Da das Kupfer an verschiedenen Stellen beider Hemisphären in gediegenem
Zustande vorkommt, u. a. in kleineren abgerundeten Körnern im
Ural[5716], in größeren Stücken und Klumpen in Sibirien, am Altai, im
nordöstlichen Asien, sowie in Mexiko[5717], in sehr bedeutenden Massen
aber am Oberen See in Nordamerika, woselbst es abbauwürdig unmittelbar
zutage tritt[5718], da es ferner glänzend, dehnbar, biegsam, auch
in der Kälte hämmerbar und leicht zu bearbeiten ist, so zählt es
zu den am längsten bekannten und schon frühzeitig weitverbreiteten
Metallen[5719].
Die Indianer am Obersee z. B. sollen es „seit jeher“ verstanden haben,
aus dem gediegenen Kupfer, -- das sie, neben den zum Tätowieren
dienlichen Eisenoxyden, dem Boden auch vermöge oberflächlicher
Schurfarbeiten abgewannen[5720] --, durch kaltes Hämmern und Treiben
allerlei Schmucksachen und Werkzeuge anzufertigen[5721]; solche gaben
sie auch im Tauschhandel an benachbarte Stämme weiter, bei denen
Kupferschmuck eine ähnliche Rolle spielte wie bei den Bewohnern
des südlichen Ostafrikas zur Zeit ~Vasco de Gamas~[5722], bei den
Hottentotten des Kaplandes im 18. Jahrhundert[5723] und bei manchen
Völkern Neuguineas noch gegenwärtig[5724]. Immerhin betrachteten
aber die Indianer das Kupfer ursprünglich doch als Errungenschaft
einer verhältnismäßig jüngeren Zeit, es durfte daher nicht bei
religiösen und Kult-Handlungen angewandt werden, z. B. nicht beim
sog. „Seelentanze“[5725], während es hinwiederum später, als auch
andere Metalle bekannt wurden, selbst als „uralt“ galt und kultischen
Rang erhielt, so daß man z. B. bei der sakralen Zerimonie des „ersten
Haarabschneidens“ nur kupferne Messer für zulässig ansah[5726].
Die falsch gestellte und daher in dieser Form unlösbare Frage, ob
die Menschen früher Kupfer oder Eisen in Benützung genommen hätten,
ist oftmals, nicht selten aber ohne ausreichende Sachkenntnis
behandelt worden[5727]. An dieser Stelle sei vorerst nur bemerkt, daß
Kupfer, trotz seines hohen Schmelzpunktes von 1135°, aus oxydischen
und schwefelhaltigen Erzen +leichter+ abscheidbar ist als Eisen,
daß stark schwefelhaltige Erze unter gewissen Umständen sogar von
selbst metallisches Kupfer auszusondern vermögen[5728], daß sich die
metallurgische Gewinnung und die mechanische Verarbeitung des Kupfers
sicherer und müheloser vollzieht als die des Eisens[5729], endlich
daß eine erforderliche weitere Reinigung durch „Garmachen“[5730]
jedenfalls bei Rohkupfer weitaus einfacher verläuft als bei Roheisen.
Vielfach hat man früher aus diesen Tatsachen den Schluß gezogen, daß
sich überall und allerorten der Steinzeit zunächst eine Kupfer-,
sodann eine Bronze- und erst zuletzt eine Eisenzeit angereiht habe;
man glaubte, ihn einerseits durch die gemachten Funde bestätigt zu
sehen, andererseits durch die antiken Überlieferungen von einem
ehemaligen Kupfer- oder Bronze-, richtiger „Erz“-Zeitalter[5731],
ferner durch die große Rolle des Erzes in Aberglauben und Kult[5732],
durch den Übergang der Bezeichnung χαλκεύς (Chalkeús) vom Kupfer-
und Erz- auf den Eisen-Schmied, usf. Spätere Untersuchungen erwiesen
indessen, daß diese Folgerung viel zu weitgehend und in solcher
Allgemeinheit ebenso unzutreffend ist wie die zugunsten des Eisens
lautende entgegengesetzte. Eine in allen Ländern und bei allen Nationen
gleichartige, oder gar gleichzeitig einsetzende und fortschreitende
Entwicklung erscheint völlig ausgeschlossen, vielmehr hängt deren
Richtung und Verlauf von den verschiedensten Bedingungen ab, namentlich
von den örtlich gegebenen: bei gewissen Völkern, z. B. zahlreichen
afrikanischen, ist daher eine der Eisenzeit vorhergehende Kupferzeit
gar nicht nachweisbar; bei anderen, z. B. einigen westasiatischen, mag
das Kupfer, oft schon frühzeitig mit der Bronze vergesellschaftet,
zweifellos eine langandauernde Rolle gespielt haben; bei noch anderen,
z. B. manchen europäischen, bildet die Kupferzeit anscheinend nur eine
verhältnismäßig kurze Übergangsperiode zwischen Stein- und Eisenzeit,
unter ganz vorwiegender Anlehnung an erstere[5733].
In +Ägypten+ finden sich schon in den vorgeschichtlichen, tief in das
5. Jahrtausend zurückgehenden Hockergräbern der älteren Steinzeit
vereinzelte Geräte aus Kupfer[5734], das aller Wahrscheinlichkeit
nach dem Gebiete des Sinaï entstammte[5735]; dort standen schon
damals im Wadi Maghâra (Höhlental) erst einige wenige, alsbald aber
zahlreichere kleine Öfen in Tätigkeit, für deren Betrieb der hohe
Schmelzpunkt des Kupfers eine künstliche Luftzufuhr durch einfache
Blasebälge zur unabweisbaren Voraussetzung macht[5736]. Den Rohstoff
bildeten die dort reichlich vorhandenen, erdigen, leicht schmelz-
und reduzierbaren Kupfererze[5737], die hauptsächlich aus basischen
Karbonaten, Phosphaten und Hydrosilikaten bestehen und eingesprengte
Lager von Mafek (Grünstein, Malachit), Chesbet (Blaustein, Türkis; dort
ein schwach kupferhaltiges Tonerde-Phosphat), Hämatit (Roteisenstein)
und Pyrolusit (Braunstein, Mangansuperoxyd) führen[5738]; sie zeichnen
sich durch einen bedeutenden, oft einige Prozente erreichenden Gehalt
an Arsen aus, der das Kupfer, das in reinem Zustande weich und
strengflüssig ist, leichter schmelzend, härter und besonders geeignet
für Werkzeuge macht[5739]. Immerhin ist das Gestein im ganzen ziemlich
arm an Kupfer, daher mußte dessen Gewinnung, bei der das gesamte Eisen
in die Schlacke ging[5740], viele Arbeit und große Kosten verursachen,
die sich nur durch den außerordentlich hohen Wert des Metalles zur
Stein- und Holzzeit bezahlt machen konnten[5741]. Die ältesten, im Wadi
Maghâra gefundenen Bruchstücke von Werkzeugen bestehen aus recht reinem
Kupfer, namentlich aus dem härteren arsenhaltigen[5742], und sollen
hierdurch von jenen zu unterscheiden sein, die in späterer Zeit aus
dem Metall einiger im eigentlichen Ägypten (im Fayum?) gelegenen Gruben
dargestellt wurden[5743].
Bis gegen Ende des 4. Jahrtausends gewann das Kupfer nur +sehr+
langsam Boden, so daß von einer merklichen Verdrängung der Steingeräte
frühestens zur Zeit der Thiniten die Rede sein kann, also etwa um
3000[5744]. Seither scheinen die Fortschritte aber raschere gewesen
zu sein; im Totentempel des Königs ~Sahure~ bei Abusir, der gegen
2500 errichtet ist, wurde z. B. eine 400 m lange Wasserleitung
aufgedeckt, deren Röhren, bei 4 cm Durchmesser und 1 mm Wandstärke,
aus getriebenem Kupfer angefertigt sind[5745]; eine Statue des der 6.
Dynastie zugehörigen Königs ~Pepi~ I., gleichfalls um 2500, besteht aus
getriebenen und vernieteten Kupferplatten[5746] und ein Szepter dieses
Herrschers aus reinem Kupfer[5747]. Das nämliche gilt von einigen
anderen aus der Zeit des alten Reiches herrührenden Fundstücken[5748],
meist Waffen, Kunstgegenständen und Werkzeugen[5749], welche letzteren
zum Teil bis 4% Arsen enthalten und sich daher durch bedeutende Härte
auszeichnen[5750]. Nicht zulässig ist jedoch der Schluß, daß umgekehrt
alles aus reinem Kupfer Hergestellte dieser ältesten Periode angehöre,
denn für viele Zwecke, besondere für kultische, dauerte die Benützung
des Kupfers noch bis in späte Zeiten hinein fort[5751]. Um 2300
werden Lanzen mit Spitzen aus Kupfer, neben Pfeilen mit solchen aus
Feuerstein gemalt[5752]; gegen 2000 erwähnen die Verfasser gewisser
Gedichte „Türen aus Kupfer“, und die der „Altägyptischen Sagen“ die
Schätze des Sinaï an Kupfer[5753], das sich auch als unreines schwarzes
(chomt kemi) und als reines rotes, in Gestalt von faustgroßen Stücken,
Platten, Barren und Ziegeln (dobe) annähernd gleichen Gewichtes
verschiedentlich abgebildet findet[5754]. Was unter dem mehrfach
erwähnten Kupfer „von der Farbe des Ein-Drittel-Goldes“, oder „des
Goldes dritter Güte“ zu verstehen ist, bleibt vorerst ungewiß[5755].
Vieles Kupfer gelangte unter der Regierung ~Thutmosis~ III. (1501-1447)
nach Ägypten, und zwar aus Cypern[5756]; was aber die Berichte dieses
ruhmredigen Herrschers als „Abgaben des Königs von Asiy“ (Cypern)
erwähnen und als „Barren, dargebracht von den Keftiu“ (Kretern) im
Bilde vorführen[5757], das erweisen die in Tell-el-Amarna entdeckten
Briefe aus der Zeit ~Amenophis~ IV. (1375-1358) als die zu eigentümlich
gestalteten, viereckig geschweiften Barren und Platten geformte
Handelsware aus Kupfer und Bronze, die um 1500 von den erwähnten
Inseln her nach allen Weltgegenden verschifft wurde und insbesondere
in Ägypten einen Gegenstand steter Nachfrage bildete[5758]. Trotz
dieser verstärkten Einfuhr blieb übrigens Kupfer sehr teuer; noch unter
~Rhamses~ II. (1348-1281) war es so kostbar, daß der König den Göttern
u. a. auch Geschenke an Kupfer darbrachte, daß es neben Gold und Silber
die Schatzkammern der Tempel füllte und gleich den Edelmetallen zur
Bezahlung in Arabien eingekaufter Luxuswaren diente[5759].
Für die sehr alte Bekanntschaft der +Sumerer+ mit dem Kupfer spricht
schon der Umstand, daß bei ihnen unter den Namen der Metalle +allein+
der des Kupfers, urudu, mit keinem zusammengesetzten Ideogramm
geschrieben wird[5760]; von den Metallgöttern, die die Sumerer nach
~Lenormant~ verehrten, soll der Gott des Kupfers der wichtigste und
hervorragendste gewesen sein, und in Hymnen und Inschriften begegnet
man nicht selten Sätzen wie „Dein Ruhm strahle wie Kupfer in hellem
Glanze“, „Dein Übel zerrinne wie geschmolzenes Kupfer“ u. dgl.
mehr[5761]. In den ältesten Schichten der Ruinen von Telloh fanden
sich u. a. eine große Lanzenspitze des Königs ~Lugal~ von Kisch, der
gegen 2900 den König von Telloh bekriegte[5762], eine Votiv-Tafel
und -Statue[5763], sowie verschiedene Hacken und Geräte, sämtlich
aus reinem Kupfer[5764], und ebensolche Götterbilder und Gefäße
kamen aus den vermutlich gleichalterigen Gräbern in Ur zutage[5765];
da aber in beiden Fällen die kupfernen Gegenstände auch schon von
bronzenen begleitet werden, so ist eine reine Kupferzeit für Sinear
bisher nicht nachgewiesen[5766]. Das Metall einer Statue des Königs
~Bur-Sin~ von Ur (um 2600?) enthält 82% Kupfer und 18% Blei, und auch
Kupfer mit 3% Eisen kommt vor[5767], doch lassen solche Zusätze keinen
bestimmten Schluß auf eine spätere Herkunft zu, denn eine Statue des
Königs ~Rin-Sin~ z. B. (um 2200?) besteht wieder aus ganz reinem
Kupfer[5768]. Zur Zeit ~Gudeas~, um 2300, lieferte Kimâs (am oberen
Euphrat?) vieles Kupfer[5769], und unter ~Hammurabi~ und ~Singarid~,
der einen Höchstpreis für dieses Metall festsetzte[5770], war es
billig und diente nur zur Herstellung von Geräten, Instrumenten (auch
medizinischen)[5771], sowie Werkzeugen, u. a. der sog. Doppelbeile,
deren Bestimmung aber auch in anderer Weise ausgelegt wird (s.
unten). Noch später, im 16. Jahrhundert, erscheinen Kupfer- und
Bronze-Gegenstände unter den Ausfuhrwaren Babyloniens nach Vorderasien,
z. B. nach Syrien[5772].
Die +Ägäis+ weist im Palaste von Knossos auf Kreta Metalle nicht in den
ältesten, bis gegen 4000 zurückreichenden Schichten auf, wohl aber
in den der Zeit um 3000 angehörigen, und zwar hauptsächlich Kupfer
(u. a. Schmucksachen aus Kupferdraht, die das Spiralmotiv zeigen), nach
einigen aber auch schon etwas Bronze, so daß eine reine Kupferperiode
nicht gesichert erscheint[5773]. Die Heimat jenes Kupfers ist aber
nicht das metallarme Kreta selbst, sondern offenbar Cypern, das an der
südwestlichen Küste zahlreiche und sehr ergiebige Fundorte besitzt,
während des gesamten Altertumes wegen seiner reichhaltigen Minen und
seiner vortrefflichen Erzeugnisse berühmt war und von der Sage zur
eigentlichen Heimstätte des Bergbaues und der Metallurgie gestempelt
wurde[5774]: sollen doch, wie noch ~Servius~ (5. Jahrhundert n. Chr.)
überliefert, die Korybanten zuerst in Cypern die reichen Erze des
Berges Koryum entdeckt und aus ihnen Kupfer auszuschmelzen gelehrt
haben[5775]. Sehr frühzeitig, schon um 3000, war in Cypern das Kupfer
vorherrschend und diente an Stelle des Steines zur Erzeugung von Waffen
und Geräten, ohne daß jedoch auch hier eine scharfe Trennung von
Kupfer- und Bronzezeit möglich wäre[5776]. Alsbald werden auch gewisse
charakteristische Formen nachweisbar, z. B. die der Doppelaxt und der
eigentümlich gestalteten, nach kyprischen Minen (von 608 g) oder deren
Vielfachen ausgewogenen Barren[5777], die bereits während der ersten
Hälfte des 3. Jahrtausends zur Ausfuhr gelangen; wer diese vermittelte,
von wann an die Phönizier an ihr teilhatten, ob diese wirklich gerade
Cypern erst +nach+ der mykenischen Zeit eifriger besuchten[5778]
und ob +sie+ es waren, die sodann das cyprische Kupfer zuerst nach
Ägypten brachten (s. oben), ist ungewiß[5779]. Bald nach etwa 1600,
sei es infolge politischer Verhältnisse und des Niederganges der
mykenischen Kultur, oder der Fortschritte der Nautik, scheint Kreta zur
wichtigsten Schiffsstation des ägäischen Meeres und zum Mittelpunkte
des gesamten Kupfermarktes aufgestiegen zu sein; dies erklärt die
ganz außerordentliche Verbreitung des Kupfers in Gestalt von Barren
kretischen Gewichtes (der Mine von 618 g und ihrer Vielfachen), sowie
von Doppeläxten[5780], betreff derer vielleicht auch ein Zusammenhang
mit der hohen sakralen Bedeutung der λάβρυς (Lábrys, Doppelaxt) in
Kreta anzunehmen ist[5781].
In +Troja+ tragen die untersten Schichten (um etwa 3300) noch völlig
steinzeitlichen Charakter, scheinen aber bereits vereinzelte kupferne
Erzeugnisse zu enthalten, z. B. sehr dünne Messer[5782]; die folgenden
führen Geräte aus Kupfer, auch gegossene, schon ziemlich häufig[5783],
gleichfalls aber bereits solche aus Bronze, so daß auch hier von einer
reinen Kupferzeit nicht wohl die Rede sein kann[5784]. Grabstätten vom
Charakter der sog. trojanischen Kultur aus der Zeit um 2000 finden sich
auch in einigen Gegenden des inneren Kleinasiens und sind dort nicht
minder reich an kupfernen Werkzeugen, Messern und Nadeln[5785].
Die +mykenische+ Zeit um 2000 besaß eine ausgebildete Kupferindustrie,
verstand das Kupfer nicht nur kalt zu hämmern und zu gießen, sondern
auch zu schmieden, zu treiben, zu löten, zu dünnen Blechen zu schlagen,
zu feinen Fäden zu ziehen, usf., und bildete einen ihr eigentümlichen
Dekorationsstil aus[5786]; Stücke, wie die große zu Mykene gefundene
Kanne, oder wie die Dolche, die aus einem Kupferkerne mit einer
Überfangschicht schwarzen Schwefelsilbers und eingelegten Figuren aus
Gold oder Elektron bestehen, sind als hervorragende Leistungen des
Kunstgewerbes anzusehen[5787]. Der χαλκεύς (Chalkeús), ursprünglich
einfach ein Bearbeiter des Kupfers, später auch Kupfer-Gießer, war
nunmehr zum eigentlichen Kupferschmiede geworden[5788].
Die +Griechen+ lernten vermutlich auch das Kupfer (Chalkós) durch die
Phönizier kennen, die es anfangs als Händler brachten, hauptsächlich
aus Cypern, später aber auch die ersten Bergwerke in Gang setzten,
u. a. die zu Chalkis auf Euböa[5789]; wenn in der Odyssee[5790]
~Mentes~ nach dem kupferreichen (πολύχαλκος) Temesos fährt, um
dort Kupfer einzutauschen, so hat man hierunter nicht Temesos in
Unteritalien zu verstehen (obwohl es auch dort Kupfergruben gab),
sondern Temesos auf Cypern[5791], wobei zu bemerken ist, daß sich
der Name +beider+ Städte vom phönizischen (semitischen) tamassos =
Schmelzhütte ableitet[5792]. Das Wort χαλκός weist übrigens nach
~Curtius~ nicht allein oder vorzugsweise auf Kupfer hin, sondern
eher auf Metall überhaupt, und könnte mit dem semitischen chalaqa =
bearbeiten in Verbindung stehen[5793]. Hierzu würde es stimmen, daß
(wie erwähnt) χαλκεύς anfangs nichts weiter ist als ein „Bearbeiter“
des Kupfers, später aber, so schon bei ~Homer~, auch der irgend eines
anderen Metalles[5794]; als möglich wird aber auch ein Zusammenhang
zwischen χαλκός, dem Kupfer, und χάλκη, der Purpurschnecke,
hingestellt, und zwar mit Beziehung auf die gemeinsame Farbe, nach
der beide die „Roten“ hießen[5795]. Doch bezeichnet χαλκός fast von
Anbeginn an ebensowohl das rote Kupfer wie die goldfarbige Bronze
(Erz), so daß die meisten Litteraturstellen, selbst die berühmte
hesiodische, die vom „Zeitalter des Erzes“ berichtet, eine gewisse
Unklarheit darüber walten lassen, welches von beiden Metallen im
Einzelfalle gemeint sei.
In Italien stehen die +Etrusker+ sehr frühzeitig im Besitze
reichlichen Kupfers, das sie zum Teil aus den ergiebigen, aber bald
erschöpften Gruben der Insel Elba erhielten, zum Teil auf dem Wege des
Seehandels[5796]. Kupfer-Bergwerke waren außerdem in der lokrischen
Ansiedlung Temesos (Temesa) vorhanden, sowie an verschiedenen anderen
Stellen der Halbinsel[5797]; spät (kaum vor 500 v. Chr.) und
verhältnismäßig spärlich findet sich Kupfer in den Grabstätten der
Po-Ebene[5798], was aber vielleicht nur auf besonderen Zufällen beruht.
Im mittleren Italien ist Kupfer, als vorgewogenes Brocken-Kupfer, „aes
rude“ oder „raudus“, schon seit dem 9. Jahrhundert ein wichtiger,
später aber bis zum 3. Jahrhundert herab, ein fast allgemeiner
Wertmesser; allmählich treten hierbei an die Stelle der ungeformten
Brocken Kupfer-Stücke oder -Barren, die schließlich auch gemustert
und wie die römisch-campanischen mit eingepreßten schönen Bildern von
Schweinen oder Stieren verziert werden (daher pecunia = Geld, von
pecus = Vieh, das ursprünglich in natura zur Bezahlung diente). Diese
Umstände machen die einflußreiche Rolle erklärlich, die Worte spielten
wie pendere (zahlen; eigentlich abwägen) und die von aes abgeleiteten
aestimare (bewerten, schätzen; eigentlich mit Erz aufwägen), aerarium
(Erz-Schatz), u. dgl. mehr[5799]. Wie χαλκός, so bedeutet übrigens
auch aes sowohl Kupfer wie Bronze, und es läßt sich nicht stets ohne
weiteres entscheiden, welches von diesen. -- Die Inseln des westlichen
Mittelmeeres sollen in ältester Zeit, früheren Vermutungen entgegen,
nicht viel Kupfer erzeugt haben, ganz außerordentliche Mengen besaß
hingegen +Spanien+, vor allem in den Minen der asturischen Gebirge bei
Oviedo, deren Halden bis in das zweite Jahrtausend zurückreichen[5800],
sowie in jenen der Sierra Morena; aus Tartessos, das die einen für
den Namen einer Stadt, die anderen für die Bezeichnung der ganzen
Südwestküste erklären, holten es die Phönizier schon seit Beginn
ihrer Fahrten nach dem Westen, und es war wohl die älteste und damals
wichtigste Ausfuhrware des Landes.
Über das Auftauchen des Kupfers in +Mitteleuropa+ gehen die Meinungen
der Forscher noch stark auseinander. Schon in Grabresten, die noch
der reinen Steinzeit (um etwa 2500) angehören, finden sich vereinzelt
aus kupfernen Perlen oder Drähten hergestellte Schmucksachen, die
allem Anscheine nach dem Südosten Europas entstammen[5801]; bekannter
wird das Kupfer aber erst gegen 2000 und gewinnt, durch Einwanderer
oder Tauschhändler aus dem Südosten herangebracht, weitere, jedoch
nur langsame Verbreitung[5802], teils in Gestalt von Spangen, Ringen
u. dgl., teils in der von Barren und Beilen[5803]. Diese, namentlich
die Doppelbeile, die ihren ersten Ursprung von sumerisch-babylonischem
Boden her genommen haben sollen[5804], scheinen nach ~Forrer~ zuerst
aus Cypern, seit etwa 1300 aber aus Kreta gekommen zu sein und
zeigen dementsprechend anfangs die cyprischen, später die kretischen
charakteristischen Formen und Gewichte[5805]. ~Regling~ glaubt zwar,
daß ~Forrer~ seine Befunde nicht selten „phantastisch verwertet
habe“[5806], gibt aber doch zu, daß die vermutlich cyprischen
Doppelbeile der sog. Depot- oder Massenfunde, deren etwa 20 aus ganz
Mitteleuropa bekannt sind, zum Teil eingeschlagene Fabriks- oder
Gewichtsmarken tragen und daher „in einigen Fällen justiert worden
sind[5807]; er betrachtet übrigens diese „praktisch unbenützbaren
Formen“ nicht als Werkzeuge, sondern als „Metall in gebrauchsfähiger
Gestalt“, im Sinne von Wertgegenständen oder Geldvorräten, etwa wie die
späteren eisernen „Spieße“ der Spartaner, die ὄβελοι oder ὀβελίσκοι
(Obelisken)[5808]. Nach Nordeuropa verbreiten sich die nach kretischen
Minen abgewogenen, 0,5-3 kg schweren Barren und Doppeläxte nur sehr
langsam[5809], so daß dort die eigentliche Kupferzeit erst erheblich
später einsetzt als in Mitteleuropa, wo sich z. B. um 2000 in den
Pfahlbauten des Mondsees schöne Äxte aus reinem Kupfer bereits in
größerer Zahl vorfinden[5810]; erst im Verlaufe dieser Kupferzeit,
die in Mitteleuropa etwa von 2000 bis 1800 währt, lernt man daselbst
zunächst Kupfer, und zwar fertig zugebrachtes, selbst zu gießen und
nach dem Vorbilde der noch lange in Benützung bleibenden Steingeräte
zu formen[5811], schließlich aber vielleicht auch schon, aus seinen
Erzen an Ort und Stelle zu gewinnen. Ob indessen die Annahme zutrifft,
daß für Kupfer-Bergbau und -Verarbeitung in Ungarn, Deutschland,
den Alpengegenden usf., -- keinesfalls aber in Skandinavien --, ein
derart hohes Alter in Anspruch zu nehmen sei[5812], bleibt immerhin
zweifelhaft; erstens dauert nämlich die Einfuhr von Kupfer in Gestalt
von Ringen kretischen und phönizischen Gewichtes noch nach Beginn des
1. Jahrtausends (der sog. frühen Hallstädter Zeit) fort[5813], und
zweitens reichen die ältesten Kupferbergwerke der Alpen, z. B. die zu
Mitterberg und Kitzbüchel, keinesfalls so weit zurück, wie dies ~Much~
und andere Forscher voraussetzten[5814], sie gehören vielmehr nach den
Untersuchungen von ~Hoernes~ erst der Bronzezeit an[5815].
Widersprechen nun obige Tatsachen einerseits der von einigen Gelehrten
verfochtenen Theorie, der gemäß das Kupfer in Mittel- und besonders
in Nordeuropa einen selbständigen Entstehungskreis besitze, so
sind sie andererseits auch schwer vereinbar mit den Anschauungen
von ~Montelius~, nach denen zwei Verbreitungswege des Kupfers nach
Mittel- und Nordeuropa in Frage kommen sollen, ein östlicher über die
Balkanländer und den Balkan, sowie ein westlicher über das Mittelmeer
und den Boden des heutigen Frankreichs[5816]. Gallien war während des
gesamten Altertums, ja selbst zu römischer Zeit, niemals besonders
reich an Kupfer[5817], wie ja auch von Britannien noch ~Caesar~
behauptet, man mache daselbst nur von eingeführtem Kupfer (aere
importato) Gebrauch[5818]. Falls es nun richtig ist, daß gegen Ende
der Steinzeit gewisse rundköpfige Stämme aus den Hauptsitzen der sog.
Grenelle-Rasse im nördlichen Frankreich über den Rhein und quer durch
Deutschland weithin nach Osten und Norden drangen und daß diese damals
zuerst das Kupfer verbreiteten, in dessen Besitz sie sich bereits
befanden[5819], so fehlt bisher jedenfalls der Nachweis, daß und auf
welche Art sie ihre Kenntnisse aus dem Orient empfingen; woher sonst
sie ihnen zukamen, bleibt aber allerdings ebenfalls im Dunkeln, und so
liegt hier eines der zahlreichen noch ungelösten Rätsel vor, wie z. B.
das betreffs der oben erwähnten Kupferbeile der Charente, die eine
gewisse Zeit lang bis 3% Arsen enthalten, während sie sich nach deren
Ablauf gänzlich arsenfrei erweisen[5820].
Die +Indogermanen+ kennen vor ihrer Trennung und der Zeit der
beginnenden Abwanderung aus ihrer immer noch vielumstrittenen Urheimat,
also um 2500 und gegen Ende der jüngeren Steinzeit, nur +ein+ Metall,
das Kupfer, benützen aber auch dieses nur in sehr beschränktem
Umfange, und zwar in Form von Schmucksachen, Flachbeilen, Dolchen,
Pfriemen, vielleicht auch Sicheln; sie verstehen, es in Steinformen
zu gießen, nicht aber, es zu schmieden[5821]. Nach dem einen Namen
des Kupfers, „ayas“ (lat. aes), der zu den ältesten Bestandteilen des
indogermanischen Wortschatzes gehört, benennen sie später die ihnen
neu bekannt werdenden Metalle, z. B. Gold, als „das gelbe“, Silber
als „das weiße“, Eisen (Stahl) als „das blaue“, nämlich Metall[5822];
ein zweiter Name ist raudhâ oder roudhos, der das Kupfer als das
„Rote“ bezeichnet, aber auch mit dem anklingenden sumerischen urudu
in Zusammenhang stehen soll, -- so wie pereku, das Beil, gr. πέλεκυς
(Pélekys), sanskr. paraçu, mit sumer. balag, assyr. pilakku --,
ohne daß sich aber angeben ließe, wo oder gar wann diese Beziehung
vermittelt wurde[5823]. -- Daß die westlichen +Finnen+ auch vom Kupfer
(rauta, ruda) erst durch indogermanische Nachbarn Kunde erlangt hätten,
trifft nicht zu; sie waren offenbar schon in ihrer alten Heimat,
als die das Ural-Gebiet angesehen wird, mit ihm wohlvertraut[5824]
und erklären es in ihren Volkssagen als das älteste Metall. In der
„Kalewala“ wird daher der Gott ~Ilmarinen~ gleich mit den kupfernen
Geräten des Schmiedes geboren, Kupferschmiede spielen eine große Rolle,
und das Kupfer (nicht aber die ganz unbekannte Bronze) findet unzählige
Verwendungen[5825]; das nämliche ist im „Kalewipoeg“ der Fall, und in
den „Esthnischen Märchen“ gelten u. a. auch kupferne Geräte als „bei
uns zu Lande verfertigt“[5826].
Seit wann in +China+ und +Indien+ Kupfer bekannt ist, und ob man
daselbst eine eigentliche, jener der Bronze vorausgehende Kupferzeit
anzunehmen hat, entzieht sich nach Maßgabe der vorliegenden Funde und
Berichte noch jeder Beurteilung[5827]; die zahlreichen von ~Pfizmaier~
zusammengestellten chinesischen Angaben sind teils unklar, teils
verraten sie sichtlich schon arabische Einflüsse, wie die über das
männliche und weibliche Kupfer, über den „Geist des Kupfers“, über
die fünf farbigen Arten des Kupfers, über die „Blüte des Kupfers“ (=
Grünspan), die gemeinsam mit Zinnober, Kupferlasur, sowie männlichem
und weiblichem Arsen, die „fünf Steine“ bildet, usf.[5828]. In Indien
sprechen die Fundstücke für ein sehr hohes Alter des Kupfers, dessen
Gewinnung seit jeher in den äußerst unvollkommenen, jedoch mit einer
Art Blasebalg versehenen, kleinen Öfen erfolgt sein mag, die daselbst
noch gegenwärtig im Betriebe anzutreffen sind[5829]; bemerkenswert ist
es, daß noch zu Beginn unserer Zeitrechnung ~Strabon~ versichert, die
Indier kennten keine geschmiedeten Kupfergefäße, sondern nur gegossene,
die beim Hinfallen zerbrächen wie irdene[5830].
+Persien+ besaß reiche Kupfergruben, die während des ganzen Altertums
und Mittelalters in dauerndem Betriebe standen, dessen noch 629
der chinesische Pilger ~Hiuen-Thsang~ gedenkt[5831]. Die bei den
Ausgrabungen in Susa zutage gekommenen ältesten Werkzeuge und Nägel
bestehen aus reinem Kupfer[5832], dessen erste Darstellung die
persische Sage in die fernste Urzeit zurückverlegt und dem völlig
mythischen Schah ~Hoscheng~ zuschreibt; in ~Firdusis~ „Schahnameh“
heißt es von ihm[5833]:
„Erz und Gestein er schied mit Verstand.
Zum Werkstoff glänzendes Erz er macht’,
Das er zog aus dem Felsenschacht:
Er kannt’ es und fing die Schmiedekunst an,
Durch die er Beil, Säg’ und Axt gewann.“
Auch in den uralten Vorstellungen vom Weltende, die nach den „Gathas“
genannten Verspredigten im „Avesta“ von ~Zarathustra~ selbst, also
wohl aus dem 2. Jahrtausend, herrühren sollen, spielt das Kupfer
eine wichtige Rolle: neben dem roten Feuer erwähnen sie das rote,
lohende, geschmolzene Metall, dessen glühenden Strom die Auferstehenden
durchschreiten müssen, wobei ihn die Guten als ein laues Bad empfinden,
während er den Bösen die furchtbarsten Qualen bereitet[5834]. In
der jüngeren Fassung des „Avesta“ tritt dann unter den auch schon
den Gathas bekannten sechs iranischen Erzengeln die Gestalt des
~Schahrewar~ auf, des „Oberherrn der Metalle“, des „Herrn der 7
Metalle“, der diese schmilzt, „das Eisen, das Blei und das gemeine
Metall“ (d. i. das Kupfer); im „Bundehesch“ ist er der „Herr der Waffen
und der Waffengewalt“, in den späteren Pehlewi-Texten aber der „Geber
des Reichtums“, nämlich der Metalle, die Geld und Gut darstellen, und
die er am jüngsten Tage durch ein herabfallendes Meteor (?) schmilzt,
wobei sie die Gerechten wie laue Milch umfangen[5835].
Bei den +Arabern+ scheint das Kupfer erst nach der Eroberung Persiens
weitere Verbreitung gefunden zu haben[5836]; sehr frühzeitig wird ein
persischer Klient als Kupferschmied erwähnt[5837], und zur Zeit des
Khalifats sind alsbald große Mengen Kupfer vorhanden, Erzeugnisse
Syriens, Kleinasiens, der südöstlichen Küstenländer des schwarzen
Meeres, Armeniens, Kermans (des alten Karmaniens)[5838], aber auch des
Maghrebs (Westafrikas)[5839] und nicht zum wenigsten Transoxaniens und
Ferghanas, die als ebenso reich an Kupfer gerühmt werden wie an Türkis,
Marienglas, Nûschâdir (Salmiak), Schwefel, Naphtha und zahlreichen
anderen Mineralien, Erzen und Metallen[5840].
Was die +Namen+ des Kupfers betrifft, so sind das sumerische urudu und
das indogermanische ayas bereits oben erwähnt worden; von letzterem
leiten sich das indische ayas ab, das altpersische ayah, das gotische
aiz, das lateinische aes, vielleicht auch das keltische umajo und das
irische umae[5841]. Mit der roten Farbe des Kupfers hängt die zweite
indogermanische Bezeichnung zusammen, raudhâ oder roudhos, und mit
dieser wieder die für Rot und Kupfer im Indischen (rudhira und lôha),
im Altpersischen (ruad und rôdh, wovon neupersisch rôy), ferner das
griechische ἐρυθρός, das lateinische ruber, das gotische raudo, das
altslavische rudru und das südslavische ruda, das lettische raudunes,
das altpreußische rauda, vielleicht auch das finnische rauta oder ruda,
sowie das baskische urreïda[5842].
Für das Wort „Kupfer“ sind einige weithergeholte Etymologien
vorgeschlagen worden, nach ~Ludwig~ z. B. käme es vom semitischen
K’pôr = Deckel, Scheibe, bedeutete also eigentlich Platten- oder
Scheibenkupfer[5843]; nach ~Wilser~ hätten die Römer ihr cuprum der
Sprache nordischer Völker entlehnt, etwa solcher Britanniens oder
Skandinaviens, woselbst die Kupfergewinnung eine ganz außerordentlich
alte sei[5844], -- welche letztere Behauptung übrigens nach ~Hoops~
durchaus nicht zutrifft[5845]. Die größte Wahrscheinlichkeit spricht
vorerst immer noch für die nächstliegendste und natürlichste Erklärung,
der gemäß cuprum von Cypern abzuleiten ist[5846], seiner ältesten
und wichtigsten Gewinnungsstätte, deren hohe Bedeutung auch weiter
fortdauerte, als die Insel 57 v. Chr. in römischen Besitz übergegangen
war: machte doch noch Kaiser ~Augustus~ dem ~Herodes~, der ihm
300 Talente als Gabe dargebracht hatte, ein wahrhaft kaiserliches
Gegengeschenk, indem er ihn mit dem halben Ertrage der cyprischen
Erzgruben belehnte[5847]. Das Griechische besaß ursprünglich keinen mit
Cypern zusammenhängenden Namen für Kupfer, vielmehr hieß dieses einfach
χαλκός (Chalkós), so wie die Bronze, oder zuweilen zum genaueren
Unterschiede von dieser χαλκός ἐρυθρὸς = rotes Kupfer, so schon bei
~Homer~[5848], aber auch noch bei ~Poseidonios~ (um 100 v. Chr.)[5849].
Das Lateinische kennt den nämlichen Ausdruck „aes rubrum“, neben
diesem tritt aber auch „aes cyprium“ auf, das sich z. B. bei ~Vitruv~
findet, ferner „aes cypreum“ (oft bei ~Plinius~), „aes cyprinum“
und „aes cupreum“; „cuprum“ allein (ohne aes), sowie „cuprinus“ (=
kupfern), kommen dagegen erst bei sehr späten Schriftstellern vor,
z. B. bei ~Spartianus~ (4. Jahrhundert), bei ~Palladius~, und einigen
anderen von ~Rossignol~[5850] und ~Blümner~[5851] aufgezählten
Autoren, denen noch der Arzt ~Caelius Aurelianus~ (5. Jahrhundert)
anzureihen wäre, der an einer Stelle „lepida cyprina“ (Kupfer-Schuppen)
vorschreibt[5852]. Die späte Nachweisbarkeit einer Vokabel in der
Litteratur erbringt freilich keine Entscheidung über ihr Alter, es
wird z. B. kaum jemand voraussetzen, daß das Wort vitrum = Glas, für
das bisher ~Cicero~ der früheste Gewährsmann sein soll, erst zu seiner
Zeit plötzlich aufgetaucht sei; so wird wohl auch, neben vielen anderen
als cyprische bekannten Erzeugnissen, das cyprische Erz, aes cyprium,
cypreum, oder cupreum, im Sinne von Kupfer, dem Volksmunde längst
vertraut gewesen, und in der Vulgärsprache abgekürzt „cuprum“ genannt
worden sein, worauf u. a. die Bezeichnung der εἰς κύπρον (in Kýpron, in
Kupfer) Arbeitenden im Maximaltarife des ~Diokletian~ von 301 hinweist
(s. oben S. 274). In ganz ähnlicher Weise ging z. B. der (+nicht+ von
Cypern abzuleitende) Name der Cypresse, der noch bei dem höfischen
~Vergil~ „cyparissus“ lautet[5853], nach Beginn der Kaiserzeit, und
anscheinend gerade unter Anlehnung an „cuprum“ ganz allgemein in
„cupressus“ über, war jedoch schon weit früher in dieser Gestalt
gebräuchlich, was sich hier rein zufällig aus einem Verse des ~Ennius~
(239-169 v. Chr.) belegen läßt[5854]. -- Nichts zu tun hat „cuprum“
mit dem von ~Varro~ als sabinisch überlieferten „ciprum“ = gut[5855]
und mit den etrurischen Städtenamen Cupra maritima und montana; diese
selbst führt man wieder auf eine Göttin ~Cupra~ zurück, in der man
bald die griechische ~Kypris~ erblicken wollte, bald die römische
~Juno~, weil nach ~Pausanias~[5856], der aber hierin schon völlig den
synkretistischen Anschauungen folgt, ~Hera~ auch ~Aphrodite~ genannt
worden sei[5857]. -- Unter den romanischen Sprachen besitzt nur die
französische das von cuprum abgeleitete cuivre; die übrigen nahmen das
vulgär-lateinische „aeramen“ (etwa = Kupferzeug) auf und bildeten, wie
z. B. das italienische „rame“ zeigt, ihre Ausdrücke aus diesem.