_Maria_ singt:
Joseph, lieber Joseph mein, zünd mir an ein Feuerlein,
Koch dem Kind ein Breielein.
_Joseph._
Maria, Maria, das will ich gerne thun,
dieweil nun schläft dein lieber Suhn,
will ich dir machen ein Feuerlein
und will kochen dem Kind ein Breilein,
Den Brei koch ich und bück mich hart,
dabei verbrenn ich mir den Bart.
Jetzt kommt die kalte Winterszeit,
so beschwerlich über uns arme Leut,
daß ich faßt so erfroren bin,
so dauert mich das liebe Kind.
_Der 1. König._
Ich bin müd und abgematt',
die Abendzeit uns überschatt',
wir wolln ein wenig schlummern ein,
Gott, Gott wird unser Hüter sein.
_Der 2. König._
So ruht ihr abgematten Glieder und genießt der süßen Ruh,
legt euch ohne Sorgen nieder, Gottes Güte deckt euch zu.
_Der Mohrenkönig._
Mein Herz sehnt sich nach seiner Ruhe!
_Der kleine Engel._
Hört ihr drei Weisen aus Morgenland
von Gott bin ich zu Euch gesandt,
daß ihr euch sollt von dem Weg ablenken
und nicht wieder nach Herodes lenken,
denn weil Herodes eitel falsche List
erdacht wider den Herrn Jesum Christ.
_Der Mohrenkönig._
Auf, auf ihr großen Könige mit mir
ein Engel im Traum erscheinet mir,
daß wir sollen von dem Weg ablenken
und nicht wieder nach Herodes lenken,
denn weil Herodes eitel falsche List
erdacht wider den Herrn Jesus Christ.
_Die Könige_ singen und gehen alsbald ab:
Deine Krippen glänzen hell etc.
_Der kleine Engel_ kommt zu Joseph:
Joseph, mein lieber Joseph mein,
steh auf und nimm das Kindelein
und seine Mutter bey der Hand
und flieh mit ihr nach Egyptenland,
und bleib allda bis ich sage dir --
denn es ist Gefahr vorhanden hier
denn weil Herodes das Kindlein sucht,
denn weil er uns umbringen tut --
_Joseph._
Maria, Maria steh auf und nimm das Kindlein
daß wirs bringen aus der Gefahr,
dieweil es Herodes beschlossen gar
das Kindlein umzubringen zur Hand,
so wolln wir wieder ziehen nach Egyptenland.
_König Herodes._
O weicht! o weicht! alles Unglück auf mich herabbricht,
und da ich saß auf meinem Thron
ein süßer Schlaf der kam mir án (on)
kaum tat ich meine Augen zu
da kam ein Löw in meine Ruh
und stürzte mich in meinem Tron
und riß die Kron von meinem Haupt herab.
Mein ganz Gemüte in mir ergrimmt,
daß mir faßt das Herz im Leib zerspringt;
dieweil ich nunmehr sehe an
daß mich die Weisen betrogen han.
Auf Kriegsknecht! rüste dich
hau und brenne, tödt und stich
und laß dein Schwert den Kindern blutig wetzen
und thu mir nicht ein einzigs auf die Seite setzen!
Wirst du das thun --
so wird meine Krone auf festem Grunde ruhn!
_Kriegsknecht._
Ganz gehorsam, ihr Könige Majestät --
was sie mir anbefohlen haben, soll alsbald ins Werk gerichtet
werden.
Denn weil er mirs hat anbefohlen, so will ich auch kein
Kind verschonen.
Ei! so will ich hinaus, will ziehen meinen Säbel heraus,
will durchgehn durch das ganze jüdische Land
will alle Knaben von 1, 2 bis Jahren.
Was drunter ist soll keins am Leben bleiben,
und wenn die Eltern täten Blut weinen.
_Die ganze Schaar_, 13 an der Zahl, singen:
Wenn wir in höchsten Nöten seyn
und wissen nicht, wo aus noch ein etc.
_Kriegsknecht._
Ei, ei, wie hat mein Schwert geschnitten,
es half kein Flehen, es half kein Bitten,
viel tausend Mann hab ich erschlagen --
trotz dem, der mir ein Wort kann sagen!
Die kleinen Kinder schrien erbärmlich,
bei mir aber war ganz und gar kein Verschonen nich[t],
nun hab ich abermals ihre Könige Majestät Willen vollbracht,
daß sie nicht Ursache haben über mich zu klagen
ich bin so tyrannisch mit ihn[en] umgegangen,
es ist mir gewesen, als wenn [ich] nichts hab ermachen können!
[als wenn ichs nicht hätt machen können!]
_König Herodes._
Recht, so, nichts daran gelogen --
List muß wieder mit List belohnt werden.
Der Anfang ist gemacht, wer mir wird widerstehen,
der soll alsbald mit Schrecken untergehen,
allein die Juden mögen mich lassen,
sie müssen doch in Furcht die Macht sich dämpfen lassen.
Mein Mut und Kampf ist mir von Jugend auf erhitzet und läßt
auch noch nicht nach.
Mein ist der Ruhm, mein ist die Ehr,
nun fürcht sich kein Herodes mehr!
_Gesang_: Wunderkind wie deine Kinder etc.
_Der größere Engel._
Nun hört ihr großen Herren und Frauen insgemein,
wir bedanken uns auch alle fein
für das Geschenk, das sie uns verehrt haben.
Dafür wünschen wir ein glückliches neues Jahr!
Und sollten wir noch gesund seyn,
so kommen wir nächstes Jahr wieder rein.
Ich wollte wünschen wir möchten einander mit Freude willkommen seyn.
_Gesang_: Heut schleußt er wieder auf die Thür.
[8. Vers von Lobt Gott ihr Christen etc.]
Die ganze Verhandlung läßt erkennen, daß jedenfalls der Ortsgeistliche
der Urheber des Schriftstückes gewesen ist. Der Lehnrichter Siegel
hatte die Aufführung in seinem Saale verboten, da ging man kurzerhand
ins Zechenhaus. Dies untersagte das Bergamt zu Geyer. Das Konsistorium
in Dresden ließ die Sache bis zum Kurfürsten[15] gelangen, aus dessen
Kabinett ein Befehl an den Amtmann zu Stollberg erging, die Uebeltäter
zu bestrafen und zwar mit 2 Tagen Gefängnis und Tragung der nicht
unerheblichen Kosten. Das Amt zu Stollberg verfügte demgemäß. Man
versteht heutzutage die Maßnahmen der Geistlichen kaum, denn dem hohen
Konsistorium zu liebe, wurde schließlich doch das Urteil gefällt.
Es zeigt von einer Beschränktheit und Volksfremdheit, die durchaus
nicht etwa die Stimmung der Bevölkerung im kirchenfreundlichen Sinne
beeinflußte. Spieler und Hörer glaubten bei der Ausübung der alten
Sitte ein christliches Werk zu tun. Der Vorwurf, die heilige Geschichte
lächerlich gemacht zu haben, lehnten sie entschieden ab.
Das _Thalheimer Spiel_ ist jedenfalls weitverbreitet gewesen. Der
Bergmann Unger will es auch in Breitenbrunn mitgespielt haben.
Das Schwarzenberger Spiel.
In der Wissenschaftlichen Beilage der Leipziger Zeitung vom 23.
Dezember 1902 berichtet Karl Freyboth über ein »Heilige drey König
Spiehl«, welches ihm in einer Niederschrift vom 15. Februar 1805
vorlag. Ein Johann August Hermann in Raschau hat es aufgeschrieben. Es
wurde auch in Schwarzenberg und Grünhain aufgeführt und ähnelt fast
vollständig dem vorher mitgeteilten Thalheimer Spiel. Die Bruchstücke
lassen aber erkennen, daß die Königs- und Hirtenszenen besser geordnet
sind, wie dies auch im Wiesenthaler Spiel der Fall ist. Der Epilog, vom
Engel gesprochen, weicht auch vom Thalheimer Spiel ab:
Ihr geehrten Herren und Frauen insgemein,
was ein Anfang hat, muß auch ein Ende sein.
Sie habens doch vernommen zwar,
wie es zuging mit der Christenschar.
Gott sandte doch ein Engelein,
zu behüten das liebe Jesulein,
dieweil Herodes eine falsche List
erdacht hat wider den Herrn Jesus Christ.
Er entschuldigt die arme Handlung, die armseligen Verse, die
mangelhaften Reime. Zum Abschied spricht er:
Sollt aber ein Fehler vorgegangen sein,
ein andermal wolln wir es bringen ein.
Wenn wir werden wieder einmal anlangen,
so wollen wir wünschen, wir werden einander mit Freuden empfangen.