Den Schluß bildet der Vers: »Heut schleußt er wieder auf die Tür.«

Das Löwenhainer Spiel.

Ein ganz hervorragendes Spiel teilt E. Giersner, Dresden, im 5. Heft

des 2. Bandes der Mitteilungen des Vereins für Sächsische Volkskunde

mit. Das Original befindet sich in den Händen des Herrn Zimmerhäckel in

Löwenhain und trägt die Aufschrift »Johann Gottlieb Streller, Löwenhain

1823.« Giersner hat sich das schwer lesbare Manuskript von einem damals

noch lebenden Sohne des Streller ergänzen lassen. Es unterscheidet

sich in verschiedenen Punkten von den anderen erzgebirgischen Spielen,

so fehlt z. B. die Herbergsszene. Auch ist eine komische Figur, der

Gardeson, eingefügt, der wohl dem Hofnarren entspricht. Es ist außerdem

ausschließlich ein Königspiel. Seine Verwandtschaft mit dem Thalheimer

Spiel kann es nicht verleugnen. Man sehe sich die Hirtenszenen in

beiden Spielen darauf an. Das Spiel mag hier folgen:

Der _Sternträger_ fängt an zu singen:

Wie schön leucht uns der Weisen Stern,

der uns entspringt von Gott dem Herrn

und unsre Herzen rühret,

das wir uns machen auf die Bahn,

zu bethen Jesum Christum an,

allda er uns hinführet.

Drum so -- seid froh;

walt ihr Heiden, -- ruft mit Freuden -- auserkohren;

Christus ist uns heute gebohren.

_Der Engel_ spricht:

So sei gegrüßet dieses Haus

und alle, die da gehen ein und aus;

wir wünschen euch zum neuen Jahr

Friede, Heil, Gesundheit immerdar;

der Segen Gottes sei mit euch

bis ihr gelangt ins Himmelreich

und singt mit allen Engeln froh

ewig ein holdes Jubilo.

_Urbian_, der 1. Hirte, spricht:

Ach Bruder Dulcian, wie schuttert mir mein Herz!

Ich weiß nicht wie mir ist, vor Furcht und großen Schmertz,

weil sich ein starker Glanz erstreckt vor mein Gesicht:

Ach Bruder, bleib bei mir, ach, ach, verlaß mich nicht!

_Dulcian_, der 2. Hirte, spricht:

Ach Bruder Urbian, ich bin nebst Dir erschruken

hier über diesen Schein, der uns bey finstrer Nacht

so helleuchtent überstrallt als brenden alle Rocken:

Vor Großer Furcht und grauß mein Herz im Leibe kracht.

_Der Engel_ bei die Hirten hin und spricht:

Ihr lieben Hirten, fürcht euch nicht!

Ich bin vor euer Angesicht

vom Himmel ab hieher gesand,

soll machen euch bekannt

die Freude, die Gott euch göntt

von seinen eingebornen Kind,

der aller Welt ein Heiland ist;

des freuet euch zu dieser Frist.

Hierauf nun geht gen Bethlehem

-- die Schaaf in diesen Schutz ich nehm --,

da werdt ihr finden das Kindelein

in Windeln eingewickelt ein;

es liegt in einer Krippen dar --

auf, auf und nehmet meiner wahr.

~Gloria in excelsis deo. Etampherava. Homenetus fotumta Poro.~

Nun singen sie _alle_ mit die Engel:

Allein Gott in der Höh sey Ehr.

Der große Hirte _Urbian_ spricht:

Nun wollen wir gehen gen Bethlehem

und diese Dinge erfahren

Der kleine Hirte _Dulcian_ spricht:

Die uns der Engel hat kuntgetan;

die Schaaf wird er indessen uns wohl bewahren.

Nun kommen die Hirten allebeite gesungen:

Vom Himmel kam der Engel Schaar,

erschien uns Hirten offenbar,

sie sagten uns ein Kindlein zart,

das liegt dort in der Krippen hart.

Sie bethen es mit den Worten an:

O, Jesu, liebes Herrlein mein!

Komm zu mir in mein Herz hinnein;

nim es ein zur Wohnung dein,

so werd ich rein und Selig sein.

Nun gehen sie wieder zurück und singen:

Lob, Ehr sei Gott im höchsten Thron,

der uns schenkt seinen einigen Sohn;

des freuet sich der Engel Schaar

und singt ein solch Neues Jahr.

Die nun folgende Szene zwischen Gardeson, Laban und Herodes findet sich

unserem Schlußspiel. Ebenso ein großer Teil des Königsspiels. Nachdem

sich die Könige entschlossen haben, zum Kinde zu ziehen, fährt das

Löwenhainer Spiel fort.

Die 3 Könige gehen 3 mal hintereinander rum, nach dem mit einem

Compliment zum Könige Herodes hin. -- Nach diesen fängt der 1. König an:

Der Segen des Höchsten wolle begnaden,

ihro Königreich schützen vor Schaden,

vor einfal der Feinde, vor Feuer und Tod:

Sie leben befreit vor Jammer und Noth.

Der König _Herodes_ spricht:

Ich danke euch von Herzen

vor dieses Compliment;

ihr werdet ohne scherzen

mir zeigen an behend:

Was ist euer beginnen,

wo ist es hingericht? --

Eröffnet euer Sinnen

und gebet mir bericht!

Der König:

Ihro König Herodes, verzeihen sie mir

zu reden frei die Wahrheit hier!

Warum wir ausgezogen sein,

das macht ein Sternenschein;

weil er uns neu erschienen ist

und er zeigt an zu dieser Frist,

es sei Jesus, das Heil, gebohren,

zum Juden König auserkohren;

denselben wollen wir beten an,

sie wollen den Ort uns zeigen lan.

_Der König Herodes_:

Ich hab hiervon gar keinen Grund

zu sagen euch in dieser Stund;

doch wil ich kundschaft legen aus,

wo sei zu finden dieses Hauß;

Stelt euch bei mir bald wieder ein,

indes thut Gott befohlen sein.

Die Könige gehen ab.

Der _König Herodes_ spricht:

Mein Kammerdiener kom herbei!

_Der Kammerdiener_:

Sie befehlen nur, ich diene treu.

_Der König Herodes._

Hol die Schriftgelehrten vor uns her

das ist mein ernster Wille und Begehr.

Der _Kammerdiener_ zu den Schriftgelehrten:

Sie sollen gleich vor den König Herodes erscheinen.

Der _Gardeson_ zu den König Herodes spricht:

Herr König, hab ichs nicht gesagt,

das sich Kundschafter ham hergewagt?

_Der König Herodes_:

Nur stille, lieber Gardeson!

Wir wollen sie lassen laufen an.

Der _Schriftgelehrte_ zu den König Herodes spricht:

Auf ihr Königlich will und Wort

erschein ich jetzt an diesen ort.

Der _König Herodes_ zu den Schriftgelehrten:

Hiervon zeige mir geschwind:

wo findet man ein solches Kind,

das da der Jüden König sei,

Wie solches reden die Weisen drey?

Der _Schriftgelehrte_ mit einem Buche:

Hiervon mus ich wohl zeigen an,

was uns der Prophet Micha kundgethan:

Zu Bethlehem in Davids Stadt

-- dieselbe er benennet hat --

sol herfürsprisen der Herr Christ

der unser Heil und König ist:

»Und du Bethlehem im Jüdischen lande bist mit nichten die

kleinste unter den Fürsten Juda, denn aus dier soll mir kommen

der Herzog, der über mein Volk Israel Herr sei.«

Schlägt das Buch zu.

_Gardeson_:

Herr König, das Ding lauft auf einen Krieg hinaus!

Da werde ich schauen zum Fenster hinaus!

Ich menge mich fürwahr nicht drein,

ich trinke lieber Bier und Brandenwein.

_Herodes_ spricht:

Mein Kammerdiener, komm herfür,

bestell die Weisen her zu mir.

_Kammerdiener_:

Auf ihr Königlich pefehl und Ortinand

geh ich gleich hin und mach ihn bekand.

_Kammerdiener_ (zu den Weisen hin):

Ihr Herren Weisen, ich mach euch bekand,

ich bring euch eine Ortinand

von meinen König Herodes her:

Ihr solt gleich vor ihn erscheinen ist sein begehr.

Die drei Könige vor Herodes:

_Der 1. König_:

Erzgebirgische Christ- und Mettenspiele Ein Versuch zur Rettung alten Volksgutes · 第 33 / 75 题