Ja, ich meine auch --

+Michel+:

wie??

+Der schwarze Karl+:

das heißt, natürlich nur so im Allgemeinen;

die bösesten Weibsbilder sind, die die besten scheinen.

So zum Beispiel der Bergrat und die Frau Bürgermeistern.

Da hilft kein Vertuschen mehr, kein Verkleistern;

rein schon öffentlich tut sie’s ja mit ihm treiben.

+Michel+:

Meinethalben! Man soll mir mit Stadtklatsch vom Halse bleiben!

+Der Kaplan+:

Wohlgesprochen, mein Sohn. Jedoch, in dem städtischen Sündenschwarm

braucht der Mensch eines Schutzpatrons starken Arm;

du hast ihn schon lange nicht mehr im Beichtstuhl erprobt.

Wirst hoffentlich trotzdem, wenn nun die Wahlschlacht tobt,

wissen den rechten Schild hochzuhalten.

+Michel+

(aufstehend):

Zu Gnaden, Ehrwürden; ich lass den alten Gott walten.

Obgleich ich, verzeihn Sie, in meinem einfältigen Sinn

eigentlich mehr für die Protestanten bin.

+Der Pastor+

(gleichfalls aufstehend):

Ein männliches Wort, lieber Freund! Und ich darf wohl hoffen,

Sie wissen, auch unser Arm steht der christlichen Einfalt offen.

+Michel+:

Viel Ehre, Herr Pfarrer. Indeß, um Sie nicht zu vexieren:

ich bin überhaupt fürs Protestieren.

Wenn ich wählen +müßt+ zwischen Pastor und Kaplan,

wär ich doch wohl lieber dem -- Stärkeren untertan.

(Er verbeugt sich schwerfällig, dreht ihnen den Rücken und

setzt sich ans andre Ende des Tisches; der +Rotbart+ und

+Eckart+ folgen ihm, seine Flasche und sein Glas nachtragend.)

+Der Pastor+

(zum Kaplan, der ebenfalls aufgestanden ist):

Hm. Wer +ist+ nun der Stärkere von uns Beiden?

+Der Kaplan+

(die Hände über den Bauch faltend):

Ich schätze, Herr Collega, wir lassen’s vom Publiko entscheiden.

(Die Tanzmusik im Saal hört auf.)

+Eulenspiegel+

(zurückkommend):

Vetter Michel, ich habe den ganzen Stadtpark durch-und-durchgekuckt:

deine Glücksfee scheint von der Hölle verschluckt.

+Michel+:

Glückauf!

+Der Rotbart+:

Gesammelte Werke in drei Bänden (3/3) · 第 166 / 272 题