D. J. M. Na, wovon krigt man denn aber den dollen Gieper auf so’was
allgemein Göttliches? Irgendwovon muß der doch kommen!
D. D. D. Ja, da müßten Sie mir schon wirklich erlauben „das Blaue vom
Himmel herunter zu reden“. Von der Rasse kann doch wohl lediglich der
Gieper auf allgemein Tierisches kommen; und von irgend sonstwelchen
Formationen der irdischen Materie, ob’s nun klimatische Ortsumstände
oder soziale Zeitumstände sind, werden Sie diese ewige Sehnsucht
nach harmonischer Umformung der Natur erst recht nicht hinreichend
ableiten können. Wenn sich die überhaupt noch logisch ergründen und
mechanisch begreifen läßt, dann müssen wir schon den mystischen
Äther der Herren Physiker psychisch ausdeuten: unsre Abstammung von
der Sonnenmaterie, die rhythmodynamische Struktur der kosmischen
Centralsysteme, die sogenannte Harmonie der Sphären, den Einfluß
der schwingenden Sternenwelten auf unser eigenes kleines Gestirn,
all die bewegten siderischen und planetarischen Konstellationen,
die bis in den Erdball hinein vibrieren und sich als wechselnde
Innervationspotenzen, als beseelende und begeisternde Kräfte, den
Erdbewohnern einverleiben. Oder halten Sie’s etwa für Aberglauben,
daß immer, wenn sich die Menschenwelt zu erhabenen Kraftanstrengungen
aufrafft, zu Völkerwanderungen, Staatsumwälzungen, Befreiungskriegen,
Entdeckungsfahrten, Glaubenskämpfen und andern Kulturekstasen, daß dann
immer zugleich auch in der Naturwelt gewaltige Katastrophen ausbrechen,
Erdbeben, Springfluten, Wirbelstürme, Heuschreckenschwärme, mikrobische
Epidemieen, vulkanische Eruptionen und dergleichen, begleitet von
seltsamen Himmelserscheinungen, ungewöhnlichen Meteoren, Kometen,
Nordlichtern, Sonnenfinsternissen?!
D. J. M. Da’s faktisch so ist, wird’s wohl so sein. Es rumort ja auch
jetzt wieder allenthalben.
D. D. D. Und also wird sich wohl auch kein Künstler, selbst wenn er’s
mit stärkstem Eigensinn wollte, den jeweils zeitbewegenden Kräften,
die sich als Ideale äußern, entziehen oder verschließen können. Und
wenn in unserer ebenso stark nationalen wie internationalen Epoche
ein schöpferischer Geist auf dem norddeutschen Weltteil mit seiner
reichsdeutschen Staatsbürgerhand allgemein-menschliche Werte malt, und
zwar aus rein malerischer Lust zur Sache: dann ist er nicht blos ein
wertvoller Maler, sondern zugleich, auch wenn er ein Jude ist und in
Paris auf die Schule ging, einer der reinsten deutschen Künstler, die
sich je in der Nationalgalerie aufhängen ließen.
+Der Jüdische Maler+: Na sehn Sie, das freut mich! Und offen
gesagt: das hab ich von Ihnen blos hören wollen!
+Der Deutsche Dichter+: Oh meine Ahnung! Ich Michel! Sie Schurke!
-- Das soll wohl heißen, der Mohr kann gehen?!
+Der Maler+: Blos, er muß versprechen wiederzukommen! Und das
nächste Mal, da mal’ich ihn +besser+.
+Der Dichter+: Und ich singe ein Loblied aufs Rassige...