Diesen Brief empfing Cölestine zwei Stunden nach ihres Mannes Abreise,
welche früh Morgens, da noch das ganze Haus schlief, geschah, und
wozu die nöthigen Vorbereitungen bereits getroffen waren. Man wird
begreifen, welchen Eindruck diese Zeilen auf sie machten, sobald man
ihren jetzigen Seelenzustand erwägt. Mit Worten ließe sich unmöglich
ein Gemälde davon geben -- man muß dies Geschäft der Phantasie des
einzelnen Lesers überlassen... Genug an dem, ihrer Gesundheit, welche
in den letzteren Tagen fürchterlich zerrüttet worden war, wurde durch
dies Ereigniß gleichsam der letzte Stoß gegeben.... Die Rollen hatten
sich jetzt umgekehrt; -- sie nahm ihres Gatten Stelle ein... ein böses
Fieber zehrte an ihrem Leben.
Aber Cölestine besaß keinen so treuen Pfleger, wie ihm in ihr gelebt
hatte.... denn ihre Eltern und ihre Freunde, so theuer sie ihrem Herzen
auch waren, konnten ihr gleichwohl den Verlust eines Gatten nicht
ersetzen. -- --
So liebte sie ihn also dennoch? Leider ist es uns noch immer nicht
vergönnt, den Schleier von einem Verhältnisse wegzuziehen, welches
sich erst spät entwickeln soll -- welches noch immer im Werden
begriffen ist, und wobei wir, vermöge unserer schöpferischen
Machtvollkommenheit, und vermöge der Kunstzwecke, die uns bei dieser
Schöpfung leiten -- den Schluß des Processes noch in einige Ferne
hinausgesetzt haben....
Welches Aufsehen die Trennung des Grafen von seiner Gemahlin, die eben
so unerwartet wie von außerordentlichen Umständen begleitet war, in den
Kreisen der Residenz erregte, wird man begreifen.... Die Leute _du
bon ton_ waren entzückt, wie sie sich nicht erinnerten, es seit
Jahren gewesen zu sein -- denn da hatten sie ja einen vollständigen
„+Skandal+“. Und da man, wie in der Regel und nach den Gesetzen
der feinen Lebensart geschieht, die Schuld auf den der Gesellschaft
mißfälligen Theil warf, welches -- da die Gesellschaft von Damen
repräsentirt wird -- hier Cölestine war, die man um ihres Glückes
willen haßte, so fing man alsbald an, ihr alle mögliche Vergehungen und
Sünden aufzubürden -- daß sie in wenigen Stunden da stand, wie eine zum
Tode reife Verbrecherin...
„Ach!“ rief man -- „diese Komödie hat zwar rascher geendiget, als man
erwartete -- jedoch sie hatte ganz so geendigt, wie vorausgesagt
worden war...“
„Es war in der That -- ein so vortrefflicher Mann, dieser Graf A--x....
etwas närrisch zwar und spleenhaft -- -- allein man hielt ihn mit Recht
für einen der geistreichsten Köpfe im Ministerium -- und was für ein
Herz er besaß, bewiesen uns die ersten Zeiten seiner Ehe, welche ihn
so sehr beseligten.... Ach, der Arme! er dachte gewiß nicht, daß es so
kommen würde! Er hat es auch wahrlich nicht verdient!“
„O!“ bemerkte das Stiftsfräulein Eugenie von Bomben gegen die Gräfin
von Wollheim -- „ich begreife ganz wohl den Zusammenhang dieses
„+Falles+“, nachdem ich in Erfahrung brachte, man habe die Gräfin
A--x bei der letzten Sitzung des Frauenvereins -- kurz vor Eintritt
ihres „+Falles+“ -- zum Mitglied vorgeschlagen. -- Beim Nero! ich
finde jetzt ihren „+Fall+“ ganz natürlich....“ Und hierbei rieb
sich die huldvolle Dame ihre knöchernen Hände und zeigte lachend ihre
zahnlose Mundhöhle....
Was Cölestine betraf, so machte sie keinen Versuch, alle diese Gerüchte
zu widerlegen, welches ihr durch einfache Berufung auf das ihr von
Alexander hinterlassene Dokument doch so leicht möglich gewesen wäre.
-- Jedoch von diesem Gebrauch zu machen, lag fern von ihr, eben so
fern wie die Menschenliebe von jenen Herzen, die so schöne Dinge von
ihr ersannen. Was kümmerte sie alles dieses! Was ging sie die Welt --
was die Ereignisse an, welche außer ihrer Brust stattfanden! -- -- Ihr
eigenes, persönliches Dasein war in diesem Augenblicke an schmerzvollen
Ereignissen reich genug. --
Die Krankheit, welche sie überfallen hatte, war eine jener träg und
dumpf fortschreitenden, die sichtbar keine Gefahr drohen und für
unbedeutender angesehen werden, als sie es in der That sind. Es nagt
ein Wurm innerlich an unserem Herzen -- er hat den Kern schon zur
Hälfte aufgezehrt -- während von Außen die Hülle in rosiger Frische
glänzt, gleich der Schale eines Granatapfels...... Cölestine --
nachdem sie den ersten und heftigsten Anfall, der sie zwang, sich
niederzulegen, überwunden -- trotzte den ferneren dadurch, daß sie
das Lager floh und umherwandelte, als hätte sie die Kräfte dazu; dies
jedoch war auch nur einer so lebensvollen und jugendlichen Natur
wie die ihrige möglich. -- Ihr sonst so heiterer, naturfrischer, so
leichter und geschmeidiger Sinn verhütete es, daß sie in jene stumpfe
Melancholie verfiel, der jedes andere Gemüth unter solchen Umständen
erlegen wäre. Kurz die junge Frau hatte über sich und ihr Uebel bald so
große Herrschaft erlangt -- -- daß sie das letztere in den hintersten
Winkel ihres Herzens zurückdrängen und äußerlich fast eben so heiter,
wie in ihren schöneren Tagen, erscheinen konnte.....
Sie öffnete ihr Haus jetzt wieder einem Kreise vertrauterer Personen
und ließ sich selbst wieder in jener Welt sehen, die früher, als sie
noch im Hause der Eltern wohnte, die ihrige gewesen war. --
Fünftes Kapitel.
Die Promenade auf der Bastei.
Die Promenaden auf der Bastei und in der Stadt auf dem Graben und
Kohlmarkt waren an der Tagesordnung. Um die Mittagszeit sah man
hier die ganze schöne Welt umherstreifen, um ihren beiden höchsten
Verrichtungen obzuliegen: -- zu sehen und gesehen zu werden und zwar in
möglichst ausgedehntem Umfange.
Ha! Welche große, welche magnifique Welt sich da tummelt und bewegt!
Die Sache ist wirklich viel weniger komisch, als wofür wir sie
anfangs nehmen wollten -- denn wir haben es hier nicht nur mit den
belachenswerthen Seiten der Gesellschaft, sondern mit ihr +ganz+
zu thun, und dabei gibt es auch noch so manches Stück Ernst. -- Wir
wollen das vollständige Gemälde zu zeichnen versuchen und dabei
+keiner Partie+ vergessen.
Sehen Sie jene stattliche, große Dame dort: eine Junogestalt! und ihr
Arm in dem eines kleinen, dünnen, feinen Mannes mit einem noch feineren
Lächeln und einem allerfeinsten Augenkneifen. -- -- Kennen Sie dieses
Paar? Es ist eines der bedeutendsten und angesehensten der Residenz.
-- Sie werden den Namen des kleinen feinen Mannes mit sehr -- großen
Buchstaben im +Staats+-Schematismus gedruckt finden. -- -- Dort
weiter vorn drei weibliche Gestalten und zwei Herrn, ein älterer mit
grauen und wie’s scheint gepuderten Haaren -- auf der andern Seite ein
schlanker, blühender, kräftig schöner Jüngling. Er ist der Bruder der
zwei jungen Damen, neben welchen er geht und der Sohn jener dritten so
wie des alten Herrn mit den weißen Haaren.... O der Letztere ist auch
ein sehr großer, großer, vielbedeutender Mann, ein berühmter Mann sogar
-- und bei dem Allen ein so guter freundlicher, herablassender Mann. --
Hat man einmal bei ihm Etwas zu thun gehabt, wird man nie die edle
Güte vergessen, mit der er uns behandelte.
Auch jene zahlreiche und etwas prunkende Gesellschaft weiter hinten
führt einen hochklingenden Familiennamen -- aber dies ist auch Alles,
was man von ihr sagen kann. Es ist immerhin schön, einen edlen Namen zu
besitzen -- schöner aber ist es, ihn mit neuen Ehren zu umgeben. Die
üppige Pracht, welche hier von den Töchtern des Hauses entfaltet wird,
will noch nichts sagen gegen jenen feenhaften Glanz, womit sie bei
festlichen Anlässen im Salon die Blicke ihrer Gäste blenden. -- --
Bemerken Sie die dicke, schwerfällige Frau dort in dem ponceaurothen
Sammtpelze.... und die goldene wurstförmige Kette, die, fast eben
so dick wie sie selbst, um ihren Hals baumelt? -- Das zeigt sich
sogleich, wie es ist. Es ist aber ordinär; es ist plebejisch -- es ist
banquiermäßig. Diese Familie ist reich! Hier haben Sie Alles, was man
von ihr sagen kann; und dies ist viel weniger, als was ich Ihnen vorhin
berichtet habe.
Ha, wie er mit seinem Geld in der Tasche klappert! Der Herr Bankier
hat sogar in seinen Winter-Oberrock Geld gesteckt. Sein Geld ist die
unsichtbare Leibgarde, mit der er sich stets umgibt -- und ohne welche
er sich niemals für sicher hält. --
Dies ist auch eines von den vielen Unglücken des Glückes, d. h. Geldes.
--
Und jener hübsche ernste Mann im schwarzen Kleide mit der eleganten,
stillen Würde im ganzen Wesen -- und mit dem unaussprechlich
geistreichen Zug im Angesichte, der an die Züge jenes größten Mannes
unserer Zeit und unseres Landes erinnert, dessen Namen ich nicht
auszusprechen wage....
Ach, dort erblicken wir +ihn+!! Schnell -- damit uns sein
Erscheinen nicht verschwindet, denn nur selten ist uns sein Anblick
gegönnt. -- O, wie muß das Herz jedes Oesterreichers schlagen, wenn
er bedenkt, daß dieser Mann ihm und seinem Volke angehört. Eine
Göttergestalt! -- Ihr olympischer Blick und Ihr ambrosisches Lächeln
hat die Zeit vollständiger bezwungen, als das Schwert jenes großen
Eroberers, dessen +gewaltigster Feind er+ war. O Fürst, vergönne
dem treuesten Deiner Verehrer -- Dir seine Huldigung darzubringen!
Ja, hier hat die Macht des Genies sich manifestirt. Lauter als alle
Dichterworte verkündeten es die seinen, daß der Geist der Herrscher der
Welt ist -- -- und Ihr bornirten Priester des Geistes redet noch vom
Zwange desselben. Wie kann derjenige die Geister fesseln, der selbst
der reinste und größte unter ihnen ist? Freilich, der Geistesunflath
ist ihm zuwider -- wie für die reinen Cherubim jene sündigen Geister
ein Gräuel waren, die von ihnen in den Abgrund gestoßen wurden.
-- Immer tauchen neue Gestalten um uns auf. Dies nimmt kein Ende. Stets
neue Schönheit und neue Pracht. -- Ach, zu dieser Promenade braucht man
tausend Augen und ein tausendfältiges Entzücken.
Aber damit wir auch die Aversseite nicht vergessen, wird es nöthig
sein, zu ihr sofort überzugehen. Hier begegnen wir sogleich lauter
bekannten Gestalten, und da durch dieselben einzeln uns das Ganze
skizzirt wird, dessen Theil sie sind -- so werden wir bei ihnen auch
stehen bleiben und unsere Beobachtungen nicht weiter ausdehnen. --
Zuerst erblicken wir unsern guten +alten+ Freund (oder, weil
er dies übel nehmen könnte, unsern guten Freund in +seinen besten
Jahren+) -- den Herrn von Althing, ersten Verführer der Residenz
und Despoten aller Frauenherzen; -- da wir bereits seit langer Zeit
von ihm getrennt waren, dürfte uns dies Wiedersehen vielleicht nicht
unangenehm sein. -- O, er ist auch noch immer der Vorige! Keine Linie
fehlt an diesem ausdrucksvollen, herrlichen, reizenden, gefährlichen
Männerbilde! -- da der lächelnde Blick -- das feurig strahlende
Siegerauge -- die hochgeröthete Wange -- der stolze Schnurbart -- der
Hut kühn und ein wenig auf die Seite des +kunstreichen+ Haarbaues
gerückt.... Diese so edeln und herkulischen Gliedmaßen, diesmal in
einen eleganten und stattlichen Oberrock gehüllt.... ein Kaschmir um
den Hals geworfen.... und durch ein Knopfloch blüht eine rothe Blume
so täuschend hervor, daß es wie ein Ordensband aussieht.... ferner ein
Lorgnon in der Hand (obwohl unser Mann, wie er selbst sagt -- +wie
ein Falke+ sieht) -- -- die Sporen, die sind nicht vergessen....
und auch die Reitgerte nicht, daß es aussehen soll, als habe er so eben
einen Ritt gemacht... was, seiner Behauptung nach, immer vortheilhaft
für einen Mann ist. -- Ihn begleitet ein alter Herr, dessen Gesicht
mit mehr Recht ewige Jugend verkündete, als das Althings -- wiewohl in
diesem Augenblick eine sonderbare Melancholie, die im Grunde zu dem
Gesichte des Mannes nicht paßte, mit der Fröhlichkeit in seinem Wesen
abwechselte. Es ist der Graf von +Wollheim+, unser biederer Jäger
oder eigentlich wackerer Trinker. Er hatte sich, seit sein Schüler,
Freund und guter Genius, den er auch sein „Jüngelchen“ nannte, für ihn
gewissermaßen auf immer verloren war, an Denjenigen gehängt, der außer
ihm der einzige Freund des Entflohenen schien... und welcher, wenn er
auch diesen nicht ersetzte, den Nimrod doch an ihn erinnerte.... und so
eine Art unvollkommener Illusion für die Wirklichkeit bot.
Lustig war zu gewissen Augenblicken der Anblick dieser Beiden -- er bot
dann einen Contrast, wie man ihn im Leben nicht besser findet....
„Ist das Wetter heute nicht köstlich, mein lieber Graf und Freund?“
denn Althing, der dies sprach, war aller Menschen, die er kannte,
„+Freund+“. „Ist dieser Decembertag nicht schöner als der beste
August, ich meine nämlich, wo die Hitze so groß ist -- daß man es auf
der Straße nicht aushalten kann -- und nichts zu sehen bekommt von der
Welt -- außer etwa ein miserables Quadrat von einigen Klaftern -- durch
sein Zimmerfenster...?“
„Ja, gewiß -- +lieber Althing+,“ -- der Jäger hatte in Bezug
auf das Obige denselben Charakter... „ja, Sie haben ganz Recht....
Uebrigens ist es im December auch zu Hause angenehm -- man erhitzt sich
nicht so leicht, mag man im Zimmer oder im -- -- Kell....“ Er sprach
das Wort nicht aus... sondern glaubte sehr geistreich einzulenken,
indem er hinzusetzte...: „Man kann in dieser Saison auch mehr
+vertragen+, hahahaha! hahahaha!“ -- --
„Was meinen Sie damit, bester Graf.... +mehr vertragen+?“
„-- Nun -- ich sage: mehr Wei... +Wei+...“ der +Wein+
wollte nicht so leicht von seiner Zunge gehen -- „Weibesblicke --
Liebesblicke -- zarte Winke mit schönen Augen und Fingern.... hehe!“ Er
war überzeugt, seine Sachen ungeheuer klug gemacht zu haben....
„Ha!“ rief mit einem Male der Andere, der so eben wieder mit dem
Sporren hängen blieb, aber glücklicher Weise nicht in seinen
Beinkleidern -- -- „haben Sie das dort nicht bemerkt ... bester Graf?
Wie?“
„Das dort? -- Jenes Gasthausschild da drüben über dem Kanale? Es gehört
dem Hôtel „Zum goldnen Lamm“ -- woselbst man kolossale Rheinweine
bekommt, mein Lieber...“
„Ach, welches Mißverständniß!... Rheinwein! -- Wer spricht davon?
-- Welche abscheuliche Verwechslung einer ordinären Sache mit dem
extraordinärsten -- göttlichsten Dinge von der Welt. -- Da... sehen
Sie denn noch nicht.... die himmelblaue Pelerine dort! -- -- O, mein
Freund! Welch’ ein Blick war das, welchen ich so eben erhaschte....“
„Pah!“ -- versetzte der Jäger, dem wir diese Benennung jetzt nur noch
aus Pietät geben, denn seit so und so langer Zeit hatte er seinem
frühern Geschäft fast gänzlich entsagt und seine ganze Aufmerksamkeit
nur demjenigen, bei welchem wir ihn in dieser Geschichte so zahlreich
begegnet sind, zugewendet... „Pah!“ sagte er, seine heitere Miene
wurde traurig -- sein Blick suchte die Erde, der ganze Mensch war wie
verwechselt.... „Pah!“ wiederholte er nochmals: „was liegt mir an
diesen Blicken -- Thorheiten -- Spielereien...“
„Das nennen Sie Thorheit! Spielerei! unglücklicher Mann, dem nie die
süßeste der Göttinnen gelächelt -- sonst müßten Sie mit mehr Ehrfurcht
von ihrem Dienste sprechen.... Aber wie, mein Freund, wollen denn Ihre
Beine nicht mehr vorwärts gehen! Ich muß Sie ja fortziehen...“
Wollheim stieß einen Seufzer aus, so tief, als komme er aus jener
Tiefe, in welcher Fässer liegen....
„Vorwärts, vorwärts, mein Guter! Sie verderben mir sonst gänzlich
mein Glück -- das so eben im vollen Anzuge ist! Ach, ach! schon
wieder ein Blick! Sie hat sich jetzt mindestens zum siebenten Male
nach mir umgesehen -- -- und wie hat sie sich umgesehen!... Alle
Donner! Die versteht es -- so jung das Püppchen auch noch ist. Doch
heut zu Tage sind wir in diesen Dingen enorm vorgerückt.... Unsere
Töchterchen und Fräuleinchen von 15 bis 16 Jahren -- das sind gerade
die routinirtesten.... Kein Wunder! Sie haben an der Seite Mama’s eine
gute Schule....“
Die ganze Antwort Wollheims war wieder blos ein schauderhafter
Seufzer, und sein Gang wurde nachgerade so schwer und lästig, daß
Althing Mühe hatte, mit ihm fortzukommen... „Zum Guckuk... Herr Graf!
was soll das heißen? -- Sie ruiniren mich förmlich! -- -- Sie werfen
mir Felsenblöcke in den Weg -- -- Ach! Ach! -- Schon wieder! -- Nun,
diesmal mußte es ein Blinder bemerkt haben! -- Diese liebe Kleine mit
ihrer himmelblauen Pelerine -- bringt mich ganz in Aufruhr! Das Blut
siedet in meinen Adern... wie es uns jungen Leuten schon bisweilen
geht... denn in unseren Jahren steckt noch ein ganzer Vesuv und zwei
Hekla in unserer Brust... _A propos_, was meine Brust betrifft,
wie finden Sie ihre Wölbung und Breite, liebster Graf? Bei Gott!
kein Flöckchen Watte im Rock... kein Flöckchen! Nun, was sagen Sie?“
Der Dicke spreitete hierbei seine Brust ungeheuer aus und klopfte auf
dieselbe: „Ja! das ist so fest wie Stahl! Nicht wahr? Reden Sie doch!“
Nimrod ließ statt dessen den Kopf auf die Brust fallen -- blieb stehen
und langte sein Taschentuch heraus, mit welchem er, unter Ausstoßung
sonderbarer Laute, die eine entfernte Aehnlichkeit mit dem Schluchzen
hatten -- über sein Gesicht fuhr und sich die Augen wischte... Er sahe
so fast aus -- wie der König Gambrinus, als er eines Morgens erfuhr,
daß der Hagel seine Hopfengärten zusammengeschlagen habe....