„Kiek!“ machte der Alte in der Haustür, und der Kobold stach aus den
stahlblauen Augen.
Wollte er ihn vielleicht gar foppen? Na warte! Er stellte die Teller
hin. „Komm mal runter!“ sprach er und trat vor sein Kind.
„Nein!“ stemmte sie die Arme auf. I zum Donner, da sollte doch gleich --
„Kiek!“ kams abermals von der Haustür her; „Respekt scheint sie nicht
viel zu haben.“
„Braucht sie auch nicht! Verlange ich nicht! Ich schlage meine Kinder
nicht!“ Verdammt: wie war das aus ihm herausgeplatzt? Hätt er das Balg
blos nicht mitgebracht!
„Nna“, knurrte der Alte mit Seelenruhe: „die Köter fressen ja dicke
Milch auch ganz gern. Komm, Lotte“ -- pfiff er der Dachshündin, die
sich eben durch den Zaun schlängelte. Was war der Jöhre blos aus einmal
so hinterrücks in den Kopf gekrochen?!
„Komm mal her, mein Schäfchen,“ legte sich jetzt die Mutter ins Mittel
und lächelte. Der Alte streichelte die Hündin, die bereits in der
fetten Sahne schleckte. „Komm, mein Schäfchen; komm her zu mir.“
„Will aber nich!“ bockte sie erst recht, die Finger um den Tischrand
klammernd. Jetzt riß ihm aber bald die Geduld!
„Na, Herzchen,“ lockte die Mutter wieder: „wirst doch nicht wieder
wunderlich sein?“
Ah: am Nachmittag also +auch+ schon?! Was sollte der Alte denn von
ihm denken!
„Vater haut nich“ -- stemmte sie sich noch fester.
Teufel, das war denn doch zu bunt! „Willst du jetzt gleich
herunterkommen?!“
„Nein!“
„Detta?!“
„Nein!“
Wie sie festhielt! Warte, Kröte! Strampelst noch? Und mit den Beinen
stoßen? -- „+Laß+, Mutter! +laß+ mich!“ schrie er wütend. Und
wie das blanke Fleisch sich wand! Wie’s klatschte! Wie die Hand ihm
brannte! Wie der Racker brüllte! Warte, Satan! --
„Na, na! so grob gleich?“ hörte er plötzlich den Alten; wie aus einem
Nebel her.
„Kanalje!“ keuchte er -- „marsch!“ und besann sich. Ganz knallrot, ja,
war das Fleisch gewesen; knallrot wie ein Hahnenkamm. Und -- Hahnrei
des Bewußtseins! schoß ihm das Blut in die Schläfen; verdammt ja, wie
eine Ohrfeige.
Hatte sie’s verdient? fragte etwas in ihm. Sie stand muckstill, mit den
Tränen kämpfend. Was würde Recha sagen? Er schämte sich.
„Hab sie Nachmittag auch schon mal striegeln müssen,“ kams wieder von
der Haustür her. Kreuzdonner -- „Na, entschuldige nur! Blos mit der
Rute ein bißchen auf die Finger.“
So --: +deswegen+ also „Weihnachtsmann“?! und +darum+ war sie
vorhin so sonderbar artig?! -- Er konnte nicht anders, er mußte lachen.
Und auf einmal lachten sie alle zusammen.