Georg stierte gegen die Inschrift. Er reckte sich, stöhnte, knickte
zusammen und fühlte sich wunderbar sommerschlaff.
»Alle verwunden, heißt es, die letzte tötet. Es sind die Stunden
gemeint.« Ja, -- _ultima necat_. Sollte das wahr sein? Gott sei gelobt,
für die erste Hälfte stimmte es im Augenblick nicht. Danach kroch er vor
Esthers Füße und legte sich zufrieden nieder. Durch halbgeschlossene
Augen sah er den Saum ihres Kleides und die Spitzen leise in Wellen
gehn, sah die weiße Haut durch den dünnen Strumpf schimmern und die
kleinen Eindrücke um die Spitze des bronzenen Schuhs. Dies nicht zu
küssen, ist schwer, dachte Georg.
Indem bemerkte er das kostbare gelbe Haupt einer Nelke an Esthers
Kleidausschnitt und fragte eifersüchtig: »Esther, woher kommt die
Blume?«
»Von Sigurd«, sagte sie gleichmütig.
»Das«, schrie Georg, »ist zum Tollwerden! Er hat mir vor drei Tagen, als
ich mit Blumen zu Renate kam, den längsten sozial-ethischen Vortrag
gehalten, was für ästhetische Albernheiten das wären!«