(+Bild+: wie beim ersten Aufzug. Am Gartentisch sitzt
+Lise+ mit dem noch immer maskierten +Bergrat+; Beide
klatschen mit den Händen den Takt des Liedes. Sie hat den Schleier
zurückgeschlagen, und ihr Wünschelstab steht an die Haustür
gelehnt. Es ist noch erstes Morgengrauen; später wird der Himmel
hinter den Bäumen heller und färbt sich schließlich mit goldner
Röte.)
+Lise+
(singt weiter):
Klapp klapp, sie lädt dich ein zum Tanz;
nur hol erst deinen goldnen Kranz,
Trab Trab!
Wer zu ihr will, muß früh aufstehn;
wer’s tut, dem patscht sie auf die Zehn,
schwapp!
+Der Bergrat+
(ihre Hände fassend):
Schwapp, gefangen! Jetzt fordr’ich Lösegeld.
+Lise+:
Das kann doch keiner zahlen, dem man die Hand festhält?
+Der Bergrat+
(sie freigebend):
Ach, Fräulein Lise: wirklich: Sie machen mich rein zum Kind.
Sie tun ja viel stachliger, als Sie sind.
+Lise+:
So? Wie bin ich denn?
+Der Bergrat+:
Sie sind so zum küssen nett,
so wie Dornröschen in ihrem moosgrünen Bett,
als endlich der Ritter kam und sie nannten sich Du --
+Lise+:
Halt, Herr Ritter: so spornstreichs gehts nur im Märchen zu.
+Der Bergrat+:
Aber ich bitte doch schon die ganze Nacht so heiß
wie ein Glühwurm, Schatz!
+Lise+:
Herr Glühwurm, erst für den Schatz den Preis!
+Der Bergrat+:
Aber Kind, du liegst ja wie’n Füchslein danach auf der Lauer.
+Lise+:
Ja, Herr Fuchs; sonst bleiben die Trauben sauer.
+Der Bergrat+:
Liebes Fräulein Lise: hier, bitte, sehn Sie mein ehrlich Gesicht!
(Er will sich die Maske abnehmen.)
+Lise+
(ihn nasenstübernd):
Nein, lieber nicht.
Ich finde die meisten Herren maskiert viel netter.
+Der Bergrat+:
Alle Wetter! --
Ja aber, du Satansmädel:
was spukt dir im Schädel!
solch Grundstück ist doch kein Puppenlappen!
+Lise+:
Ja aber, Herr Satan, ich bin doch auch ein recht schmucker Happen.
+Der Bergrat+:
Und blos, weil der -- Vormund das Haus behalten soll?
+Lise+:
Was dachten +Sie+ denn?
+Der Bergrat+:
Mädel, mach mich nicht toll!
Sag, wo hast du den Schlüssel?!
+Lise+:
Nein wahrhaftig, den haben die Raben;
ich muß ihn im Stadtpark verloren haben.
+Der Bergrat+:
Liebes goldnes Mädel, ich hüll dich in Sammt und Seide!
+Lise+:
Lieber toller Herr Bergrat: bitte, drei Schritt vom Kleide!
Sonst zieh ich gleich wieder den schwarzen Schleier vor
und stopf mir moosgrüne Watte ins Ohr.
+Der Bergrat+
(das Vertragspapier aus der Brusttasche nehmend und entfaltend):
Nun -- dann hier, Fräulein Lise. Der Fuchs ist zwar manchmal ein
Dieb,
aber immer ein Ritter.
+Lise+:
O, +das+ -- nein, ist +das+ aber lieb!
Nein wirklich: das ist einfach lieb von Ihnen!
+Der Bergrat+:
Und die Trauben?
+Lise+:
Oh -- die werden vielleicht noch Rosinen.
Hier schenk ich Ihnen meinen aller-aller-unsauersten Kuß.
(Sie küßt ihm die Hand und springt rasch weg; steckt das
Vertragspapier dann ins Mieder.)
+Der Bergrat+:
Das war aber ein sehr, sehr vormundhafter Genuß.
(Auf ihr Mieder deutend):
Darf ich nicht wenigstens beim Verschluß der Schatzkammer helfen?
+Lise+:
Nein, das dürfen vorläufig nur im Mondschein die Elfen.
+Der Bergrat+:
Ach, liebstes Fräulein Lise, sein Sie doch gut zu mir!
+Lise+: