machten mir

die folgenden Firmen:

1. _Expreß-Films-Co._, GmbH., _Freiburg i. B._ Redaktion und Verlag

»Der Tag im Film«, erste und älteste internationale _tägliche_

kinematographische Berichterstattung. -- Diese Firma fertigt _nur_

Naturaufnahmen und »Aktualitäten« (wissenschaftliche Filme, Militär,

Industrie, Sportbilder usw.) und hat besondere Expeditionen dazu teils

ausgerüstet, teils ausgesandt. Abzüge von allen bisher erschienenen

erdkundlichen Filmen werden an Händler (nur? -- warum?) unverbindlich

für 80 Pf. für das Meter verkauft. Begleittexte usw. und Material dazu

werden stets an Ort und Stelle gesammelt. Intelligente geeignete Leute

werden in Kursen zu Aufnahmeoperateuren ausgebildet. Besonders

wertvoll sind natürlich die Expeditionsbilder, von denen die Firma

folgende Liste aufstellt:

_Expeditionsbilder_

Eine Reise quer durch Afrika.

Eine Reise durch Indien.

Eine Reise in die arktischen Regionen.

Die deutsche arktische Zeppelin-Luftschiff-Studienreise

1910 nach Spitzbergen unter Leitung Sr. Kgl. Hoheit

Prinz Heinrich von Preußen und Sr. Exzellenz Graf v.

Zeppelin.

Die Besteigung des Himalaja durch Se. Kgl. Hoheit den

Herzog der Abruzzen, Welthöhenrekord 7493 m.

Die Molukken-Expedition der Herren Dr. Deninger und Dr.

Tauern.

Die Expedition des Herrn Dr. Koch (Grünberg) nach dem

Quellgebiet des Amazonenstromes.

Die schweizerische Grönland-Expedition des Herrn Dr. A.

de Quervain.

Die deutsche Hilfsexpedition Lerner nach Spitzbergen

zur Auffindung der Schröder-Strantz-Expedition.

Die offizielle Reise Sr. Kgl. Hoheit des Kronprinzen

von Griechenland in die eroberten Gebiete.

»Mit der Kamera in der Schlachtfront«, Aufnahmen vom

griechisch-bulgarischen Krieg, welche unsere Reporter

auf Befehl Sr. Majestät des Königs von Griechenland

aufgenommen haben usw. usw.

Auch sonst weisen die Listen eine Fülle geographischer Aufnahmen auf.

Es ist hier wie überall zu berücksichtigen, daß die internationalen

Firmen auch Aufnahmen untereinander austauschen oder sie gegenseitig

für bestimmte Länder unter ihre geschäftlichen Fittiche nehmen.

Besonders interessant ist die Bemerkung der Firma: »_In Deutschland

ist für belehrende Filme großer Rückschritt zu verzeichnen, in England

und Amerika großer Fortschritt._«

Diese -- auch sonst bestätigte -- Bemerkung überrascht mich durchaus

nicht. Die Ursachen sind zum Teil aus dieser meiner Schrift zu

ersehen. Wir Deutschen unterscheiden uns von andern Völkern dadurch,

daß wir, besonders wo »Wissenschaft« und »Bildung« in Betracht kommen,

entweder gründlich mittun wollen oder gar nicht. Wenig Völker stehen

auf solcher Höhe wissenschaftlicher, keines auf solcher Höhe

pädagogischer und volkserzieherischer Gewissenhaftigkeit wie das

deutsche; niemand kann sich nach Feinheit und Durchgeistigung der

Lehrmethoden, niemand nach dem Stande _allgemeiner_ bewußter

ästhetischer Volkskultur mit uns messen. Das führt gewiß einerseits

auch gerade in Deutschland zu unliebsamen Erscheinungen: Pedanterie,

Trockenheit, »Schulmeisterei«, beflissene Vielgeschäftigkeit,

Übersehen des Wesentlichen und Hängenbleiben in Kleinigkeitskrämerei,

weltfremder »Idealismus«. Gewiß, solche Nebenerscheinungen auch in der

Kinoreform selbst haben viel dazu beigetragen, die Jugend und das Volk

von »Reform«programmen eher abzuschrecken. Das Beiwort »belehrend«

mußte durch solchen Zusammenhang einen unangenehmen Beigeschmack

bekommen. Ebenso wie mit Worten wie »Bildung« und »Gebildete« bei uns

viel Mißbrauch getrieben wird. (Es ist bezeichnend, daß andere

Sprachen überhaupt keine Bezeichnung für diesen Begriff haben.) So

kommt es wohl, daß die Massen anderswo -- zumal wo, wie in Frankreich,

England, Amerika, ein frischerer internationaler Wind, mehr Odem vom

Weltmeer, weht als leider immer noch bei uns, geographische,

ethnographische usw. Bilder leichter und lieber aufgenommen werden.

Man nimmt sie eben hin, wie sie sind, empfindet sie gar nicht als

besonders »belehrend«, denkt sich nicht viel dabei und macht noch

weniger Ansprüche. Wenn uns Deutschen das Spielzeug gefallen soll, so

muß es solider und namentlich feiner ausgeführt sein. Das Bessere --

wovon wir infolge unserer verhältnismäßig hohen allgemeinen

Volksbildung doch mindestens ein Gefühl in uns tragen -- ist hier der

Feind auch des »Guten«. Das bloße Gaffen befriedigt uns nicht, wir

wollen auch für den Geist was haben. In Deutschland wird die

erdkundliche Geographie nicht eher durchdringen, als bis sie in dem

Geiste, dem ich in dieser und meiner vorigen Schrift Ausdruck gegeben

habe, durchgeführt ist. Filme allein, und wenn sie noch so gut sind,

sind nur -- Rohstoff.

2. =Société des Etablissements _Gaumont_=, _Paris, Deutsche

Gaumont-Gesellschaft m.b.H., Berlin_. Bringt jede Woche ein bis zwei

erdkundliche Filme heraus. Ältere Aufnahmen können nur nach Katalog

hergestellt werden. _Teile_ von Negativen werden nicht kopiert.

Erdkundliche Aufnahmen wurden unter Mitwirkung von Gelehrten, Lehrern

und Forschungsreisenden, solche für Schulzwecke unter Aufsicht eines

Pädagogen gemacht. »Der sprechende Film Gaumont« ist meines Wissens

nur eine neue Synchronvorrichtung, die für erdkundliche Aufnahmen

nicht in Betracht kommt; doch wurde u. a. ein krähender Hahn damit

gezeigt. Die Firma rühmt sich auch, »_eine komplette Lösung der

Naturfarbenkinematographie_« gefunden zu haben. Die Erfindung, die

Kinemacolor übertreffen soll, wird von der Presse sehr gelobt. Von

Gaumont wurden u. a. die Südpolaufnahmen der Expeditionen Shackleton

und Scott gemacht. »Wir hoffen, daß die Schulen endlich einsehen

werden, welche materiellen Opfer die großen Filmfabriken im Interesse

der Schulkinematographie bringen.« Es liegt im Interesse dieser

Filmfabriken, daß sie der Organisation einer Filmmesse usw., wie ich

sie vorgeschlagen habe, ebenso wie andern Bestrebungen zur

_Verwirklichung_ von Reformbestrebungen nicht wie bisher

Gleichgültigkeit entgegenbringen oder gar Schwierigkeiten machen. Nur

wenn Naturfilme in einem Zustande, der allen Ansprüchen entspricht, in

den Verkehr kommen, wird ihre Herstellung für die Fabriken nicht mehr

ein _Opfer_ sein.

3. Die Firma _Meßters Projektion_ GmbH., _Berlin_ S 61, erzeugt etwa

20 v. H. erdkundliche Aufnahmen, darunter solche von Prof. C. H.

Schillings (Berlin), Prof. Dr. Neuhaus, Prof. Dr. Bockenheimer, Sr.

Hoheit Herzog Adolf Friedrich von Mecklenburg, Marinemaler Rave

(Schröder-Strantz-Expedition). Hat auch Aufnahmen eigens für

Schulzwecke gemacht. Auf Begleittexte, Material dazu usw. hat die

Firma keinen Wert gelegt. Baut auch besondere Apparate für Schule und

Liebhaberzwecke, für Expeditionen (leichtes Gewicht usw.); u. a.

einen Apparat, mittels dessen auf einen Film oder Reihen Bilder

nebeneinander genommen werden können. »Wir halten die Bestrebung,

naturwissenschaftliche Filme zu machen, durch den Mangel an Käufern

für solche Bilder für nicht rentabel.«

4. Die _Neue Photographische Gesellschaft_ A.-G., _Berlin-Steglitz_,

deutsche Vertretung für wissenschaftliche Filme: _Gesellschaft für

wissenschaftliche Filme und Diapositive_ GmbH., _Berlin, Wilhelmstr.

1a_, bringt außer andern naturwissenschaftlichen Filmen auch

erdkundliche (allgemeine und astronomische Geographie, Aufnahmen von

Meeresstürmen in der biologischen Anstalt in Helgoland unter Leitung

von Prof. Dr. Berndt, aus der Folge »Aus dem Leben des Meeres«).

Unter den Aufnehmenden Herr G. N. Mendel, der sich viel mit

naturwissenschaftlichen Studien beschäftigt hat. »Wir halten es für

angebracht, daß die Schule sich mit den Kinobesitzern in Verbindung

setzt derart, daß die Kinobesitzer wöchentlich oder zweimal

wöchentlich wissenschaftliche Kinovorstellungen unter Leitung der

Schule zu billigern Preisen abgeben.«

Aus sonst eingelaufenen Antworten auf unsere Fragebogen ist --

abgesehen von Verneinungen sämtlicher Fragen und Antwortablehnungen --

hervorzuheben: eine »Klasse für sich« sind Institute wie die

»_Urania_« sowie die »_Treptower Sternwarte_« in Berlin, die auch die

Kinematographie in den Dienst ihrer volksbildenden Tätigkeit gestellt

haben. Die »Treptower Sternwarte« (Dir. Archenhold) berichtet,

trotzdem die Programme nur »belehrend« sind, daß die Vorträge,

namentlich auch die Sondervorstellungen vor Vereinen, großen Beifall

finden.

Prof. Dr. _Karl Sapper_ vom _Geographischen Seminar_ der Universität

Straßburg i. E. schreibt: »Kinematographische Vorführungen haben wir

hier noch nicht gemacht, weil die Möglichkeit fehlt; ich würde sie

aber in der Völkerkunde, Wirtschafts- und Verkehrsgeographie, auch

physischen Erdkunde für sehr instruktiv halten (bei geeigneter

Auswahl).«

In _Altenburg_ (Sachsen-Altenburg) ist die Schulbehörde dabei, eine

Sammlung erdkundlicher Filme zu beschaffen.

Die _Industrielle Gesellschaft Mülhausen i. E._ hat mit

zufriedenstellendem Erfolge erdkundliche Filme für wissenschaftliche

und populäre Vorträge benutzt, »nur ist es noch schwierig, geeignete

Filme leihweise zu erhalten«.

Das _Institut für Zuckerindustrie_ der Landwirtschaftlichen

Hochschule, _Berlin_ N 65, hat einen Film über Zuckerrübenkultur

in Arbeit und besitzt Filme über Ahornzuckerfabrikation,

Zuckerrohrfabrikation, Champagnerfabrikation. Die Haltbarkeit der

Filme ist gut. Die Aufbewahrung findet im kühlen, feuchten Raum statt.

Verliehen werden Filme und Diapositive nicht.

Manchen weitern Beitrag zum Thema sowie Nachweise usw. enthält

_Sellmann_, »Kino und Schule« (Lichtbühnen-Bibliothek Nr. 6);

pädagogisch besser als »kinematologisch« ist _Knospe_, »Der

Kinematograph im Dienste der Schule«, unter besonderer Berücksichtigung

des erdkundlichen Unterrichts. Manchen guten Gedanken neben manchem

oberflächlichem enthalten die Schriften von _Lemke_, auch in dessen

Zeitschrift »_Lichtbildkunst_« findet sich Brauchbares; es ist aber zu

beachten, daß hier überall das Bild durch geschäftliche Interessen

getrübt und »einseitig koloriert« ist. Wer in der Angelegenheit der

Nutzung der Kinetographie für Schule, Wissenschaft, Volksbildung und

Kinoreform auf dem laufenden bleiben will, halte sich an die

ernstzunehmenden Zeitschriften »_Bild und Film_«, Zeitschrift für

Lichtbilderei und Kinematographie, Verlag der Lichtbilderei

M._Gladbach_ (das einzige Fachblatt, das ausschließlich von

allgemeinen Gesichtspunkten ausgehend ernster Kinoreform dient), und

»_Film und Lichtbild_« _Stuttgart_, das derselben Sache ebenso

ernsthaft besonders vom Interesse der Wissenschaft und Schule aus

nachgeht.

Sachregister

Abruzzen, Herzog der 71

Adolf Friedrich von Mecklenburg 73

Afrika 71

»Aktualität« s. Tagesinteresse

Altenburg 74

Amazonas 71

Amerika 72

Anschauung und Begriffe 11 16 25 42

Anschauungsmittel 11 12 f

Anschauungsunterricht 42

Apparate 31 74

Archenhold 74

Ästhetik 6 34 f

»Ästhetische Kultur« 17 18/19

Aufnahmen 33

-- Organisation 41 59

Aussprache 40

Begleitnotizen, Schema 38

Berndt 74

Besiedlungswesen 51

Bewegungseinheiten 36

»Bild und Film« 75

Bockenheimer 73

»Buch vom Kino« (= »Kino und Laien«) 6

Cines 70

Darstellungsmittel, erdkundliche 9 10 ff

Deninger 71

»Deutsche Erdkundliche Kinogenossenschaft« 55

Deutsche Filmerzeugung 59 71 f

Deutschland in der Kinematographie 50

-- Interesse an erdkundlichen Filmen 72 f

Eclair 70

Eclipse 28 70

Edison (Filmfirma) 70

England 72

Erdgeschichte 8 28 33

Erdkunde, Wesen 6

Erläuterungen 20 25

Erläuterungsstoff 37 ff 56

Ethnologie s. Völkerkunde

Evangelischer Verein für kirchliche Zwecke 65

Expreß-Films 71 f

Fahrrad 11 f

Farben 18 22 40 73

Film, Format usw. 31

»Film und Lichtbild« 75

Filmarchive 29 33

Filmbeschreibungen 37

Filmfirmen 4 70 ff

Filmmarkt 47 64 ff 67

Filmprüfungen 56 60

Forschung, erdkundliche 28

Forschungsreisen 30

»Freiluftbildung« 42

Fremdenverkehrsvereine 59

Friedensbewegung 9

Fujijama 28

Gaumont 70 73

Geiser 28

Geographie s. Erdkunde

Geographisches Seminar Straßburg 74

Geologie 8 33

Geräusche 18 20 f 40

Gesellschaft für Verbreitung von Volksbildung 66 68

Gesellschaft für wirtschaftliche Ausbildung 67

Gesellschaft für wissenschaftliche Filme und Diapositive 74

Gezeiten 30

Gilgamesch 9 10

Gletscher 30 33

Grammophon s. Phonograph

Graystone Bird 65

Griechenland 72

Grönland 71

Handel 9

Hedin 9

Heimatkenntnis 4 7 43 51

Heimatschutz 29 51

-- (Stiftung) 67

Heinrich, Prinz von Preußen 71

Hellwig 69

Hentschel 65

Himalaja 71

Jerusalem 38

»Illusion« 16

Indien 71

Industrie 9 59

Industrie-Gesellschaft Mülhausen i. E. 74

Institut für Zuckerindustrie 74

Kanada 50

Kinemacolor 23

Kinematographie, Wesen 3/4

-- und Erdkunde 13 16

-- Grenzen und Mängel 16

-- Mißbrauch 17

»Kinetographie« 19

Kino und Kunst 6 17 31 33 34 47

»Kino und Laien« s. »Buch vom Kino«

»Kino und Schule« (Sellmann) 46 75

Kinokritik

Kinoreform 3 4 5 48 52/53 54 ff 58

Kinotheater 4 32

-- und Schule 44 47 ff 52 57 70 74

Knospe 75

Koch (Grünberg) 71

Körperlichkeit (Plastik) 18 23

Kolonien 51 59

Kosten 32 60 usw.

Kriegsdarstellungen 49 72

Kunst und Künstler 4 5 14

-- im Kino 5 18

Künstliche Aufnahmen 30

Laien 4 5 53

Landschaftsmalerei 9

Landwirtschaft 4 50 59

Lemke 70 75

»Lichtbild und Kinotechnik« (Liesegang) 31

Lichtbilder 15 26 f 65

Lichtbilderei GmbH. 65 69

Lichtbilderverleihung 65 f

»Lichtbildkunst« 75

Lichtbühnen-Bibliothek 12

Liebhaberaufnahmen 6 31

Literatur 75

Luftschiffahrt 11

Meer 8 15 30 74

Menschenerdkunde 8 29 35

Messungen, kinematographische 12 30

Meßter 71 73

Meteorologie s. Wetterkunde

Missionen 41

Molukken 71

Musik 24 40

Naturfarbenkinematographie 23 73

Naturschutz 9 29 51

Naturschutzpark (Verein) 67

Negative, Aufbewahrung 61

Nervenbeanspruchung 17/18

Neue Photographische Gesellschaft 66 70 74

Neuhaus 73

Neu-Seeland 28 38

Odysseus 9

»Operateure« 40

Organisation 48 54

Organisationsreform s. Zusammenschluß

Paasche 29

Palästina 37

Panoramaaufnahmen 24

Panoramen (Schaustellungen) 48

Pathé-Frères 70

Perspektive s. Tiefenwirkung

Pflanzengeographie 8

Phonograph 20 22

Phonographie 14 15

Photographie 14 15

Polforschung 9 71 73

Politik 50 59

»Poloptical Institute« 48

Presse 5 57

Programme 49 52/53 57 62

Projektionsbildermesse 64

Propaganda, politische, wirtschaftliche 50

»Prospekte« (Zeichnungen) 14

Querbewegungen 18

Quervain 71

Kino und Erdkunde Lichtbühnen-Bibliothek Nr. 7 · 第 7 / 8 段