Aber der Liebesheld gerieth darüber in einen unmenschlichen Affekt. Was
Geier -- es war auch keine Kleinigkeit -- in diesem Augenblick, wo er
auf einer neuen Siegesbahn so rasch wie Amors Pfeil selbst forteilte,
mit einem _espèce_ von altem Narren stehen zu bleiben und dessen
sentimentalen Firlefanz mit anzusehen. --
„Wollen Sie mich denn dem Wahnsinn in die Arme werfen?“ rief er,
vergessend, wo sie sich befanden -- und rüttelte ihn am Arme, daß der
Alte das Gleichgewicht verlor und umzufallen drohte -- jedoch noch
zeitig genug von Althings Armen aufgefangen wurde: „Ach, Sie sind ein
Satan -- in Freundesgestalt! Sie peinigen mich -- Sie bringen mich um
den sichern Himmel!“ schrie dieser.
„Ich bin -- sehr unglücklich....“ stammelte der Jäger.
„Aber -- ich nicht minder!“ tobte empört Althing.
„-- O -- ich habe einen Freund an ihm verloren...“
„-- Ich werde bald meinen ganzen Verstand verlieren... oder Sie hier
stehen lassen, Herr Graf!“
„Meinetwegen, wie es Ihnen gefällt, Althing. Mich kann jetzt kein
Unglück mehr treffen...“
„Aber zum Teufel! so kommen Sie doch! -- Die Pelerine entfernt sich
immer mehr.... sie ist ganz wild über mein Zurückbleiben.... Vorwärts!
Sie können die Begleiterin der Pelerine auf’s Korn nehmen....“
„Hol’ sie beide der schwarze Jäger!“ brach mit einem Male Nimrod
wüthend und in seiner ursprünglichen Derbheit aus: „Was gehen mich
diese dummen -- Schürzen da an! -- -- In meiner Brust ist ein so großer
Riß, daß alle Schürzen und Pelerinen der Erde ihn nicht auszufüllen
vermögen... Ach! nach Prag, sagt man, sei er gegangen.... Ich fürchte,
ich fürchte -- er ist in dem verfl-- Duell geblieben und in eine Welt
gegangen -- wo es weder Mosler noch Gumpeldskirchner gibt -- -- Uh!“
Althing tanzte fast vor Wuth und Ungeduld -- er drehte seinen
Schnurbart (seit der letzten +heißen+ Affaire hatte er sich wieder
einen wachsen lassen -- und zwar einen, dessen Gleichen man suchen
mußte!), daß dieser Schnurbart auf einer Seite die Farbe changirte oder
besser gesagt: -- seine natürliche bekam....
Man muß wissen, daß Althing die Maxime aller Bösewichter seines
Schlages besaß, die, einem merkwürdigen Widerspruch gemäß, einen eben
so großen Drang, eine Dame zu verfolgen, als Scheu, sie anzusprechen,
haben, -- weshalb sie sich gerne bei einem +Begleiter+ Muth holen...
Indeß gründet sich diese Maxime oft auf einen sehr vernünftigen
Umstand: diese Herren suchen sich ihre Kameraden so aus -- daß
sie ihnen bei dem _tête à tête_ nicht schaden können, sondern im
Gegentheile noch ihrer Schönheit als Folie dienen.
Der Stutzer-Veteran drang deshalb unausgesetzt in Wollheim, mit ihm
weiter zu gehen -- dieser jedoch, als wollte er es ihm zum Possen thun,
bewegte sich nicht von der Stelle -- sondern schien hier erstarren zu
wollen....
„O mein Gott! was ist dieser Wollheim für ein Mensch!“ fing Althing an,
der sich jetzt auf’s Jammern zu legen schien, da es auf andere Weise
nicht mehr ging. --
„Mensch -- oder nicht Mensch! Lassen Sie mich in Ruhe... und stören Sie
mich in meinen Betrachtungen nicht!“ polterte der Jäger.
„Aber -- haben Sie denn gar kein Mitgefühl -- bester Graf! -- Sehen
Sie, wie ich Sie bitte...“
„Fort damit -- oder ich werde wüthend!“
„Theuerster Freund!“
„Ich werde grob!“
„Lieber Graf und Gönner....“
„Ich werde massiv!“
„Alter Bruder -- und Kamerad...“
„Ich prügle Sie...“ brüllte Wollheim und holte hier mit der Faust in
der That aus; -- wodurch er bewies, daß Sentimentalität und Prügellust
näher beisammen stehen, als unsere Psychologen bisher geglaubt haben.
Bei den letzten Worten und der sie so ausdrucksvoll begleitenden
Geberde -- sprang der Günstling der Venus entsetzt zurück, wobei ein
Dutzend Menschen, die hinter seinem Rücken vorbeigingen, seinen Sprung
begleiteten -- -- die in ein lautschallendes Gelächter ausbrachen, das
sich bald in der ganzen Umgebung verbreitete. -- Man blieb stehen...
man wollte sich amusiren -- und schon war wieder die Polizei daran,
sich hineinzumischen, als der Jäger plötzlich den Kopf um zwei Zoll
höher als gewöhnlich erhob -- eine grandiose Idee malte sich auf seiner
Stirn; er warf geringschätzende Blicke -- zuckte die Achseln -- und
schlug mit stolzen Schritten den Weg nach dem „Goldnen Lamm“ in der
Leopoldstadt ein.