Das noch von ~Berthelot~, vermutlich auf das Urteil älterer
Orientalisten hin, als wichtige Quelle früharabischer Alchemie
angesehene sog. „Steinbuch des ~Aristoteles~“ kann zwar als solche,
den neuesten eingehenden Untersuchungen ~Ruskas~[3989] zufolge,
nicht mehr in Betracht kommen, enthält aber immerhin sehr vieles
für die Geschichte der Chemie und Alchemie höchst Merkwürdige und
Beachtenswerte. Das Buch ist nach ~Ruska~ syrisch-persischer Herkunft
und ursprünglich noch vor dem Jahre 850 in arabischer Sprache von
einem mit der griechischen und persischen Litteratur wohlvertrauten
Syrer niedergeschrieben, vielleicht von dem 873 verstorbenen,
berühmten Universalgelehrten ~Honein~ (~Hunain~) ~ibn Ishaq~[3990];
diese erste arabische Fassung, die mehrfach in die hebräische und aus
dieser wieder in die lateinische Sprache übersetzt wurde und nur die
Edelsteine nebst einigen anderen seltenen und auffälligen Steinen
behandelt zu haben scheint, ist als ältestes Dokument arabischer
Mineralogie anzusehen[3991]. Leider blieb sie aber in unveränderter
Gestalt weder im Original noch in Übersetzung erhalten, vielmehr sind
die uns vorliegenden Texte Ergebnisse vielfacher und oft wiederholter
Erweiterungen und Interpolationen, die von sachkundigen, teils
orientalischen, teils spanischen muslimischen Gelehrten herrühren:
diese fügten zunächst die Metalle nebst deren Zubehör ein[3992],
sodann eine stets wachsende Zahl medizinisch, chemisch und magisch
wirksamer oder wirksam geglaubter Steine[3993], und überarbeiteten
schließlich die ganze Schrift in alchemistischem Sinne, ohne aber diese
Absicht offen einzugestehen oder deutlich hervortreten zu lassen[3994].
Als ein „Steinbuch des ~Aristoteles~“ will das Werk offenbar für
die Übersetzung eines griechischen Originales gelten, und indem es
dem ~Aristoteles~ u. a. auch die Kenntnis aller nur möglichen in
Kleinasien, Syrien, Persien usf. vorkommenden Mineralien und ihrer
tatsächlichen oder vermeintlichen Eigenschaften zuschreibt, knüpft
es an eine Überlieferung der „Alexander-Sage“ an[3995]: diese, die
zuerst schon im zweiten vorchristlichen Jahrhundert nachweisbar
wird, läßt nämlich ~Alexander~ den Großen auf seinen sämtlichen
Feldzügen von ~Aristoteles~ begleitet sein, der mit übermenschlicher
Weisheit stets auf den ersten Blick alles Niegesehene erkennt, alles
Unerhörte enträtselt, List und Trug durchschaut und jede drohende
Gefahr abwendet, wodurch er sich in gleichem Maße als Lehrer wie als
Schutzgeist seines königlichen Schülers bewährt. ~Alexander~ selbst
lebt in der Sage nicht nur als größter Eroberer, Feldherr und Herrscher
fort, sondern wird allmählich auch zum Gelehrten, Philosophen[3996],
Arzt, Magiker und Chemiker ersten Ranges; die nötigen Kenntnisse
übermittelte ihm der allbewanderte ~Aristoteles~, der sie selbst
wieder teils dem weisen, aller Künste und Zauber kundigen König
~Salomon~ verdankte, teils dem Verfasser der tausend Bücher, dem
~Hermes~[3997]. Von ~Salomon~ stammte z. B. sein Wissen um jenen „roten
Schwefel“ (= Gold), den die Ameisen für diesen König aus den Felsen
des „Tales der Ameisen“ graben mußten[3998], -- jedenfalls als späte,
von hellenistischer Phantasie gezeugte Nachkommen der märchenhaften
goldgrabenden Ameisen des ~Herodot~; von ~Hermes~ hingegen erlernte
er die Kunde der Steine[3999], sowie die Astrologie, auch übersetzte
er das astrologische Werk des ~Hermes~ ins Griechische und verfaßte
zu dem des ~Ostamahis~ (= ~Ostanes~?) einen Kommentar, den, auf seine
Empfehlung hin, auch ~Alexander~ der Große zu studieren pflegte[4000].
Kaum bedarf es des Hinweises, daß die echten Schriften des
~Aristoteles~ keine Spur von astrologischen Anschauungen enthalten, und
daß ~Aristoteles~ zwar zoologische und (verloren gegangene) botanische
Bücher herausgab, aber keine eigentlich mineralogischen[4001]. Von
seinem Schüler und Nachfolger ~Theophrastos~ rührt zwar eine (nur
fragmentarisch erhaltene) Abhandlung „Über die Steine“ her, und
diese mag, als der Schule des ~Aristoteles~ entstammend, in späterer
Zeit von manchen auch als von ihm selbst verfaßt angesehen worden
sein; doch auch in ihr ist nirgends von den zauberhaften, magischen
und medizinischen Wirkungen der Mineralien die Rede, wie sie sich
z. B. schon bei ~Dioskurides~ geltend machen, bei ~Plinius~ bereits
vorherrschen und die Schriften der hellenistischen Spätzeit, z. B.
die dem ~Orpheus~ zugeschriebenen „Lithika“, die „Kyraniden“ u. dgl.,
völlig erfüllen[4002]. Im wesentlichen beschränken sich die Kenntnisse
des ~Theophrastos~[4003] auf die Silber, Kupfer, Eisen und Blei
führenden Erze; auf Malachit und Lasur, Oker und Rötel, gelbes und
rotes Arsen; auf Bleiweiß, Grünspan und Zinnober, sowohl den natürlich
vorkommenden aus Spanien und Kolchis, als auch den „künstlichen“,
d. h. künstlich aufbereiteten, den ~Kallias~ aus dem „Sand“ der
ephesischen Silbergruben durch wiederholtes Pochen und Waschen als
rotes, prächtig glänzendes Pulver darstellte; ferner auf „Magnetis“,
ein silberglänzendes, vom Drechsler zu bearbeitendes Gestein (wohl
eine Art Glimmer oder Talk), sowie auf den für ein Mineral angesehenen
Bernstein, der Elektron oder Lynkurion genannt wird. [Die schon im
Altertums weitverbreitete Anschauung, „Lynkurion“ sei der zum Stein
verhärtete Harn (οὖρον, Uron) des Luchses (λύγξ, Lynx), erklärt sich
aus einer Mißdeutung des Namens der Lingurier oder Ligurer, in deren
Gebiet eine der uralten nord- und zentraleuropäischen Handelsstraßen,
auf der u. a. auch der Bernstein befördert wurde, die Küste des
Mittelmeeres erreichte.]
Von den über siebzig im „Steinbuche des ~Aristoteles~“ besprochenen
Mineralien sind besonders die nachstehenden, als auch für die
alchemistische Litteratur wichtig, hervorzuheben: +Schwefel+, der als
gelber, roter und weißer auftritt[4004]. -- +Arsen+, Zarnik, Zirnich
[d. i. Schwefelarsen], findet sich als gelbes und rotes, gibt beim
„Verkalken“ eine weiße, tödlich giftige Masse [d. i. Arsenigsäure],
färbt das Kupfer weiß, eignet sich als Zugabe für Feuerwerkssätze
(opera ignea) und liefert mit Kalk, Nura, vereint ein treffliches
Enthaarungsmittel[4005]. -- +Magnesia+ ist [im Sinne von Braunstein]
unentbehrlich für die Glasmacher[4006], färbt auch den Billaur oder
Bellor, aus dem man Gefäße und Brenngläser macht [d. i. eigentlich
Bergkrystall, hier wohl ein Krystallglas][4007]; Magnesia benennen
viele aber auch den schwefelhaltigen Androdámas [= Pyrit][4008],
sowie den glänzenden, Gold und Silber führenden Markasit [= Pyrit,
Kupferkies usf.], von dem es sehr zahlreiche Arten gibt[4009]. --
+Ithmid+, auch Itmad, Ezmit, Azmat, ist Stimmi [d. i. Schwefelantimon,
zuweilen auch Schwefelblei, also Antimon- oder Bleiglanz][4010]. --
+Tutia+ [d. i. wesentlich Zinkoxyd] kommt in vielen, bald weißen, bald
gelben oder grünen Sorten an den Seeküsten von Hind und Sind [d. i. des
nordwestlichen Indiens und des südöstlichen Persiens] vor und ist auch
ein vorzügliches Augenheilmittel[4011].
Aus Kalkand (χάλκανθος, Chálkanthos) und Kalkatar oder Kalkadir
(χαλκῖτις, Chalkítis) entsteht der +Zâdsch+, Vitriol, eine glasartige
Masse von mancherlei Farben (vitrum multorum colorum)[4012]; zu seinem
Geschlechte zählen manche auch den für die Färberei so wichtigen
+Schabb+, Alaun, dessen beste Sorte aus Jemen kommt[4013]. Für alle
diese und viele andere Substanzen gibt es „Spezialisten“, das sind
Gelehrte, die nur eine einzige bestimmte Gattung und deren Anwendungen
behandeln, über diese aber, die nun einmal ihre „Spezialität“ ist,
niemals hinausgehen[4014]. -- Vom gewöhnlichen Salz kennt man ebenfalls
höchst verschiedene Arten, darunter die sehr schöne feste, schneeweiße
(lapis albus sicut nix); merkwürdigerweise sind viele Fundorte des
Salzes auch solche der leicht entzündlichen Naphtha (minerae ignis
graeci = Fundstätten des griechischen Feuers)[4015]. -- Dem Salze
gleichen die +Kali+ genannten Aschen bestimmter „baumhoch wachsender“
Kräuter, die beim Verbrennen durch das Feuer versteinert und verhärtet
werden[4016], ferner das zum Waschen und Reinigen dienliche +Nitron+
oder Natron, eine Abart des Borax[4017], sodann der eigentliche
+Borax+, der aus gewissen Salzseen stammt und sich sehr geeignet
zu Zwecken des Lötens und Schmelzens erweist[4018], endlich auch
in mancher Hinsicht der +Kalk+, Nura[4019]. Ein Salz ist auch der
+Nausadir+ [Nûschâdir, Salmiak; nach ~Lagarde~ armenisch?][4020],
„nasciador qui fit in balneis“, „liscianada quae fit in balneis“[4021],
d. h. „der Salmiak der in den Bädern entsteht“ [nämlich durch
Sublimation, aus dem zum Heizen gebräuchlichen getrockneten Miste,
besonders dem der Kamele]; er ist von heißer und trockener Natur, zieht
viele Stoffe an sich und fixiert daher die Farben und zeigt Weiße,
Farbe und Glanz des Diamanten[4022].
Dieser kostbarste aller Edelsteine findet sich allein in einer völlig
unzugänglichen Felsenschlucht Indiens; ihn aus dieser herauszuholen
glückte erst ~Alexander~ dem Großen, indem er, -- wie schon 392 der
gegen die Ketzer schreibende ~Epiphanios~ erzählt, und wie es 1190
der persische Dichter ~Nizami~ in seinem „Alexander-Liede“ bestätigt
--, mächtige Stücke rohen Fleisches hinabwerfen und sie samt den
anhaftenden Edelsteinen durch große Vögel wieder emportragen ließ.
Der Diamant wird durch Feuer nicht angegriffen, löscht es vielmehr
aus[4023] [vermöge seiner „besonders kalten Natur“]; zum Gold hat er
Neigung und zieht es an wie ein Magnet[4024], hingegen ist ihm das
Blei feindlich, „zerbricht und pulvert ihn“[4025]. [Dieser noch im
Mittelalter sehr allgemein verbreitete Aberglaube rührt vermutlich
daher, daß man Edelsteine aller Art durch An- oder Einschmelzen in
Bleiplatten zu befestigen pflegte, um sie gehörig schleifen und
polieren zu können.]
Unter den +Metallen+, -- deren Schilderung, wie oben erwähnt,
vermutlich erst in späterer Zeit (und wohl gemäß den Angaben
in der Enzyklopädie der „Treuen Brüder“) in das „Steinbuch“
eingefügt wurde[4026] --, ist allein das +Gold+ völlig rein und
unveränderlich[4027], während schon das weiße und glänzende +Silber+
durch Blei oder Quecksilber „verdorben“ und durch Schwefel geschwärzt
wird[4028]. Vom +Kupfer+, Nuhâs[4029], kennt man viele Arten und
verfertigt aus ihm Messing, Sifr[4030], aber auch sonst noch unter
Benützung von Borax, Vitriol und anderen Zutaten allerlei dem Golde
Gleichendes[4031]; kupferne und messingne Gefäße machen Speisen
und Getränke giftig, es ist nämlich in ihnen ein tödliches Gift
„verborgen“, das man mittels Essig „herauszuziehen“ vermag, d. i.
der Grünspan, Zindschar[4032], eine Art Malachit, der aus dem Kupfer
entsteht[4033]. +Zinn+, Rasas[4034], das oft mit Blei verwechselt
oder für Blei angesehen wird[4035], enthält oft etwas Gold oder
Silber und ist selbst eine Art unreines Silber, das man nur von
Weichheit, Gestank und „Geschrei“ befreien müßte, um es in wahres
Silber überzuführen[4036]. Mannigfaltiger Art ist das +Eisen+,
dessen merkwürdigstes Erz, das Magneteisen, im indischen Meere den
berühmten Magnetberg bildet[4037]; man kennt übrigens mehr als zwanzig
verschiedene Magnete, die sämtliche Metalle und auch noch vieles
andere anziehen[4038]. Im Feuer gibt das Eisen roten Eisenrost[4039]
und durch die Kraft gewisser Zusätze wird es zu Stahl, Fûlâd[4040].
Das +Blei+, Usrub oder Rasâs[4041], wird aus Ithmid [= Bleiglanz;
oft aber auch = Antimonglanz] gewonnen[4042] und ist bei völliger
Reinheit frei von Trockenheit, kalt und weich, „zerbricht“ aber
trotzdem den Diamanten[4043]; in ihm verborgen ist das glänzende, zu
Salben nützliche Bleiweiß, Isfîdâdsch (= weißes Wasser), das Essig
schon in der Kälte „herauszieht“[4044], ferner noch die nur durch
Feuer herausziehbare Bleiglätte, Martak[4045], die bei weiterem
Erhitzen rot wird und Mennige, Usrundsch, liefert, aus der man mit
Öl ein Bleipflaster anfertigt[4046]. +Quecksilber+[4047] ist ein
„beschädigtes“ Silber und so schwer, daß alle schwersten Mineralien
auf ihm schwimmen, mit Ausnahme des Goldes; ~Alexander der Grosse~ kam
aber [was auch der Dichter ~Nizami~ erwähnt] auf seinen Zügen an ein
Meer, dessen Wasser ebenso schwer war wie Quecksilber. Selbst sehr
giftig gibt Quecksilber einen noch weit furchtbarer giftigen Dampf; in
„verkalktem“ Zustande macht es das Kupfer weiß[4048], beim Erhitzen mit
Schwefel in verschlossenen Töpfen färbt es sich hingegen rot und wird
dabei zu Zinnober, Zundschufr oder Schandschart, aus dem man es jedoch
durch „Brennen“ in gläsernen Gefäßen wieder „ausziehen“ kann[4049].
Nicht selten wird Zinnober verwechselt mit Mennige und samt dieser
wieder mit Bleiglätte, sowie mit Rötel[4050].
Was die, gelegentlich später Umarbeitungen, in das „Steinbuch“
eingeschobenen +alchemistischen+ Betrachtungen anbelangt[4051],
so besagen sie, daß die Philosophen in dieser Hinsicht allerlei
Andeutungen zu machen, sie aber vor der großen Menge sorgfältig
zu verbergen pflegen[4052]; der (neben anderen Steinen genannte)
„philosophische Stein“ verleiht, wie das die Goldmacher wissen
(sciunt qui faciunt aurum), die Kunst des großen Werkes (scientiam
magisterii)[4053] und findet sich im gemeinen Kot (in luto), und zwar
in zwei Abarten, die weiß und rot sind und die weiße und rote Farbe
(d. h. Silber und Gold) hervorbringen[4054]. Aus Silber (14 Teilen)
erhält man rotes Gold entweder durch Einwirkung von „Satansstein“ (1
Teil), der unter Wasser gelb wie Auripigment aussieht, an sich aber
rot ist und beim Verkalken zu einem Zinnober wird[4055], oder durch
Behandlung mit „Farsalus“, d. i. Aphroselinon[4056] [= Talk, Glimmer;
hier wohl Deckname für ein alchemistisches Präparat]. Der Farsalus
ist überhaupt von wunderbarer Kraft: er fixiert das Quecksilber,
was außerdem auch die Steine „Karsijâd“, „Hâdi“ und „Wollmagnet“
vermögen[4057], er verwandelt Blei und Eisen in Silber und Gold[4058]
und erzeugt aus Kupfer Silber sowie aus Silber Gold[4059]. Kupfer
wird „weiß“ [d. h. zu Silber] durch Quecksilber, durch den Stein
„Baumwollmagnet“[4060] und vor allem durch Zirnich [= Arsen], den
„weißen Vogel“ [avis alba = Arsenigsäure], in dem das „große Geheimnis“
steckt, und der auch „Weiß der Ifrangis“ (Franken) heißt[4061]; Kupfer
und auch Silber wird „rot“ [d. h. zu Gold] durch den „indischen“ Stein
„Hâmi“, sowie durch Schwefel, der es rötet und rot färbt, weshalb
er wichtige Anwendung beim Machen des Goldes findet[4062]; auch
Borax, Vitriol und andere Zutaten ergeben aus Kupfer oder Messing
„Goldähnliches“, das viel billiger einsteht wie echtes Gold, jedoch
nicht feuerbeständig ist[4063]. -- Zu alchemistischen Zwecken dürfte
auch die persische Legierung „Haftdschausch“, d. h. „aus sieben
[nämlich Metallen] gekocht“, bestimmt gewesen sein[4064]; Mischungen,
auch im Sinne von Temperamenten, werden mit „Kîmûsât“ (abgeleitet vom
griechischen χυμοί, Chymoi = Säfte) bezeichnet[4065], die Künste der
Metallgießer aber auch mit „Kîmijâ“, Chemie[4066], zu deren Aufgaben
u. a. das „Auflösen“ (Zersetzen) der Substanzen mittels „Kürbis
und Alembik“ [d. h. durch Sublimation oder trockene Destillation]
gehört[4067].
Wie bereits eingangs bemerkt wurde, ist das „Steinbuch“
syrisch-persischer Herkunft und liefert mit einen wichtigen Beleg zu
der Tatsache, daß die Araber ihre eingehenderen mineralogischen und
namentlich metallurgischen Kenntnisse zuerst den Persern entlehnten,
bei denen sie zur Zeit der arabischen Eroberung (die um 640 stattfand)
also längst vorhanden waren. Demgemäß sind nicht nur die Namen der
Edelsteine u. dgl., sondern auch die der metallischen und mancher
anderen Produkte zu einem großen Teile persischen Ursprunges. Im
ganzen richtig erkannte dies bereits vor fast einem Jahrhundert
~Hammer-Purgstall~, wenngleich im einzelnen viele seiner Vermutungen
durch die Fortschritte der Wissenschaft überholt, jene aber als ganz
unrichtig erwiesen sind, die den Übergang persischen Sprachgutes auch
in das Griechische betrafen. Von den Angaben, daß u. a. zurückgehe:
Amethyst auf Dschemest, Jaspis auf Jascheb, Hyazinth auf Jakut,
Smaragd (arab. Zabargad) auf Smerrud, Lasur (arab. Lazward) auf
Ladschiwerd, Margarita auf Merwarid, Bezoar auf Pâwzahr (armenisch
Fadzuhr) usf.[4068], ebenso wohl auch Türkis auf Turkesa[4069], sind
daher die ersteren sämtlich zu streichen[4070]. Wirklich dem Persischen
entlehnte arabische Worte sind hingegen z. B.: Fûlâd (Stahl), Zindschar
(Grünspan), Usrub und Rasâs (Blei, Zinn), Isfîdâdsch (weißes Wasser =
Bleiweiß), Martak (Bleiglätte; das mittelpersische Wort hat sich im
Arabischen erhalten), Usrundsch (Mennige), Sifr (Messing), Zundschufr
(Zinnober) usw.[4071].