Die Helferin

In New York erregte um die Mitte des vorigen Jahrhunderts der Prozeß des

Fabrikanten Grasso ungeheures Aufsehen. Man sprach monatelang von der

rätselhaften Angelegenheit und ihren furchtbaren Begleitumständen. Der

Krieg mit den Südstaaten brach aus, ehe man sich beruhigt hatte. Als nach

einundeinhalb Jahren der Friede geschlossen wurde, war die Erinnerung an

den Vorgang ausgelöscht; und jetzt lassen sich die Einzelheiten nur noch

stückweise zusammenfinden. Sie sind überwuchert von mythischen Bildungen;

sie lassen staunen, wie Unglaubliches dem Menschen begegnen kann, mit wie

lächelnder Lippe er daran vorübergeht und alles weiterzieht wie früher.

Gegen Ende der fünfziger Jahre florierte an der Peripherie der Stadt --

jetzt gehört die Gegend völlig zur City -- ein Beerdigungsinstitut. Der

Besitzer Grasso war mit seiner Frau vor fünf Jahren aus Italien

eingewandert. Er hatte sich vergeblich als Hotelier versucht, war dann

Schreiner geworden und hatte dabei soviel erworben, daß er ein älteres

Sargmagazin übernehmen konnte. Es gab damals kaum 200 000 Menschen in der

Stadt. In nicht langer Zeit hatte der Italiener es fertig gebracht, daß das

Beerdigungswesen völlig in seine Hände überging, daß nur noch einzelne,

mehr behördliche Aufträge an andere Firmen gelangten, von Krankenhäusern,

Militärlazaretten. Die Konkurrenzgeschäfte gingen rapid zurück. Nicht die

kapitalkräftigsten, die sich verzweifelt wehrten, konnten sich neben Grasso

behaupten, dem, ohne daß er Lärm machte, alles mühelos zufiel.

Erst später, bei der Untersuchung des Falles, stellte sich heraus, daß

Grasso ganz unbeteiligt an diesem Aufschwung seines Geschäftes war. Die

Blütezeit des Hauses fiel nämlich ziemlich genau zusammen mit dem Eintritt

eines jungen Angestellten namens Mike Bondi. Dessen Herkunft war völlig

unbekannt; nur bemerkte man, daß er sich italienisch mit seinem Herrn

unterhielt. Man sagte, er sei schon bei seiner Anstellung etwa zwanzig

Jahre alt gewesen. Aber jeder überzeugte sich, daß er in den fünfzehn

Jahren seiner Tätigkeit um keine Spur älter geworden war. Und

Photographien, die man später bei ihm fand, die ihn Arm in Arm mit Herrn

Grasso zeigten, bewiesen überraschend, daß dieser Mensch anscheinend

unbeweglich in der Zeit stand. Keine Linie seines knabenhaft zarten

Gesichtes hatte sich vertieft, seine tiefschwarzen Haarsträhnen fielen noch

immer in eine niedrige, weiße Stirn. Ja, auch seinen Kleidern -- es ist

etwas lächerlich, dies zu berichten -- schien die Zeit nichts anzuhaben;

denn niemand hatte gesehen, daß er sich neue kaufte; er trug immer einen

schwarzen Anzug, eine lockere, blusenähnliche Jacke mit blanken Knöpfen,

von einem altertümlichen Schnitt, wie man sie vor Jahrzehnten vielleicht

getragen hatte. Es wußte bei den Prozeßvernehmungen auch niemand, wo der

Mensch sich nachts aufhielt; manchmal soll er in dem Geschäft übernachtet

haben, meist aber fuhr er abends auf einem Wägelchen, das ihm gehörte, nach

St. Floridan zu, auf der alten Landstraße, und verschwand dann für viele

Stunden völlig. Aber all dies ist unsicher und gehört in das Gebiet jener

Sagenbildung, von der ich vorhin sprach. Mike war von kleiner Gestalt; er

ging stets in einem weichen Filzhut, mit einem dünnen Stöckchen. Sein Gang

war weich und schleichend. Über seine Augen läßt sich nichts sagen; denn

die hatte niemand gesehen. Immer hielt er die Lider gesenkt; und wenn einer

mit ihm sprach, so drehten sich die Augäpfel hinter der zarten Lidhaut.

Nicht selten zogen sich seine sehr schmalen Lippen zu einem schönen,

demütigen Lächeln zusammen. Die Sanftheit und Musik seiner Stimme war

unsäglich; sie erklärt vielleicht zum Teil den außerordentlichen Einfluß

Mikes. Denn, was er sagte, war einfach und ganz sachlich; er redete sehr

wenig und neben seinen geschäftlichen Dingen nur von Bäumen, Wurzeln,

Feldern und Tieren, für die sich die Städter sonst sehr wenig

interessieren. Ihn begleitete das Glück. Es bildete sich heraus, daß

täglich Mike Bondi durch die Straßen New Yorks wanderte, gefolgt von einem

hohen russischen Windspiel, einem weißen, ungeheuren Tier, das auf seinen

Beinen so lautlos wie er schritt, und das mit leeren Augen um sich blickte.

Mike Bondi ging in die Wohnungen der Kranken hinauf und sprach mit ihnen.

Niemand wehrte ihm; die Kranken ließen ihn zu sich rufen, eher noch als

einen Priester oder Arzt, und waren ihm dankbar für die Minuten, die er mit

kargen Worten ausgefüllt hatte. Sie wurden ruhiger und schmerzfreier, die

er verließ, aber sie starben alle, wie sich bei den Erhebungen des

Prozesses ergab, starben nach nicht einer Woche in großem Frieden, ohne daß

ihnen einer helfen konnte. Die ihn einmal gesehen hatten, faßten ein kaum

erklärliches Zutrauen zu ihm, und ließen ihn, wenn sie schwer erkrankten,

wie in einer unentrinnbaren Sucht zu sich kommen. Er trat nicht an sie

heran, er gab ihnen nichts, er berührte sie nicht. Dies stellte sich alles

bei den Erhebungen des Prozesses heraus.

Mike Bondi war nicht befreundet mit der Frau seines Herrn. Frau Grasso

liebte feurige Männer; aber eifersüchtig, wie untreue Weiber sind, freute

sie sich, daß ihr Mann, Mädchen abhold, sich an Bondi anschloß. Wenn sie

spät abends nach Hause kam, noch hochatmend von einer zarten Begegnung,

warf sie sich ihrem Mann an den Hals, der Arm in Arm mit dem stillen

Sonderling auf dunkeln Straßen spazierte.

Am Ausgang des Frühlings starb plötzlich die junge Frau eines

Rechtskonsulenten Martin in ihrer Wohnung neben Grassos Magazin. Der

Witwer, dem sie zwei kleine Kinder hinterließ, konnte sich nicht trennen

von dem toten Weibe; und in der angstvollen Nacht nach ihrem Abscheiden kam

ihm die Idee, die Leiche von dem Sterbelager zu entfernen, sie so schön, so

kostbar auf einem Sarkophage aufzubahren, wie seine Hände es vermochten. Er

wurde unter dieser Vorstellung lebendig, stieg noch gegen 11 Uhr von seinem

Lager, kleidete sich an und ging zu Grasso herunter, mit dem er alte

Freundschaft hielt. Die Türen des Magazins waren geschlossen; durch die

Ritzen der Jalousien zitterte ein trübrotes Licht, lag in feinen Linien auf

dem Straßenpflaster. Herr Martin öffnete den breiten Torweg, stolperte über

den stockfinsteren Hof, kam durch eine angelehnte Seitentür auf den langen

Korridor, der unmittelbar in das Magazin führte. Der Vorhang zum Magazin

rauschte leise. Mit Mühe fanden sich seine Augen zurecht. An den Wänden, in

den Gängen, unter niedrigen Wölbungen lagerten die Särge. Sie standen

geöffnet. Sie standen da, nicht erwartungsvoll, nicht mit Gier, -- mit

geheimnisvoller Leere, versunken in sich, und nur einige seufzend und

schmachtend. Und in dem trübroten Flackern einer Lampe sah Herr Martin eine

Bewegung in der Nische hinten, hörte flüstern. Herr Grasso kniete dort vor

einem Sarge; aus dem hoben sich zwei weiße Arme; Spitzenärmel fielen von

ihnen zurück. Herr Grasso beugte seinen Kopf tiefer, drückte sein Gesicht

in die niedrigen Brüste eines Weibes. Er murmelte: »Bessie« und vieles, was

sehr leise war; sie antwortete: »Ernesto«, lachte und weinte durcheinander;

sie hatte eine sehr süße Stimme.

Herrn Martin schlug das Herz bis in den Hals hinauf; er ging aufs tiefste

erschrocken rückwärts hinaus, vergaß seine Bestellung. Er lag, ehe er es

wußte, in seinem Bett, kleidete sich mit dem Morgengrauen an und lief zu

Frau Grasso, die in ihrer Küche stand mit losen Röcken und sich, verblüfft

über den frühen Besuch, ein Tuch umlegte.

Sie war erst ungläubig und beobachtete ihren Nachbarn, da sie glaubte, er

sei verwirrt über den Tod seiner jungen Frau. Aber dann hielt sie inne mit

dem Scheuern, stieß die Kaffeemühle auf den steinernen Boden herab, biß

sich tief in den linken Vorderarm und wühlte in einer Schublade nach einem

spitzen Küchenmesser, das sie einmal um das andere in die Holzwand der

Küche stieß. Sie schrie, wem denn das gemeine Frauensbild ähnlich sähe, ob

er denn so wenig teilnahmsvoll wäre, daß er nicht einmal eine Vermutung

darüber aussprechen könnte. Nach lautem, hemmungslosen Weinen erhob sie

sich resolut, erklärte, sie werde heute nacht alles selbst feststellen. Und

mit einer Sicherheit, die Herrn Martin in Staunen versetzte, riß sie die

Wohnungstür auf, rief ihren Mann herein und sagte ihm, indem sie zum

Fenster hinaussah und das dichte schwarze Haar flocht, Herr Martin habe ihr

mitgeteilt, daß ihre Mutter in Starton, einem Vororte, erkrankt sei; sie

müsse gleich auf zwei bis drei Tage hin. Dann setzten sich die drei

schweigend im Wohnzimmer am Kaffeetisch nieder, wo Frau Grasso öfter stark

zitterte und einmal die Tasse auf den Boden fallen ließ. Herr Grasso

meinte, dies bedeute Glück für ihre Mutter.

Abends gegen zehn Uhr schlüpfte sie, nachdem sie tagsüber in der Wohnung

des Herrn Martin dessen kleine Kinder gehegt hatte, über die dunkle Straße

in den Hof. Sie sah durch das offene Fenster Herrn Grasso allein im

erleuchteten Wohnzimmer auf dem Sofa sitzen; mit traurigem Gesicht,

zusammengesunken, blickte er vor sich hin. Der schwerfällige Mann bewegte

seine Lippen; sein faltiges Gesicht war sehr schlaff; als er nach dem

Fenster blickte, schwammen seine entzündeten Augen in Tränen.

In einem schmalen Sarge, dicht an der Tür, lag sie. Ihre Zähne klapperten;

ihre Hände flogen, daß sie kaum das Küchenmesser festhalten konnten. Kurz

vor 11 Uhr kam ein Schritt über den Korridor, weich und schleichend; leicht

rauschte der Vorhang. Ein kleines Licht flackerte und sie erkannte mit

einem Blick Mike Bondi. Sie hatte ihn tausendmal gesehen, sie kannte seine

leicht gebeugte Haltung, die glatten Haare in der weißen, niedrigen Stirn,

die gesenkten Lider. Aber jetzt erfüllte sie sein lautloser Gang mit

Entsetzen. Es war ihr, als würde sie matt. Dies war nicht der Gang eines

Menschen. Sie mußte sich strecken, den vollen Arm auf den Mund pressen, um

nicht zu kreischen.

Er drückte das Licht mit einem Finger aus, als er an ihr vorüberging. Sie

schloß die Augen, und wie sie die Lider hob, sah sie Mike Bondi nicht mehr.

Aber dort, wohin er gegangen war, stand in der Finsternis ein weißer

Schein, ging lautlos ein gebücktes Skelett langsam weiter, schlürfte der

leibhaftige Tod. Sie sah noch den Schein über einem Sarg, in den er sich

geschwungen hatte. Da hallte der schwere Schritt des Herrn Grasso durch das

Gewölbe; er ging an der Frau vorüber, die mit einer Ohnmacht rang, zündete

die Öllampe an. Frau Grasso richtete sich, das Messer zwischen den Zähnen,

auf; sie stieg hinter dem riesenhaften Mann her, hielt sich bei jedem

Schritt an Pfeiler und Mauer fest.

Vor dem Sarge, in den sich das Gespenst geschwungen hatte, warf sich der

breite Mann nieder; zwei weiße Arme hoben sich gegen ihn her; sie sah

zurückprallend die offene Jacke und die niedrigen, mädchenhafte Brüste, in

die sich ein faltiges, nasses Gesicht vergrub. Sie sah das stille

Mädchengesicht Mike Bondis sich aufrichten, sah, an die Tür zurückweichend,

wie Mike den Gebrochenen an sich zog unter zarten Abschiedsworten, wie sie

sich umschlangen. Sie hatte noch die Kraft, sich in die Küche zu schleppen.

Zwei Stunden lag sie besinnungslos. Den Rest der Nacht verblieb sie auf der

Polizeiwache, wo man die Frau für krank hielt. Erst am nächsten Morgen, als

Herr Rechtskonsulent Martin geholt wurde, gingen zwei Beamte mit ihr in die

Wohnung und verhafteten den Besitzer und Bondi, die sich nicht

widersetzten.

Herr Grasso schwieg sich bei den jetzt folgenden Verhandlungen völlig aus.

Bondis körperliche Untersuchung ergab, daß man es mit einem zwanzigjährigen

Mädchen zu tun habe. Man vermochte nicht festzustellen, wer sie eigentlich

sei. Erst bei dem Lokaltermin, der nach drei Wochen in dem Gewölbe Grassos

stattfand, redete sie. Sie äußerte von vornherein, man würde ihr kein Wort

glauben, erzählte, daß sie Bessie Bennet hieße und aus Senn Fair bei New

York gebürtig sei. Sie habe vor achtzig Jahren dort gelebt; in ihrem

zwanzigsten Jahre sei sie von der Schwindsucht befallen gewesen und habe im

Hospital gelegen. Sie wäre unsäglich ungern vom Leben geschieden. Sie habe

mit dem Tode gerungen, wie wenige Menschen, habe es nicht glauben wollen,

daß sie sterben müsse, weil eine Lunge krank sei und sie selbst sei noch

zum Springen gefüllt mit Lebensbegier. Die unbekannte Macht, deren Namen

sie nicht nennen könne, stand da von ihrem Sessel auf und machte sie zu

einer Dienerin des Todes. Sie durfte wiederkehren, nicht aber zum Tanz. Sie

durfte im Namen der gütigen Macht töten, was gehen wollte; die törichte

Angst vor dem Sterben nehmen, sänftigen und rasch beenden. Sie sei als

Helferin unter die Menschen geschickt und bringe den liebreichen Tod. Sie

hätte Herrn Grasso liebgewonnen, und es wäre gut, daß sie jetzt schieden,

denn sie müßte sonst bald für immer seinetwegen sterben.

Es bestätigte sich, daß eine Bessie Bennet vor etwa hundert Jahren in Senn

Fair lebte, daß sie im dortigen Hospital in ihrem zwanzigsten Jahre starb;

ihre Leiche verschwand aber in auffälliger Weise auf dem Wege zur Autopsie;

zwei Krankenschwestern wurden wegen Dienstversäumnis trotz ihrer

Beteuerungen entlassen; alle Nachforschungen blieben erfolglos.

Als die Richter bei dem zweiten Lokaltermin die Feststellungen erwogen,

erhoben sie gegen Bessie Bennet, genannt Mike Bondi, die Anklage wegen

Giftmordes in zahllosen Fällen. Sie forderten sie auf, unverzüglich das

Pulver zu zeigen, dessen sie sich bedient habe, widrigenfalls man sie auf

das Spannbrett legen wolle, das man angesichts der Scheußlichkeit ihrer

Verbrechen werde hervorsuchen lassen. Auch befahl man ihr, endlich das

betuliche Wesen abzulegen und den Richtern frei ins Gesicht zu sehen.

Bessie, in dem schwarzen Anzug, den sie sonst trug, lächelte, aber ihre

niedrige Stirn wurde rot; sie bat, man möchte ihr die Handfesseln abnehmen

und sie gehen lassen. Die Richter, in Wut über den Hohn, schickten nach den

beiden Schergen, um sie zu peitschen. Auch der vielen Zuhörer bei der

Vernehmung hatte sich in Kürze eine unbezähmbare Erbitterung gegen die

teuflische Giftmischerin bemächtigt; sie schickten sich an, von ihren

Plätzen aufzustehen, gegen die Schamlose vorzudrängen; die Richter verloren

die Zügel über die Menge. Bessie trat noch einmal vor die Richter, sagte

leise, ihre gebundenen Hände zeigend, sie habe keine Zeit; man möchte ihr

doch die Stricke abnehmen und sie herauslassen.

Ein wüster Bursche schlug ihr von hinten auf die Schulter; der Pöbel tobte

über die Beute weg. In diesem Augenblick legte sich über alle Brüste eine

plötzliche Beklemmung. Einer schlug keuchend das Fenster ein, die frische

Luft half ihm nicht. Ein Richter stürzte mit blauen Lippen nach der Tür auf

die Straße und fiel hin. Die zehn Richter saßen wie schlafend auf ihren

Stühlen. Die alte Stille herrschte für einen Augenblick in dem Gewölbe,

unterbrochen von dem widerhallenden Aufschlagen von Körpern. Die Hörer

stürzten nach vorn über die Bänke weg. Die Schwarzhaarige ließ die großen

geöffneten Augen schweifen. Sie pfiff zornig und scharf durch die Zähne.

Ein Mann taumelte von draußen in den Raum, packte ihren Arm. Sie berührte

sein Haar, blies gegen seine Füße; das Feuer loderte an ihm auf; unter

heiserem Geschrei stolperte er zurück, krachte zu Boden.

Die Schwarzhaarige hatte sich selbst zusammengebogen. Sie brannte, sich

aufrichtend, ihre Schläfen berührend, mitten im weiten Gewölbe stehend,

gegen die Decke in schwarzer Flamme auf, stieg in einer qualmenden

Feuersäule über das Haus.

Der schwere Dampf erstickte die Menschen in allen Straßen der Nähe. Gerade

zwei Stunden währte die unerhört entsetzliche Brunst; etwa sechshundert

Menschen, Kinder und Frauen, verbrannten.

Dann lag der ganze Stadtteil in Schutt. Tagelang näherte sich niemand den

giftigen Dämpfen. Richter und Beschuldigte waren zugleich verschwunden. Den

liebreichen Tod sah man von Stund an nicht mehr durch die Straßen gehen,

gefolgt von seinem weißen, riesigen Windhund, der lautlos wie er schritt,

mit leeren Augen um sich blickte. Sondern Kranke sollen in ihren Delirien

angegeben haben, daß das fessellos weiße Tier sich auf ihre Brust schwang,

mit seinen leeren Augen sie ängstigte, mit seinen langen Fängen ihre Kehle

eindrückte.

Die Fabel von dem liebreichen Tod, von der Vertreibung seiner Gehilfin

blieb in dem Lande lebendig.

Die Ermordung einer Butterblume und andere Erzählungen · 第 15 / 22 题