Alexander Graf v. A--x.“

Diesen Brief empfing Cölestine zwei Stunden nach ihres Mannes Abreise,

welche früh Morgens, da noch das ganze Haus schlief, geschah, und

wozu die nöthigen Vorbereitungen bereits getroffen waren. Man wird

begreifen, welchen Eindruck diese Zeilen auf sie machten, sobald man

ihren jetzigen Seelenzustand erwägt. Mit Worten ließe sich unmöglich

ein Gemälde davon geben -- man muß dies Geschäft der Phantasie des

einzelnen Lesers überlassen... Genug an dem, ihrer Gesundheit, welche

in den letzteren Tagen fürchterlich zerrüttet worden war, wurde durch

dies Ereigniß gleichsam der letzte Stoß gegeben.... Die Rollen hatten

sich jetzt umgekehrt; -- sie nahm ihres Gatten Stelle ein... ein böses

Fieber zehrte an ihrem Leben.

Aber Cölestine besaß keinen so treuen Pfleger, wie ihm in ihr gelebt

hatte.... denn ihre Eltern und ihre Freunde, so theuer sie ihrem Herzen

auch waren, konnten ihr gleichwohl den Verlust eines Gatten nicht

ersetzen. -- --

So liebte sie ihn also dennoch? Leider ist es uns noch immer nicht

vergönnt, den Schleier von einem Verhältnisse wegzuziehen, welches

sich erst spät entwickeln soll -- welches noch immer im Werden

begriffen ist, und wobei wir, vermöge unserer schöpferischen

Machtvollkommenheit, und vermöge der Kunstzwecke, die uns bei dieser

Schöpfung leiten -- den Schluß des Processes noch in einige Ferne

hinausgesetzt haben....

Welches Aufsehen die Trennung des Grafen von seiner Gemahlin, die eben

so unerwartet wie von außerordentlichen Umständen begleitet war, in den

Kreisen der Residenz erregte, wird man begreifen.... Die Leute _du

bon ton_ waren entzückt, wie sie sich nicht erinnerten, es seit

Jahren gewesen zu sein -- denn da hatten sie ja einen vollständigen

„+Skandal+“. Und da man, wie in der Regel und nach den Gesetzen

der feinen Lebensart geschieht, die Schuld auf den der Gesellschaft

mißfälligen Theil warf, welches -- da die Gesellschaft von Damen

repräsentirt wird -- hier Cölestine war, die man um ihres Glückes

willen haßte, so fing man alsbald an, ihr alle mögliche Vergehungen und

Sünden aufzubürden -- daß sie in wenigen Stunden da stand, wie eine zum

Tode reife Verbrecherin...

„Ach!“ rief man -- „diese Komödie hat zwar rascher geendiget, als man

erwartete -- jedoch sie hatte ganz so geendigt, wie vorausgesagt

worden war...“

„Es war in der That -- ein so vortrefflicher Mann, dieser Graf A--x....

etwas närrisch zwar und spleenhaft -- -- allein man hielt ihn mit Recht

für einen der geistreichsten Köpfe im Ministerium -- und was für ein

Herz er besaß, bewiesen uns die ersten Zeiten seiner Ehe, welche ihn

so sehr beseligten.... Ach, der Arme! er dachte gewiß nicht, daß es so

kommen würde! Er hat es auch wahrlich nicht verdient!“

„O!“ bemerkte das Stiftsfräulein Eugenie von Bomben gegen die Gräfin

von Wollheim -- „ich begreife ganz wohl den Zusammenhang dieses

„+Falles+“, nachdem ich in Erfahrung brachte, man habe die Gräfin

A--x bei der letzten Sitzung des Frauenvereins -- kurz vor Eintritt

ihres „+Falles+“ -- zum Mitglied vorgeschlagen. -- Beim Nero! ich

finde jetzt ihren „+Fall+“ ganz natürlich....“ Und hierbei rieb

sich die huldvolle Dame ihre knöchernen Hände und zeigte lachend ihre

zahnlose Mundhöhle....

Was Cölestine betraf, so machte sie keinen Versuch, alle diese Gerüchte

zu widerlegen, welches ihr durch einfache Berufung auf das ihr von

Alexander hinterlassene Dokument doch so leicht möglich gewesen wäre.

-- Jedoch von diesem Gebrauch zu machen, lag fern von ihr, eben so

fern wie die Menschenliebe von jenen Herzen, die so schöne Dinge von

ihr ersannen. Was kümmerte sie alles dieses! Was ging sie die Welt --

was die Ereignisse an, welche außer ihrer Brust stattfanden! -- -- Ihr

eigenes, persönliches Dasein war in diesem Augenblicke an schmerzvollen

Ereignissen reich genug. --

Die Krankheit, welche sie überfallen hatte, war eine jener träg und

dumpf fortschreitenden, die sichtbar keine Gefahr drohen und für

unbedeutender angesehen werden, als sie es in der That sind. Es nagt

ein Wurm innerlich an unserem Herzen -- er hat den Kern schon zur

Hälfte aufgezehrt -- während von Außen die Hülle in rosiger Frische

glänzt, gleich der Schale eines Granatapfels...... Cölestine --

nachdem sie den ersten und heftigsten Anfall, der sie zwang, sich

niederzulegen, überwunden -- trotzte den ferneren dadurch, daß sie

das Lager floh und umherwandelte, als hätte sie die Kräfte dazu; dies

jedoch war auch nur einer so lebensvollen und jugendlichen Natur

wie die ihrige möglich. -- Ihr sonst so heiterer, naturfrischer, so

leichter und geschmeidiger Sinn verhütete es, daß sie in jene stumpfe

Melancholie verfiel, der jedes andere Gemüth unter solchen Umständen

erlegen wäre. Kurz die junge Frau hatte über sich und ihr Uebel bald so

große Herrschaft erlangt -- -- daß sie das letztere in den hintersten

Winkel ihres Herzens zurückdrängen und äußerlich fast eben so heiter,

wie in ihren schöneren Tagen, erscheinen konnte.....

Sie öffnete ihr Haus jetzt wieder einem Kreise vertrauterer Personen

und ließ sich selbst wieder in jener Welt sehen, die früher, als sie

noch im Hause der Eltern wohnte, die ihrige gewesen war. --

Fünftes Kapitel.

Die Promenade auf der Bastei.

Die Promenaden auf der Bastei und in der Stadt auf dem Graben und

Kohlmarkt waren an der Tagesordnung. Um die Mittagszeit sah man

hier die ganze schöne Welt umherstreifen, um ihren beiden höchsten

Verrichtungen obzuliegen: -- zu sehen und gesehen zu werden und zwar in

möglichst ausgedehntem Umfange.

Ha! Welche große, welche magnifique Welt sich da tummelt und bewegt!

Die Sache ist wirklich viel weniger komisch, als wofür wir sie

anfangs nehmen wollten -- denn wir haben es hier nicht nur mit den

belachenswerthen Seiten der Gesellschaft, sondern mit ihr +ganz+

zu thun, und dabei gibt es auch noch so manches Stück Ernst. -- Wir

wollen das vollständige Gemälde zu zeichnen versuchen und dabei

+keiner Partie+ vergessen.

Sehen Sie jene stattliche, große Dame dort: eine Junogestalt! und ihr

Arm in dem eines kleinen, dünnen, feinen Mannes mit einem noch feineren

Lächeln und einem allerfeinsten Augenkneifen. -- -- Kennen Sie dieses

Paar? Es ist eines der bedeutendsten und angesehensten der Residenz.

-- Sie werden den Namen des kleinen feinen Mannes mit sehr -- großen

Buchstaben im +Staats+-Schematismus gedruckt finden. -- -- Dort

weiter vorn drei weibliche Gestalten und zwei Herrn, ein älterer mit

grauen und wie’s scheint gepuderten Haaren -- auf der andern Seite ein

schlanker, blühender, kräftig schöner Jüngling. Er ist der Bruder der

zwei jungen Damen, neben welchen er geht und der Sohn jener dritten so

wie des alten Herrn mit den weißen Haaren.... O der Letztere ist auch

ein sehr großer, großer, vielbedeutender Mann, ein berühmter Mann sogar

-- und bei dem Allen ein so guter freundlicher, herablassender Mann. --

Hat man einmal bei ihm Etwas zu thun gehabt, wird man nie die edle

Güte vergessen, mit der er uns behandelte.

Auch jene zahlreiche und etwas prunkende Gesellschaft weiter hinten

führt einen hochklingenden Familiennamen -- aber dies ist auch Alles,

was man von ihr sagen kann. Es ist immerhin schön, einen edlen Namen zu

besitzen -- schöner aber ist es, ihn mit neuen Ehren zu umgeben. Die

üppige Pracht, welche hier von den Töchtern des Hauses entfaltet wird,

will noch nichts sagen gegen jenen feenhaften Glanz, womit sie bei

festlichen Anlässen im Salon die Blicke ihrer Gäste blenden. -- --

Bemerken Sie die dicke, schwerfällige Frau dort in dem ponceaurothen

Sammtpelze.... und die goldene wurstförmige Kette, die, fast eben

so dick wie sie selbst, um ihren Hals baumelt? -- Das zeigt sich

sogleich, wie es ist. Es ist aber ordinär; es ist plebejisch -- es ist

banquiermäßig. Diese Familie ist reich! Hier haben Sie Alles, was man

von ihr sagen kann; und dies ist viel weniger, als was ich Ihnen vorhin

berichtet habe.

Ha, wie er mit seinem Geld in der Tasche klappert! Der Herr Bankier

hat sogar in seinen Winter-Oberrock Geld gesteckt. Sein Geld ist die

unsichtbare Leibgarde, mit der er sich stets umgibt -- und ohne welche

er sich niemals für sicher hält. --

Dies ist auch eines von den vielen Unglücken des Glückes, d. h. Geldes.

--

Und jener hübsche ernste Mann im schwarzen Kleide mit der eleganten,

stillen Würde im ganzen Wesen -- und mit dem unaussprechlich

geistreichen Zug im Angesichte, der an die Züge jenes größten Mannes

unserer Zeit und unseres Landes erinnert, dessen Namen ich nicht

auszusprechen wage....

Ach, dort erblicken wir +ihn+!! Schnell -- damit uns sein

Erscheinen nicht verschwindet, denn nur selten ist uns sein Anblick

gegönnt. -- O, wie muß das Herz jedes Oesterreichers schlagen, wenn

er bedenkt, daß dieser Mann ihm und seinem Volke angehört. Eine

Göttergestalt! -- Ihr olympischer Blick und Ihr ambrosisches Lächeln

hat die Zeit vollständiger bezwungen, als das Schwert jenes großen

Eroberers, dessen +gewaltigster Feind er+ war. O Fürst, vergönne

dem treuesten Deiner Verehrer -- Dir seine Huldigung darzubringen!

Ja, hier hat die Macht des Genies sich manifestirt. Lauter als alle

Dichterworte verkündeten es die seinen, daß der Geist der Herrscher der

Welt ist -- -- und Ihr bornirten Priester des Geistes redet noch vom

Zwange desselben. Wie kann derjenige die Geister fesseln, der selbst

der reinste und größte unter ihnen ist? Freilich, der Geistesunflath

ist ihm zuwider -- wie für die reinen Cherubim jene sündigen Geister

ein Gräuel waren, die von ihnen in den Abgrund gestoßen wurden.

-- Immer tauchen neue Gestalten um uns auf. Dies nimmt kein Ende. Stets

neue Schönheit und neue Pracht. -- Ach, zu dieser Promenade braucht man

tausend Augen und ein tausendfältiges Entzücken.

Aber damit wir auch die Aversseite nicht vergessen, wird es nöthig

sein, zu ihr sofort überzugehen. Hier begegnen wir sogleich lauter

bekannten Gestalten, und da durch dieselben einzeln uns das Ganze

skizzirt wird, dessen Theil sie sind -- so werden wir bei ihnen auch

stehen bleiben und unsere Beobachtungen nicht weiter ausdehnen. --

Zuerst erblicken wir unsern guten +alten+ Freund (oder, weil

er dies übel nehmen könnte, unsern guten Freund in +seinen besten

Jahren+) -- den Herrn von Althing, ersten Verführer der Residenz

und Despoten aller Frauenherzen; -- da wir bereits seit langer Zeit

von ihm getrennt waren, dürfte uns dies Wiedersehen vielleicht nicht

unangenehm sein. -- O, er ist auch noch immer der Vorige! Keine Linie

fehlt an diesem ausdrucksvollen, herrlichen, reizenden, gefährlichen

Männerbilde! -- da der lächelnde Blick -- das feurig strahlende

Siegerauge -- die hochgeröthete Wange -- der stolze Schnurbart -- der

Hut kühn und ein wenig auf die Seite des +kunstreichen+ Haarbaues

gerückt.... Diese so edeln und herkulischen Gliedmaßen, diesmal in

einen eleganten und stattlichen Oberrock gehüllt.... ein Kaschmir um

den Hals geworfen.... und durch ein Knopfloch blüht eine rothe Blume

so täuschend hervor, daß es wie ein Ordensband aussieht.... ferner ein

Lorgnon in der Hand (obwohl unser Mann, wie er selbst sagt -- +wie

ein Falke+ sieht) -- -- die Sporen, die sind nicht vergessen....

und auch die Reitgerte nicht, daß es aussehen soll, als habe er so eben

einen Ritt gemacht... was, seiner Behauptung nach, immer vortheilhaft

für einen Mann ist. -- Ihn begleitet ein alter Herr, dessen Gesicht

mit mehr Recht ewige Jugend verkündete, als das Althings -- wiewohl in

diesem Augenblick eine sonderbare Melancholie, die im Grunde zu dem

Gesichte des Mannes nicht paßte, mit der Fröhlichkeit in seinem Wesen

abwechselte. Es ist der Graf von +Wollheim+, unser biederer Jäger

oder eigentlich wackerer Trinker. Er hatte sich, seit sein Schüler,

Freund und guter Genius, den er auch sein „Jüngelchen“ nannte, für ihn

gewissermaßen auf immer verloren war, an Denjenigen gehängt, der außer

ihm der einzige Freund des Entflohenen schien... und welcher, wenn er

auch diesen nicht ersetzte, den Nimrod doch an ihn erinnerte.... und so

eine Art unvollkommener Illusion für die Wirklichkeit bot.

Lustig war zu gewissen Augenblicken der Anblick dieser Beiden -- er bot

dann einen Contrast, wie man ihn im Leben nicht besser findet....

„Ist das Wetter heute nicht köstlich, mein lieber Graf und Freund?“

denn Althing, der dies sprach, war aller Menschen, die er kannte,

„+Freund+“. „Ist dieser Decembertag nicht schöner als der beste

August, ich meine nämlich, wo die Hitze so groß ist -- daß man es auf

der Straße nicht aushalten kann -- und nichts zu sehen bekommt von der

Welt -- außer etwa ein miserables Quadrat von einigen Klaftern -- durch

sein Zimmerfenster...?“

„Ja, gewiß -- +lieber Althing+,“ -- der Jäger hatte in Bezug

auf das Obige denselben Charakter... „ja, Sie haben ganz Recht....

Uebrigens ist es im December auch zu Hause angenehm -- man erhitzt sich

nicht so leicht, mag man im Zimmer oder im -- -- Kell....“ Er sprach

das Wort nicht aus... sondern glaubte sehr geistreich einzulenken,

indem er hinzusetzte...: „Man kann in dieser Saison auch mehr

+vertragen+, hahahaha! hahahaha!“ -- --

„Was meinen Sie damit, bester Graf.... +mehr vertragen+?“

„-- Nun -- ich sage: mehr Wei... +Wei+...“ der +Wein+

wollte nicht so leicht von seiner Zunge gehen -- „Weibesblicke --

Liebesblicke -- zarte Winke mit schönen Augen und Fingern.... hehe!“ Er

war überzeugt, seine Sachen ungeheuer klug gemacht zu haben....

„Ha!“ rief mit einem Male der Andere, der so eben wieder mit dem

Sporren hängen blieb, aber glücklicher Weise nicht in seinen

Beinkleidern -- -- „haben Sie das dort nicht bemerkt ... bester Graf?

Wie?“

„Das dort? -- Jenes Gasthausschild da drüben über dem Kanale? Es gehört

dem Hôtel „Zum goldnen Lamm“ -- woselbst man kolossale Rheinweine

bekommt, mein Lieber...“

„Ach, welches Mißverständniß!... Rheinwein! -- Wer spricht davon?

-- Welche abscheuliche Verwechslung einer ordinären Sache mit dem

extraordinärsten -- göttlichsten Dinge von der Welt. -- Da... sehen

Sie denn noch nicht.... die himmelblaue Pelerine dort! -- -- O, mein

Freund! Welch’ ein Blick war das, welchen ich so eben erhaschte....“

„Pah!“ -- versetzte der Jäger, dem wir diese Benennung jetzt nur noch

aus Pietät geben, denn seit so und so langer Zeit hatte er seinem

frühern Geschäft fast gänzlich entsagt und seine ganze Aufmerksamkeit

nur demjenigen, bei welchem wir ihn in dieser Geschichte so zahlreich

begegnet sind, zugewendet... „Pah!“ sagte er, seine heitere Miene

wurde traurig -- sein Blick suchte die Erde, der ganze Mensch war wie

verwechselt.... „Pah!“ wiederholte er nochmals: „was liegt mir an

diesen Blicken -- Thorheiten -- Spielereien...“

„Das nennen Sie Thorheit! Spielerei! unglücklicher Mann, dem nie die

süßeste der Göttinnen gelächelt -- sonst müßten Sie mit mehr Ehrfurcht

von ihrem Dienste sprechen.... Aber wie, mein Freund, wollen denn Ihre

Beine nicht mehr vorwärts gehen! Ich muß Sie ja fortziehen...“

Wollheim stieß einen Seufzer aus, so tief, als komme er aus jener

Tiefe, in welcher Fässer liegen....

„Vorwärts, vorwärts, mein Guter! Sie verderben mir sonst gänzlich

mein Glück -- das so eben im vollen Anzuge ist! Ach, ach! schon

wieder ein Blick! Sie hat sich jetzt mindestens zum siebenten Male

nach mir umgesehen -- -- und wie hat sie sich umgesehen!... Alle

Donner! Die versteht es -- so jung das Püppchen auch noch ist. Doch

heut zu Tage sind wir in diesen Dingen enorm vorgerückt.... Unsere

Töchterchen und Fräuleinchen von 15 bis 16 Jahren -- das sind gerade

die routinirtesten.... Kein Wunder! Sie haben an der Seite Mama’s eine

gute Schule....“

Die ganze Antwort Wollheims war wieder blos ein schauderhafter

Seufzer, und sein Gang wurde nachgerade so schwer und lästig, daß

Althing Mühe hatte, mit ihm fortzukommen... „Zum Guckuk... Herr Graf!

was soll das heißen? -- Sie ruiniren mich förmlich! -- -- Sie werfen

mir Felsenblöcke in den Weg -- -- Ach! Ach! -- Schon wieder! -- Nun,

diesmal mußte es ein Blinder bemerkt haben! -- Diese liebe Kleine mit

ihrer himmelblauen Pelerine -- bringt mich ganz in Aufruhr! Das Blut

siedet in meinen Adern... wie es uns jungen Leuten schon bisweilen

geht... denn in unseren Jahren steckt noch ein ganzer Vesuv und zwei

Hekla in unserer Brust... _A propos_, was meine Brust betrifft,

wie finden Sie ihre Wölbung und Breite, liebster Graf? Bei Gott!

kein Flöckchen Watte im Rock... kein Flöckchen! Nun, was sagen Sie?“

Der Dicke spreitete hierbei seine Brust ungeheuer aus und klopfte auf

dieselbe: „Ja! das ist so fest wie Stahl! Nicht wahr? Reden Sie doch!“

Nimrod ließ statt dessen den Kopf auf die Brust fallen -- blieb stehen

und langte sein Taschentuch heraus, mit welchem er, unter Ausstoßung

sonderbarer Laute, die eine entfernte Aehnlichkeit mit dem Schluchzen

hatten -- über sein Gesicht fuhr und sich die Augen wischte... Er sahe

so fast aus -- wie der König Gambrinus, als er eines Morgens erfuhr,

daß der Hagel seine Hopfengärten zusammengeschlagen habe....

Cölestine, oder der eheliche Verdacht; Zweiter Theil (von 2) · 第 7 / 15 题