4. Aufzug.

Die Weisen von rechts wandernd, Geschenke tragend.

_Melchior._

Hier werden wir gefunden ham

das Kindelein aus Judas Stamm.

Weil hier der Stern so stille steht

und nicht von diesem Haus abgeht.

(sie knien nieder und beten an.)

_Melchior._

Da ich nun dich, König der Ehren, gefunden habe,

so gebe ich dir meine Gabe,

nimm hin das Gold aus meinem Schatz,

so viel ich hab gefunden Platz.

_Caspar._

Nimm hin den Weihrauch des Gebets

sei gnädig mir, erhöre stets

meine Bitten, das in Demut dir

ich aus dem Herzen bringe für.

_Balthasar._

Nimm hin die Myrrhen bittrer Reu,

die ich dir bring aus wahrer Treu.

Dein Lebenslauf wird bitter sein

und enden mit sehr großer Pein.

Nachdem die drei Weisen ihre Gaben dargebracht, erheben sie

sich und singen gemeinsam: »Ich freue mich in dir«, nach dem

Gesange legen sie sich schlafen.

_Engel._

Herodes trachtet nach euerem Leben.

Ihr sollt nicht wieder zu ihm ziehen,

sondern einen andern Weg gehen dahin.

(Engel ab.)

_Melchior_ zu Balthasar.

Was lamentierst du denn in deinem Sinn,

daß du so sauer stehst dahin.

_Balthasar._

Soll ich nicht lamentieren viel,

dieweil ich ganz verwirret bin,

durch einen Traum, den ich gehabt

von Herodes die ganze Nacht.

_Caspar._

Auch ich träumte in dieser Nacht,

als wenn Herodes nach uns tracht't,

und wollt uns alle töten lassen.

Solln ziehn auf einer andern Straßen.

_Melchior._

Gott warnt uns gewiß vor ihm,

daß wir nicht wieder ziehn dahin.

(Könige ab.)

_Herodes_ zum Diener.

Höre Laban!

_Diener._

Was ist der Wille meines gnädigsten Königs?

_Herodes._

Hast du die drei Weisen nicht wieder nach mir fragen hören?

_Diener._

Sie sind in der Stille fortgezogen,

haben uns wahrlich recht betrogen,

wir sollten sie tot niederschießen,

wenn wir nur erst ihr Bleibens wüßten.

_Herodes._

Bleizentner alle Stadtgraben voll,

vor großem Zorn werd ich jetzt toll!

du sollst gehen aus meinem Haus,

ein großes Blutbad richten aus.

Alle Kinder, die in Bethlehem sind,

die sollst du töten gar geschwind!

Alle Kinder von eins und zwei Jahren sollst

du in einer Stunde getötet haben!

_Diener._

Was mein gnädigster Herr König befiehlt,

das will ich tun.

(Diener ab mit blankgezogener Waffe.)

_Gesang._

Wenn wir in höchsten Nöten sein usw.

(Nach dem Gesang kehrt der _Diener_ zurück, steckt sein Schwert

in die Scheide und spricht zu Herodes):

Ei, ei! wie hat mein Schwert geschnitten,

Da half kein Flehen, da half kein Bitten,

die Kinder schrieen erbärmlich,

bei mir war kein Verschonen nicht.

Ei, ei! wie viel hab ich erschlagen,

trotzdem keiner mir ein Wort kann sagen.

_Herodes._

Recht so, Diener Laban.

_Gesang._

»Der Heiland ist geboren« usw.

Schluß.

Das Steinbacher Mettenspiel.

»Christus ward heut geboren!« Ein altes Mettenspiel aus der

Kirchgemeinde Steinbach i. Erzgeb. Angeblich von einem 1859 daselbst

gestorbenen Kantor Hermann verfaßt. Im 1. Heft des III. Bandes der

Mitteilungen des Vereins für sächsische Volkskunde mitgeteilt von

Pfarrer Köhler und Kantor Bachmann zu Steinbach. Auch ~Dr.~ Alfred

Müller hat das Spiel in seinem schönen Aufsatze: »Eine Mettenfahrt«

(Glück auf 1900, Seite 2) beschrieben. Dieses Spiel ist bis auf die

Gegenwart in der Steinbacher (bei Annaberg) Kirche aufgeführt worden.

Das Spiel unterscheidet sich wesentlich von den volkstümlichen Spielen.

Schon die Sprache ist nicht eigentlich volkstümlich. Der Anfang des

Eröffnungsgedichtes lautet:

Sei gegrüßt, du Fest der höchsten Liebe,

das im Zeitenlauf uns wiederkehrt!

Sei gegrüßt, du Fest der höchsten Freude,

das uns dankend Gott verehren lehrt!

Sieh die Flur im weißen Winterkleide

und den Strom mit festem Eis belegt;

sieh den Lenz im bunten Festgeschmeide,

wie er herzlich seine Kinder pflegt!

Sieh, der Sommer spendet Frucht und Freude,

die der Herbst im Speicher sorglich legt.

Alles predigt: Gott ist die Liebe,

und im Herzen tönts: die Liebe ist Gott

usw.

In diesem Stile geht es weiter. Im Hirtengespräch sagt:

_Ruben._

Welche Nacht sank auf die Erd hienieden,

wie ich sie noch nie erlebt, --

eine Nacht voll heilger Still und Frieden!

Heilge Andacht durch die Seele bebt!

Alles stille! selbst die Lüfte schweigen,

daß der Tritt im Sand zu Lauten wird,

und am Himmel, wolkenlos und heiter,

weidet seine Herd' der große Hirt!

Das Spiel mag, in der Kirche aufgeführt, eine tiefgehende Wirkung

haben, es ist aber doch wohl nicht ein eigentliches Volksspiel. Auch

die Musik ist etwas konventionell, etwa in der Art wie die Kantaten des

alten Plauener Kirchenmusikdirektors F. M. Gast. Es ist im Graserschen

Verlag erschienen.

Ein böhmisches Spiel.

In den Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Deutschen in Böhmen,

III. Jahrgang 1865, Seite 115 teilt Joseph Stocklöw Teile eines Spieles

mit, das in der Nähe von Schmiedeberg aufgeführt ward und den Namen

des »boren Kinnel« führte. Hier finden wir unser »Bornkinnel« wieder.

Das Spiel enthält nichts wesentlich Besonderes. Nur ist eine gesungene

Verkündigung durch die Engel an Maria dabei. Auch sonst wird im Spiel,

der böhmischen Sangesfreude entsprechend, viel gesungen.

* * * * *

Außer den angeführten Spielen haben sich noch viele Reste erhalten, die

man an verschiedenen Orten »Weihnachtslieder« nannte. So teilt John

(Aberglaube, Sitte und Brauch im sächsischen Erzgebirge Seite 176)

ein Bruchstück solcher Spiele aus Olbernhau mit. Das unbegreifliche

Verbot der Spiele hat verheerend gewirkt. Trotz aller behördlichen und

geistlichen Maßnahmen ging aber das Volk nicht davon ab. Im geheimen

wurde weiter gespielt. Auf originelle Weise umging ein Einwohner von

Raschau das Polizeiverbot: er führte seine Engelschar im Puppentheater

auf und fand enormen Zuspruch. So kam man schließlich darauf, für die

Spiele eine der Polizei genehmere Form zu wählen. Die Geistlichen

nahmen die Sache in die Hand und es entstanden eine größere Anzahl von

sogenannten Weihnachtsstücken oder -spielen, z. B. die an den Pfarrern

Steiniger (Lößnitz), Seidel (Lichtenstein), Lehmann (Freiberg), Müller

(Zwickau), Bauer (Berthelsdorf), Löscher (Zwönitz) u. a. Das beste

dieser Art hat unstreitig der oft erwähnte Gustav Mosen geschaffen. Er

bringt in seinem mehrmals erwähnten Buche zunächst eine größere Anzahl

der alten Spiele und meint zuletzt, daß man die Spiele, da sie meist

Bruchstücke seien, nicht als abendfüllende Aufführung anwenden könne

und dichtet aus dem Geist der Spiele heraus ein neues ganz treffliches

Spiel. Es ist im Graserschen Verlag erschienen in einer Neubearbeitung

Alfred Müllers.

Der Verfasser dieses Buches möchte aber doch den alten Spielen das Wort

reden. Wenn sie auch nicht glatt und fein sind.

Den Weihnachtsspielen erging es wie den Volksliedern. Durch ihre

mündliche Weitergabe änderte sich ihre Originalform. Das Volk geht

mit seinen Dichtungen nicht sehr säuberlich um. Es läßt weg oder

verändert, was ihm mißfällt, wiederholt gern nochmals, was ihm zusagt.

Ort und Zeit sind unwesentliche Dinge, die man dem Gebrauche anpassen

kann, die Lieder zersingt das Volk, die Spiele zerspielt es. Aber sie

sind Geist vom Geiste des Volkes, den zu stärken man sich keine Mühe

verdrießen lassen sollte.

Nehmen wir an, irgend ein Ort findet in den vorerwähnten Spielen seine

»Engelschar« wieder. Er würde sie am 1. Feiertag von einem Verein

oder von Schulkindern gern aufführen aber das Spiel ist zu kurz, zu

unvollkommen. Da stelle man das eigene Spiel in den Mittelpunkt und

entnehme anderen Spielen das Fehlende. Das Ganze rundet sich ab. Auch

sorge man für reichlichen Gesang zwischen den Szenen, und ein Stück

echtes Volksgut ist gerettet. In der Zeit, wo ein Haaß-Berkow durch

seine wunderbare Kunst die Kraft der alten deutschen Volksspiele

beweist, dürfte man einen solchen Versuch wohl wagen.

Die Chemnitzer Volkshochschule hat diesen Vorschlag des Verfassers

aufgegriffen und sucht durch Aufführungen für den Gedanken zu werben.

Es lag nahe, ein Stück zu schreiben, in dem in eine erzgebirgische

Stube die Engelschar tritt, ähnlich, wie es Hermann Löscher in seinem

»Bornkindel« tut. Dankbar sei anerkannt, daß er damit auf das alte

Volksgut eindruckvollst hinweist. Wir wollen aber doch mehr, als nur

Theater. Wie die Christspieler in die größte Stube des Dorfes kamen,

so kommen sie jetzt in den Saal; in banger Erwartung der Engelschar

sitzen die Hörer, da -- da ertönt Gesang, die Engelschar kommt zu

_ihnen_, nicht zu den Personen eines Bühnenstückes. Wir wollen nicht

Zuschauer, sondern Miterleber haben.

Nun muß mit dem Publikum gerechnet werden. Ein Moment fehlt unseren

Spielen fast völlig: das der Spannung. Den Hörern sind die Vorgänge

alle vertraut. Das »Was« wird sie darum weniger interessieren, als das

»Wie«. Dabei darf man das Kostümliche nicht zu gering achten. Alle

Volkskunst, sie mag sein, welche sie will, braucht die Farbe, ohne sie

ist die Volkskunst unfroh, ledern. Darum sei man nicht zu ängstlich mit

der Kleidung der Spielenden, wenn sie sich recht sehr dem Historischen

nähern, ist es durchaus kein Fehler.

Für die Ausgestaltung der Bühne gibt es verschiedene Möglichkeiten.

Daß sie so einfach wie möglich sein möchte, ist ein Gebot der

Notwendigkeit. Am eindrucksvollsten wirkt die einfache Vorhangbühne.

Dunkle Gardinen geben den besten Hintergrund für die farbenfrohen

Gestalten des Spiels. Der Stall fällt weg, es genügt eine einfache

Krippe. Die Krippenszene sei nur von der Stallaterne Josefs erleuchtet.

Eine andere Auffassung ging dahin, die Bühne mehr dekorativ

auszugestalten. Vorbild dafür waren die Weihnachtskrippen unserer

Gebirgsstuben. Ein großer Prospekt mit Aussicht auf Jerusalem oder

Bethlehem schließt die Bühne nach hinten ab. Vor diesem spielen sich

die Szenen ab, die im Freien spielen. Der Felsen des Engels kann durch

eine mit geknittertem Packpapier benagelte Kiste leicht hergestellt

werden.

Für die Stallszenen wird aus Latten und Brettern ein Gerüst errichtet;

nicht zu groß, nur eine Hinterwand, eine Seitenwand, ein Dach mit

Stroh bedeckt. Die eine Seitenwand bleibt weg, wegen der verschiedenen

Anbetungen des Kindleins. Die Wände werden nicht völlig vernagelt,

sodaß überall zu Lücken und Spalten Engel hineinsehen können.

Die Mitte der Bühne wird durch einen Vorhang abgeteilt. Vor diesem

spielen sich alle Innenszenen ab, so die Verkündigung an Maria und

die Herodesszenen. Die Vorderbühne wird durch den Hauptvorhang

abgeschlossen.

Hintergrund.

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| Hintere Bühne. |

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|------ Vorhang. --------|

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| Vordere Bühne. |

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Hauptvorhang.

Unter allen Umständen lasse man sowohl die Engelschar, als auch

die Königschar durch den Saal nach der Bühne ziehen, vor die ein

Treppenaufgang gebaut wird. Die Vorhänge möchten geteilt sein.

Die Spieler sollen _natürlich_ sprechen, zu viel Pathos schädigt; vom

Erhabenen zum Lächerlichen ist bekanntlich nur ein Schritt.

Erzgebirgische Christ- und Mettenspiele Ein Versuch zur Rettung alten Volksgutes · 第 40 / 75 题