7. Olympiodoros.

(5. Jahrhundert.)

~Olympiodoros~[1093], der als Gesandter des Kaisers ~Honorius~ 412

den Hof des ~Attila~ besuchte und um 425 eine Geschichte seiner

Zeit niederschrieb, gilt auch als Verfasser der Abhandlung „Der

alexandrinische Philosoph ~Olympiodoros~ über ~Zosimos~, ~Hermes~

und die Philosophen“[1094]. Nach dem Sammelwerke des byzantinischen

Patriarchen ~Photios~ (gegen 875) war er hervorragend als ποιητής

(Poietés = Macher, operator), wobei übrigens daran zu erinnern ist, daß

ποίησις (Poíesis) nicht nur das große Werk (μέγα ἔργον) bezeichnet,

sondern in Papyrus-Urkunden auch die Magie überhaupt[1095]; indes

verrät sein umfangreiches aber inhaltsarmes, wirres und schwülstiges

Buch, mindestens in der uns vorliegenden vielfach umgearbeiteten

Gestalt, keine selbständigen praktischen Kenntnisse, vielmehr ergeht

sich die Darstellung, die tiefgehende Spuren gnostischer Einflüsse

zeigt[1096], wesentlich in Betrachtungen allgemeiner Art, sowie in

Berichten über die Tätigkeit früherer Vorgänger, -- die, soweit

sie schon weiter oben herangezogen wurden, hier einer nochmaligen

Besprechung nicht bedürfen.

Zu jenen Vorgängern, den „Alten“, zählen u. a. ~Platon~ und

~Aristoteles~, ~Hermes~ und ~Zosimos~, sowie noch manche andere unter

den Naturforschern oder Physikern (τινὲς φυσικῶν φιλοσόφων) und

„unseren Philosophen“ (ἡμετέροι φιλόσοφοι)[1097]; ihre zahlreichen

Bücher, die sich in der Bibliothek der Ptolemäer befinden[1098],

sind aber in Allegorien abgefaßt[1099], sie sprachen μυστικῶς

(mystisch)[1100], und ihre Worte haben daher einen doppelten

Sinn, einen scheinbaren offenliegenden und einen eigentlichen

verhüllten[1101], den nur die Eingeweihten zu verstehen vermögen.

In den Schriften der wahren ägyptischen Altmeister oder „Propheten“

[= Priester gewisser Klassen][1102] werden sogar zumeist allein

die Theorien (δόξαι, Lehren, Meinungen) behandelt, die praktischen

Anweisungen (ἔργα, Werke, Ausführungen) jedoch verschwiegen[1103]; nach

den Angaben dieser Meister ist der Erfolg abhängig von der genauen

Einhaltung ganz bestimmter Handlungen und Worte, die sie entsprechend

den Regeln der Magie ritualisierten (ἱεράτευσαν)[1104]; denn

ausschließlich mit Hilfe dieser Magie [d. h. des magischen Rituals]

erlangt man die Mitwirkung der Natur, die mehr vermag als die bloße

Bemühung des Menschen, und ausschließlich durch sie überwindet man auch

den Einfluß der Dämonen, z. B. des ~Ophiuchos~[1105], deren Neid und

Bosheit die größten Schwierigkeiten entfließen [1106].

Das Geheimwissen von der Herstellung des Silbers und Goldes aus unedlem

Metall, besonders aus Kupfer, heißt ἔργον τοῦ χαλκοῦ = Bearbeitung

des Kupfers, ἐργασία = Ergasia oder Werk, μεγάλη θεραπεία = große

Therapie, τέχνη τῆς χυμείας = Téchne oder Kunst der Chemie[1107]. Die

Ausübung dieser Techne erfordert Verständnis und Übung, weil allein

Erfahrung die große Meisterin ist[1108], ferner aber auch Kenntnis der

richtigen Augenblicke und günstigen Epochen[1109]. Die eigentliche

Zeit für das „Werk“ ist der Monat Pharmuthi, der Monat der Philosophen

[mensis philosophicus][1110]; in ihm [im März-April] unterwirft man

die fest in Leinenbinden eingewickelten Rohmetalle erst der Tarichéia

(= Einsalzung, Räucherung, Schwelung, Maceration) mittels allerlei

schwefelhaltiger Zutaten und sodann der Kochung im „Meerwasser“, wobei

sie sich aufblähen und „wachsen“ wie Pflanzen (βοτάναι)[1111]. Ziel

der Techne, „um das allein es sich handelt“, ist die Vereinigung des

Männlichen und Weiblichen[1112]. Schon unter den Elementen sind Feuer

und Luft männlichen Charakters (ἄρρην, Arren) und aufwärtssteigend

(ἀνωφερής), Wasser und Erde aber weiblichen und niedersinkend

(κατωφερής), während das Quecksilber, seiner Natur als Zwitter gemäß,

bald ἄνω, bald κάτω strebt, bald nach oben, bald nach unten[1113]; beim

„Werke“ aber hat man das Männliche und Weibliche in seiner lautersten

und wirksamsten Gestalt zu vereinigen, das Rote, ~Adam~, das männliche

Sperma (σπέρμα ἄρρενος = Samen des Mannes oder des ἀρσενικόν, des

Arsens), von den Späteren auch Feuer, Schwefel, Seele geheißen[1114],

mit dem Weißen, der reinen unberührten Jungfernerde[1115] (παρθένος

γῆ; Deckname „Urin der Jungfern“), von den Späteren auch ~Eva~,

Materia prima, Quecksilber, Geist genannt: indem das Männliche, der

χρυσόλιθος (Chrysólithos = golderzeugender Stein) sich dem Weiblichen,

dem göttlichen Wasser, dem Safte (χυλός) oder der Brühe Ägyptens und

Cyperns [= der Kupferschmelze] zugesellt, bewirkt es Zeugung (τίκτει),

und es entsteht Gold[1116].

Die Möglichkeit dieser Umwandlung und mit ihr die der ganzen Techne

beruht in letzter Linie darauf, daß allem Bestehenden ein gemeinsames

Prinzip [die Materia prima] zugrunde liegt, das universeller ist

als die einzelnen Elemente (στοιχεῖα, Stoicheía), das daher unter

geeigneten Umständen in alle Stoffe übergehen, aber sich auch aus

ihnen zurückbilden kann, und das die beharrende Unterlage von Anfang

und Ende des großen Werkes bildet; sein Symbol bezeichneten daher

~Agathodaimon~ und ~Chimes~ mit Recht als identisch mit dem der ganzen,

gleichfalls in endlosem Kreislaufe begriffenen Welt, d. i. mit dem

Drachen ~Uroboros~, oder mit dem philosophischen Ei, dem ἔν τὸ πᾶν

(Eines in Allem; Alles in Einem)[1117]. Die nämlichen Philosophen,

sowie auch ~Hermes~, ~Maria~ und ~Zosimos~, lehrten auch richtig,

daß das πᾶν (= Alles) gegeben sei in unserem Blei, dieser Grundsubstanz

des Silbers und Goldes, diesem philosophischen Ei, das die vier

Elemente zur Einheit verbunden enthält, τὰ δε τέσσαρα ἕν[1118]; dieses

„unser Blei“ (μόλυβδος ἡμέτερος) oder „schwarzes Blei“ (μόλυβδος

μέλας), das bereits ~Demokritos~ aus Bleiglätte oder aus Stimmi

darzustellen empfahl[1119], wünschten die ägyptischen Propheten zu

gestalten, zu realisieren und zu besitzen[1120]. Das natürliche

gemeine Blei (μόλυβδος κοινός) +ist+ schon schwarz, unser Blei aber

+wird+ erst schwarz im Laufe des Werkes und ergibt dabei den ζωμὸς

μέλας, jene schwarze Brühe (Schmelze), die ebenso unentbehrlich ist

zur anfänglichen Mélansis (Schwärzung) wie zur späteren Diplosis: so

erweist es sich als den Schlüssel der Theorie und Praxis, als den

eigentlichen Inhalt der tausend Geheimnisse und tausend Bücher, als das

„seit Äonen Gesuchte“[1121]; es ist die Substanz, „die alles annimmt“,

die in alles übergeht[1122], die das Wesen aller Metalle bildet [d. h.

ihre Materia prima, als die anfangs Blei, später Quecksilber galt],

die das Weiße, Gelbe, Rote und Schwarze in sich hat [d. i. Bleiweiß,

Bleiglätte, Mennige und Schwefelblei][1123], die die Eigenschaften

des Fest- und Flüssigseins besitzt, und deren wertlose und verachtete

Schlacken, auch „Asche der ~Maria~“ geheißen[1124], jenen gleichen,

die beim Schmelzen des Goldes entstehen [wohl bei der Kuppelation mit

Bleiglätte][1125]. So bildet es tatsächlich das Fundament der Téchne

(τέχνη), und wahr bleibt was die Alten und was ~Zosimos~ von ihm

verkündigen: „alles läuft auf das Blei hinaus, das Blei ist unsere

Magnesia“[1126].

Man nennt das Blei auch „Grab des ~Osiris~“, d. i. eine Mumie, fest

in ihre Binden gewickelt, die nur das Antlitz sichtbar lassen; auch

betrachtet man ~Osiris~ [jedenfalls weil seine Neubelebung zur Zeit

der Nilschwelle geschah] als Prinzip der ὑγρὰ οὐσία, des Flüssigseins

(Schmelzens)[1127]; doch versteht man zuweilen unter „unserem Blei“

auch den Schwefel, und in diesem Sinne heißt es „Ὄσιρίς ἐστιν

μόλυβδος καὶ θεῖον“, „~Osiris~ ist das Blei und der Schwefel“[1128].

-- [Das „tertium comparationis“ bei dieser bisher allen Erklärern

völlig rätselhaft gebliebenen Gleichsetzung ist offenbar die leichte

Schmelzbarkeit: in der Tat nennt der Text des Pariser Manuskriptes

2327, dessen Abschrift nach ~Berthelot~ 1478 vollendet wurde[1129],

sowohl Blei wie Schwefel αὐτόρρυτος = „von selbst fließend“[1130] und

gibt für beide das nämliche Zeichen [Symbol] an[1131], zugehörend dem

Typus der „Artabe“, eines vielgebrauchten und oft abgebildeten[1132]

ägyptischen Hohl- und Flüssigkeits-Maßes, und das Ausgießen eines

solchen Gefäßes versinnlichend.]

Das Schwarze, das eine wahre Farbe ist und daher auch mehrere Abarten

hat, und das Weiße, das eigentlich keine wirkliche Farbe vorstellt,

gleichen der Pupille (κόρη, Kóre) des menschlichen Auges, oder auch dem

Regenbogen (ἶρις, Iris) des Himmels, denn nach ~Hermes~ ist der Mensch

ein Mikrokosmos und besitzt alles das ebenfalls, was dem Makrokosmos

zukommt[1133]. In der „feurigen Sphäre“ nun [d. h. beim Erhitzen

oder Schmelzen] zeigt sich das „Schwarze“, „die schwarze Flüssigkeit

unseres Bleies“, als fähig Fixation zu bewirken: durch seine Schwere

zieht es eine „Seele“ zu sich herab, und hierin besteht das große

Mysterium[1134]. Die ihrer +ursprünglichen+ Seele (ψυχή) verlustig

gegangenen Metalle werden nämlich einer +neuen+ teilhaftig durch das

Pneuma, das ihnen zugleich als πνεῦμα βαπτικόν (färbendes Pneuma) neue

Farben und Eigenschaften zuführt[1135] und so ihre Natur in die des

Silbers und „roten Blutes“ (= Goldes) umwandelt[1136], nicht anders,

als wie die „große Medizin“ (μεγάλη θεραπεία) aus dem kranken und

bleichen Blute das gesunde und rote hervorgehen läßt[1137].

Die Kunst (τέχνη, Techne), vermöge deren man aus unserem Blei Gold in

ähnlicher Art gewinnt, wie es in Äthiopien Ameisen aus den Bergwerken

fördern und an das Tageslicht schleppen[1138], schufen die „Alten“,

indem sie ursprünglich Erden, Mineralien und Rohmetalle mit den an

Pneuma reichen Säften der βοτάναι (Botánai) zusammenbrachten, also

mit jenen der Kräuter, Früchte, frischen oder getrockneten Hölzer

usf.[1139]; später benützten sie auch andere pneumatische Stoffe, z. B.

den λιθάργυρος (Lithárgyros = silbererzeugenden Stein), dessen Namen

das rätselhafte Wort mit den vier Silben und neun Buchstaben [s. das

Rätsel des ~Agathodaimon~] in sich schließt[1140]. Die Übertragung

des Pneumas geschieht durch Projizieren (ἐπιβάλλειν = Einwerfen) des

Streupulvers oder Xerions: das (weiße) Arsenikon z. B. weißt hierbei

das Kupfer und ergibt, namentlich bei Zusatz von etwas fertigem

Silber, sehr schönes „Asem“ [hier = Silber][1141], während das (gelbe)

Arsenikon Gold hervorbringt und dabei selbst zu Gold wird[1142].

Von Chemikalien erwähnt ~Olympiodoros~ in erster Linie den Schwefel

(θεῖον, Theíon), der ein „Prinzip der Dinge“ und von so unendlicher

Macht ist, daß niemand seine Wirkungen aufzuzählen vermag[1143];

θεῖα (Theía, Schwefel) heißen aber auch alle die mit ihm verwandten

Substanzen[1144] und alle die, aus denen man ebenfalls das göttliche

Wasser herstellt, τὴν ἐμὴν δρόσον (meinen Tau), τὸ ἀέριον ὕδωρ (das

luftartige, ätherische Wasser)[1145]. Die Wichtigste unter diesen ist

das Arsenikon [= Arsenigsäure], auch στυπτηρία λευκή = weißer Alaun

geheißen[1146], eine weiße, im Feuer sehr flüchtige Masse[1147], die

man durch Rösten von Auripigment und Kobathia [Realgar] und durch

Sublimieren des hierbei entstehenden Rauches (αἰθάλη) gewinnt, und

deren Vermögen, die Magnesia zu weißen, sie zu dem hervorragendsten

Mittel und zu der wichtigsten Grundlage der ganzen Techne macht[1148].

-- Als ψάμμοι (Psámmoi, eigentlich Sande, Mineralien) faßt

~Olympiodoros~ „nach dem Gebrauche der Alten“ die sieben Metalle

zusammen (τὰ ἑπτὰ μέταλλα)[1149]; das „Blei“ aus Bleiglätte und aus

Stimmi [d. i. Antimonsulfid] sieht auch er als identisch an[1150];

Aphronitron (Schaumnitron) erwähnt er als Flußmittel[1151], und es

ist bekannt, daß z. B. das „künstliche Blau“ (κύανος σκευαστός)

des ~Theophrast~ und das „alexandrinische Blau“ des ~Vitruv~ durch

Zusammenschmelzen von Sand, Nitron und kupferhaltigen Zutaten gewonnen

wurden[1152].

Über die benützten Apparate spricht sich ~Olympiodoros~ nur flüchtig

aus; u. a. erwähnt er das von ~Afrikanos~ erdachte gläserne Gefäß zur

Sublimation von Arsenigsäure[1153], sowie einen Ofen (καμίνιον, Kamin)

zur Herstellung von „Smaragd“ [= grünem Glas] unter Beimischung von

„Kupfer-Arsen“[1154].

8. Philosophus Christianus, Stephanos; Herakleios, Justinianus;

Philosophus Anonymus; Pappos, Kosmas; Theophrastos, Hierotheos,

Archelaos; Salmanas, Psellos, Nikephoros.

(6. Jahrhundert und später.)

a) Philosophus Christianus.

Der umfangreiche, aus vielen oft kaum zusammenhängenden Absätzen

bestehende „Kommentar“ des nicht näher bekannten ~Philosophus

Christianus~, nach ~Berthelot~[1155] im 6. Jahrhundert abgefaßt, nach

~Kopp~[1156] vielleicht erst im 7., oder einem noch späteren, geht

zum großen Teile auf gute alte Quellen oder aus diesen kompilierte

Schriften des 5. und 6. Jahrhunderts zurück; so wie er gegenwärtig

vorliegt, weist er aber eine Unzahl späterer und ganz später (in

einzelnen Fällen erst dem 13., ja 14. Jahrhundert entstammender)

Erklärungen und Zusätze, Abänderungen und Einschiebsel auf, deren

zweifelhafter Sinn und unklarer Inhalt sein Verständnis in hohem Grade

erschwert, oder auch ganz unmöglich macht.

Der Verfasser, der diese Dunkelheit wohl selbst bemerkte, entschuldigt

sie damit, daß schon die Schriften der Alten sehr schwierig zu deuten

und infolge der Symbolik von Namen und Vorschriften rätselhaft

seien[1157]; auch hätten die „ägyptischen Philosophen“ manche der

Anweisungen entweder selbst nicht recht gekannt, oder sie aus Neid

und Eifersucht geheimgehalten, oder endlich sie wenigstens hinter

doppelsinnigen Bezeichnungen versteckt, wie „göttliches Wasser“ und

„Arsenikon“[1158], über die erst ~Petesis~ (~Petasios~) mit einer

gewissen, freilich nicht völligen Offenheit sprach und zugleich die

Mengenverhältnisse bei ihrer Bereitung und Anwendung erörterte[1159].

Auf die wichtigeren Zitate des ~Philosophus Christianus~ aus den

„Alten“, den früheren Chemikern, ist schon weiter oben bei deren

Besprechung jedesmal hingewiesen worden; aus Eigenem gibt er so gut wie

nichts, weshalb es an dieser Stelle genügen mag, seine Äußerungen über

die Transmutation als Beispiel anzuführen.

Beim Werke, das sowohl vielerlei Apparate erfordert, u. a. solche

aus Glas von Askalon, als auch vielerlei Zutaten, u. a. κόμμι und

κολοφωνία [Gummi und Kolophonium, das nach der Stadt Kolophon in

Kleinasien benannte Harz; Decknamen][1160], erhält man zunächst

einen schwarzen und unbelebten Niederschlag, μελάνθιον (Melánthion =

schwarze Blüte, Efflorescenz), der ohne Seele und Geist tot daliegt

(νεκρός), und dem man neues Leben (βίος) zuführen muß, damit er zur

ἀργυρο- oder χρυσοζύμη (zur Silber- oder Gold-Hefe)[1161] werde; wie

die Färber mit [ἄγχουσα (Anchusa) und φῦκος (Fucus)[1162], wie die

Indigofärber (ἰνδικοβάφοι) mit ihrem „Lack“ (λαχά), den sie zu einer

klaren und entfärbten Flüssigkeit aufzulösen wissen[1163], so färben

die Philosophen mit Xerion, dessen Name abgeleitet ist vom Namen der

analogen trockenen Pulver der Ärzte (ξήρια ιατρικά), und das, als

eigentlich wirksame Medizin beim großen Werke, zugleich auch die große

Krankheit der Armut zu heilen vermag[1164].

b) Stephanos von Alexandria.

~Stephanos von Alexandria~ war, wie ~Usener~ 1880 nachwies[1165], zur

Zeit des byzantinischen Kaisers ~Herakleios~ (~Heraklius~), der 610

bis 641 regierte, einer der „ökumenischen“, d. h. der im kaiserlichen

Palaste tätigen Meister, und zwar „las“ er, obwohl anscheinend

Mathematiker von Beruf, über Philosophie, -- ein Kommentar zu

~Aristoteles~ ist noch erhalten --, Arithmetik, Geometrie, Astronomie

und Musik, angeblich auch über Astrologie, Chemie usf.[1166].

Seine in mehreren Handschriften überlieferten chemischen Vorträge

veröffentlichte zuerst ~Pizzimenti~ in lateinischer (unzuverlässiger)

Paraphrase als Nr. 4 seines wiederholt genannten Werkes von 1573; das

griechische Original druckte ~Ideler~ 1841 in den „Physici et medici

graeci minores“ ab[1167], anscheinend ohne genügende Sichtung der

Handschriften und auch ohne Beigabe der in Aussicht gestellten Lesarten

und Erklärungen.

~Usener~ ist der Ansicht, daß ~Stephanos~ die Vorlesungen über

Astrologie und Chemie nicht wirklich gehalten haben könne; betreff

der Astrologie[1168] widerstreiten der üblichen Angabe einige

seiner eigenen Äußerungen, und die Chemie, deren Ausübung Kaiser

~Diokletian~ in Ägypten untersagt und durch Verbrennung der Schriften

chemischen Inhaltes unmöglich gemacht hatte[1169], die daher seitdem

als „verbotene Kunst“ galt, durfte er im kaiserlichen Palaste zu

Konstantinopel nicht wohl lehren. Auch der Inhalt dieser Vorlesungen

scheint ~Usener~ dagegen zu sprechen, daß ein Mathematiker von Fach sie

geschrieben habe, und er neigt daher dazu, sie (und auch einige andere

Fragmente) als Pseudepigraphen aus späterer Zeit (etwa um 775) zu

betrachten[1170]. So beachtenswert diese Ansicht auch ist, so scheint

sie doch noch weiterer Vertiefung zu bedürfen, da das Vorhandensein von

Widersprüchen bei Kompilatoren von der Art des ~Stephanos~ keineswegs

vereinzelt dasteht, das Eingreifen des ~Diokletian~ aber wohl kein

gerade der Chemie so feindliches gewesen ist (s. weiter unten), und

überdies seither auch mehrere Jahrhunderte vergangen waren; zudem

soll gerade der Kaiser ~Heraklius~ von besonderer Vorliebe für alle

Geheimwissenschaften erfüllt gewesen sein[1171].

Das Buch des ~Stephanos~, das sich bei den späteren Alchemisten

ganz besonderer Wertschätzung erfreute und auch im arabischen

„Fihrist“ gepriesen wird, vermag indessen solchen hohen Ruf in

keiner Weise zu rechtfertigen[1172]. Seine neun, stets „σὺν θεῷ“

(„mit Gott“) überschriebenen Abschnitte oder πράξεις (Práxeis =

Vorlesungen, Traktate, Handlungen), -- dieses Wort bezeichnet in

den magischen Schriften und Papyrus-Urkunden namentlich auch die

+Zauber+-Handlungen[1173] --, mag man aufschlagen wo man will, man

wird allerorten das Nämliche vorfinden: unklare und weitschweifige

Paraphrasen der „Alten“, die den Mangel jeglicher eigener Sachkenntnis

und praktischen Erfahrung bezeugen; kritikloses Aufzählen und Rühmen

der Autoritäten, ihrer Axiome und ihrer Präparate; schwülstige und

scholastische Darlegungen unverstandener oder halbverstandener

Theorien; wirre mathematische und astrologische Anspielungen, -- dies

alles im Gewande hohler, unbestimmter, oft jedes faßbaren Inhaltes

entbehrender Redensarten und dabei untermischt mit mystischen,

enthusiastischen und religiösen Anrufungen, Ausrufungen und

Deklamationen. Das ganze Werk, -- ~Usener~[1174] bezeichnet es als

Homilie voll geheuchelten, Heidnisches, Mystisches und Christliches

vermengenden „sacri furoris“ --, bietet ein trauriges Beispiel des

letzten und völligen Verfalles einer Wissenschaft unter den Händen der

vielschreibenden byzantinischen Buchgelehrten und Kommentatoren; es

ist geradezu eine Satire auf das hübsche von ~Stephanos~ irgend einem

Vorgänger entlehnte Zitat[1175]: „Die Wissenschaft vermag alles; sie

sieht das Unsichtbare und vollbringt das Unmögliche.“

Genauer auf den Inhalt des Buches einzugehen, -- von dem ~Berthelot~

übrigens keinen Abdruck, sondern nur einen Auszug gegeben hat[1176]

--, lohnt dem Vorstehenden zufolge nicht, es wird vielmehr genügen, auf

einige Hauptpunkte kurz hinzuweisen.

Die alten Chemiker, zu denen u. a. auch ~Platon~ und ~Aristoteles~

zählen, stellten treffliche Grundsätze auf, wie „ἄνω καὶ κάτω“ (nach

oben und nach unten) und „Eines ist Alles, Alles ist Eines“[1177],

erdachten vorzügliche Vergleiche, wie den des großen Werkes mit

der Schlange ~Uroboros~ und den des menschlichen Kopfes mit einem

Destillierhelm[1178], und fanden die Bedingungen auf, unter denen das

große Werk gerät und Gold liefert, das besser und schöner ist als

das natürliche[1179]. Als Ausgangsmaterial benützten sie entweder

Kupfer, das wie ein Mensch Körper, Seele und Geist hat[1180], oder

eine Legierung von vier Körpern (= Metallen), die Magnesia[1181]. Zur

Einleitung der Umwandlung, die auf einem Herauskehren des Inneren

beruht, verbrennt man die Rohstoffe erst zu Asche und betrachtet das

gute Gelingen +dieser+ Arbeit als günstiges Vorzeichen für das der

+gesamten+[1182]; es folgt die Schwärzung, „diese großartige und

bewunderungswürdige Sepsis [hier = Digestion, Maceration] der ~Isis~“,

sodann die Weißung, die sich langsam vollzieht wie das Bleichen von

Geweben, und schließlich die Gilbung[1183]. Diese Operationen erfordern

die Anwendung von Medizinen und Tinkturen[1184], u. a. des Schwefels,

des göttlichen Wassers, des Quecksilbers, das flüssig und heiß wie

Blut ist, sowie des anderen Quecksilbers, das man aus dem „Männlichen“

(Arsenikon) gewinnt, und dessen Name die Lösung vom Rätsel der neun

Buchstaben verbirgt[1185]. Wichtiger und mächtiger als diese alle

ist aber der zauberkräftige Stein [βοτάνη, Botáne, ursprünglich nur

Zauber+kraut+], den unser Land Äthiopien hervorbringt[1186], der

„Stein der Weisen“, „Stein der Philosophen“, der auch etesischer Stein

heißt, der geheim und allbekannt, gemein und kostbar ist, und vermöge

astrologischer Einflüsse der zwölf Zeichen des Tierkreises aus den

Naturen und Farben der sieben Planeten hervorgeht[1187]. Er vollzieht

aber das große Werk, indem er das Männliche mit dem Weiblichen

vereinigt, also das Aktive mit dem Passiven, das Heiße mit dem Kalten,

das Rote mit dem Weißen, ~Hermes~ mit der ~Aphrodite~: „kämpfe

Kupfer! kämpfe Quecksilber!“ In Freuden gesellen sich Männliches und

Weibliches, denn die Natur erfreut sich an der Natur, es erfolgt

Zeugung, und das Gezeugte reift binnen 40 Tagen zu Gold[1188].

c) Herakleios (Heraklios) und Justinianus.

Mehrere anscheinend verschollene Abhandlungen alchemistischen Inhaltes

werden dem „König ~Herakleios~“ zugeschrieben[1189], den einige

Autoren für einen nicht weiter bekannten Chemiker halten, andere aber

für den byzantinischen Kaiser dieses Namens (610-641), der große

Vorliebe für die Geheimwissenschaften gezeigt und den ~Stephanos~ als

Vortragsmeister berufen haben soll; nach dem weiter oben Ausgeführten

dürfte ihm durch diesen allerdings kaum wesentliche Förderung zuteil

geworden sein.

Nicht viel mehr ist über die Werke des ~Justinianus~ bekannt[1190],

die ebenfalls zwar noch in den Inhaltsverzeichnissen gewisser

Handschriften (z. B. des Codex Marcianus) aufgeführt werden, in deren

jetzt vorliegenden Texten aber nicht mehr mitenthalten sind; einige

im „Codex Vossianus“ zu Leiden aufgefundene Bruchstücke handeln von

den Bestandteilen des philosophischen Eies, und zwar ungefähr in der

aus den „Praxeis“ des ~Stephanos~ bekannten und auf dessen Zeitalter

hinweisenden Art.

d) Philosophus Anonymus (Anepigraphos).

Dieser byzantinische Sammler ist, da er den ~Stephanos~ zitiert, für

jünger anzusehen als der ~Philosophus Christianus~, der ~Stephanos~

nicht oder nur an später Einschiebung verdächtigen Stellen nennt,

und wird von ~Berthelot~ in das 7. Jahrhundert versetzt[1191], von

~Kopp~ in das 8.[1192]. Betreff seiner Abhandlung gilt das nämliche

wie hinsichtlich derer des ~Philosophus Christianus~, einige Hinweise

werden daher auch hier genügen.

Die genauen und sicheren Vorschriften zur Ausführung des großen

Werkes gaben die ökumenischen Philosophen und Kommentatoren des

~Platon~ und ~Aristoteles~, von ~Hermes~ angefangen bis auf den

großen ~Olympiodoros~ und ~Stephanos~[1193], am gründlichsten aber

~Demokritos~; die Lehren seiner vier Bücher sind vergleichbar den vier

Haupt- oder authentischen Tonarten der Musiker, während die Mißerfolge

und Fehlschläge (νεκρώσεις = Tötungen, Absterben) den Dissonanzen

und plagalen Schlüssen parallel gehen[1194]. Wesentliche Grundlage

des großen Werkes ist das Blei, das „etesische Metall“ von an sich

kalter Natur, das aber in der Wärme leicht flüssig wird, sich mit

anderen Körpern vereinigt und so die Schmelze ergibt, die, nach den

Worten μῖξις und μίγνυμι (Mischung, mischen), auch „Magnesia“ genannt

wird[1195]; weil die Wärme diese Mischung (σύνθημα) „ausbrütet“, heißt

sie „Ei der Philosophen“, auch besitzt sie die vier Teile, die nach dem

Philosophen ~Xenokrates~ das Ei aufweisen muß, nämlich Schale, Eihaut,

Eiweiß und Eigelb[1196]; das Produkt des großen Werkes bezeichnet man

demgemäß als ὕλη ὀρνιθογονία = das Vogel-Entsprossene, und das im

Laufe der Arbeit aufsteigende Sublimat als ὄρνις = Vogel, denn als die

„Eier“ dieses „Vögelchens“ sind eben die seine Entwicklung (γέννησις

τοῦ ὀρνιθίου) ermöglichenden Bestandteile anzusehen[1197]. Man reinigt

diese erst durch Taricheia und dann durch Waschen, wobei darauf zu

achten ist, daß schließlich so wie beim Waschen des Leinenzeugs,

der Schaum (τὰ σκάμματα) völlig klar abläuft[1198]; die nötigen

Sublimationen geschehen im δίπλωμα (Díploma = Wasser- oder Aschen-Bad),

in passenden Gefäßen, oder auch in geraden, teils einfachen teils

mehrfachen [in- oder übereinander gestellten] Rohren[1199]; die

schließliche Umwandlung erfolgt durch Projektion (ἐπιβάλλειν)[1200].

e) Pappos.

Ein Aufsatz dieses „Philosophen“, der sich außer auf ~Moses~ und

andere Alte auch auf ~Stephanos~ beruft und deshalb in das 7.

oder 8. Jahrhundert versetzt wird[1201], bietet inhaltlich nichts

Bemerkenswertes; eingeleitet wird er von einer Schwurformel, die

Verwandtschaft mit der von ~Isis~ an ihren Sohn ~Horos~ berichteten

zeigt und auf die schon bei Besprechung dieser letzteren hingewiesen

wurde.

f) Kosmas.

Diesen Schriftsteller halten nach ~Kopps~ Bericht Einige für vermutlich

noch dem 7. Jahrhundert angehörig[1202], aller Wahrscheinlichkeit

nach aber mit Unrecht; zum mindesten zeigen seine Werke, so wie sie

jetzt vorliegen[1203], die wohlbekannte Beschaffenheit der späteren

byzantinischen Kompendien, d. h. sie stellen, ohne viel sachliches

Verständnis, allerlei Auszüge aus ~Zosimos~ und anderen Förderern der

Chemie (χυμία)[1204] zusammen, knüpfen daran leere und hinfällige

Betrachtungen, die das stete Sinken des wissenschaftlichen Geistes

deutlich ersehen lassen, und geben sich nicht einmal äußerlich mehr den

Anschein, nach Form und Inhalt irgend einem deutlichen und bestimmten

Ziele zuzustreben. Auf späte Einschiebungen deutet auch das Vorkommen

verschiedener Bezeichnungen hin, die entweder wie σαλόνιτρον[1205]

(Salónitron = Salpeter) und τζαπάρικον[1206] (Tzapárikon = Salmiak,

ursprünglich = Soda, Nitron) Chemikalien betreffen, die den Byzantinern

vor dem 13. Jahrhundert kaum näher bekannt waren, oder die [was

sehr charakteristisch ist!] aus lateinischen Worten umgebildet

sind, wie ῥασούχθη aus „aeramen ustum“ (dem „gebrannten Kupfer“ des

~Dioskurides~)[1207], oder das eben genannte σαλόνιτρον aus „sal

nitrum“.

Grundlage der Metallverwandlung, die nur angestrengte Arbeit, nicht

irgendwelchen Aufwand erfordert, ist auch nach ~Kosmas~ die Magnesia,

so genannt nach dem Mischen und Legieren der Bestandteile, denn

sie ist ein bleihaltiges Gemenge (σύγκρασις), eine Vereinigung der

Substanzen (synousiôsis), die reine und einzig verehrungswürdige

„Weiße“ (μόνη σεβασμία λευκότης), das weibliche Prinzip, der etesische

Stein (λίθος αἰτήσιος), der Molybdochalkos des ~Demokritos~ und

~Olympiodoros~[1208]; auf sie beziehen sich die Worte „wenn nicht

1 zu 3 würde und 3 zu 1, so wäre das All (τὸ πᾶν) ein Nichts

(οὐδέν)“[1209]. Man unterwirft die Magnesia erst „zwecks Einwirkung des

Flüssigen“ der Taricheia[1210] und setzt sie sodann dem zu Fixierenden

aus[1211], und zwar im „Ei der Philosophen“, -- das hier als ein

chemischer +Apparat+ auftritt --, bis sich nach 120tägiger Behandlung

im Pferdedünger die Seele (ψυχή, Psyche) zu entwickeln beginnt[1212].

Als Xerion dient Quecksilber [hier = Arsen], das man zwischen zwei

flachen mit Ton und Eiweiß verkitteten Schüsseln sorgfältig sublimiert

hat[1213]; so erhält man aus dem Kupfer das Silber, „diese σεληναία

ὕλη“ (dem Mond zugehörige Substanz), und weiterhin aus diesem das

Gold[1214].

g) Theophrastos Christianos, Hierotheos, Archelaos.

Die in jambischen (sog. politischen = volkstümlichen) Versen

abgefaßten, die heilige Kunst, ἱερὰ τέχνη, betreffenden Gedichte

dieser Autoren, die ~Kopp~ frühestens in das 8., ~Berthelot~ in das 9.

Jahrhundert versetzt[1215] und die sich in ~Idelers~ „Physici et medici

graeci minores“ abgedruckt finden[1216], sind gänzlich verworren,

inhaltsleer und voll von mystischen, dem ~Stephanos~ entlehnten oder

nachgebildeten Deklamationen und Anrufungen, die z. B. an einer

Stelle des ~Theophrastos~ gleich zwanzig aufeinanderfolgende Zeilen

ausfüllen, deren jede mit einem O! beginnt[1217]. Über den Drachen

dieses Autors, -- den man 20 Tage im Mist halten soll, bis er seinen

Schwanz verschlingt, worauf man ihn schlachtet, seine Galle herausnimmt

und mit ihr weißt und gilbt --, hat sich schon ~Borrichius~ in dem

weiter oben erwähnten „Conspectus“ lustig gemacht[1218]. Das sonst

Vorgetragene beschränkt sich auf die gewöhnlichen Redensarten von

reinem Herzen, von der Gnade Gottes, von den Gebeten und Wohltaten

„zur Abwendung des Neides“, vom Männlichen und Weiblichen, vom Weißen

und Gilben des italischen Kupfers und Stimmis[1219], usf., und es ist

daher ebenso erstaunlich wie bezeichnend, daß gerade diese flachen und

abgeschmackten Gedichte seitens der Nachwelt andauernd hoch in Ehren

gehalten und als besonders wertvoll angesehen wurden[1220].

h) Salmanas.

Nach einer nicht ganz einwandfreien Vermutung, die sich auf gewisse

Angaben des byzantinischen Gelehrten ~Psellos~ (1020-1105) stützt,

soll ~Salmanas~ im 9. oder 10. Jahrhundert gelebt und gewirkt haben;

aus seiner vorgeblichen Schrift, die u. a. zuerst (?) das aus dem

Persischen entlehnte Wort τάλκ oder τάλακ (Talk) zu enthalten scheint,

läßt sich nicht klar ersehen, ob wirklich eine Abhandlung des

~Salmanas~ in Frage kommt oder nur ein Bericht über ihm zugeschriebene

Verfahren[1221]. Diese sollen sich u. a. auf die Herstellung runder

großer Perlen, anscheinend aus mehreren kleineren, beziehen, also auf

einen Gegenstand, den (ebenso wie die Nachbildung von Edelsteinen) die

griechischen Alchemisten nicht selten zu behandeln pflegten; zwar wird

~Salmanas~, -- man weiß nicht von wann an --, als „Araber“ bezeichnet,

da aber die arabischen Quellen und Zusammenstellungen nirgends einen

Alchemisten ~Salmanas~ erwähnen[1222], und die fragliche Schrift auch

allein in griechischer Fassung bekannt ist, so spielt der Beinamen des

„Arabers“ hier vermutlich nur eine ähnliche dekorative Rolle, wie in so

manchen anderen Fällen der des „Persers“ oder „Inders“. Überdies ist

dem Griechischen der Namen ~Salmoneus~ keineswegs fremd, es führt ihn

u. a. schon ein Sohn des ~Aeolus~ und Bruder des ~Sisyphos~[1223].

i) Psellos.

~Psellos~ (Michael Constantinos), der 1018-1078 in Konstantinopel

lebte, daselbst Lehrer der Theologie und Philosophie, vermutlich auch

beamteter Priester war, und vielerlei schriftstellerische Arbeiten

verfaßte, richtete u. a., auf eine Anfrage des Patriarchen ~Xiphilinos~

hin, an diesen einen Brief über die Goldmacherei (Chrysopoiía), in

dem er sich als wohlvertraut mit der überlieferten Literatur zeigt,

nirgends aber, wie man irrtümlicherweise behauptet hat, auf eigene

alchemistische Tätigkeit anspielt[1224]. Dafür, daß die späteren

Byzantiner solche ausübten, fehlen überhaupt noch entsprechende

Nachweise, und die sehr dürftigen Notizen einiger Lexikographen (auf

die weiter unten noch zurückzukommen sein wird) zeugen eher gegen, als

für diese Behauptung. Der Brief des ~Psellos~, der für die Verbreitung

alchemistischer Ideen im westlichen Europa zur Zeit der beginnenden

Renaissance von Bedeutung war, führt die Herstellung des Goldes teils

auf die Behandlung, des „ψάμμος χρυσίτης (goldfarbigen Sandes) der

Ufer“ zurück, teils auf die Anwendung der von den Alten, namentlich

von ~Demokritos~, beschriebenen Verfahren, an deren Vortrefflichkeit

und Untrüglichkeit ~Psellos~ offenbar fest glaubt, deren Schilderung

aber durch seine Darlegungen nicht an Deutlichkeit gewinnt; eine

lateinische, ziemlich willkürliche und nicht ganz vollständige

Übersetzung des Briefes veröffentlichte zuerst 1573 ~Pizzimenti~ als 5.

Teil seines wiederholt erwähnten Werkes.

Eine Anzahl inhaltsarmer alchemistischer Verse, die früher Einige

dem berühmten ~Johannes Damaskenos~ (700-754), Andere dem ~Psellos~

zuschrieben, gehört keinem dieser Autoren an, ist vielmehr vermutlich

von ~Philippos Solitarios~ verfaßt, einem byzantinischen Mönche, der um

das Jahr 1100 lebte[1225].

k) Nikephoros.

~Nikephoros~ identifizieren die Handschriften zumeist mit ~Nikephoros

Blemmydes~, der im 13. Jahrhundert zu Konstantinopel eine geistliche

Würde bekleidete (?)[1226]; da es aber nach ~Berthelot~ für jene

Gleichsetzung an ausreichenden Gründen fehlen soll[1227], +kann+ er

auch viel früher gelebt haben, und der Inhalt seiner nur unvollständig

erhaltenen Schriften[1228] spricht nicht gegen eine solche Annahme.

Sie erwähnen u. a. das Abwägen und das Zerkleinern der Substanzen, zu

dem man μάρμαρον πορφύρεον gebraucht (wörtlich: marmornen Porphyr,

d. i. Porphyrstein, -- auf ägyptischen Ursprung deutend)[1229], ferner

die Magnesia, die auch „gebranntes Kupfer“ oder „Gelbes der Eier“

heißt[1230], endlich den „Stein der Weisen“ (λίθον τῶν σοφῶν), der

aus den vier Elementen „Heiß, Kalt, Trocken, Feucht“ besteht[1231];

dieser „Stein, der kein Stein ist“, stellt das wahre Xerion vor, das

ξήριον ὀξυπορφύρεον [das intensiv rote = goldfarbige], von dem schon

die kleinste Menge, auf Silber projiziert, dieses in prächtiges Gold

verwandelt[1232]. -- An mehreren Stellen wird die Destillation der

vorgeschriebenen Substanzen verlangt und dabei angegeben, daß sich das

Kondensat in einem Glasgefäße ansammeln soll wie bei der Destillation

des Rosenwassers das ῥοδόσταγμα, d. i. das Rosenöl[1233]; die Gewinnung

dieses Öles durch Destillation scheint in Persien spätestens bereits

während des 9. Jahrhunderts in größerem Maßstabe üblich gewesen zu

sein, und die Vorschriften des ~Nikephoros~ bieten daher unter allen

Umständen hohes Interesse, namentlich auch für die Geschichte der

Destillation und ihrer Ausführung.

Entstehung und Ausbreitung der Alchemie, mit einem Anhange · 第 72 / 127 题