9. Technische Abhandlungen und Vorschriften.

(8. Jahrhundert und später?)

Unter dem Titel „Technische Abhandlungen und Vorschriften“ hat

~Berthelot~ eine Zusammenstellung zahlreicher einzelner „industrieller

Methoden“[1234] und „Atelier-Rezepte“[1235] veröffentlicht, die er

den verschiedensten Stellen der von ihm herausgegebenen griechischen

und byzantinischen Schriften entnahm und dadurch völlig ihrem

ursprünglichen Zusammenhange entfremdete, -- dessen Wiederherstellung

einen unverhältnismäßig großen und kaum gerechtfertigten Arbeitsaufwand

erfordern würde. Die betreffenden Angaben erweisen sich nämlich fast

stets als äußerst dunkel und schwerverständlich; ferner entstammen sie

meist weit auseinander liegenden und nicht stets sicher feststellbaren

Zeiten (etwa vom beginnenden 8. Jahrhundert an bis zum 13. oder gar

14.)[1236]; sodann erweisen sie sich, auch wo sichtlich Altes zugrunde

liegt, durch byzantinische Einschiebungen und Zusätze entstellt[1237];

endlich sind sie zu einem großen Teile in jenem barbarischen Griechisch

der späten und ganz späten Perioden abgefaßt, dessen hervorstechendes

Kennzeichen die Benützung lateinischer und romanischer, persischer und

arabischer Worte in gräzisierter Form ist.

Was +Gold+ und +Silber+ anbelangt, so wird deren Bearbeitung und

Verarbeitung, die viele Handarbeit und viel Brennstoff in Anspruch

nimmt[1238], ferner die Gewinnung dünner Blättchen, die Goldschlägerei,

die Herstellung von Goldschrift und Goldbuchstaben[1239] u. dgl. in

einer Art beschrieben, die den (allerdings auch +vor+ ~Berthelot~ von

niemandem bezweifelten) Zusammenhang der betreffenden antiken und

frühmittelalterlichen Verfahren deutlich hervortreten läßt[1240].

Neben dieser „Verarbeitung“ ist aber nicht selten auch von der

„Anfertigung“ der Edelmetalle die Rede: Silber macht man z. B. nach

einer aus dem Tempel des ~Helios~ [= ~Ptah~] stammenden Vorschrift

des Königs ~Salomon~, die eine Anwendung östlichen (ἀνατολικόν)

und westlichen (δυτικόν) Quecksilbers und eine Arbeitszeit von 40

Tagen voraussetzt[1241], Gold aber nach dem Verfahren des „Kaisers“

~Justinianus~ unter Benützung einer Kerotakis und binnen 41

Tagen[1242]. Die Schwärzung vollzieht sich mittels eines Xerions, zu

dessen Bereitung aus „Asche“ ~Isis~ und ~Zosimos~ Anleitung gaben, und

über das ~Zosimos~ auch sagte: „es schwärzt, ohne selbst schwarz zu

sein, aber nicht dauerhaft“[1243]; das Xerion (ξήριον) ist der trockene

(ξηρόν, xerón) Teil des fixierenden Steines (λίθος σφίγγων)[1244],

der die schließliche Umwandlung in Gold bewirkt, die durch Gegenwart

etwas fertigen Goldes sehr gefördert wird. Daher bringt man auch ein

wenig Gold an dem Ende des zur Mischung dienenden Rührstockes an[1245],

-- ein Verfahren, das naheliegenden und frühzeitig erkannten, aber

bis in die Neuzeit hinein immer wieder mit Erfolg benützten Kniffen

alchemistischer Betrüger Tür und Tor geöffnet hat.

Gold „macht“ man auch durch „Färben“ des +Kupfers+ nach persischer

Vorschrift mittels θουθία[1246]. -- Die Überlieferung einer persischen

Vorschrift ist in +diesem+ Falle sicherlich begründet, denn θουθία

= Tutía wird abgeleitet vom persischen Dûd = Rauch, und bezeichnet

das beim Rösten zinkhaltiger Materialien durch eine Art Sublimation

gewonnene Zinkoxyd, dessen Einwirkung auf Kupfer das +Messing+ ergibt;

dafür, daß man diese goldglänzende und goldähnliche Legierung, die

anfänglich wohl durch unmittelbares Verschmelzen von Kupfer oder

kupferhaltigen Erzen mit zinkhaltigen dargestellt wurde, in Persien

schon seit +sehr+ langer Zeit kannte, sprechen u. a. einige Angaben bei

~Aristoteles~.

+Oreichalkon+ (wörtlich = Bergerz), dessen ursprüngliche Beschaffenheit

dahinsteht, gilt den Verfassern der in Rede stehenden Schriften

ebenfalls bereits für +Messing+, denn zu Oreichalkon, gelb wie Gold,

wird das Kupfer außer durch „Safran, Eigelb, Honig, Galle, κορκυμά

(Kurkuma), .... und anderes Gelbes“ auch durch τουτία (Tutía),

durch τάρταρος (Tártaros), der auch als spanische grüne (?) Tutia

gekennzeichnet wird[1247], und durch κόπρος [Kópros, wörtlich Kot,

hier Abfall, nämlich eines Erzes oder Metalles][1248]. -- Wie Kurkuma

(der prächtig gelbe Farbstoff der Kurkuma-Wurzel) und Tutia, so weist

auch Tartaros auf arabische Vermittlung hin, denn „Tartarum“, -- in

dieser Form tritt das Wort im 11. Jahrhundert zuerst auf --, ist

eine durch Volksetymologie entstandene Umbildung des arabischen (vom

persischen Durd abgeleiteten) Dúrdijj, nach ~Tschirch~ „Durdijjun“,

das, ebenso wie κόπρος, einen Abfall, einen Bodensatz bezeichnet,

z. B. den Weinstein, faex vini, τρὺξ οἴνου, so daß die Gleichsetzung

von „Bodensatz“ und „Unterwelt“ leicht begreiflich und naheliegend

erscheint[1249].

Die altbekannte Legierung „aus einem Pfund cyprischen Kupferrostes

und zwei Unzen Zinn“, d. i. +Bronze+, wird bei Schilderung der aus

ihr herzustellenden Gußsachen unter dem Namen βροντήσιον (Brontésion)

erwähnt[1250], der nach ~Berthelot~ hier, in einer etwa dem 11.

Jahrhundert angehörigen Schrift, zum ersten Male in dieser Gestalt

auftritt, soferne nicht schon dem wohl einer byzantinischen Quelle

des 7. bis 10. Jahrhunderts entstammenden Zusatze „ἀπὸ βροτισίων“

(Brotisíon) zu einer Abhandlung des ~Zosimos~[1251] die nämliche

Bedeutung „aus Bronze“ unterzulegen ist (Näheres s. weiter unten).

+Quecksilber+, das sich, wie bereits angeführt, als orientalisches

und okzidentalisches unterschieden findet[1252], liefert bei der

Vereinigung mit Schwefel Zinnober[1253], sowie bei einer besonderen

(ganz unklar beschriebenen) Behandlung die „Sublimat“ genannte

Substanz, die furchtbar giftig ist und sich allmählich schwärzt,

wodurch sie dann unbrauchbar wird[1254].

+Eisen+ härtet man durch Abschrecken in Wasser oder Öl und versteht

es auch zu „färben“, u. a. zu „indischem“ [sog. damasciertem?]

Stahl[1255]; die Namen hierbei angewandter Zusätze werden mit den

arabischen (?), wohl aus +einem+ persischen Ausdrucke entstellten

Worten Elilag, Belilag und Amblag wiedergegeben, deren letzterer

u. a. den Gerbstoff der Myrobalanen bezeichnen soll, vielleicht aber

auch nur als Deckname dient[1256]. -- Auf einer der nicht seltenen

Verwechslungen von Braunstein und Magneteisenstein dürfte die Angabe

beruhen, daß „nach einer in Indien gemachten Entdeckung, die von

den Indern zu den Persern und von diesen zu uns kam“, die weibliche

Magnesia der Glasmacher (ὑελουργική) den Schwertern hervorragende und

wunderbare Eigenschaften verleihe; bei dieser Bearbeitung sollen 4

Pfund Eisen 100 Pfund Kohlen (κάρβωνα, Kárbona) erfordern[1257]. --

Eisen zu vergolden ist man ebenfalls imstande und bedient sich hierzu

eines (nicht weiter bezeichneten) τάρταρος (Tartaros)[1258].

+Glas+ stellt man in allen Farben dar, z. B. πράσινον (prásinon, grün),

κίτρινον (kítrinon, gelb), κυάνεον (kyáneon, blau), ἄσπρον (áspron,

weiß), usf.; zur Entfärbung (Reinigung) benützen die Glasmacher die

μαγνησία τὼν ὑελίνων, μαγνησία ὑελουργική (Magnesia der Glasmacher,

d. i. Braunstein, Mangansuperoxyd)[1259].

+Edelsteine+ „färbt“ man nach den Rezepten des „im Heiligtume des

Tempels gefundenen Buches“, -- eine Angabe, die auf alte Überlieferung

deutet oder deuten soll[1260]. Wie die Färbung der Metalle durch das

Xerion unbedingt eine Vorbehandlung erfordert[1261] und wie das Färben

der Gewebe, z. B. der purpurnen, mit +einer+ einzigen Lösung (die

tränkt, färbt und fixiert) nur dann möglich ist, wenn vorher eine

beizende Flüssigkeit entsprechend eingewirkt hat[1262], so verhält es

sich auch bei den mineralischen Substanzen. Schon ~Demokritos~, ~Maria~

und ~Zosimos~ wußten, daß die Färbung bald nur durch +mehrere+ Zusätze

zu den Lösungen (Schmelzen) geschieht, bald auch nur durch +eine+

Zugabe, je nach dem verlangten Erfolge: entweder braucht nämlich die

Färbung bloß oberflächlich zu sein, dann kann sie zuweilen unmittelbar,

zuweilen mittelbar d. h. unter Zuhilfenahme einer „Beize“, bewirkt

werden; oder sie soll die ganze Masse durch und durch betreffen, dann

muß erstens die Oberfläche erweicht, zweitens die färbende Substanz

aufgebracht, und drittens die Farbe fixiert werden[1263]. Grundlage

aller Färbungen, weil alle Farbstoffe in sich aufnehmend, ist +das+,

was die Griechen κομάρις (Komáris) oder ἀφροσέληνον (Aphrosélenon)

nennen, die Perser und Ägypter aber τάλακ, ταλάκ (Talk)[1264]; dies ist

eigentlich Selenit, Marienglas, die klare und durchsichtige Varietät

des Gipses, soll aber hier jedenfalls eine ebenso beschaffene und

rein weiße Glasmasse bezeichnen, die Färbungen jeden Tones leicht

und gut annimmt oder aufnimmt. Als Farbstoffe, die entweder der

Glasmasse zugesetzt oder [durchscheinenden Lacken ähnlich] nur auf die

fertigen Gläser aufgebracht werden, finden sich genannt: Kupferrost

(ein Kupferoxyd), λαξούριον (Kupferlasur?), ἰσάτις (Isátis), ἄγχουσα

(Anchusa), Drachenblut [rotes indisches Harz], indisches Schwarz (=

ἰνδικόν?)[1265], ferner, nach ~Ostanes~, ~Agathodaimon~, ~Maria~ und

~Moses~ die Gallen des Ichneumons und Geiers, die man zunächst 40 Tage

mit Kupferrost maceriert[1266], sowie Gallen, Schuppen und Knochen

der im Meere lebenden Fische, Wale und Schildkröten[1267]. Da diese

Seetiere des Nachts leuchten, so erhält man mittels ihrer Bestandteile

auch jene kostbaren Edelsteine, denen die nämliche Eigenschaft des

Leuchtens [Phosphorescierens?] im Dunkeln zukommt, z. B. den λυχνίτης

(Lychnítes) und den λαμπηδών (Lampedón)[1268].

Wie alle alten Philosophen lehrten, sind die ὕδατα (die göttlichen

Wässer) und πνεύματα (Pneumata) erfüllt von Kräften voll großartiger

Wirksamkeit, mittels derer man nicht nur Edelmetalle gewinnen kann,

sondern auch +Edelsteine+ und +Perlen+[1269]. Treffliche Vorschriften

zur Darstellung von Perlen, namentlich zum Vereinigen mehrerer kleiner

zu ganz großen, gab ~Salmanas~ der Araber[1270]; soll der Erfolg

ein guter sein, so müssen die nötigen Präparate gewissen [schon dem

~Plinius~ und den Verfassern der sog. „Geopónika“ bekannten] ganz

besonderen Reinigungen unterworfen werden, man verfüttert sie z. B. in

feinverteiltem Zustande an Vögel und gewinnt sie, durch die Verdauung

geläutert, aus deren Exkrementen wieder[1271].

+Seife+ stellt man durch Kochen von Fetten mit Lauge dar[1272]; die

Lauge wird bereitet, indem man Asche in einer Reihe von vier Kübeln

mit Wasser so auslaugt, daß die im Ersten gewonnene Lösung auf die

frische Asche im Zweiten gegossen wird, usw., wodurch die Flüssigkeit

den Letzten in stark angereichertem Zustande verläßt; manche verwenden

mit Vorteil statt gewöhnlichen Wassers Kalkwasser, andere benützen

auch noch Zusätze verschiedenster Art, mineralische, z. B. ἄσβεστον

θειώδη, pflanzliche, ja sogar „Bocksblut“[1273]. -- Den ἄσβεστον θειώδη

(ásbeston theióde) faßt ~Berthelot~ als Schwefelcalcium auf, doch wäre

dessen Gebrauch und Wirkung schwer zu verstehen; vermutlich bedeutet

das Beiwort θειώδη nicht „schweflig“ sondern „göttlich“, und es handelt

sich um gebrannten Kalk, dessen Eigenschaften man sehr allgemein als

höchst wunderbare und magische ansah; zu ihnen zählt u. a. seine

äußerst merkwürdige Fähigkeit, „dem mit Kalk und anderen Zusätzen

behandelten Leinen“ Unverbrennlichkeit zu verleihen[1274].

Sehr unklar und verworren sind einige Mitteilungen über das Brauen von

+Bier+ aus Gerste; das hierbei vorgeschriebene ὕδωρ γλυκύ ist indes

nicht „eau sucrée“, wie ~Berthelot~ glaubt, sondern einfach „süßes

Wasser“ im Gegensatze zu Meerwasser oder dgl.[1275].

Einige Stellen, die neben dem „gewöhnlichen schärfsten Essig“, ὄξος

δριμύτατον κοινόν[1276], auch der +Mineralsäuren+ Erwähnung tun,

gehören jedenfalls zu den Einschiebungen aus spätester Zeit, da

diese Säuren nicht, wie man früher annahm, arabische Entdeckungen

des 8. oder 9. Jahrhunderts sind, vielmehr nachweislich zuerst im

Abendlande und zwar im Laufe des 13. Jahrhunderts bekannt wurden,

also auch nur von dort aus, und nicht vor etwa 1300, nach dem Osten

gelangt sein können[1277]: demgemäß[1278] wird durch Destillation von

σαλονίτριον (sal nitrum, Salpeter) mit Alaun oder Vitriol (χάλκανθος),

von σαλονίτριον mit βιτριόλον ῥωμάνον [vitriolum romanum, römischer

Vitriol, in Wirklichkeit römischer Alaun], sowie von σαλονίτριον mit

diesen Stoffen und mit Salmiak jenes göttliche Wasser (θεῖον ὕδωρ)

bereitet, das als Kondensat den Helm [τὸ καπούτζιν = die Kapuze, ital.

capuccio] verläßt, um sich im Ambix anzusammeln, und ὕδωρ ἰσχυρόν [=

aqua fortis, scharfes Wasser, d. i. Salpetersäure bzw. Königswasser]

genannt wird (λέγεται); man benützt es zum Ausziehen und Abscheiden

des Goldes aus seinen Legierungen [daher „Scheidewasser“], und wenn

man es mit Silber oder Quecksilber in einem Kolben (ἐν βικίῳ) auf dem

Aschenbade (ἐν θερμοσποδίᾳ) erhitzt und dann eindampft, so erhält

man λευκὸν κρύσταλλον, „weiße Krystalle“[1279], [nämlich Silber-

oder Quecksilber-Nitrat]. Auch aus dem Schwefel, der beim Erhitzen

zunächst weich wird und in diesem Zustande zum Abdrücken von Münzen

u. dgl. dient[1280], macht man ὄξος θεῖον, den Essig [= die Säure] des

Schwefels[1281], [d. i. Schwefelsäure].

Das oft 5 bis 6 Stunden dauernde Erhitzen der mit verschiedenen

Stoffen gefüllten und nach Bedarf mit dem Helm (καπούτζις) verbundenen

Gefäße (ἄμβιξ, Ambix) geschieht entweder durch Einsetzen in kochendes

Wasser (ὑγρά κάμινος, wörtlich = Wasser-Kamin)[1282], oder im

Sand- und Aschenbade (ἐν θερμοσποδίᾳ)[1283], oder endlich, je nach

dem erforderlichen Hitzegrade, im Dauerbrandofen (αὐτοματάριον

Automatárion)[1284], im Backofen (ἐν φούρνῳ ἀρτοποιοῦ = im Ofen

des Bäckers; ἐν φουρνελλίῳ, im Bäckerofen)[1285], und im Ofen der

Glasmacher[1286]. Bei der Herstellung der Mineralsäuren ist ein

besonders haltbarer Kitt erforderlich, den man aus reinem gebranntem

Kalk (ἄνθος ἀσβέστης = Blüte des Kalkes), Käsestoff [d. i. Casein],

Haut- oder Knochen-Leim, dicker Hefe oder Eiweiß zurechtmischt[1287].

-- Zum Sammeln und Aufbewahren von Präparaten gebraucht man βυσσία

ὑάλινα, Büchsen aus Glas[1288]; Lösungen klärt man durch Filtrieren

über Werg[1289]; gleichmäßig feine Pulver gewinnt man durch Sieben

mittels πανίῳ μεταξωτῷ[1290], Stoff aus Métaxa = Seidenzeug[1291].

Als Gewichtsmaß, z. B. beim Abwägen von Silber, wird γράμμα (Gramma,

Gramm) erwähnt[1292], als Zeitmaß die Länge des Vaterunsers, ἕως ὥραν

πάτερ ἡμών[1293]; ~Berthelot~ faßte diese Worte in der Bedeutung auf

„bis zur Stunde des Vaterunser-Betens“, doch ergeben sie erstens

in dieser keinen rechten sachlichen Sinn, und zweitens ist es eine

ganz allgemeine Erscheinung, daß die alten, bei kultischen und

Zauber-Handlungen als Zeitbestimmung dienenden Sprüche (z. B. die

λόγοι der Zauberpapyri) später als unerlaubte ketzerische angesehen

und daher durch erlaubte orthodoxe ersetzt werden[1294], oder daß, wie

~Bouché-Leclercq~ es ausdrückt, Religionen, die sich in der Richtung

von Bildung und Moral umgestalten, an Stelle magischer Formeln fromme

Gebete treten lassen[1295].

Aus der Reihe der ungewöhnlichen oder aus fremden Sprachen übernommenen

und umgebildeten Worte seien die nachstehenden als besonders

bemerkenswert hervorgehoben:

ἀέρα = aes (Gen. aeris) = Bronze[1296].

ἀλκίμη, ἄλκιμον = Schmelze, Geschmolzenes[1297].

ἄνθος ασβέστης = Blüte des Kalkes, Ätzkalk[1298].

αντεμόνιον = Antimon[1299], angeblich erschmolzen aus Schwefel und

μαρκαζήτα[1300] = Markasit; Markasit und Magnesia bezeichnen nicht

selten das Schwefelantimon oder Stimmi[1301].

ἀρτζέντο = argentum = Silber[1302].

ἀσήμη = Silber[1303], (als „non signatum“, ungestempeltes?).

βαμβάκη = Bombyx = Baumwolle[1304].

βερδεράμη = ver d’arain [vom spätlateinischen aeramen] =

Grünspan[1305].

βερονίκη = vernix = Firnis[1306]; hat nichts gemein mit dem

Eigennamen Beronika, Veronika, denn dieser ist identisch mit

Pheronike oder Nikophora = die Siegbringende].

βιτρίολον ῥωμάνον = vitriolum romanum = römischer Vitriol; in

Wirklichkeit römischer Alaun[1307].

βοράχη, βόραχον = Alkali, später = Borax[1308].

γλυκόριζον = Süßholz[1309].

διάργυρος = Quecksilber[1310].

καπούτζις = Kapuze (ital. capuccio) = Helm, Deckel[1311].

κόρκομα, κούρκουμα = Kurkuma (gelber Farbstoff)[1312].

λαζούριον = Lasur (Kupferlasur? pers. laǰwerd, laǧwerd)[1313].

λεμόνη = Lemone, Citrone[1314].

λουμπάρδις = Metall der „Lombarden“ = Bronze[1315]; [„Lombarden“

heißen schon gewisse größere Wurfgeschütze aus älterer Zeit].

μανδίλιον = ein Stück Tuch[1316], [= Mantille].

μαρκαζήτα = Markasit[1317].

μάρμαρον ῥωμάνον = römischer Marmor; ἐπὶ μάρμαρον πορφυροῦν = auf

Marmor feinreiben[1318] [franz. porphyriser].

μβουράζω = Borax[1319], s. oben.

μέταξα = Seide[1320].

μόλυβδος ἔγχαλκος = kupferhaltiges Blei[1321]), [Legierung].

μόλυβδος δελματήσιος = Blei aus Dalmatien (?); ähnlich σαβυήσιος aus

Illyrien (?) und σαρδιανός aus Sardinien[1322].

μονοβασία, ein griechischer Wein = Malvasier[1323].

νατήφ der Araber, eine rote Farbe, auch „Rot der Palmen“, [wie φοίνιξ

= Palme, Rot, rotes Schwefelantimon usf.][1324].

νεράντζη, νεράντζιον (persisch) = Orange[1325].

σάλγεμα = sal gemmae = Steinsalz[1326].

σαλονίτριον = sal nitrum = Salpeter[1327], [ital. salonitro].

σαπώνιον, σαπουνίον, σαπόνη, σάπωνον = Alkali, später Seife[1328];

daher σαπονίζειν = reinigen, abseifen.

σηπίας ὄστεον = Sepia-Knochen[1329].

σουλίμα = sublimatum = Sublimat[1330].

τάρταρος = Tartarus[1331], (ein Abfall, Bodensatz).

τζαπαρικόν = Alkali, später Salmiak[1332], [verwandt mit σάπωνον?]

τουτία, θουθία = Tutia[1333] [Zinkoxyd u. dgl.].

φλουρία βενέτικα = florinus veneticus = venetianischer Gulden =

Dukaten[1334].

φοῦρνος, φουρνέλλιος = furnus, Bäckerofen[1335] (franz. fournil).

Zweiter Abschnitt.

Die Quellen der alchemistischen Lehren.

Entstehung und Ausbreitung der Alchemie, mit einem Anhange · 第 73 / 127 题