+Christian+
Schwatz nicht, Anne; die Frau scheint mir tüchtig! Sie hat den
Diebstahl ziemlich fein eingefädelt, erzählte mir mein Rechtsanwalt. Es
macht mir Spaß, ihr Vertrauen zu schenken.
+Anne+
(sich zu ihm neigend)
Warum verhehlen Sie Ihr Herz? Warum schenken Sie nicht auch mir
Vertrauen?
+Christian+
(abermals aufstehend)
Ich kann mich noch garnicht wieder hier eingewöhnen; bitte, hilf
mir den Lehnstuhl herüber setzen. -- (_Während sie den Stuhl an den
Mitteltisch tragen_) Es scheint, du bist jetzt stärker als ich. --
(_Platz anweisend_) Nein hierhin, den Rücken gegen die Wand; ich mag
das Bild heut nicht immerfort sehn.
+Anne+
(den überschüssigen Holzstuhl ans Fenster stellend)
Ja, das hätt längst schon hinaus gemußt. Darf ich’s nicht endlich
weghängen jetzt?
+Christian+
Was soll das wieder! l-laß dies Gepurre! Ich weiß besser, was ich ihr
schuldig bin. (_Sich setzend_) Wenn sie auch unleidlich war, das ist
vorbei. Daß du’s ihr immer noch nachträgst, ich versteh nicht, wie sich
das mit deinem Christentum reimt; du hast sie doch früher bemitleidet.
+Anne+
Die Toten haben das nicht mehr nötig; mir ist nur um die Lebendigen
bang.
+Christian+
Du sollst mich nicht so ansehn, Anne! -- Wahrhaftig, manchmal machst
du Augen, grad wie die Tante in ihrer Sterbestunde; so merkwürdig in
die Ferne fragend. -- (_Wiederum aufstehend_) Ich will mich doch lieber
dorthin setzen; sonst denkst du wohl wirklich, ich fürcht mich vor ihr.
(_Er schiebt den Lehnstuhl rechts neben den Tisch, Anne stellt einen
andern Stuhl nach hinten._) Nicht wahr, das hast du doch eben gedacht?
+Anne+
Ich glaub an keine Gespenstermärchen. Es hat sich jeder genug vor sich
selber zu fürchten --
+Christian+
(sich setzend)