+Eulenspiegel+:
So erfahre: des Michels Seele ist unauslöschlich entbrannt
von all und jeder Machtsehnsucht Himmels und der Erden,
heute Nacht soll sein Hauptwunsch entschieden werden.
Du hast eine Flamme in seinem Blut angefacht,
die hat all sein junges Hirn in Rausch und Aufruhr gebracht;
nun kennt er sich selbst kaum vor lauter hochfliegenden Brünsten.
Drum, erlauchte Göttin, dank deinen Zauberkünsten,
sind die andern unsterblichen Hauptpersonen,
die seit Alters in seiner Geisterwelt wohnen,
aus ihrer gottseligen Ruhe (_klappt mit der Pritsche_) jählings
mitaufgeschreckt ----
und als der stärkste von seinen Schutzgeistern streckt
der Kyffhäuserherr die gepanzerte Faust dir entgegen:
Wenn du ebenso mächtig bist wie verwegen,
mögest du ehrlichen Wettstreit mit ihm pflegen
um des Michel Michaels wahres Seelenheil.
Desgleichen mit mir für mein bescheiden Teil;
du wirst es nicht weigern, erlauben wir uns zu hoffen.
+Frau Venus+:
Mein Reich steht allen Geistern, starken und schwachen, offen.
+Eulenspiegel+:
Ja, Gnädigste: offen wie ein Grab.
Und dein zauberkräftiger Wünschelstab
glänzt empor über deine dunkeln Schleierfalten
wie ein Irrsternschweif nach zwei Seiten gespalten,
indessen die Weltküglein an den beiden Spitzen
gar nach jeglicher Windrichtung drehbar blitzen.
Ich seh’s, Vielgewandte, trotz unsern verhüllten Mienen;
denn auch ich verstehe, Herrin, zweeen Welten zu dienen.
+Frau Venus+:
So schwör ich bei diesem einen unlöslichen Ringe,
kraft dessen mein Szepter die zwiegespaltene Schwinge
der immer wieder sich verjüngenden Welt
in der Schwebe hält:
du nahst ungefährdet meinen vulkanischen Quellen.
+Eulenspiegel+:
Und meine Begleitung?
+Frau Venus+:
Ist gefeit wie du vor den feuerbrünstigen Wellen.
+Eulenspiegel+
(tritt dem Thron etwas näher und klappt mit der Pritsche):
Wohlan, edle Hexe! du siehst, wie stracks wir uns stellen.
(Zugleich sind der +Rotbart+ von links und +Eckart+
von rechts aus den Pfeilergängen getreten, Beide noch immer mit
vermummten Gesichtern.)
+Frau Venus+
(auffahrend):
Ah, Schalk! du verkündetest mir der Wettkämpen zwei!
jetzt seid ihr drei? -- (_Wieder ruhig sich setzend_:)
Nun, Eckart: du warst von jeher ein Schleichwegverfechter.
+Eckart+:
Ich war von jeher, Frau Venus, dein treuster Torwächter.
Ich tue nichts wider dich, als am Eingang des Hörselbergs warnen;
wer der Warnung trotzt, den magst du getrost umgarnen.
+Eulenspiegel+:
Und selbst für Göttinnen bleibt’s doch ein Akt der Huldigung immer,
wenn sich drei Mannsleute mühn um ein Frauenzimmer.
Sieh da, du lächelst! dein ganzer Schleier lacht!
+Frau Venus+:
Vor Dir, Eulenspiegel, hat wohl mein Ernst keine Macht.
Und auch den Rotbart wird schwerlich ein trauerndes Weibsbild
rühren.
+Der Rotbart+:
Hoh, Huldin, wir hoffen noch innigst Eure Trauer zu spüren,
wenn erst der Michel von uns Selbstbeherrschung annimmt.
Inzwischen freilich sind wir herzlich wenig gestimmt,
christliche Stufen zu Euerm heidnischen Thronsitz zu hobeln.
+Eulenspiegel+:
Also kurz und gut: ich schlage vor, sein Seelenheil auszuknobeln.
(Er holt den Würfelbecher aus der Tasche und schüttelt ihn.)