Die Weisen von rechts wandernd, Geschenke tragend.
_Melchior._
Hier werden wir gefunden ham
das Kindelein aus Judas Stamm.
Weil hier der Stern so stille steht
und nicht von diesem Haus abgeht.
(sie knien nieder und beten an.)
_Melchior._
Da ich nun dich, König der Ehren, gefunden habe,
so gebe ich dir meine Gabe,
nimm hin das Gold aus meinem Schatz,
so viel ich hab gefunden Platz.
_Caspar._
Nimm hin den Weihrauch des Gebets
sei gnädig mir, erhöre stets
meine Bitten, das in Demut dir
ich aus dem Herzen bringe für.
_Balthasar._
Nimm hin die Myrrhen bittrer Reu,
die ich dir bring aus wahrer Treu.
Dein Lebenslauf wird bitter sein
und enden mit sehr großer Pein.
Nachdem die drei Weisen ihre Gaben dargebracht, erheben sie
sich und singen gemeinsam: »Ich freue mich in dir«, nach dem
Gesange legen sie sich schlafen.
_Engel._
Herodes trachtet nach euerem Leben.
Ihr sollt nicht wieder zu ihm ziehen,
sondern einen andern Weg gehen dahin.
(Engel ab.)
_Melchior_ zu Balthasar.
Was lamentierst du denn in deinem Sinn,
daß du so sauer stehst dahin.
_Balthasar._
Soll ich nicht lamentieren viel,
dieweil ich ganz verwirret bin,
durch einen Traum, den ich gehabt
von Herodes die ganze Nacht.
_Caspar._
Auch ich träumte in dieser Nacht,
als wenn Herodes nach uns tracht't,
und wollt uns alle töten lassen.
Solln ziehn auf einer andern Straßen.
_Melchior._
Gott warnt uns gewiß vor ihm,
daß wir nicht wieder ziehn dahin.
(Könige ab.)
_Herodes_ zum Diener.
Höre Laban!
_Diener._
Was ist der Wille meines gnädigsten Königs?
_Herodes._
Hast du die drei Weisen nicht wieder nach mir fragen hören?
_Diener._
Sie sind in der Stille fortgezogen,
haben uns wahrlich recht betrogen,
wir sollten sie tot niederschießen,
wenn wir nur erst ihr Bleibens wüßten.
_Herodes._
Bleizentner alle Stadtgraben voll,
vor großem Zorn werd ich jetzt toll!
du sollst gehen aus meinem Haus,
ein großes Blutbad richten aus.
Alle Kinder, die in Bethlehem sind,
die sollst du töten gar geschwind!
Alle Kinder von eins und zwei Jahren sollst
du in einer Stunde getötet haben!
_Diener._
Was mein gnädigster Herr König befiehlt,
das will ich tun.
(Diener ab mit blankgezogener Waffe.)
_Gesang._
Wenn wir in höchsten Nöten sein usw.
(Nach dem Gesang kehrt der _Diener_ zurück, steckt sein Schwert
in die Scheide und spricht zu Herodes):
Ei, ei! wie hat mein Schwert geschnitten,
Da half kein Flehen, da half kein Bitten,
die Kinder schrieen erbärmlich,
bei mir war kein Verschonen nicht.
Ei, ei! wie viel hab ich erschlagen,
trotzdem keiner mir ein Wort kann sagen.
_Herodes._
Recht so, Diener Laban.
_Gesang._
»Der Heiland ist geboren« usw.
Schluß.
Das Steinbacher Mettenspiel.
»Christus ward heut geboren!« Ein altes Mettenspiel aus der
Kirchgemeinde Steinbach i. Erzgeb. Angeblich von einem 1859 daselbst
gestorbenen Kantor Hermann verfaßt. Im 1. Heft des III. Bandes der
Mitteilungen des Vereins für sächsische Volkskunde mitgeteilt von
Pfarrer Köhler und Kantor Bachmann zu Steinbach. Auch ~Dr.~ Alfred
Müller hat das Spiel in seinem schönen Aufsatze: »Eine Mettenfahrt«
(Glück auf 1900, Seite 2) beschrieben. Dieses Spiel ist bis auf die
Gegenwart in der Steinbacher (bei Annaberg) Kirche aufgeführt worden.
Das Spiel unterscheidet sich wesentlich von den volkstümlichen Spielen.
Schon die Sprache ist nicht eigentlich volkstümlich. Der Anfang des
Eröffnungsgedichtes lautet:
Sei gegrüßt, du Fest der höchsten Liebe,
das im Zeitenlauf uns wiederkehrt!
Sei gegrüßt, du Fest der höchsten Freude,
das uns dankend Gott verehren lehrt!
Sieh die Flur im weißen Winterkleide
und den Strom mit festem Eis belegt;
sieh den Lenz im bunten Festgeschmeide,
wie er herzlich seine Kinder pflegt!
Sieh, der Sommer spendet Frucht und Freude,
die der Herbst im Speicher sorglich legt.
Alles predigt: Gott ist die Liebe,
und im Herzen tönts: die Liebe ist Gott
usw.
In diesem Stile geht es weiter. Im Hirtengespräch sagt:
_Ruben._
Welche Nacht sank auf die Erd hienieden,
wie ich sie noch nie erlebt, --
eine Nacht voll heilger Still und Frieden!
Heilge Andacht durch die Seele bebt!
Alles stille! selbst die Lüfte schweigen,
daß der Tritt im Sand zu Lauten wird,
und am Himmel, wolkenlos und heiter,
weidet seine Herd' der große Hirt!
Das Spiel mag, in der Kirche aufgeführt, eine tiefgehende Wirkung
haben, es ist aber doch wohl nicht ein eigentliches Volksspiel. Auch
die Musik ist etwas konventionell, etwa in der Art wie die Kantaten des
alten Plauener Kirchenmusikdirektors F. M. Gast. Es ist im Graserschen
Verlag erschienen.
Ein böhmisches Spiel.
In den Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Deutschen in Böhmen,
III. Jahrgang 1865, Seite 115 teilt Joseph Stocklöw Teile eines Spieles
mit, das in der Nähe von Schmiedeberg aufgeführt ward und den Namen
des »boren Kinnel« führte. Hier finden wir unser »Bornkinnel« wieder.
Das Spiel enthält nichts wesentlich Besonderes. Nur ist eine gesungene
Verkündigung durch die Engel an Maria dabei. Auch sonst wird im Spiel,
der böhmischen Sangesfreude entsprechend, viel gesungen.
* * * * *
Außer den angeführten Spielen haben sich noch viele Reste erhalten, die
man an verschiedenen Orten »Weihnachtslieder« nannte. So teilt John
(Aberglaube, Sitte und Brauch im sächsischen Erzgebirge Seite 176)
ein Bruchstück solcher Spiele aus Olbernhau mit. Das unbegreifliche
Verbot der Spiele hat verheerend gewirkt. Trotz aller behördlichen und
geistlichen Maßnahmen ging aber das Volk nicht davon ab. Im geheimen
wurde weiter gespielt. Auf originelle Weise umging ein Einwohner von
Raschau das Polizeiverbot: er führte seine Engelschar im Puppentheater
auf und fand enormen Zuspruch. So kam man schließlich darauf, für die
Spiele eine der Polizei genehmere Form zu wählen. Die Geistlichen
nahmen die Sache in die Hand und es entstanden eine größere Anzahl von
sogenannten Weihnachtsstücken oder -spielen, z. B. die an den Pfarrern
Steiniger (Lößnitz), Seidel (Lichtenstein), Lehmann (Freiberg), Müller
(Zwickau), Bauer (Berthelsdorf), Löscher (Zwönitz) u. a. Das beste
dieser Art hat unstreitig der oft erwähnte Gustav Mosen geschaffen. Er
bringt in seinem mehrmals erwähnten Buche zunächst eine größere Anzahl
der alten Spiele und meint zuletzt, daß man die Spiele, da sie meist
Bruchstücke seien, nicht als abendfüllende Aufführung anwenden könne
und dichtet aus dem Geist der Spiele heraus ein neues ganz treffliches
Spiel. Es ist im Graserschen Verlag erschienen in einer Neubearbeitung
Alfred Müllers.
Der Verfasser dieses Buches möchte aber doch den alten Spielen das Wort
reden. Wenn sie auch nicht glatt und fein sind.
Den Weihnachtsspielen erging es wie den Volksliedern. Durch ihre
mündliche Weitergabe änderte sich ihre Originalform. Das Volk geht
mit seinen Dichtungen nicht sehr säuberlich um. Es läßt weg oder
verändert, was ihm mißfällt, wiederholt gern nochmals, was ihm zusagt.
Ort und Zeit sind unwesentliche Dinge, die man dem Gebrauche anpassen
kann, die Lieder zersingt das Volk, die Spiele zerspielt es. Aber sie
sind Geist vom Geiste des Volkes, den zu stärken man sich keine Mühe
verdrießen lassen sollte.
Nehmen wir an, irgend ein Ort findet in den vorerwähnten Spielen seine
»Engelschar« wieder. Er würde sie am 1. Feiertag von einem Verein
oder von Schulkindern gern aufführen aber das Spiel ist zu kurz, zu
unvollkommen. Da stelle man das eigene Spiel in den Mittelpunkt und
entnehme anderen Spielen das Fehlende. Das Ganze rundet sich ab. Auch
sorge man für reichlichen Gesang zwischen den Szenen, und ein Stück
echtes Volksgut ist gerettet. In der Zeit, wo ein Haaß-Berkow durch
seine wunderbare Kunst die Kraft der alten deutschen Volksspiele
beweist, dürfte man einen solchen Versuch wohl wagen.
Die Chemnitzer Volkshochschule hat diesen Vorschlag des Verfassers
aufgegriffen und sucht durch Aufführungen für den Gedanken zu werben.
Es lag nahe, ein Stück zu schreiben, in dem in eine erzgebirgische
Stube die Engelschar tritt, ähnlich, wie es Hermann Löscher in seinem
»Bornkindel« tut. Dankbar sei anerkannt, daß er damit auf das alte
Volksgut eindruckvollst hinweist. Wir wollen aber doch mehr, als nur
Theater. Wie die Christspieler in die größte Stube des Dorfes kamen,
so kommen sie jetzt in den Saal; in banger Erwartung der Engelschar
sitzen die Hörer, da -- da ertönt Gesang, die Engelschar kommt zu
_ihnen_, nicht zu den Personen eines Bühnenstückes. Wir wollen nicht
Zuschauer, sondern Miterleber haben.
Nun muß mit dem Publikum gerechnet werden. Ein Moment fehlt unseren
Spielen fast völlig: das der Spannung. Den Hörern sind die Vorgänge
alle vertraut. Das »Was« wird sie darum weniger interessieren, als das
»Wie«. Dabei darf man das Kostümliche nicht zu gering achten. Alle
Volkskunst, sie mag sein, welche sie will, braucht die Farbe, ohne sie
ist die Volkskunst unfroh, ledern. Darum sei man nicht zu ängstlich mit
der Kleidung der Spielenden, wenn sie sich recht sehr dem Historischen
nähern, ist es durchaus kein Fehler.
Für die Ausgestaltung der Bühne gibt es verschiedene Möglichkeiten.
Daß sie so einfach wie möglich sein möchte, ist ein Gebot der
Notwendigkeit. Am eindrucksvollsten wirkt die einfache Vorhangbühne.
Dunkle Gardinen geben den besten Hintergrund für die farbenfrohen
Gestalten des Spiels. Der Stall fällt weg, es genügt eine einfache
Krippe. Die Krippenszene sei nur von der Stallaterne Josefs erleuchtet.
Eine andere Auffassung ging dahin, die Bühne mehr dekorativ
auszugestalten. Vorbild dafür waren die Weihnachtskrippen unserer
Gebirgsstuben. Ein großer Prospekt mit Aussicht auf Jerusalem oder
Bethlehem schließt die Bühne nach hinten ab. Vor diesem spielen sich
die Szenen ab, die im Freien spielen. Der Felsen des Engels kann durch
eine mit geknittertem Packpapier benagelte Kiste leicht hergestellt
werden.
Für die Stallszenen wird aus Latten und Brettern ein Gerüst errichtet;
nicht zu groß, nur eine Hinterwand, eine Seitenwand, ein Dach mit
Stroh bedeckt. Die eine Seitenwand bleibt weg, wegen der verschiedenen
Anbetungen des Kindleins. Die Wände werden nicht völlig vernagelt,
sodaß überall zu Lücken und Spalten Engel hineinsehen können.
Die Mitte der Bühne wird durch einen Vorhang abgeteilt. Vor diesem
spielen sich alle Innenszenen ab, so die Verkündigung an Maria und
die Herodesszenen. Die Vorderbühne wird durch den Hauptvorhang
abgeschlossen.
Hintergrund.
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| Hintere Bühne. |
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|------ Vorhang. --------|
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| Vordere Bühne. |
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Hauptvorhang.
Unter allen Umständen lasse man sowohl die Engelschar, als auch
die Königschar durch den Saal nach der Bühne ziehen, vor die ein
Treppenaufgang gebaut wird. Die Vorhänge möchten geteilt sein.
Die Spieler sollen _natürlich_ sprechen, zu viel Pathos schädigt; vom
Erhabenen zum Lächerlichen ist bekanntlich nur ein Schritt.