Renate hob den Kopf aus dem Schlaf, weil sie jemand an die Tür klopfen
hörte; sie glaubte, nur wenige Stunden geschlafen zu haben, aber es war
schon Tag. In der Tür erschien die Köchin, ängstlich, und sagte: Frau
Herzbruch habe angerufen, das gnädige Fräulein möchte doch gleich ans
Telephon kommen, es sei etwas ganz Schreckliches passiert. Renate war
schon mit den Füßen aus dem Bett. -- Es betreffe aber nicht Frau
Herzbruch selbst, sollte sie sagen. -- Renate war schon in den
Pantoffeln, rannte durch die Zimmer hinaus und treppab in die Halle. Es
mußte mit Vehm ... Sie nahm den Hörer auf, atemlos, und sagte: »Irene?«
Eine Weile war nichts zu hören als das Sausen und Knistern im Apparat,
dann kam Irenes Stimme leise und mühsam aus der Ferne: »Renate ...? du
wirst -- sehr erschrecken. Es ist --« Wieder war alles still. »Mein
Schwager Vehm«, hörte Renate, »ist -- -- tot. Und -- und --«
»Dora!« schrie Renate entsetzt.
»Nein, nicht Dora,« hörte sie nach Sekunden. »Die Kinder.«
Renate zitterten die Knie. Sie glaubte, einen ungeheuren Schlag gegen
die Brust erhalten zu haben, rang nach Atem, fühlte lange Zeit nichts,
tastete endlich hinter sich nach dem Stuhl und sank auf ihn hin. Dann
hörte sie ihr Herz schlagen -- es mußte Sekunden ausgesetzt haben.