_Musik._
Harmoniumspiel verbindet Gesänge und Szenen. Für die Gesänge benutze
man möglichst alte erzgebirgische Weisen. Man findet solche im
»Musikalischen Anhang« zum Mosenschen Weihnachtsfestspiel, Grasers
Verlag, in »Lied und Spiel zum Preise des Christkindes« von Bernhard
Schneider (Dresden, Huhle), sowie auch in Dosts Weihnachtsliedern aus
dem Erzgebirge. Die bei den Aufführungen der Chemnitzer Volkshochschule
benutzten Gesänge waren von Johannes Halke vierstimmig gesetzt worden.
Beim Einzug der Spieler spielte ein kleines Orchester aus Lauten,
Violinen und Clarinetten zusammengesetzt.
Wir bringen am Schlusse als Beispiel der Verwendbarkeit der alten
Spiele eine Zusammenstellung, die in vielen Aufführungen bereits
erprobt ist. Es lag dem Bearbeiter daran, die einzelnen Stücke nicht
zu zerreißen, darum erscheinen aus den verschiedenen Spielen immer
geschlossene Szenen.
Alte, erstorbene Volksbräuche und Sitten wiederbeleben zu wollen, würde
ein vergebliches und unersprießliches Beginnen sein. Man soll nicht
einen Leichnam ausgraben und ihn buntgeschmückt zur Schau stellen. Das
Vergangene kehrt nicht wieder, wenn es auch lange noch zurückleuchtet.
Wir freuen uns alter Sitten und Gebräuche, hören voll Behagen von
allerlei Aber- und Zuvielglauben -- aber, Gott sei dank, das sind alles
überwundene Dinge.
So wäre die ganze Wissenschaft der Volkskunde nur eine forschende, eine
historisch betrachtende?
Dies ist nicht der Fall. Wohl muß die Volkskunde die Vergangenheit des
Volkes kennen, muß den geheimsten Regungen der Volksseele nachspüren.
Dabei darf sie aber nicht stehen bleiben. Wie eine Zeit die andere
ablöst, wie Geschlechter kommen und gehen, so wandeln sich auch Sitten
und Gebräuche mit den Zeiten um. Dabei sieht man aber mit Betrübnis,
daß die neue Sitte, die die alte ablöste, selten einen Fortschritt
bedeutet, im Gegenteil, gute alte Sitten sind vergangen, schlimmere
sind dafür eingezogen. Nun hat die Volkskunde die Aufgabe, zu wirken,
das, was an altem Volksbrauch lebensfähig ist, zu erhalten, auf gutem
Alten wertvolles Neue aufzubauen.
Man hat gesagt, die erzgebirgischen Christspiele seien tot, es würde
dem Geiste unserer Zeit nicht entsprechen, Wiederbelebungsversuche
vorzunehmen. Dem ist zu widersprechen. Wohl hat eine volksfremde
Geistlichkeit, eine dem Volksempfinden so fern wie möglich stehende
Regierung eine Zeit lang die Spiele unterdrücken können. Sie lebten
aber immer wieder auf. Man schränkte die kirchlichen Mettenspiele ein,
man verbot sie und nahm damit dem Volke ein gut Teil Poesie aus seinem
armseligen Leben. Man trieb die Heiligenchristspieler von der Straße,
ja sperrte sie ein, wie im Jahr 1805 zu Thalheim geschehen ist -- aber
immer erbten sich die Reime weiter.
Wie wollen wir nun die Spiele zu neuem Leben erwecken? Zunächst ist es
wünschenswert, daß alle Orte, die noch Metten und dergleichen besitzen,
sich dieselben nicht nehmen lassen. Wo noch kein Mettengottesdienst
besteht, oder wo er nur rein kirchlich beschaffen ist, lasse man
dies eine Mal im Jahr das Volk hinzu und gestalte den Gottesdienst
entsprechend aus. Aber auch die außerkirchlichen Spiele führe man
wieder auf. Eine große Zahl von Weihnachtsstücken sind geschrieben, die
wohl die Weihnachtsgeschichte dramatisch darstellen, aber doch mehr
oder weniger Theaterstücke sind. Das sollen sie nicht sein. Wir wollen
die schlichten, alten Volksspiele wieder haben.
Aus den vielen Zuschriften, die wir erhielten, ersehen wir mit
Freuden, wie man allerorts unseren Gedanken aufgegriffen hat. Wenn uns
auf unserem Wege die Wiederbelebung dieses Stückes alter Volkskunst
gelingen sollte, würden wir herzlich zufrieden sein.
Verlauf der Spiele.
=Einleitung.=
=Chor=:
=Schneeberger Weihnachtslied=
(Auf Tochter Zion schmücke dich!)