Renate lachte leise. Irene drehte sich um und fing an, im Dunkel des
Hintergrundes auf und nieder zu gehn. Endlich trat sie hinter Renates
Stuhl und sagte halblaut:
»Weißt du noch, wie ich früher zu dir gekommen bin und mein Herz
verglichen hab an deinem? Meins war Angst und Sorge und deines Fülle und
Sicherheit. Nun ja, wenn man so schön ist wie du ... Seitdem bin ich
lange ausgeblieben, und nun bin ich wieder da.«
»Ein Mensch«, sagte Jason, »ist nicht mehr wie ein andrer, wenn er nicht
mehr tut wie ein andrer.«
Renate sah zu Irene auf; ihr rötliches Gesicht, eben noch vom
Feuerschein erreicht, blickte mit durchsichtigen Augen ratlos gegen die
Flammen. Renate sagte:
»Kind! Ich finde es ja sehr lieb von dir, daß du wieder zu mir kommst
--«
»Jag mich nur wieder weg«, murmelte Irene.
»Ich dächte aber eigentlich: du hast doch nun einen Mann; oder kommst du
vielleicht seinetwegen?«
Nach einer Weile wurde Irenes Stimme wieder aus dem Hintergrunde hörbar,
tonlos: »Auch.«
Dann wars wieder still. Renate war des ziellosen Herumredens und Stehens
schon ziemlich müde, aber Irene fing nun zu sprechen an, so daß Renate
schon am ersten Wort merkte, sie würde so bald nicht wieder aufhören.
»Er nimmt mir meinen Mann weg«, sagte sie. »Ja das ist nun so.« Hastig
redete sie weiter. »Erst sollte es eine Probezeit auf acht Tage sein,
denn -- ich sagte Otto gleich noch am ersten Abend, -- ach, es war alles
so sonderbar! --« Sie schwieg, fing aber nach Sekunden von neuem an.
»Ich lag noch nicht im Bett, am ersten Abend, da hörte ich, wie die
Beiden sich an den Kamin setzten und dann an zu reden fingen. Und nun
dauerte das Stunden. Immer in Pausen. Viertelstundenlang sprachen sie
unaufhörlich, am meisten Klemens. Dann wurde es still, ich wollte
einschlafen, -- da fings wieder an. Schließlich redeten sie immer
weniger, Minuten und Minuten konnte ich sie förmlich schweigen hören und
lag und wartete und wartete, und richtig: da fingen sie wieder an. Es
war zum Verrücktwerden. Endlich macht ich Licht und saß mit der Uhr in
der Hand, eine geschlagene halbe Stunde war kein Laut zu hören, ich
dachte, am Ende sind sie doch leise weggegangen. Da zog ich meinen
Kimono an, ging zur Tür und öffnete leise. Richtig waren sie noch da.
Das Feuer brannte kaum noch, aber ich sah Ottos hellen Anzug, er lag
längelangs im Sessel, hörte mich nicht, und auf dem Sofa lag Klemens.
Nun fragt ich denn, was sie bloß machten, und warum sie nicht schlafen
gingen, und Otto, halb im Schlaf, sagte glaub ich, er hörte zu, wie
Klemens sein Bart wüchse, oder so was. -- Aber nun ging Klemens doch,
und -- ja, dann stellte Otto mich zur Rede. Es war herrlich, er stellte
mich --! Er hätte ihn doch jahrelang nicht gesehn --«
Renate dachte: Was erzählt sie mir da? Sie hat eine Nacht nicht schlafen
können und -- Irene hastete weiter, klagend und eintönig:
»-- und -- ja, ich weiß heut auch nicht mehr, was er sagte, und ich
entschuldigte mich auch, denn ich weiß ja, ich bin im Unrecht, er ist
sein Freund, und sie kennen sich lange, und sie sind Männer, und ich bin
nur eine Frau, und ich kann nur sagen: ich mag ihn nicht!«
»Ein Mensch ist nicht mehr als ein andrer,« sagte Jason ruhig, »wenn er
nicht mehr tut als ein andrer.«
»Hab ich denn nicht mehr ein Recht zu sein, wie ich will?« begehrte
Irene auf. »Hab ich kein Recht als deine Frau? sag ich zu Otto. Und da,
-- ich sprach grade noch von seinem rodomontierenden Wesen, seinem
breiten Bart, und wie er die Worte setzt, alles, was mir so -- so -- ich
weiß nicht! -- und seine unsichtbaren Augen ... Auf einmal steht er
wieder in der Tür und muß wohl gehorcht haben, es war ja auch nur der
Vorhang dazwischen und sagt, -- ja, was sagte er doch noch ...«
»Ein Mensch,« sagte Jason, »ist nicht mehr wie ein andrer.«
»Jason! -- Er sagte: weil ich von Rechten geredet hätte ... Er wollte
auch von Rechten reden. Meine Ehe, die wäre eine Jammerleistung, ich
hätte nicht mal Kinder, und sie wären zwanzig Jahre Freunde, und ich
bloß zwei Jahr verheiratet. Ja, und es wäre zum Tollwerden, sagte er,
und ich sollte doch erst mal lernen, was eine Ehe ist, ehe ich mich an
einen Mann hängte. Oh, es ist uner--, unerhört ist es!«
Renate hörte sie aufgeregt hin und her laufen. Jason hatte es sich im
Sessel bequem gemacht, die Hände vor dem Magen gefaltet und schien jetzt
aufmerksam zu lauschen.
»Wie gings nun weiter, Irene?« fragte er, »du erzählst sehr anschaulich.
Was hat Otto denn nun wohl gesagt? Sagte er nicht, daß Klemens weder
Vater noch Mutter gehabt habe und nicht einmal wüßte, wer sein Vater
ist, ein Student zum Beispiel, oder ein Großherzog? Sicher hat er etwas
Ähnliches gesagt und wahrscheinlich auch, daß Klemens gehungert hätte
für drei und gearbeitet für zehn. Nun, ein Mensch ist nicht mehr als ein
andrer.«
Renate sah Irene hinten auf einer Sessellehne sitzen und die Achseln
zucken. Jason wüßte ja alles, sagte sie, es sei schon so gewesen. Ja,
sie hätte auch gesagt, daß sie ihn, Otto, nicht so lieben könnte, wenn
Klemens daneben stünde, aber sie sei schon müde gewesen, und da habe er
denn diese Probezeit von acht Tagen verlangt, aus denen dann Wochen
geworden wären, und sie hätte ihn ja auch wenig gesehn, nur bei den
Mahlzeiten, da er sonst im Zimmer ihres Schwagers gearbeitet hätte ...
»Ja, Albert Vehm,« sagte Jason, sich aufrichtend, »gut, daß du den Namen
nennst. Ein Mensch ist nicht mehr als ein andrer, aber was ist mit ihm?«
»Er ist weg. Wir wissen jetzt, wo er haust; bei einem Bauern aus seiner
Praxis, aber niemand bekommt ihn zu sehn.«
Da sah Renate ihn wieder am Zaun stehn und hörte ihn fragen: Und die
Kinder ...? Renate schreckte leicht auf, da Irenes Stimme auf einmal
dicht über ihr fragte: »Bist du abergläubisch?«
»Nun ja, wie man so ist,« gestand sie halb lachend, »Katzen und
Sternschnuppen und Spinnen, und wenn das Streichholz nicht anbrennen
will, daß man sich sagt: das und das wird geschehn, wenn ... aber --«
»Ja, so ähnlich,« sagte Irene, »jedenfalls hab ich mir ausgedacht, daß
in diesen acht Tagen irgend etwas geschehn sollte, das mich bestärkte
oder veränderte gegen ihn, aber natürlich ist nichts geschehn, bloß daß
er mir immer unangenehmer geworden ist, und dann hab ichs eben langsam
immer weiter ertragen, und --«
»Was war denn nun zu ertragen?« fragte Renate kühl.
»Gott, Renate, daß _ihr_ Beide gegen mich seid, das weiß ich ja längst,
und wie soll man denn das auch beschreiben? Die Worte machens doch
nicht, das macht doch das Gesicht und die Haltung und die Tonart und
alles, oder meinst du, man kann sich da irren, und ich hätte mir bloß
eingebildet, daß er es förmlich drauf anlegte, mich aufzubringen und zu
empören und --«
»Oh das kann ich mir sehr gut vorstellen«, sagte Jason. »Wenn einer so
in die allgemeinsten Dinge eine Spitze hineinsteckt, und man kann nichts
sagen, denn da ist gar nichts zu sehn, aber innerlich möchte man
aufschrein, nicht wahr, Irene? Und dann so dies: obenhin ... Wenn man
sich grade so schön vorgenommen hat, geduldig und artig zu sein, und tut
eine bescheidene Frage und kriegt auch eine Antwort, aber was für eine!
-- So nach einer Weile, als ob sie erst abgeleckt wäre von allen Seiten,
so aus dem Mund geholt wie ein Matrosenpriem und auf die Tischkante
gelegt zum Trocknen, ja, das kenne ich ausgezeichnet. Wirklich, ein
Mensch tut nichts andres als ein andrer.«
Irene antwortete nicht, aber Renate fing an, sich ernstlich zu sorgen,
da sie immer geschwinder und wilder durch den Raum hin und her fuhr, die
Hände geballt und mit verwirrten, weggeschleuderten Blicken.
»Wenn Otto mir sagte,« rief sie hart anhaltend, »Klemens könnte keinen
Widerspruch vertragen, es sei überhaupt alles Beherrschung an ihm, außer
man wäre sachlich oder sächlich, -- was weiß ich, ich bin weiblich! --
-- was blieb mir denn übrig als stille zu schweigen?«
»Gut, Irene, ausgezeichnet!« lobte Jason, »damit trafst du das
Richtige.«
»Schweig, Jason! Und immer hackte er auf meiner Kinderlosigkeit herum!
Nein, höre, da fällt mir etwas andres ein, was er sagte. Einmal konnt
ichs nicht lassen und fragte, was das denn eigentlich für eine
Freundschaft wäre, wo einer sich um den andern jahrelang nicht kümmerte.
-- Das wäre das Feine dran, sagte er. So, sage ich zu Otto, und wenn ich
mich jetzt zwei Jahre Gott weiß wo herumtreibe, dann ists dir
wahrscheinlich auch egal. -- Darüber habe ich noch nicht nachgedacht,
sagt er. Ist das nun vielleicht eine Antwort?«
Glühäugig stand sie da und blickte Renate an. Jason machte erstaunte
Augen.
»Ich hatte gedacht,« sagte er, während Renate ein Lächeln verbiß, »du
wolltest von Klemens reden? Nun,« sagte er und zog sich befriedigt
zurück, »du hast ja recht: ein Mensch ist nicht mehr wie --«
»Ja, nun verwechsle ich sie schon«, murmelte Irene, kniff den Mund zu
und sagte böse: »Einer ist mir so fremd wie der andre.«
»Höre mal übrigens,« fing Jason an, »du hast das wohl auch verwechselt.
Klemens redete von Freundschaft, und du von Ehe.«
»Ah, sieh, Jason!« höhnte Irene spitzig, »du hast wohl auch seine
Meinungen über Liebe und Ehe und so.«
»Wenn du mir die seinen vielleicht sagen möchtest ...« meinte Jason.
»Also, einmal frage ich ihn ganz bescheiden, ich hätte eigentlich noch
immer etwas Zeit übrig, namentlich im Winter, ob er nicht auch meinte,
daß ich mich fürsorgerisch betätigen sollte. In meinem Staat, sagt er,
gewiß nicht. Er bemühe sich seit zehn Jahren, das Recht auf Kindersegen
für jede Frau durchzusetzen, und ich prätendierte das Recht auf
Kinderlosigkeit. In seinem Staat, und so weiter, und ob ich eigentlich
wüßte, wieviel Frauen ich die eigentliche Vollendung ihres Daseins
wegnähme. Ja, weißt du, warum? Weil ich einen Mann für mich beanspruche,
von dem andre Kinder haben könnten. Und damit --« ihre Stimme wurde
heiser und überschlug sich, »kletterte er im Handumdrehn zu der
Behaup--« Ihre Stimme versagte, sie mußte husten und hörte lange Zeit
nicht auf.
Das sei aber mal nichts Besondres, meinte Jason enttäuscht; nein, das
fände er nun äußerst natürlich und wahrheitsgemäß geredet. Ob er denn
sonst nichts gesagt hätte?
Sie hätte es wohl vergessen, murmelte Irene matt, es sei ja auch gleich.
Renate sagte, damit könnte sie wohl recht haben, denn sie hätte wohl
gleich gemerkt, daß es sich hier wie immer nicht um das Was handle,
sondern um das Wie, und Irene habe sich ja auf unbegreifliche Weise
haßerfüllt und abgeneigt von vornherein gegen Klemens gezeigt ... Sie
brach ab, da sie Irene in ihrem Sessel hinten, ohne hinzuhören, sich nur
angestrengt besinnen sah. Gleich darauf fing sie auch an: Lieben, hätte
er einmal gesagt, lieben könnte man doch nur, was einem fremd sei. »Wie?
frage ich. -- Zum Beispiel: Gott, sagt er. -- Gott? frage ich erstaunt,
und da fällt mir natürlich Otto ein, und ich frage, ob er vielleicht
behaupten wollte, daß Otto mir fremd wäre. -- Er wäre überzeugt,
unterbricht er mich, daß es nichts gäbe, was einander fremder wäre als
zwei Menschen, Mann und Weib.« Jason spitzte die Ohren. »Mein Mann ist
mir lieb, nicht fremd, sage ich. -- Abgesehn, sagt er, von der Logik,
was meine Ehe denn für eine Kunst wäre. -- Liebe, sage ich, nicht Ehe.
-- Ah, sagt er da und tut hocherstaunt, Sie wissen also doch sehr gut,
daß Liebe und Ehe nicht das geringste miteinander zu tun haben. -- Ich
falle aus allen Wolken und sage: Was? -- Denn Liebe, doziert er so recht
pedantisch, Liebe ist ein Gefühl, und Ehe ist eine Einrichtung.«
»Nun, da haben wirs«, sagte Jason entzückt. »Ein Mensch kann nicht mehr
tun als ein andrer, aber dies war ja nun sehr ausgezeichnet, ein ganz
ausgezeichnet wahres Wort! Ich möchte fast glauben, daß er es mir
abgelauscht hat. Immer und immer habe ich das gesagt: Liebe und Ehe, die
beiden haben miteinander genau so viel und so wenig gemein wie das Leben
und der Tod. In der Ehe nämlich herrscht das Gesetz, ja bis in die
allerkleinste Wallung und Verrichtung des alltäglichen Ehelebens hinein
waltet der Geist der Verträglichkeit auf Grund des Vertrages. Was aber
tut das Gesetz? Es tötet. Es tötet ab, es erstarrt. Die Ehe ist recht
eigentlich die Idee aller starren Systeme, aber nun, wie es im Liede
heißt: Media in vita -- mitten im Leben sind wir vom Tode umfangen.
Mitten im Leben der Liebe vom Tode der Ehe umfangen und dennoch höchst
lebendig, wohlwollend, verträglich, hülfreich und gut zueinander sein,
-- das wäre die Kunst der Ehe.« Sprachs und glitt zufrieden wieder in
seinen Sessel zurück. Irene sagte nichts.
Wie rauh und schwächlich, aber auch wie traurig hatte Irenes Stimme doch
geklungen; Renate hörte es nun erst, wo sie erloschen war. Sie hätte
gern etwas Tröstliches geäußert, aber alles, was sie hörte, brachte
keine Begriffe in ihr hervor; es war wie das Plätschern eines Wassers,
dem Wehmut und Abgeschiedenheit anzuhören ist, doch bleibt es die
betrübte Stimme eines Bachs, eine fremde, nicht zu unterbrechen oder zu
enden mit Zusprache oder Streicheln.
»Und nun hat er ja recht behalten«, kam ihre Stimme wieder zum
Vorschein, erloschen und trostlos. »Otto ist mir fremd geworden.
Vielleicht ist ers immer gewesen, ich weiß ja nun gar nichts mehr.
Früher glaubt ich all seine Gedanken zu sehn, jetzt muß ich oft seine
Stirn ansehn und denken: Was ist dahinter? habe ich etwas damit zu tun?
-- -- Wie einfach, wie natürlich war nicht alles! Es war nicht groß, du
lieber Gott, es war keine _Kunst_! aber es paßte doch zu uns, und ich
wars zufrieden. Nun heißts: es ist keine Kunst, und ich muß über die
schwierigsten Sachen nachgrübeln. Manchmal ist mirs schon gewesen, als
sei es ganz gleichgültig, ob Otto und ich zusammenleben oder irgend zwei
Andre.«
Jason lächelte hier still und friedlich vor sich hin. Renate mußte
denken: Er scheint es ja recht leicht zu nehmen ... Irene stand auf,
hielt den Kopf gesenkt und zerrte an ihrem Taschentuch.
»Ich weiß ja, ihr wollt mir nicht helfen«, sagte sie, Tränen dick in der
Stimme.
Jason erhob sich. »Ich gewiß nicht, Irene,« sagte er aufrichtig,
»obgleich ich nicht weiß, was dir eigentlich fehlt. Nein, ich freue mich
im Gegenteil, dich in einer derartigen Verwirrung zu sehn. Verwirrungen
erhöhen die Lebhaftigkeit des Daseins und machen die Ruhe angenehm.
Nichts ist süßer, als auf dem Sofa liegen nach einem schönen
Schwindelanfall. Dir kann ich noch nicht helfen.«
Noch? was das heißen solle, noch?
»Oh nichts so Bestimmtes«, meinte Jason. »Ich wollte bloß zum Ausdruck
bringen, daß ich nichts anzufangen weiß mit Leuten, die dastehn und
schreien, sie fielen um. Wenn einer an der Erde liegt, so will ich ihn
aufrichten; ja, dazu mache ich mich anheischig.«
Plötzlich stampfte Irene mit dem Absatz auf und schrie: »Herrgott, warum
muß denn nur alles so verkehrt kommen! Warum liebt ihr euch denn nicht,
Klemens und du, statt daß --« Sie brach verwirrt ab. »Nein, wir hassen
uns ja ...« Sie schien völlig den Faden verloren zu haben, schüttelte
sich auf einmal, kam auf Renate zugeflogen, warf sich vor ihr an den
Boden, umschlang sie und schluchzte jammervoll:
»Ach, ach, ich muß dirs ja gestehn, ich hab mich nur so herumgeredet, es
ist ja so eine furchtbare Schande, aber ich muß --« sie schüttelte sich
krampfhaft -- »ich muß es dir sagen, er hat -- er hat mich -- er hat
mich ja so wahnsinnig gedemütigt! Ach, angeschrien hat er mich wie ein
Sinnloser, niedergedonnert hat er mich -- ach, Otto! Otto!«
»Wie, Otto hat ...« fragte Jason.
Irene sprang auf und flammte ihn an. »Otto, bist du ganz rasend? Er, er,
er, Klemens! Auf einmal ist er ganz blau im Gesicht geworden, ich weiß
nicht, ich muß ihn wohl gereizt haben, und dann hat er gelärmt ...! Was
das für eine Schande mit mir wäre, dies kindische Wesen, und alles Alte
hat er wieder aufs Tapet gebracht, und ich gönnte ihm seinen Freund
nicht, und den Mund sollte ich halten und --«
Ihre Stimme erstickte wieder. Renate konnte es nicht mit ansehn, wie sie
dastand und sich erniedrigte, schüttelte den Kopf, mußte sich aber nun
doch sagen, daß an allem schließlich etwas Wahres sein müsse, nicht
alles allein Irenens Schuld sein könne; sie konnte sich aber in der
Erinnerung an den Nachmittag mit Klemens ihn in keiner ungebührlichen
Haltung vorstellen.
»Wie du dich erniedrigst, Irene!« entfuhrs ihr unbedacht. Irene zischte
wieder empor.
»Ich will mich erniedrigen!« schrie sie wütend. »Und was er schaffte,
das sei mehr wert ... brüllte er, und eine Stimme hat er gehabt, daß
alles Glas nur so klirrte, und die Wände haben gezittert, und ich saß da
wie versteinert. Das in meinem Haus!« Fliegend, jauchzend, zitternd,
frohlockte sie: »Wahnsinnig hasse ich ihn, wahnsinnig! o ich hasse ihn,
ich hasse, ich hasse ihn. Käme er nur, käme er nur noch einmal und ...
ach, ich wollte, er täte es noch einmal!«
Das könnte sie haben, meinte Jason gefällig, er hörte Klemens eben
draußen klingeln.
Renate vernahm seine Worte nur halb, mit den Augen an Irene hängend, die
wie eine Eumenide vor ihr wogte, die Arme schleudernd, als stäken Dolche
in den Händen, und alle Locken hatten sich aufgerichtet um ihren Kopf
und bebten und zürnten mit.
»Wißt ihr, was er getan hat?« zischte sie. Mit funkelnden Augen von
Renate zu Jason und zurück, hob und krümmte sie den rechten Arm, hob die
Hand und machte eine klappende Bewegung damit. »Verstehst du, Renate?«
Renate verstand und reckte sich innerlich. »Verstehst du, Jason? Ja,
nicht wahr, das habt ihr doch nicht gedacht, das habt ihr --« Ihre
Stimme und sie selber schwankte.
In der Tür stand das Hausmädchen und sagte: »Gnädiges Fräulein -- Herr
Doktor Klemens.«
Renate geriet in Schrecken. Was wollte das werden? Irene war nicht
anzusehn, ob sie die Meldung gehört hatte oder nicht, sie spähte mit
einem sonderbar wirren Blick im Zimmer umher, entdeckte plötzlich
zwischen Korridortür und Kamin das Telephon und stürzte darauf zu. --
Renate hörte das Mädchen etwas fragen, nickte nur, und gleich darauf
flammte das Licht in der Krone blendend auf und übergoß alles. Irene
schrie: »Otto!« dann »Einundsiebzig einundsechzig!«
Klemens erschien in der Tür, verbeugte sich gegen Renate, blickte dann
scheinbar abwartend auf Irene, die ihm den Rücken wandte, über das
Tischchen mit dem Fernsprecher gebeugt.
»Bitte, schalten Sie um!« sagte Irene. Gleich darauf: »Ja, umschalten
sollen Sie, zum Oberstock, Himmeldonnerwetter, verstehn Sie denn nicht?
Um -- -- Ach, der Teufel soll dich holen!« schluchzte sie, warf den
Hörer hin und fiel in den Sessel, aus dem Jason eben aufgestanden war.
Der ergriff nun den Hörer, fragte: »Bitte, sind Sie noch dort?« horchte
und sagte: »Ach, Sie sind selber am Telephon! Bitte, einen Augenblick!
-- Dein Mann ist am Telephon, Irene,« sagte er zu ihr, »es war bereits
umgeschaltet. Soll ich ihm was sagen, oder willst du --«
Irene unterbrach ihr Weinen und schluchzte mühsam, sie wolle ihn nicht
sprechen, er -- sie habe nur hören wollen, ob er zu Hause sei, und sie
käme auch gleich.
Jason führte das aus und legte den Hörer hin, dann drehte er sich um und
sagte zu Klemens:
»Das ist schön, daß Sie grade kommen. Wir sprachen von Ihnen, und da
möchte ich Sie gleich fragen: Haben Sie meiner Freundin Irene wirklich
eine Ohrfeige gegeben?«
Irene zuckte nur, als sie merkte, daß er mit Klemens sprach, behielt
aber das Gesicht im Taschentuch, richtete sich langsam auf und trocknete
ihre Augen. Klemens sagte leutselig zu Jason:
»Junger Mann ... Das heißt,« unterbrach er sich, »hat Frau Herzbruch
dies vielleicht behauptet?«
»Also nicht?« rief Renate erleichtert.
»Keine Idee! Ich habe bloß so getan«, verteidigte er sich.
»So getan?« sagte Jason. »Das ist glänzend.« Zufriedengestellt, wie es
schien, drehte er sich ab, ging in den Hintergrund und sagte wie zur
Erklärung: »Ein Mensch ist nicht mehr als der andre, wenn er nicht mehr
tut als der andre.«
Klemens sah ihm mißtrauisch nach, äußerte dann zu Renate: »Ich kann
Ihnen das leider nicht vormachen.« Nun wandte er sich zu Irene, die
langsam aufgestanden war und zu schwanken schien, ob sie ihn ansehn
sollte, und sagte:
»Ja, also Frau Irene, ich bin noch einmal gekommen, -- es wird mir nicht
leicht, und ich habe wohl auch eigentlich --«
Er wollte auf sie zugehn, aber Irene, einen Augenblick geduckt, ging ihm
plötzlich entgegen, streckte ihm die Hand hin und murmelte:
»Ich bitte Sie um Verzeihung, Klemens, ich hatte Sie wohl zu sehr
gereizt, und -- ich bitte Sie um Gottes willen ...«
Klemens ergriff tief erstaunt ihre Hand und brachte kaum den Mund zu.
Irene ließ wieder los, ging wie geistesabwesend zur Flurtür, murmelte:
»Wohin will ... wohin soll ich denn nun? Ach so, nach -- nach Hause ...«
Dann schluchzte sie tief und furchtbar auf.
Renate lief hastig um die Sessel und zu ihr hin, erreichte sie in der
Tür, legte den Arm um ihre Schulter und ging mit ihr hinaus. Sie wagte
jetzt kein Wort, Irene raffte sich auch wieder zusammen, ging gefaßt in
die Kleiderablage, ließ sich von Renate in die Jacke helfen, setzte die
Mütze auf, knüllte den Schleier zusammen und steckte ihn ein. Nach einem
Blick in den Spiegel holte sie ihn wieder hervor und band ihn mit
zitternden Fingern um; Renate half ihr.
»Gute Nacht«, sagte sie leise. Renate wollte sie an sich ziehn, aber sie
schüttelte trübe den Kopf und ging hinaus. Renate blieb ratlos zurück.
Wieder ins Zimmer kommend, hörte sie Jason eben sagen: »Seelische
Fallsucht ist ein vortrefflicher Ausdruck!« worauf er sich zu Renate
umdrehte, mitten im Zimmer, schmal und kleiner als sonst neben Klemens
scheinend, den Kopf ein wenig schräg haltend, und erfreut zu Renate
erklärte:
»Herr Klemens sagt, er hätte die seelische Fallsucht. Jahrelang ginge es
ihm sehr gut, und dann, auf einmal, wäre die Fallsucht wieder da; es
geht ihm also genau wie mir. Ich habe ja mehr die Zitatenfallsucht, aber
sie ist ja nun auch im Schwinden, unberufen, und eine Zeitlang hatte ich
das Kopfschütteln, aber das ist, glaube ich, auch schon wieder im
Schwinden.« Er schüttelte den Kopf. »Nein, da ist es wieder,« sagte er
enttäuscht, »ich habe es berufen, nun will ich lieber gehn und Irene
noch an der Haltestelle treffen. Gute Nacht, Herr Klemens.« Er reichte
ihm die Hand. »Gute Nacht, Renate.« Er reichte ihr die Hand, lächelte
und ging sacht hinaus.
Renate setzte sich schweigsam in einen Sessel, hielt sich grade, rieb
die Hände leicht im Schoß und blickte ins niedergebrannte Feuer. Aber
beim Anblick des Blasebalges fiel ihr Jasons Bemerkung ein: er
unterhalte das Feuer; sie mußte lächeln, sah zu Klemens auf, sah ihn in
sich gekehrt im Schatten stehn und sagte: »Ein großer Wirrwarr, wie es
scheint! Wollen Sie so gut sein und den Blasebalg etwas in Tätigkeit
setzen?«
Klemens fuhr auf. »Blasebalg?« rief er, »meinen Sie mich oder den da?«
Er lachte, setzte sich, ergriff das Instrument, drehte eins der
Holzscheite mit ihm um, setzte ihn dann bedächtig in Tätigkeit. Als das
Feuer wieder hell brannte, legte er den Blasebalg fort, setzte sich
zurück und sagte:
»Kluge Jungfrau! auch Ihnen wird, nehme ich an, bekannt sein, was
gemeinhin nicht viele wissen, ich aber weiß es: Nichts fängt da an, wo
es anzufangen scheint. Auch diese armen Tränen, welche Sie sahen, auch
die -- ich schwöre es! -- nicht nur Ihnen imaginär gebliebene Ohrfeige
haben ihre Wurzel nicht im heutigen, sondern in Frau Irenens
Hochzeitstage. Ich kam nicht zur Trauung, damit fing es an. Ich habe nun
eine Abneigung gegen Schwurformeln im allgemeinen, und im besondern,
wenn der, welcher sie aufsagt, nicht daran glaubt, und erschien deshalb
erst bei der Tafel. Das Ehepaar brach, wie Sie sich erinnern werden,
früh auf, so bekam ich Ottos Frau kaum zu sehn, aber was ich bekam zu
sehn, das war nicht hoffnungsvoll. Ich dagegen war so hoffnungsvoll, zu
glauben, dies werde in zwei Jahren vergessen sein, aber weit gefehlt!
Ja, ich dachte es mir ganz schön, ich hatte vor, ein Buch zu schreiben
--«
»Ein Buch?« fragte Renate, aber er winkte großmütig ab:
»O bloß so ein Buch! wie halt a jeder! Und da dachte ich, dies bei mehr
Behaglichkeit und Ruhe in Herzbruchs Hause als in so einem möblierten
Zimmer tun zu können, denn meine eigne Wohnung hab ich vor ein paar
Jahren aufgegeben, und meine Schwester hatte keinen Platz bisher.
Natürlich, ich hätte nach der ersten Nacht verschwinden sollen, aber --
ja, was ist da zu sagen? Otto bat mich, ich hoffte weiter, ja, Otto, das
muß ich sagen, zwang mich gewissermaßen, indem er meine Stiefel
versteckte, und als moralischen Grund gab er vor, seine Frau müßte
aufgemuntert werden, sie würde zu dick. Alles gut und schön, aber -- na,
ich blieb doch, und Herzbruch, der hetzte ja denn nach Kräften, er fand
es herrlich, wenn wir uns die geschliffenen Partisanen gegen den Kopf
rannten, und sagte, sie wäre nicht wiederzuerkennen, und ich wäre ein
General-Stabsarzt.«
Renate sprang auf und lief ins Zimmer hinein. »Ach, hören Sie lieber
auf,« bat sie zwischen Lachen und Weinen, »das ist ja nicht auszuhalten!
Erst kommen Sie am Nachmittag, und ich freue mich, denke, ich kenne Sie,
und wie Irene mir stundenlang etwas vorjammert, bleibe ich bei meiner
Auffassung von der Sache, bis es mir denn doch zu ernst wird, und ich
denke: was Wahres muß doch dran sein, und dieser Klemens ist kein
solcher Cherub, als welcher er sich gehabt.« »Danke!« nickte Klemens.
»Ach, nichts zu danken, denn nun kommen wieder Sie, und nun sieht die
Sache wieder noch ganz anders aus, und nun ist Otto eigentlich derjenige
welcher. Was ist denn nun das Richtige?«
Klemens kratzte sich mit schief offnem Munde den Kinnrand im Bart und
meinte: er wüßt es nicht, er reiste ja nun ab. Daß der Zweck seines
Daseins im Hause Herzbruch vollkommen erreicht sei, das wollte er
schwören. Nun ginge er acht Tage auf Reisen, dann würde er bei seiner
Schwester wohnen und --
»Ach, papperlapapp,« unterbrach Renate ihn lachend und ärgerlich, »was
ist das mit der Ohrfeige gewesen?«
Klemens wiegte verdrießlich den Kopf. »Die Ohrfeige«, sagte er, »hat
nicht stattgefunden.«
Plötzlich wurde er dunkelrot, Renate erschrak und dachte: nun kommts!
aber die Fallsucht schien auszubleiben, er ergriff den Blasebalg, warf
ihn auf die andre Seite des Kamins, machte böse Augen, schob das Kinn
vor und sagte endlich:
»Daß man von unechter Abkunft sei, braucht man sich nicht sagen zu
lassen, meine Teuerste. Ich habe in Zeitungen geschrieben und mich mit
mehr als einem Preßbengel herumgeschlagen, und daß ich weiß, wie und wo
die giftigsten Spitzen anzubringen und abzuschleudern sind, das kann
Frau Herzbruch freilich bezeugen. Meine Abkunft jedoch hat der
schmutzigste Schmock, obgleich ich nie ein Hehl daraus gemacht habe, nie
angetastet, denn auch so einer hat Kenntnis von gewissen Usancen. Ich
bin, wenn Sie es wissen wollen,« sagte er aufstehend, »ich bin darauf
auf sie zugegangen, so!« Er trat dicht vor Renate, »und hab die Hand
gehoben, so! Und da hat sie sich geduckt, hat kein Wort gesagt und ist
zur Tür geschlichen. Ottos Schwester, auch dies mögen Sie erfahren, war
die erste und einzige bisher, der ich es mitgeteilt habe.«
»Genug,« sagte Renate reuevoll, »verzeihen Sie nur! genug!«
»Ich habe ja nichts gegen Sie,« lachte er nun, »aber«, schloß er wieder
ernst und mit Würde: »wenn ich auch Proletarier bin, bin ich deshalb
kein Prolet, sondern reiner Geist; ich stabiliere mich als solchen.
Nein, sehen Sie,« fuhr er leichter fort, »zu Irene sagte ich, nachdem
ich -- Sie wissen schon! --: ja, da könnte sie nun sehen, wie verdorben
sie wäre, daß sie wahrhaftig glaubte, ich wollte sie ohrfeigen, und weiß
Gott, es ist etwas daran, und was soll dieser Otto mit einer Frau
machen, die glaubt, ihre Ehe geht in Stücke, bloß weil einer zusieht,
den sie nicht leiden kann? Ja, bitte, was sagen denn Sie dazu? Sie sind
doch ihre Freundin, Sie kennen auch Frau Vehm -- ja, du lieber Gott, ist
das ein Unterschied zwischen den Beiden!« Er atmete auf.
Ein Mensch, dachte Renate, ist nicht mehr wie der andre, wenn er nicht
mehr tut wie der andre. Es war nicht gerade viel, was Irene zu tun
pflegte, zumal im Schatten ihrer Schwägerin betrachtet.
»Der Mann ist ein Sonderling und verkriecht sich,« hörte sie Klemens
wieder sagen, »die Frau ist oft stundenlang, tages und nächtens, bei
Wind und Wetter unterwegs, um ihn zu finden, und was sie selber im
Herzen zu schleppen hat, das wird ja wohl auch Ihnen nicht unbekannt
geblieben sein; aber deshalb weicht sie doch keinen Schritt von ihrem
Wege und neigt das dunkle Haupt auch keinen Nagelbreit unter ihrer
aufgetürmten Last, sondern steht da, lächelnden Mundes, heller Stimme,
sichrer Hand und kräftigen Herzens, schöne, edle Karyatide unter dem
stöhnenden Gebälk ihres Daseins. Ach, man möchte singen und verzweifeln
um solch eine Frau, und Irene daneben, was tut sie? Sie glauben
vielleicht, sie sei Ottos Frau gewesen, aber weit gefehlt! Bis vor drei
oder vier Wochen war sie's nicht, sie wollte ja keine Kinder haben,
quält einen Mann zu Tode mit ihrer -- Daseinsunwissenheit und wirft sich
ihm endlich in die Arme an dem Tage, wo ein Mensch ins Haus kommt mit
unsichtbaren Augen.«
Er lief mit großen Schritten zornig im Zimmer hin und her, warf die
Ellenbogen vor und schlug die Hände zusammen. Ob denn das zum Blasen
sei? fragte er. »Na, aber nun hat er sie ja wenigstens, und so wird denn
wohl alles in der Ordnung sein«, murrte er, kam auf Renate zu, hielt ihr
die Hand hin und bat, gehen zu dürfen.
Renate sah ihn durch Schleier an. Seltsam erinnerte sie sich Ulrikas.
Ohne sie wüßte sie heute kaum, was das bedeutete, was Klemens ihr eben
verraten hatte, bedeuten mußte für einen Mann wie Herzbruch.
»Ich fürchte, lieber Herr Klemens,« sagte sie leise, »so einfach wird es
nicht sein, wie Sie denken, aber -- wir können ja hoffen. Sie vergessen
doch nicht dies Haus, wenn Sie wieder in der Stadt sind, nicht wahr? Ich
würde gern noch mehr mit Ihnen sprechen, aber ich bin nun auch recht
müde geworden von allem. Also auf Wiedersehn!«
»Ja,« sagte er, als fiele etwas ihm ein, »und wissen Sie denn
eigentlich, warum ich noch einmal zurückgekommen bin?«
Renate schüttelte den Kopf.
»Weil ... Ich verstehe es nicht«, murmelte er, den Kopf senkend. --
»Weil«, fuhr der dann erklärend fort, »mich unterwegs die Reue ergriff;
weil ich dachte, ich wäre vielleicht doch im Unrecht, und -- da man
gleich tun soll, was man tun will und kann, so drehte ich wieder um, und
-- -- was geschieht? Sie sahns ja, sie tat, was ich tun wollte, sie bat
mich am Verzeihung!«
Auf dies hin wußte Renate nichts. Sie standen noch eine Weile
schweigend, dann verbeugte er sich und ging.
Renate nickte ihm noch lächelnd zu, als er aus der Tür grüßte, dann
fielen die Schleier wieder über alles, langsam erlahmte ihr Denken, rot
glimmte die sinkende Glut vor ihren verdunkelten Augen, sie ging zur
Tür, löschte das Licht und ging schläfrig und abgespannt auf ihr Zimmer.